Mittwoch, 15. Juni 2011

Missbrauch: Richter kritisiert Jugendamt im Schwalm-Eder-Kreis

Schwalm-Eder. Der Fritzlarer Richter Gerhard Lohr kritisiert das Jugendamt Schwalm-Eder: Dieses hat den Verdacht des sexuellen Missbrauchs an einem Mädchen nicht der Polizei oder Staatsanwaltschaft gemeldet. Das Jugendamt müsse den Fall zwar nicht melden, sagt Lohr.

„Ich verstehe aber nicht, dass solche gravierenden Vorwürfe nicht weitergeleitet wurden“, sagt der Richter am Amtsgericht.

Einem Mitarbeiter der Krankenkasse waren im März 2010 Belege über Arztbehandlungen aufgefallen, die auf einen Missbrauch des Mädchens schließen ließen. Daraufhin informierte die Kasse die Staatsanwaltschaft Kassel „Ohne diesen gemeldeten Verdacht wäre der Fall nicht vor Gericht gekommen“, sagt Lohr. Das Jugendamt Schwalm-Eder war auf HNA-Anfrage am gestrigen Dienstag zu keiner Stellungnahme bereit.

Viermal hatte sich ein 31-Jähriger aus dem Landkreis im Jahr 2007 an der Tochter seiner Freundin vergangen. Er wurde zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt.

Zwischen den Missbrauchsfällen im Jahr 2007 und der Meldung der Krankenkasse 2010 lagen drei Jahre. „Ein langer Zeitraum zwischen der Tat und der Gerichtsverhandlung kann sich begünstigend für den Angeklagten auswirken“, sagt Lohr. Wäre es früher zu einem Prozess gekommen, hätte das Urteil laut Richter Lohr härter ausfallen können.
In einer Presseerklärung von Landrat Frank-Martin Neupärtl vom Freitag heißt es: „Dem Jugendamt wurde der Verdacht des sexuellen Missbrauchs am 1. Oktober 2008 bekannt. Noch am selben Tag wurde das seinerzeit acht Jahre alte Kind in Obhut genommen.“

Neupärtl stellt weiter fest: „Das Jugendamt des Schwalm-Eder-Kreises hat alle zum Schutz und zur Hilfe für das betroffene Kind erforderlichen Maßnahmen unverzüglich ergriffen und wirksam umgesetzt.“


http://www.hna.de/nachrichten/schwalm-eder-kreis/fritzlar/missbrauch-richter-kritisiert-jugendamt-schwalm-eder-kreis-1283600.html

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