Freitag, 30. September 2011

Elterntreff in Berlin - Erfahrungsaustausch für Eltern/Familien von zu Unrecht in Obhut genommenen Kinder


Liebe Betroffene und Interessierte

Ich erinnere an unsern Elterntreff am Sonntag den 02.10.2011 von 15.00 – 19.00 Uhr im
Restaurant SIXTIES, Mariendorfer Damm 338 in 12107 Berlin.

„Alte Hasen“ reisen zu unserem Treffen an, um über Erfahrungen in anderen Bundesländern zu berichten.

Es könnte interessant werden.

Herzliche Grüße von Viola Fechner

Jugendamt - Part 12! Geschafft und trotzdem halb verloren... 29.09.2011

Pflegekinder/Pflegefamilien - Resultate wissenschaftlicher Untersuchungen


Martin R. Textor



Das Leben in der Pflegefamilie und die Entwicklung von Pflegekindern, die mit diesen Lebensverhältnissen verbundenen Probleme und die Tätigkeit der Pflegekinderdienste beschäftigen Wissenschaftler seit mehreren Jahrzehnten. Ihre Forschungsergebnisse sind in einer kaum noch überschaubaren Vielzahl von Büchern und Fachartikeln veröffentlicht worden. Da sie auch von großer Bedeutung für Pflegeeltern sind, sollen wichtige Erkenntnisse in diesem Referat zusammengefasst werden.

Aufgrund der großen Zahl von Untersuchungen habe ich mich auf deutsch- und englischsprachige Studien beschränkt, die ab Mitte der 80er-Jahre publiziert wurden. Tabelle 1 informiert über das Herkunftsland und die Art der Stichprobe. Zu beachten ist, dass die meisten Untersuchungen strengen wissenschaftlichen Kriterien nicht entsprechen: Beispielsweise sind die Stichproben zumeist sehr klein, nicht repräsentativ und willkürlich zusammengesetzt, fehlen Kontrollgruppen, sind die Datenquellen (wie Akten der Pflegekinderdienste) wenig verlässlich und werden besser geeignete, aber kompliziertere statistische Verfahren nicht eingesetzt. Auch muss berücksichtigt werden, dass die Forschungsergebnisse aus dem Ausland wohl für Pflegeeltern von Interesse sind, aber nicht ohne weiteres auf die Situation in der Bundesrepublik übertragen werden können.

1. Die Herkunftsfamilie

Nur ein Teil der Pflegekinder lebte vor der Inpflegegabe mit beiden Elternteilen zusammen. In sechs Untersuchungen wurden hierzu Prozentsätze von 7% über 18% und 26% bis hin zu 33% angegeben. Das bedeutet, dass schätzungsweise drei Viertel aller Pflegekinder aus Teil-, Scheidungs- oder Stieffamilien stammen. Relativ viele haben einen Elternteil und vereinzelt auch beide Eltern durch Tod verloren - die genannten Prozentsätze variieren zwischen 6% und 18%. Oft haben die Kinder viele Geschwister.

Die Familiensituation der Kinder zum Zeitpunkt der Inpflegegabe ist durch große Belastungen gekennzeichnet. Viele Eltern sind arbeitslos, haben ein niedriges Einkommen oder sind hoch verschuldet. Beispielsweise lebten 60% der Eltern fremdplatzierter Kinder im Landkreis Dithmarschen auf Sozialhilfeniveau, waren drei Viertel verschuldet. In Karlsruhe lebten 50% von der Sozialhilfe und gleich viele waren verschuldet (Kuppinger 1990). Laut einer anderen Untersuchung erhielten 90% der Eltern eine finanzielle Unterstützung (Thorpe/Swart 1992).

Andere Belastungen der Herkunftsfamilien sind Ehekonflikte, Erziehungsschwierigkeiten, Alkohol- und Drogenmissbrauch, Krankheiten, psychische Störungen, Kriminalität und Prostitution. Laut einer Studie hatten 24% der Mütter psychische und 14% gesundheitliche Probleme, 14% waren geistig behindert, 12% arbeiteten als Prostituierte und 10% nahmen Drogen (Oyserman/Benbenishty/Ben-Rabi 1992). Von den Vätern waren 23% delinquent, 16% missbrauchten Drogen und 12% Alkohol, weitere 12% litten unter psychischen Störungen. Die Beziehung zwischen mindestens einem Elternteil und dem späteren Pflegekind wurde als ambivalent und instabil (51%), ohne emotionale Basis (37%) oder als feindselig und entfremdet (18%) klassifiziert. In 47% der Fälle gab es aber auch eine positive Beziehung zu mindestens einem Elternteil.

2. Gründe für die Inpflegegabe

Eine Inpflegegabe erfolgt im Regelfall aus mehreren Gründen, wobei die Folgenden besonders häufig genannt werden: Vernachlässigung, Misshandlung, finanzielle oder Wohnprobleme, psychische Störungen der Eltern, Erziehungsunfähigkeit/-schwierigkeiten, emotionale Ablehnung des Kindes, Ehe-/Partnerprobleme, Eltern-Kind-Konflikte, sexueller Missbrauch, Abwesenheit/Verschwinden/Tod von Elternteilen, Alkohol- und Drogenmissbrauch oder Kriminalität. Diese Auflistung zeigt, dass zumeist die Hauptgründe für die Inpflegegabe nicht im Verhalten des betroffenen Kindes liegen (Oyserman/Benbenishty/Ben-Rabi 1992).

