Samstag, 6. August 2011

Tagesmutter verabreicht Antidepressiva - Jugendamt vertuscht



- Der Skandal um eine Tagesmutter, die Kinder mit Medikamenten ruhigstellte, schlägt wieder Wellen.

Vor fast zwei Jahren wurde bekannt, dass dem Sohn von Nga Trösken Antidepressiva verabreicht worden waren. Seither verdächtigt die heute 30-jährige Mutter das Stadtjugendamt, die Betreuerin trotz früherer Verfehlungen weiter vermittelt zu haben. Im Frühjahr 2005 bat Trösken schriftlich um Einsicht in die Akten zu dem Fall. Das Jugendamt lehnte dies "aus datenschutzrechtlichen Gründen" ab.


Seit Oktober 2004 war Tröskens zweijähriger Sohn Sven in der Obhut von Claudie H., einer vom Jugendamt vermittelten Tagesmutter. Wenig später bemerkte Trösken, dass ihr Kind abwechselnd müde und hysterisch war. Sie schöpfte Verdacht, informierte das Jugendamt. Als eine Haar- und Urinanalyse ihres Kindes Wirkstoffe gegen Depressionen aufwies, informierten die Eltern die Polizei.

Einen Tag, nachdem Mitarbeiter des Jugendamts bei der damals 46-jährigen Tagesmutter Claudie H. vorsprachen, nahm sie sich das Leben.

Klarheit über die Frau, die ihren Sohn mit Medikamenten ruhig gestellt hat, hat Nga Trösken bis heute nicht. Deshalb forderte sie am Montag, als Innenminister Günther Beckstein (CSU) ihr für ihr Engagement als Ansprechpartnerin für Eltern betroffener Kinder eine Verdienstmedaille überreichte: "Ich wünsche mir, dass die Jugendamtakten endlich offengelegt werden."

Von einigen Eltern der rund 100 betroffenen Kinder glaubt Trösken zu wissen, dass dem Jugendamt bereits 2002 Beschwerden über Claudie H. vorlagen. "Dennoch hat mir das Amt diese Frau als Top-Kraft vermittelt", klagt sie. Auch der damalige Jugendamtsleiter Hubertus Schröer habe in einem Interview bestätigt, dass bereits damals Anzeigen vorlagen, dass die Tagesmutter oft mehr als zwanzig Kinder gleichzeitig betreute. "Gleich nach dem Vorfall sagte uns das Jugendamt, die Akten würden zur Verfügung gestellt. Ab März 2005 hieß es, es gebe keine Akten über die Tagesmutter."

"Wir haben sehr genau geführte Akten", sagt die stellvertretende Sozialrefentin Angelika Simeth. Dennoch hält das Jugendamt den Fall Claudie H. für abgeschlossen. Trösken habe auf ihr Schreiben an den damaligen Jugendamtsleiter eine Antwort erhalten. Der Brief, den Trösken im Mai 2005 als Antwort auf ihren Brief erhielt, war kurz und knapp.


Dateneinsicht werde gewährt, wenn es erforderlich sei. In diesem Fall sei es aber "datenschutzrechtlich bedenklich".


Quelle:

Merkur-online.de

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