Freitag, 5. August 2011

Jugendamt - Hilfe für überforderte Mütter?

VON ANDREA HÜTTENHÖLSCHER

Bünde. Große Herausforderungen warten täglich auf Nicola Waskowiak aus Kirchlengern. Seit einem Jahr arbeitet die 41-Jährige als Familien-Hebamme und betreut sozialschwache Familien in ihrem Alltag. Mit einer finanziellen Unterstützung für den Einsatz von Familien-Hebammen will Bundesfamilienministerin Kristina Schröder ab 2012 auf die Fälle von Kindstötungen in den vergangenen Jahren reagieren.

Den schrecklich zugerichteten Körper des kleinen Kevin fanden Polizisten in einem Kühlschrank in Bremen. Jessica verhungerte nach einem jahrelangen Martyrium in ihrem Kinderzimmer in Hamburg. Der neun Monate alte Leon verdurstete in Thüringen. Diese Fälle lösten bundesweit Entsetzen aus. Bis 2015 will die Regierung 120 Millionen Euro bereitstellen, damit Familien-Hebammen frühzeitig Hilfe leisten können.


Als Familien-Hebamme setzt Nicola Waskowiak mit ihrer Arbeit da an, wo die Arbeit einer normalen Hebamme endet. "Wir kümmern uns um Mütter, die auch nach den üblichen acht Wochen Unterstützung im Alltag benötigen", sagt Waskowiak. Betreut werden beispielsweise minderjährige Mütter, psychisch kranke Frauen und Familien mit Sucht- oder Gewaltproblemen. Ziel ist es, dass die Mütter nach gut einem Jahr Betreuung ihren Alltag mit Kind selber meistern können.

17 Jahre lang arbeitete Waskowiak als Hebamme und betreute gesunde Frauen vor, während und nach der Geburt. "Aufgrund der immer höher werdenden Versicherungen, konnte ich es mir nicht mehr leisten als Hebamme zu arbeiten, deshalb entschied ich mich für die Fortbildung zur Familien-Hebamme."

Vor einem Jahr beendete sie mit drei anderen Hebammen aus dem Kreis Herford die einjährige Fortbildung. In dem Jahr lernten die Hebammen unter anderem, wie sich eine Alkohol- oder Drogensucht auf Mutter und Kind auswirken kann und wie sie therapeutisch mit den Frauen arbeiten können. Außerdem lernten die Teilnehmerinnen, wie sie sich ein Netzwerk von Ärzten und hilfreichen Institutionen, wie Beratungsstellen oder Gesundheits- und Sozialämtern aufbauen. Mittlerweile arbeitet Waskowiak auf Honorar-Basis mit den Jugendämtern Löhne und Bad Oeynhausen. "Pro Besuch bei einer Mutter erhalte ich eine Pauschale von 44 Euro, die Zeit spielt dabei keine Rolle", sagt die Familien-Hebamme. In der Woche betreut sie ein bis zwei Frauen, die sie regelmäßig besucht. Insgesamt habe sie bisher ungefähr zehn Mütter betreut, schätzt sie.

Oft vermitteln die Jugendämter ihr die Mütter, manchmal sind es auch andere Hebammen. "Manche Frauen sind glücklich über die Hilfe, andere wollen sie aus Angst vor dem Jugendamt nicht annehmen", sagt Waskowiak. Denn die Mütter, die nicht vom Jugendamt vermittelt werden, müssen für die Kostenübernahme einen Antrag beim Jugendamt stellen. Das schreckt ihrer Meinung nach ab.

Auch das Bünder Jugendamt würde gerne mit einer Familien-Hebamme zusammenarbeiten. "Der Einsatz von Familien-Hebammen ist ausgesprochen hilfreich, sie können ein viel besseres Vertrauensverhältnis zu den Frauen aufbauen als wir", sagt Jugendamtsleiterin Ingrid Wolff. Deshalb hofft sie auf die finanzielle Unterstützung durch die Bundesregierung. Nach der Sommerpause wird im Bundestag erneut über den Gesetzentwurf debattiert werden, bisher stieß er bei den Fraktionen auf eine große Zustimmung.


http://www.nw-news.de/lokale_news/buende/buende/4803094_Hilfe_fuer_ueberforderte_Muetter.html

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