Widom (1991) stellte in ihrer Untersuchung fest, dass die Wahrscheinlichkeit einer Fremdplatzierung am größten war, wenn Kinder sowohl misshandelt als auch vernachlässigt wurden, wenn ihre Eltern alkoholkrank oder psychisch gestört waren, sich getrennt hatten oder unbekannt waren und wenn die Kinder verhaltensauffällig waren. In einer anderen Studie (Lie/McMurtry 1991) wurde darauf verwiesen, dass auch sexuell missbrauchte Kinder überdurchschnittlich oft fremdplatziert wurden, insbesondere wenn sie bereits älter waren.

3. Beginn und Dauer von Familienpflege

Für den Großteil der Pflegekinder beginnt die Fremdunterbringung im vorschulischen Alter. Als Durchschnittsalter wurden 5,9 Jahre bis 6,9 Jahre angegeben.

Über die Gesamtdauer der Fremdunterbringung liegen keine verlässlichen Daten vor, da es oft zu Pflegestellenabbrüchen kommt oder manche Kinder zwischendurch in die Herkunftsfamilie zurückkehren beziehungsweise in einem Heim untergebracht werden. Festzuhalten ist jedoch, dass für einen Großteil der Kinder die Fremdunterbringung lange dauert. Länger als neun Jahre dauerten beispielsweise 15% der von Pardeck (1982), 29% der von Nielsen (1990) und 46% der von Rowe und ihren Kolleginnen (1984) untersuchten Familienpflegen. Als Durchschnittsdauer wurden 5,2 Jahre (Widom 1991) und 8,8 Jahre (Fanshel/Finch/Grundy 1990) für abgeschlossene und 5,4 Jahre (Oyserman/Benbenishty 1992) für laufende Pflegeverhältnisse genannt. Nielsen (1990: 216) stellte fest: "Der ermittelte Durchschnitt der Aufenthaltsdauer der Pflegekinder in ihrer Pflegefamilie lag bei sieben Jahren. Damit ist die Dauerpflege deutlich ein kontinuierlicher Lebensort der Kinder und erst nachrangig als 'vorübergehender Lebensort' einzuschätzen."

Laut der Untersuchung von Nielsen (ebd.) wurden 44% der Pflegekinder in ihren Pflegefamilien volljährig; nach der Studie von Fanshel und seinen Kollegen (1990) wechselten 55% von der Pflegefamilie in die Selbständigkeit. Nur bei 17 bis 20% der Pflegekinder wurde der Versuch einer Reintegration in die Herkunftsfamilie unternommen (nach Fanshel/Finch/Grundy 1990; Heun 1984; Nielsen 1990). Bis zu 30% dieser Rückführungen scheitern jedoch wieder (Lie/McMurtry 1991; Murray 1984; Seltzer/Bloksberg 1987).

Milner (1987) konnte Unterschiede in der Länge von Pflegeverhältnissen nicht durch Charakteristika der Kinder, die Umstände der Trennung von den leiblichen Eltern, die Qualität der Familienpflege oder die Tätigkeit der zuständigen Sozialarbeiter erklären. 28% der Varianz ließen sich aber durch die Häufigkeit und Qualität der Besuche durch die leiblichen Eltern (oder bei ihnen), 14% durch in der Herkunftsfamilie präsente Stressoren, 3% durch die ihr zur Verfügung stehenden Unterstützungssysteme und weitere 3% durch ihre Charakteristika erklären. Lie und McMurtry (1991) stellten fest, dass sexuell missbrauchte Kinder durchschnittlich acht Monate kürzer in Familienpflege verblieben als andere Kinder. Niederberger und Zeindl (1989) ermittelten eher kurzfristige Inpflegegaben für diejenigen Fälle, in denen Mütter von sich aus um Fremdunterbringung ihrer Kinder baten, weil sie sich in einer als kurzzeitig verstandenen Krise wie einer Trennungssituation befanden.

4. Leben und Erziehen in der Pflegefamilie

In den weitaus meisten Pflegefamilien bilden sich enge Eltern-Kind-Beziehungen aus, sehen die Pflegeeltern bald das Pflegekind als "eigenes" Kind an und werden von diesem in der Elternrolle akzeptiert. Bei einer Untersuchung bezeichneten sich 76% der Pflegekinder als voll oder gut in der Pflegefamilie integriert, nur 4% fühlten sich überhaupt nicht integriert (Rowe et al. 1984). 73% der von Ritter (1983) befragten Jugendlichen konnten mit ihren Pflegeeltern über alles sprechen, 60% sahen die Pflegemutter als Vertrauensperson an. Nur 7% würden am liebsten die Pflegefamilie verlassen. Auch die weitaus meisten der von Fanshel und Kollegen (1990) befragten Pflegekinder fühlten sich wohl und als Familienmitglieder. Für eher positive Eltern-Kind-Beziehungen spricht auch, dass laut der Untersuchung von Nielsen (1990) ein Fünftel der volljährigen Pflegekinder auch nach Einstellung der Pflegegeldzahlungen in ihrer Pflegefamilie verblieben und die Übrigen überwiegend den Kontakt zu den Pflegeeltern aufrechterhielten.

