Sie haben mir dreimal Haus und Existenz umgeworfen, mich von jedem Einstigen und Vergangenen gelöst und mit ihrer dramatischen Vehemenz ins Leere geschleudert, in das mir schon wohlbekannte „Ich weiß nicht wohin“. Aber ich beklage mich nicht; gerade der Heimatlose wird in einem neuen Sinne frei, und nur der mit nichts Verbundene braucht auf nichts mehr Rücksicht zu nehmen. So hoffe ich wenigstens eine Hauptbedingung jeder rechtschaffenen Zeitdarstellung erfüllen zu können: Aufrichtigkeit und Unbefangenheit.

Quelle: Stefan Zweig, Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers, Anaconda Verlag 2013, S. 9f.

http://www.ipetitions.com/petition/kinderrechtejetzt/


Mittwoch, 17. August 2011

Schweigende Ämter, eine tote und zwei schwer traumatisierte junge Frauen?

JÜRGEN NIERSTE

Der vielfache Missbrauch, den der Angeklagte Dieter D. im Jahr 2003 beging, war schon seit 2004 beim Löhner Jugendamt und dem Familiengericht Bad Oeynhausen bekannt. Beide erstatteten gegen Dieter D. keine Anzeige. Sieben Jahre lang herrschte völliges Schweigen. Erst der Freitod eines der drei Missbrauchsopfer führte ab 2010 zu Ermittlungen.

Jugendämter und Familiengerichte unterliegen strengem Datenschutz und äußern sich deshalb öffentlich nicht. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft haben sie aber - rein rechtlich gesehen - in diesem Fall wohl alles richtig gemacht.

Tatsächlich? Eine tote und zwei schwer traumatisierte junge Frauen, die das Geschehen bis heute nicht verarbeitet haben: "Alles richtig gemacht" ist da doch blanker Hohn.

Rechtlich sind Jugendämter und Familiengerichte bislang nicht verpflichtet, Missbrauchsfälle anzuzeigen.

Die fürchterlichen Konsequenzen dieses Falls sind eine dringende Mahnung, diese Gesetze schleunigst sehr kritisch unter die Lupe zu nehmen.
Und sie zu ändern.

juergen.nierste@
ihr-kommentar.de

http://www.nw-news.de/lokale_news/loehne/loehne/4850333_Schweigende_Aemter.html


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