Montag, 13. Juni 2011

Moderne Erziehungshilfe - Marte Meo / "Eltern als Versager hinzustellen, hilft weder ihnen noch ihren Kindern"


Moderne Erziehungshilfe: Marte Meo zeigt Familien, wo ihre Stärken liegen

von Birgit Ahlert

Erziehungsprobleme in Familien sind keine Seltenheit. Allein die Erziehungsberater vom Verein Die Brücke betreuen im Auftrag des Jugendamtes zeitgleich 35 Familien und Einzelfälle. Als erste in Magdeburg wenden sie dabei das Prinzip von "Marte Meo" an, das in den Niederlanden entwickelt wurde.

Magdeburg. "Was Eltern falsch machen, hören sie ständig von allen Seiten", sagt Dr. Ursula Stradmann, "sie fühlen sich dann als Versager, was ihnen im Umgang mit ihren Kindern keineswegs hilft". Deshalb gehen Stradmann und ihr Mitstreiter Steffen Schleinitz einen anderen Weg: "Wir zeigen den Eltern, was sie richtig machen – und das können sie dann aus eigener Kraft ausbauen."

Aus eigener Kraft, das ist das "Zauberwort": Es heißt Marte Meo (lateinisch) und so nennt sich eine hierzulande neue Methode der Erziehungsberatung. In Holland wird sie bereits seit Jahrzehnten erfolgreich praktiziert. Dort wurde sie Ende der 1970er Jahre von Maria Aarts entwickelt, in deren Institut Steffen Schleinitz und Ursula Stradmann eine Ausbildung machen. Die beiden arbeiten seit Jahren im Verein Die Brücke und in der Ambulanten Erziehungshilfe (Familien und Einzelpersonen werden vom Jugendamt dazu vermittelt) . Dabei haben sie bereits viel erlebt. Sie wissen: "Es gibt Situationen, da helfen Worte nicht mehr." Als sie auf die Methode "Marte Meo" stießen, waren sie angetan: Auf recht einfache Weise kann die gestörte Eltern-Kind-Beziehung wiederhergestellt werden. Die "intuitive Elternschaft" stecke in jedem, sagt Ursula Stradmann, "viele haben sie jedoch vergessen". Viele Eltern schaffen es nicht mehr, ihr Kind wahrzunehmen. Fühlen sich Kinder nicht beachtet, wollen sie auf sich aufmerksam machen, z.B. durch auffälliges Benehmen. Auch Ängste und Aggressionen entstehen. Stradmann: "Wichtig ist, das Kind wahrzunehmen, seinem Handeln zu folgen und was es bewegt zu benennen."

Wie das geht, zeigen die Erziehungshelfer den Eltern per Video: Gedreht werden Alltagssituationen wie Essen oder Spielen. Kurze Ausschnitte davon werden den Eltern gezeigt. Sie können ihre Schlussfolgerungen daraus ziehen, was sie sehen. "Im Gegensatz zur ,Super-Nanny’ zeigen wir nicht, was die Eltern nicht können", betont Ursula Stradmann. "Das hören sie tagtäglich schon von vielen Leuten". Gezeigt wird, was sie gut machen. Das stärkt. "Darauf sind sie dann stolz", ergänzt Steffen Schleinitz, und sie kommen von allein darauf, wie es in der Familie besser laufen kann. Marte Meo heißt: aus eigener Kraft verstehen und umsetzen.


Seit gut einem Jahr praktizieren die beiden die Marte-Meo-Methode und sind begeistert: "Nach allem, was wir gelernt und studiert haben, scheint diese Methode so einfach und doch so wirkungsvoll." Deshalb will der Verein das Angebot möglichst ausweiten, sagt Brücke-Chef Steffen Hickisch. Noch geht die Erziehungshilfe generell über die Jugendämter. "Wir haben aber auch schon Anfragen von Eltern, aus Kitas und Jugendklubs, die Marte Meo kennenlernen und nutzen möchten." In anderen Ländern wird die Methode bereits in Kitas, Schulen und sogar in der Altenpflege angewandt.



http://www.volksstimme.de/vsm/nachrichten/lokalausgaben/magdeburg/magdeburg/?em_cnt=2038777

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