Für die Intensität der Beziehungen sprechen ferner die bei der Rückführung eines Pflegekindes in die Herkunftsfamilie auftretenden Gefühle wie Trennungsschmerz, Trauer oder Wut. Besonders stark sind diese Emotionen, wenn die Pflegeeltern von sehr jungen Kindern getrennt werden, mit der Entscheidung der Sozialarbeiter nicht einverstanden sind oder der Meinung sind, dass sich die Situation in der Herkunftsfamilie nicht gebessert habe (Urquhart 1989). Nielsen (1990: 213) schrieb: "Die Rückführung der Kinder wurde von den Pflegeeltern überwiegend als traumatisch erlebt. Begünstigend für dieses Ergebnis wirkte sich nach Einschätzung der Pflegeeltern besonders die Tatsache aus, dass bei der Aufnahme des Kindes die Rückkehroption vonseiten des Amtes nicht deutlich gemacht wurde. So war das Pflegeverhältnis oft ein langer Leidensprozess der Ungewissheit und Überforderung." Erschwerend kommt hinzu, dass die leiblichen Eltern häufig eine plötzliche Rückführung erzwingen und Kontakte zwischen ihren Kindern und den früheren Pflegeeltern nicht zulassen, sodass für beide Seiten der Ablösungsprozess emotional belastend verläuft.

Colton (1988, 1989) verglich die Aussagen von Pflegekindern mit denjenigen von Heimkindern über ihre jeweiligen Lebensverhältnisse. Ein signifikantes Ergebnis war, dass Pflegekinder mit ihrer Situation zufriedener waren. Sie fühlten sich daheim und als Teil einer Familie, genossen die entspanntere Atmosphäre und betonten die größere Privatsphäre (eigenes Kinderzimmer). Sie hatten mehr Einfluss auf die Festlegung von Regeln und Vorschriften, erlebten die Pflegeeltern als weniger streng und kontrollierend, waren eher bereit, ihnen gegenüber persönliche Probleme anzusprechen, und bezeichneten sie als wichtigste Quelle von Unterstützung. Auch erfuhren sie sich freier als Heimkinder, da sie sich ungezwungen mit Freunden im Ortsteil treffen oder diese mit nach Hause bringen konnten. Generell hatten sie mehr Außenkontakte und beklagten sich weniger über antisoziale Verhaltensweisen anderer Kinder.

Colton (ebd.) beobachtete ferner, dass Pflegeeltern und -kinder etwa gleich häufig Interaktionen initiierten, während im Heim die Initiative zumeist von den Erwachsenen ausging. Pflegeeltern machten öfter als Heimerzieher Gebrauch von informationsvermittelnden und zustimmenden Aussagen und seltener von kontrollierenden oder tadelnden Botschaften - sie erklärten mehr, drückten ihre Meinung aus, erbaten Informationen oder Erklärungen vom Pflegekind, lobten, ermutigten, beruhigten und zeigten häufiger Gefühle. Sie verwendeten öfter eine warme Stimmlage und zustimmende Gestik. Generell waren die Interaktionen zwischen Pflegeeltern und -kindern länger und verwiesen auf eine engere emotionale Beziehung als die Interaktionen zwischen Heimkindern und ihren Erziehern.

Laut der Untersuchung von Martin und Kollegen (1992) waren 53% der Pflegeeltern mit ihren Erfahrungen sehr zufrieden und 36% zufrieden; 63% erlebten ihre Leistungen als befriedigend. Auch bei der Studie von Dando und Minty (1987) gaben mehr als drei Viertel der befragten Pflegemütter an, dass sie ihre Tätigkeit als sehr oder meistens lohnend erlebten; nur 7% waren unglücklich oder schwer enttäuscht. Positiv wirkte sich aus, wenn die Pflegeeltern erlebten, dass ihre Bemühungen vom Ehepartner und von den leiblichen Eltern der Pflegekinder gewürdigt wurden (Urquhart 1989).

Pflegeeltern sind aber auch Belastungen ausgesetzt, die sich von denen der "Normalfamilie" erheblich unterscheiden. Bei Heitkamps (1989) Untersuchung berichtete mehr als die Hälfte der Befragten, dass sie zumindest zeitweise erhebliche Schwierigkeiten mit dem Pflegekind (vor allem aufgrund von Verhaltensauffälligkeiten) oder seinen Angehörigen hatten. Bei der Studie von Martin und Kollegen (1992) wurden als Probleme das Verhalten des Pflegekindes (25%), die mangelnde Unterstützung durch den Pflegekinderdienst und die Gesellschaft (20%) sowie die Rückführung bzw. Trennung vom Pflegekind genannt (17%) - nur ein Fünftel der Befragten hatte keine Probleme. Rice und McFadden (1988: 240) stellten auch Folgendes fest: "Viele Pflegeeltern waren sich der psychischen Bürde bewusst, die von den von ihnen versorgten Kindern erlebt wurde. Sie fühlten sich jedoch überfordert und überlastet sowie fürchteten, eine Büchse der Pandora zu öffnen."

