Montag, 29. August 2011

Rosenheim - zwölfjähriger Manuel bleibt im Heim


Sexuell auffälliges Kind wird weit entfernt von zu Hause therapiert

Rosenheim - Der zwölf Jahre alte Manuel muss weiter in einer geschlossenen Einrichtung für sexuell auffällige Jugendliche in der Nähe von Münster bleiben. Das Amtsgericht Rosenheim bestätigte in einem Beschluss nach mündlicher Verhandlung seine entsprechende Entscheidung vom 21. Juli 2011. Nach Auskunft des Rechtsanwalts seiner Großmutter Erika (beide Namen geändert) ist der Aufenthalt vorerst bis 30. September begrenzt. Für die nächste Runde im Gerichtsverfahren um den Buben, der vier Jahre in einem Heim im Raum Rosenheim gelebt hat, müssen die Großmutter und ihr Rechtsbeistand wohl nach Coesfeld reisen, dem zuständigen Amtsgericht der Anstalt in Nottuln bei Münster.

'Das Jugendamt wies völlig überraschend nach mehreren Stunden Verhandlungen in Rosenheim darauf hin, dass das Verfahren auf seinen Antrag hin an das Gericht am jetzigen Wohnort des Buben gehen werde', sagt Anwalt Rainer Wiedermann. Er hält das Vorgehen vom zuständigen Jugendamt München und die Gerichtsbeschlüsse für völlig überzogen. 'Hier liegt eine Grundrechtsverletzung vor, man greift in die persönliche Freiheit des Kindes ein.' Manuel lebt seit Ende Juli in einer Gruppe sexuell auffälliger Jugendlicher. Nachts und an einem Nachmittag wird seine Zimmertür zugesperrt. Telefonieren mit Angehörigen dürfen die Jugendlichen nur Freitag und Samstag zu verbindlichen Zeiten.

Bis wenige Tage vor Ende des Schuljahres lebte Manuel in einer therapeutischen Einrichtung in Rosenheim. Dort wollte man ihn nicht mehr haben, weil sich seine sexuellen Auffälligkeiten verstärkt haben sollen. Er benutzte nicht nur vulgäre Ausdrücke, sondern ahmte eindeutige Posen nach und Griff anderen Mädchen und Buben an Geschlechtsteile. Warum der Richter unter 'Gefahr im Verzug' den Buben 600 Kilometer weg von seiner einzigen Bezugsperson, seiner Großmutter, schickte, ist bisher unklar. Heim und Jugendamt äußern sich nicht.

Der Anwalt der Großmutter, die sich nicht gegen eine therapeutische Behandlung des Buben wehrt, sondern gegen die Unterbringung in einer geschlossenen Anstalt in solch großer Entfernung, bekommt nach eigenen Angaben keinen Einblick in die Unterlagen des Jugendamtes. 'In vergleichbaren anderen Fällen bekomme ich die', sagt Rainer Wiedermann. 'Wenn wir sie einklagen, bringt das jetzt nichts: Das kann ein Jahr dauern.' Er vermutet, dass das Jugendamt 'schlampig gearbeitet hat', weil es versäumt hat, rechtzeitig einen neuen Platz zu suchen. Ungewöhnlich erscheint ihm auch, dass Manuel trotz der beschworenen Gefahr die Pfingstferien bei seiner Großmutter verbringen durfte. Und offenbar bis wenige Wochen vor der plötzlichen Abholung aus dem Heim überlegt wurde, Manuel mit ihr in den Sommerferien verreisen zu lassen. Es sei, so Wiedermann, auf Bitte der Oma sogar ein vorläufiger Personalausweis für Manuel ausgestellt worden. Er trägt das Ausstellungsdatum 14. Juli 2011. Heiner Effern


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