Donnerstag, 22. September 2011

Pfaffenhofen - Ist diese Tat wirklich eine Ausnahme? Gehört Rücksichtslosigkeit und Aggression heute nicht schon zum Alltag?


Warum verwundern solche Taten? Hier wird von Erziehungsdefiziten gesprochen, als der junge Mann in Berlin einen wehrlosen Touristen nierderprügelte war in der Erziehung nichts schief gelaufen! Jeden Tag erleben Kinder Aggression, Gewalt und Rücksichtslosigkeit in dieser von Erwachsenen geschaffenen Gesellschaft. Die Kinder sind das Ergebnis dieser Gesellschaft. Kinder die die Trennung ihrer Eltern erleben müssen, Kinder die manipuliert werden als Waffe gegen den ehemaligen Partner, Kinder die aus intakten zu Hause gerissen werden und denen man jeden Kontakt zu ihren Eltern verweigert. Man lässt sie in dem Glauben, dass die Familie keinen Kontakt mehr will. Kinder die wie Ware gehandelt werden, durch Jugendämter und Gerichte, mit denen Pflegeeltern ihre Existenz sichern. Das Ergebnis eines solchen Handelns der Erwachsenen sind dann solche Taten, über die sich niemand wundern muss.

Pfaffenhofen (PK) Zwei Mädchen quälen eine alte Frau, werfen walnussgroße Steine nach der 86-Jährigen: Diese Brutalität von Kindern, geschehen mitten in Pfaffenhofen, macht fassungslos.

Unser Redakteur Rudi Gegger sprach mit Herbert Payer, Leiter des Pfaffenhofener Jugendamtes, über die Tat und ihre Folgen für die beiden strafunmündigen Kinder.

Herr Payer, zwei elfjährige Mädchen bewerfen eine 86 Jahre alte Rentnerin mit walnussgroßen Steinen. Wie ist ein solcher Gewaltausbruch von Kindern in einer Kleinstadt wie Pfaffenhofen zu erklären?

Herbert Payer: Eine Erklärung für eine solche Handlung gibt es nicht. Es müsste jedem elfjährigen Kind klar sein, dass man mit Steinen nicht auf Menschen wirft.


Die beiden Mädchen sind strafunmündig. Welche Möglichkeiten hat das Jugendamt, auf die beiden Elfjährigen und ihre Erziehungsberechtigten einzuwirken? Wie sieht die Vorgehensweise ihrer Behörde in solchen Fällen aus?

Payer: Sobald die Ermittlungen der Polizei abgeschlossen sind, erhalten wir das Ergebnis. Wir werden mit den Familien Kontakt aufnehmen und mit den Eltern und den Kindern sprechen. Unser Augenmerk wird sich dabei vor allem auf mögliche Erziehungsdefizite richten. In Zusammenarbeit mit den Eltern und den Minderjährigen werden wir dann überlegen, wie eventuelle Erziehungsdefizite abgebaut werden können und entsprechende Hilfen – zum Beispiel Erziehungsberatung oder Sozialpädagogische Familienhilfe – anbieten und installieren. Sollten sich die Eltern und die Mädchen auf Hilfeangebote nicht einlassen, werden wir uns nicht scheuen und das Familiengericht einschalten.


Elfjährige, die mit Steinen werfen oder – wie zuletzt auf dem Pfaffenhofener Volksfest – Zwölfjährige, die aufeinander einprügeln: Werden die jugendlichen Gewalttäter bei uns immer jünger?

Payer: Nein. Diese Straftat gehört zu den Ausnahmen, und ich hoffe, dass dies auch so bleibt. In der Statistik der letzten zehn Jahre haben wir eine konstante Entwicklung, was die Straftaten vom Alter her gesehen angeht. Es hat aber schon immer wieder Ausreißer nach unten gegeben.


Strafmündig ist man in Deutschland ab dem vollendeten 14. Lebensjahr – ein Passus, der im Strafgesetzbuch seit 1953 verankert ist. Sollte diese knapp 60 Jahre alte Grenze angesichts der gesellschaftlichen Entwicklung herabgesetzt werden?

Payer: Meiner Meinung nach sollte die Strafmündigkeit so bleiben. Bei unter Vierzehnjährigen setze ich nach wie vor auf Veränderung durch Erziehung. Es wäre doch ein Armutszeugnis, wenn man selbst bei Kindern die Hoffnung in die Erziehung aufgeben würde und stattdessen Strafe und Gefängnis als Lösung sehen würde.


Pfaffenhofener Kurier

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