In einigen Pflegefamilien wird aber auch die Entwicklung der Pflegekinder stark beeinträchtigt. Nach einer Berechnung von Spencer und Knudsen (1992) sind in den USA jedes Jahr 9,3 von 1000 Pflegekindern durch Misshandlung, 5,2 durch sexuellen Missbrauch (in drei Vierteln der Fälle durch die Pflegeeltern) und 2,4 durch Vernachlässigung bedroht. Rosenthal und Kollegen registrierten in Colorado zwischen 1983 und 1987 in Pflegefamilien 50 Fälle von Misshandlung, 30 Fälle sexuellen Missbrauchs und 22 Fälle von Vernachlässigung. In 64% der Fälle wurden die Pflegekinder umplatziert.

In vielen Fällen verlaufen die Pflegeverhältnisse aber positiv. Bei der Untersuchung von Dando und Minty (1987) beurteilten die befragten Sozialarbeiter 30% der Pflegeeltern als exzellent, 57% als generell gut und nur 13% als gerade geeignet. Als besonders erfolgreich galten kinderlose Paare, Pflegemütter im Alter von 21 bis 40 Jahren und solche, die aufgrund der eigenen unglücklichen Kindheit besonders gut die Pflegekinder verstanden. Bei der Untersuchung von Rowe und ihren Mitarbeiterinnen (1984) beurteilten die Sozialarbeiter 75% und die Interviewer 72% der Pflegefamilien als für das jeweilige Kind hervorragend oder gut geeignet.

5. Geschwisterbeziehungen

In drei Untersuchungen galt die Aufmerksamkeit vor allem der Beziehung zwischen den Pflegekindern und den leiblichen Kindern der Pflegeeltern. So ermittelten Poland und Groze (1993), dass nur die Hälfte der befragten Pflegeeltern fand, dass ihre eigenen Kinder der Familienpflege gegenüber positiv eingestellt waren. 57% beobachteten positive Auswirkungen auf sie und 43% sowohl positive als auch negative. Fast alle Pflegeeltern waren jedoch der Meinung, dass ihre leiblichen Kinder wegen der Aufnahme eines Pflegekindes weniger Zeit zu Hause verbrachten. Ferner befürchteten einige, dass ihre Kinder die Pflegekinder ablehnen (13%), dass sie unter deren Rückführung leiden könnten (10%), dass sie von den Pflegekindern misshandelt werden (8%) oder von ihnen schlechte Verhaltensweisen lernen könnten (8%). Nur 5% hielten die Familienpflege für eine durchweg positive Erfahrung für ihre leiblichen Kindern.

Kaplan (1988) ermittelte, dass alle Pflegemütter sich bewusst waren, dass es zwischen ihren leiblichen Kindern und den Pflegekindern Eifersucht, Rivalität und Konflikte gab. Aber nur wenige hatten erkannt, dass vor allem jüngere Kinder Angst davor hatten, so wie Pflegekinder aufgrund ihrer "Schlechtigkeit" von ihren Eltern verstoßen zu werden. Auch drückten diese negative Gefühle gegenüber den Pflegekindern eher direkt aus, während ältere leibliche Kinder mehr Empathie und Verständnis für deren Situation zeigten.

Steinhauer und Kollegen (1988) leiteten neu Monate lang eine Gruppe von 8 bis 13 leiblichen Kindern von Pflegeeltern. Sie erfuhren, dass diese der Meinung waren, dass die Aufnahme eines Pflegekindes ihre Familie stark beeinflusse: "Obwohl alle wussten, dass ihre Eltern sie liebten, fühlten sie doch zeitweise, dass sie gegenüber den Pflegekindern mit ihren vielfachen Problemen den zweiten Platz einnahmen. Dies verletzte sie und machte es ihnen zugleich unmöglich, ihren Eltern verstehen zu geben, wie vernachlässigt und enttäuscht sie sich fühlten. Die meisten waren verärgert, hüteten sich aber, ihre Wut zu zeigen, da ihrer Aussage nach frühere Gefühlsausbrüche oder Klagen ihre Eltern geärgert habe" (S. 513). Die leiblichen Kinder fanden, dass ihre Eltern zu wenig Zeit für sie allein hätten, dass sich ihre Familie fortwährend an kommende und gehende Pflegekinder anpassen müsse, dass diese zu wenig ihre Privatsphäre achten und oft ihre Besitztümer an sich nehmen oder gar zerstören würden. Oft schämten sie sich für deren Verhalten oder wurden in Gewissenskonflikte gestürzt: Sollten sie zum Beispiel Diebstähle melden?

6. Kontakte zur Herkunftsfamilie

Nach der Inpflegegabe bleiben zumeist Beziehungen zwischen den Pflegekindern und Mitgliedern der Herkunftsfamilie bestehen. Ihrer Aufrechterhaltung dienen neben Telefon- vor allem Besuchskontakte, die im Heim der Pflegefamilie, in der Wohnung der leiblichen Eltern oder auch an anderen Orten stattfinden. Heun (1984) berichtete, dass in 41% der von ihm untersuchten Fälle Kontakt zu den biologischen Eltern bestand. In der Stichprobe von Kuppinger (1990) waren es hingegen zwei Drittel und in derjenigen von Palmer (1992) fast 80% der Fälle.

