Sonntag, 4. Dezember 2011

Rostock - Behörde muss gequältem Kind Schadenersatz zahlen

Landgericht Rostock: Schmerzensgeld für Lea-Marie

Panne im Jugendamt

Behörde muss gequältem Kind Schadenersatz zahlen

Grobe Pflichtverletzung: Weil das Jugendamt eine Notiz verlor, wurde die kleine Lea-Marie unbemerkt über Jahre misshandelt. Jetzt muss das Amt dafür zahlen.

Die jahrelang schwer misshandelte, heute neunjährige Lea-Marie aus Teterow hat Anspruch auf Schmerzensgeld des zuständigen Landkreises in noch unbekannter Höhe. Das Landgericht Rostock zog damit die Konsequenz aus einem früheren Fehlverhalten einer Jugendamts-Mitarbeiterin.



Das Landgericht stellte noch einmal das dramatische Versagen der Behörde klar

Die wegen ihrer Taten zu neun Jahren Haft verurteilte Mutter hatte dem Mädchen zwischen 2002 und 2006 unter anderen knapp 20 Mal ätzende Flüssigkeiten eingeflößt. Zudem hatte sie das Kind mit kochendem Wasser übergossen, um von der Versicherung Geld zu bekommen.

Notiz geht verloren

Im Mai 2003 hatte eine Ärztin das Kreisjugendamt Güstrow auf mögliche Misshandlungen Lea-Maries aufmerksam gemacht, doch die Notiz über den Anruf ging verloren. Das Amt blieb untätig, das Martyrium des Kindes ging jahrelang weiter. Darunter muss Lea-Marie ihrem Anwalt zufolge noch auf Jahre hinaus leiden, in halbjährlichem Abstand muss die verätzte Speiseröhre unter Vollnarkose geweitet werden.


Die Ex-Mitarbeiterin des Jugendamtes Güstrow - Brigitte C., bei Prozessbeginn im Jahr 2009










Laut Gericht war die Jugendamtsmitarbeiterin verpflichtet, den Hinweis so verlässlich durchzustellen, dass es Hausbesuche gegeben hätte. Ein Gutachter hatte ausgeführt, dass die intellektuell eingeschränkte Mutter reagiert hätte, wenn das Jugendamt eingeschritten wäre.

Der Landkreis ist laut der Entscheidung der Zivilkammer auch verpflichtet, Lea-Marie alle weiteren Schäden in der Zukunft zu ersetzen, soweit sie nicht von Sozialversicherungsträgern übernommen werden. Über die Höhe aller Ansprüche werde entschieden, wenn das Urteil rechtskräftig ist.

Streitwert liegt bei 80.000 Euro

Ursprünglich hatte der Vormund von Lea-Marie auf 25.000 Euro Schmerzensgeld geklagt. Die Zivilkammer hatte den Streitwert vorläufig auf 80.000 Euro hochgesetzt. Grund dafür seien die schlimmen Verletzungen des Mädchens, die eine lebenslange Nachsorge und Beeinträchtigung nach sich zögen.

Der Landkreis Rostock, nach der Kreisgebietsreform Rechtsnachfolger des Kreises Güstrow, wollte keine Stellungnahme abgeben. Die Entscheidung werde geprüft, hieß es.

Der Anwalt von Lea-Marie zeigte sich sicher, dass der Kreis Berufung beim Oberlandesgericht einlegen werde. Bis die Sache endgültig entschieden sei, würden noch Jahre vergehen.


http://www.welt.de/vermischtes/weltgeschehen/article13609028/Behoerde-muss-gequaeltem-Kind-Schadenersatz-zahlen.html

Kommentare:

  1. Das wär ja der Hammer wenn das jugendamt in Berufung gehen würden.Das würde nur deutlich machen das die eine verdrehte Sichtweise haben.
    Das Kind würde einmal mehr auf der Strecke bleiben.Wann wird die "Einrichtung" Jugendamt endlich abgeschaft? Die versagen und versagen und versagen!!!Das arme kleine Mädchen hatte soooo viel Pech.

    AntwortenLöschen
  2. Ich drücke ganz fest die Daumen, das eine hohe Summe an Schadensersatz gezahlt werden muß ? Danke übrigens für die Hilfe. Ich habe den Kampf um Julian nach 18 Monaten gewonnen. Seit dem 14.11.11 ist mein Kind wieder bei mir zu Hause. LG Danny Gottmanns
    www.danielagottmanns.de

    AntwortenLöschen
  3. Das freut mich für euch. Ich wünsche alles Gute für die Zukunft und ich hoffe, dass ihr in Zukunft von solchen Aktionen verschont bleibt.

    LG Birgit Wichmann

    AntwortenLöschen