Allerdings variieren die Kontakte hinsichtlich ihrer Häufigkeit. Da viele Kinder aus Teilfamilien stammen, sind zumeist die Kontakte zur Mutter intensiver. Beispielsweise stellte Palmer (ebd.) fest, dass 28% der Pflegekinder in den letzten drei Monaten nur ein- bis dreimal, 28% zweimal pro Monat und 23% wöchentlich oder häufiger Kontakt zur leiblichen Mutter hatten. Zum Vater hatten hingegen 53% überhaupt keinen Kontakt in den letzten drei Monaten, 20% nur ein- bis dreimal, 15% zweimal pro Monat und 12% wöchentlich oder öfter. Zu anderen Verwandten hatten 65% der Kinder keinen Kontakt und nur 16% häufiger als einmal pro Monat. Generell waren Kontakte umso seltener, je länger die Fremdplatzierung dauerte und je häufiger die Pflegestelle gewechselt wurde. Palmer (ebd.: 422) schrieb: "Es ist nicht überraschend, dass so viele Eltern keinen Kontakt zu ihren Kindern hatten. ...die meisten Eltern fühlen sich traurig, ärgerlich, schuldig oder beschämt wegen der Inpflegegabe ihrer Kinder; ihre Selbstachtung als Eltern ist wahrscheinlich sehr gering. Wenn der Pflegekinderdienst sie nicht involviert..., mögen sie daraus schließen, dass sie als für ihre Kinder schädlich oder wertlos beurteilt wurden." Hinzu kommt, dass nur ein Drittel der Pflegeeltern eine positive Haltung gegenüber den leiblichen Eltern zeigten (vor allem wenn diese von sich aus die Inpflegegabe beantragt hatten oder die Kinder kaum Erziehungsprobleme machten). Besuchskontakte wurden von dieser Seite her wenig gefördert.

Bei der Untersuchung von Oyserman und Benbenishty (1992) wurden sowohl häufige oder regelmäßige Besuche seitens der leiblichen Eltern als auch bei ihnen in einem Drittel, unregelmäßige oder seltene in knapp der Hälfte und keine in einem Fünftel der Fälle ermittelt. Telefonkontakte waren in derselben Häufigkeitsverteilung vorhanden. In 68% der Fälle war der Kontakt im vergangenen Jahr konstant geblieben, in 12% hatte er zu- und in 13% der Fälle abgenommen. Generell war der Kontakt intensiver bei Kindern im Vorschulalter, bei Verwandtenpflege (in Israel sind etwa 37% der Pflegeeltern mit dem jeweiligen Pflegekind verwandt), bei kurzen Entfernungen zwischen Pflege- und Herkunftsfamilie, bei einer eher positiven, akzeptierenden Beziehung zwischen beiden Seiten und bei Förderung der Kontakte durch die Pflegeeltern. Aber auch die Haltung des Pflegekinderdienstes zu Besuchskontakten und Aktivitäten der Sozialarbeiter waren von Bedeutung. Letztere bewerteten den Einfluss der Besuchskontakte für 44% der Fälle positiv, für 24% negativ und für 19% neutral. Eine Intensivierung des Kontakts empfahlen sie für 18%, eine Reduzierung für 10% der Fälle. Die Pflegefamilien wurden positiver beurteilt, wenn die Besuchskontakte häufiger waren oder von ihnen gefördert wurden.

Laut der Untersuchung von Heun (1984) wurde der Kontakt zu den leiblichen Eltern von knapp der Hälfte der Pflegeeltern überwiegend negativ empfunden. Rowe und Kolleginnen (1984) berichteten, dass die von ihnen befragten Pflegeeltern wohl Besuchskontakte erwarteten, aber froh waren, wenn keine stattfanden. Viele Pflegekinder nahmen hier eine eher passive Rolle ein, da sie ihre Pflegeeltern nicht aufregen wollten und Loyalitätskonflikte befürchteten. Hatten sie keinen Kontakt mehr zu ihrer Herkunftsfamilie - das war für 35% bereits seit Beginn der Familienpflege der Fall -, scheuten sie davor zurück, die Pflegeeltern um Informationen über ihre leiblichen Eltern zu bitten. Auch Nielsen (1990) stellte fest, dass viele Pflegeeltern Besuchskontakte problematisierten, insbesondere wenn diese durch die Unzuverlässigkeit oder anderen Lebensgewohnheiten der leiblichen Eltern belastet wurden. Sie fühlten sich diesen ausgeliefert und vom Amt alleingelassen, das ihnen ein Höchstmaß von Toleranz und Verständnis für die Herkunftsfamilie abverlangte.

Poulin (1992) ermittelte, dass 42% der von ihm untersuchten Pflegekinder (fast) keine, 28% ambivalente und 29% starke Bindungen an die leiblichen Eltern hatten. Intensität und Qualität der Bindungen wurden durch Faktoren wie Häufigkeit der Besuchskontakte, Alter zum Zeitpunkt der Inpflegegabe, Dauer der Familienpflege, Ausmaß der Bindungen an die Pflegeeltern und Zahl der Fremdplatzierungen beeinflusst. Auch Kontakte zu anderen Verwandten als den leiblichen Eltern wirkten sich aus (21% der Pflegekinder hatten Kontakt zu Verwandten im vergangenen Monat und weitere 22% im vergangenen Jahr).

7. Entwicklung von Pflegekindern

Aufgrund ihrer Vorgeschichte kommen viele Pflegekinder mit Problemen belastet in ihre Pflegefamilien. Laut einer Untersuchung (Oyserman/Benbenishty/Ben-Rabi 1992) lagen die häufigsten Probleme in den Bereichen Schulleistung (51%), Selbstbild (49%), Identität und Zugehörigkeit (47%), allgemeines Verhalten (31%), Verhalten in der Schule (29%), Zufriedenheit (28%), Beziehungen zu Gleichaltrigen (26%) oder zu Erwachsenen (22%). Im Durchschnitt hatten die Kinder Probleme in 2,4 von 10 Bereichen. Laut der Untersuchung von Rowe und Kolleginnen (1984) musste sich nur ein gutes Drittel der Pflegeeltern zu Beginn des Pflegeverhältnisses mit drei und mehr Problemen auseinandersetzen (ein knappes Drittel konnte sich an keine Schwierigkeiten erinnern). Am häufigsten wurden Aufmerksamkeit suchende Verhaltensweisen (24%), Schlafstörungen (23%), Konzentrationsmangel (23%), Wutanfälle (21%) und zurückgezogenes, sehr stilles Verhalten (20%) genannt. Je älter die Kinder waren und je häufiger ihre Bezugspersonen wechselten, umso mehr Probleme wurden genannt.

Während des Pflegeverhältnisses werden problematische Verhaltensweisen und Symptome zumeist seltener und schwächer (Colton 1988; Maluccio/Fein 1985; Thorpe/Swart 1992). Zugleich nehmen sozial erwünschte Verhaltensweisen zu. Timberlake und Verdieck (1987) stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass die Pflegekinder (Jugendliche und Heranwachsende) zumeist höflich (73%), mit ihren Leistungen zufrieden (70%) und hilfsbereit (69%) waren, die Familienregeln befolgten (68%), sich wohlerzogen verhielten (62%), Zuneigung gegenüber anderen zeigten (59%), von Gleichaltrigen gemocht wurden (59%), Verantwortungsbewusstsein zeigten (58%), Grenzen akzeptierten (58%), die eigenen Stärken und Schwächen kannten (56%), ihre Aufgaben erfüllten (55%), nur selten bestraft werden mussten (55%), mit sich selbst zufrieden (54%) und glücklich (54%) waren. Kinder, die zum Zeitpunkt der Inpflegegabe weniger feindselig und negativistisch waren, enge Beziehungen tolerieren konnten, Angst vor Ablehnung hatten und Selbstachtung besaßen, entwickelten sich zumeist besser (Dore/Eisner 1993; Fanshel/Finch/Grundy 1990).

Zumeist werden auch die Schulleistungen während der Familienpflege besser. Laut der Untersuchung von Thorpe und Swart (1992) nahm die Zahl guter Schüler von 18% auf 30% zu. Auch mochten mehr Kinder ihre Lehrer, waren lernmotivierter und nahmen mehr an extracurricularen Aktivitäten teil. Timberlake und Verdieck (1987) stellten fest, dass 25% der Pflegekinder aus ihrer Stichprobe überdurchschnittliche, 51% durchschnittliche und 24% unterdurchschnittliche Schulleistungen erbrachten. In anderen Untersuchungen wurde festgestellt, dass die Pflegekinder überdurchschnittlich oft schlechte Schüler waren (Fanshel/Finch/Grundy 1990; Heath/Colton/Aldgate 1989; Heun 1984; Rowe et al. 1984). Hier könnten sich Folgen von Deprivation, Trennungen von Bezugspersonen, Pflegestellenabbrüchen, mangelnden sozialen Fertigkeiten, Resignation oder zu geringer Förderung von Lernaktivitäten zeigen.

Trotz positiver Entwicklungstendenzen bleiben viele Probleme. In der Untersuchung von Rowe und Kolleginnen (1984) wurden Konzentrationsmangel (42% der Fälle), Wutausbrüche (40%), Diebstähle (36%), Aufmerksamkeit suchendes Verhalten (35%), Schlafstörungen (29%), Sprachstörungen (29%), Lügen (28%), Enuresis (27%), Zerstörungssucht (23%), zu ruhiges oder zurückgezogenes Verhalten (22%), Angst vor neuen Situationen (20%) und Schulverweigerung (11%) genannt. Nur ganz selten wurde um professionelle Hilfe nachgesucht (so auch Thorpe/Swart 1992), obwohl ein Viertel der Pflegeeltern an den Problemen fast gescheitert wäre und aufgegeben hätte.

Nach der Untersuchung von McIntyre und Keesler (1986) zeigten 49% der Pflegekinder klinische Symptome auf der "Child Behavior Checklist", wobei es sich zumeist um Syndrome handelte (zum gleichen Forschungsergebnis kamen auch: Heath/Colton/Aldgate 1989). Geschlecht, Alter und Dauer der Familienpflege machten keinen Unterschied. Die Wissenschaftler berechneten, dass für Pflegekinder das relative Risiko, psychopathologische Symptome aufzuweisen, fast neunmal höher als für Kinder aus "Normalfamilien" war.

8. Pflegestellenabbrüche

Erziehungsschwierigkeiten und Verhaltensauffälligkeiten gehören zu den Hauptgründen für das Scheitern vieler Pflegeverhältnisse. Daneben spielen Probleme in der Pflegeeltern-Kind-Beziehung, Spannungen zwischen Pflegeeltern und leiblichen Eltern, negative Einflüsse aus der Herkunftsfamilie und Fehlvermittlungen eine Rolle (Boer/Spiering 1991; Heun 1984). Es werden unterschiedlich hohe Abbruchquoten genannt: 22% (Nielsen 1990), 34% (Berridge/Cleaver 1987) und bis zu 40% (Triseliotis 1989). Generell gibt es große Unterschiede zwischen einzelnen Pflegekinderdiensten (Berridge/Cleaver 1987; Heun 1984). Die meisten Pflegeverhältnisse scheitern in den ersten beiden Jahren.

Nach dem Scheitern eines Pflegeverhältnisses wechseln die meisten Kinder entweder in ein Heim oder in eine andere Pflegefamilie. Der Heimaufenthalt ist oft nur kurz und wird mit einer erneuten Inpflegegabe beendet. Da auch die neuen Pflegeverhältnisse häufig abgebrochen werden, durchlaufen manche Kinder eine ganze Reihe von Fremdplatzierungen. In den Stichproben der verschiedenen Untersuchungen hatten von 11% über 22%, 24%, 34% und 38% bis hin zu 50% der Pflegekinder drei und mehr Fremdplatzierungen hinter sich. Deren Zahl war größer bei Jungen, älteren Kindern, verhaltensauffälligen Kindern und Geschwistern, die bei der Inpflegegabe getrennt wurden.

Pflegestellenabbrüche und häufige Umplatzierungen sind für alle Betroffenen belastend, besonders aber für die Pflegekinder. Nach der Untersuchung von Heun (1984) machten sich 20% der Minderjährigen für das Scheitern des Pflegeverhältnisses verantwortlich, waren 43% darüber sehr traurig, litten 23% deswegen an Minderwertigkeitsgefühlen und waren 42% deswegen in ihrer Kontakt- und Bindungsfähigkeit beeinträchtigt. Heun schrieb: "So wird verständlich, wenn diese Kinder entweder Anpassungsschwierigkeiten haben oder zu Distanzlosigkeit neigen, wenn ihre Beziehungsunsicherheit und -unfähigkeit und Leistungsverweigerung zu einer Belastung für ihre Umgebung werden" (S. 93). Hinzu kommt, dass sie in der Regel mit jeder Umplatzierung die Schule, den Freundeskreis und den Lebenskontext wechseln müssen. Die zunehmende Zahl der Verlusterfahrungen und Zurückweisungen dürften ihr Sicherheitsgefühl, ihr Selbstwertempfinden, ihre Anpassungsfähigkeit und die Bewältigung anstehender Entwicklungsaufgaben beeinträchtigen.

9. Ehemalige Pflegekinder im Erwachsenenalter

Aus den bereits erwähnten Forschungsergebnissen über die Herkunft und Vorgeschichte von Pflegekindern, über ihre Entwicklung in der Pflegefamilie, über Verhaltensauffälligkeiten und Pflegestellenabbrüche lässt sich folgern, dass Pflegekinder schlecht für das selbständige und eigenverantwortliche Leben als Erwachsene gewappnet sind. Hinzu kommt, dass sie mit der Volljährigkeit oder dem Abschluss der Berufsausbildung in der Regel die Pflegefamilie verlassen (müssen) und dann auf sich selbst gestellt sind.

In der Untersuchung von Mann (1984) hatten alle vormaligen Pflegekinder einen Arbeitsplatz gefunden. Die Männer zögerten zumeist, sich an eine Partnerin zu binden. Alle Befragten wollten den eigenen - geborenen oder ungeborenen - Kindern mehr Liebe und Sicherheit geben, als sie selbst in ihrer Kindheit erfahren hatten. Von den 106 erwachsenen Pflegekindern, die von Fanshel, Finch und Grundy (1990) befragt wurden, hatten jedoch nur knapp zwei Drittel eine Arbeitsstelle; 10% empfingen staatliche Unterstützung. Knapp die Hälfte war ohne Partner. 44% waren wegen Diebstahl, Überfall, Drogen oder anderen Verdachtsmomenten von der Polizei verhört und 32% wegen ihrer Straftaten verurteilt worden. Jeweils 13% hatten zum Zeitpunkt der Befragung große Probleme mit Drogen- oder Alkoholmissbrauch. Ihre Lebenssituation war zumeist problematischer, wenn sie als Kinder in der Herkunftsfamilie misshandelt worden waren, wenn sie bereits vor oder während der Familienpflege delinquent waren und wenn sie viele Fremdplatzierungen erlebt hatten.

Auch Widom (1991) stellte fest, dass ehemalige Pflegekinder als Erwachsene überdurchschnittlich oft mit dem Gesetz in Konflikt kamen, wobei aber zwischen zwei Gruppen differenziert werden musste: Während Erwachsene, die nur wegen Vernachlässigung oder Misshandlung fremdplatziert worden waren, nicht signifikant häufiger als andere Erwachsene mit der Polizei zu tun hatten, wurden 60% von denjenigen Pflegekindern, die sowohl wegen delinquentem Verhalten als auch wegen Vernachlässigung und Misshandlung in eine Pflegefamilie kamen, als Erwachsene mindestens einmal von der Polizei verhaftet; 34% begingen gewalttätige Verbrechen. Besonders gefährdet waren solche Personen, die bei der Inpflegegabe bereits älter waren und häufiger die Pflegestelle wechselten.

Schließlich soll noch auf die Untersuchung von Mangine und Kollegen (1990) hingewiesen werden. Sie stellten fest, dass unter Obdachlosen und Stadtstreichern ehemalige Pflegekinder viermal häufiger als in der Bevölkerung vertreten waren. Diese machten 16% der allerdings sehr kleinen Stichprobe aus.

10. Konsequenzen für Pflegeeltern

Aus diesen Forschungsergebnissen ergeben sich einige Folgerungen für Pflegeeltern, die ich zum Abschluss meines Referats vortragen möchte:

(a) Deutlich wurde, dass die Herkunftsfamilien von Pflegekindern "Problemfamilien par excellence" sind. Gestörte Familienstrukturen und -prozesse sowie andere Belastungen mussten schon fast "automatisch" zu Verhaltensauffälligkeiten bei den Kindern führen. Wie groß die Probleme dieser Familien sind, zeigt sich auch darin, dass die Verhaltensauffälligkeiten der Kinder in der Regel nicht die Ursachen für die Inpflegegabe sind. Als Problemfamilie par excellence ist die Herkunftsfamilie natürlich auch ein schwieriger Kooperationspartner für Pflegefamilien.

(b) Das Alter bei der Inpflegegabe liegt bei durchschnittlich sechs bis sieben Jahren. Dies bedeutet, dass die Verhaltensauffälligkeiten und psychischen Störungen des Kindes noch nicht sehr verfestigt sind. Bei einer guten Erziehung in der Pflegefamilie, insbesondere wenn sie z.B. durch heilpädagogische Maßnahmen ergänzt wird, kann durchaus eine Besserung erreicht werden. Das niedrige Alter bedeutet aber auch, dass die geistigen Fähigkeiten des Kindes noch nicht so ausgeprägt sind, als dass es kognitiv verarbeiten könnte, was mit ihm passiert. Das Kind ist also auf genaue und wiederholte Erklärungen angewiesen, wieso es sich jetzt in einer Pflegefamilie befindet. Dabei ist z.B. besonders wichtig, dass ihm erklärt wird, dass es für diese Situation nicht verantwortlich ist, dass es keine Schuldgefühle haben muss, dass es nicht liebenswert ist.

(c) In den meisten Fällen ist die Inpflegegabe keine Übergangslösung, sondern eine Jugendhilfemaßnahme auf Dauer. So verbessert sich die Situation in der Herkunftsfamilie nicht so weit, als dass das Pflegekind rückgeführt werden könnte. Ursachen hierfür liegen z.B. in der Vielzahl und Komplexität der Probleme von Herkunftsfamilien sowie in deren unzureichenden Betreuung - oder besser: Behandlung - durch psychosoziale Dienste. Selbst wenn eine Rückführung des Pflegekindes versucht wird, so scheitert diese oft. Das Kind ist dann dreifach "geschädigt": durch die Trennung von der Pflegefamilie, durch das erneute Scheitern in der bzw. der Herkunftsfamilie und eine weitere Fremdplatzierung. Deshalb ist es wichtig, bei der Erstellung des Hilfeplans oder zumindest im Verlauf des ersten Jahres der Inpflegegabe zu entscheiden, ob es sich um ein Pflegeverhältnis auf Zeit oder auf Dauer handelt. Damit wird die Unsicherheit bei den Pflegeeltern und vor allem bei dem Kind reduziert - was auch die Problematik des "Beziehungstestens" durch das Pflegekind verringern dürfte. Außerdem werden weniger unrealistische Erwartungen an die Pflegeeltern betreffs der Kontrolle ihrer Gefühle gegenüber dem Kind - bei dem sie nicht die Elternrolle übernehmen sollen - und betreffs der Zusammenarbeit mit der Herkunftsfamilie gestellt.

(d) Die meisten Pflegefamilien werden somit zu Ersatzfamilien, auch was die Art der Eltern-Kind-Beziehung, das emotionale Empfinden auf beiden Seiten und das beobachtbare Verhalten betrifft. Das muss auch berücksichtigt werden, falls sich erst nach mehreren Jahren der Familienpflege die Möglichkeit einer Rückführung ergibt.

(e) Erst allmählich wird erkannt, dass für die leiblichen Kinder von Pflegeeltern Familienpflege mit einer ganzen Reihe unterschiedlicher Probleme wie Geschwisterrivalität, Konflikte, Ausstoßungsängste oder Nachahmung unerwünschten Verhaltens verknüpft sein kann. Leibliche Kinder müssen z.B. auf das Teilen der elterlichen Zuneigung, das Verhalten von Pflegekindern, Unterschiede bezüglich der Erwartungen an sie und die "Pflegegeschwister" sowie die eventuelle Trauer bei der Trennung von diesen vorbereitet werden.

(f) Die leiblichen Eltern bleiben für das Pflegekind immer wichtig. Auch aus der Adoptionsforschung wissen wir, dass selbst Kinder, die nie ihre leiblichen Eltern gesehen haben, sich gedanklich viel mit ihnen befassen - ohne dies den Ersatzeltern zu sagen. Das gilt vermehrt für Pflegekinder, bei denen positive, negative bzw. ambivalente Bindungen an leibliche Eltern (und andere Verwandte) bestehen. Wichtig ist zum einen, dass Kindern weiter der Kontakt ermöglicht wird und die Pflegeeltern zumindest eine neutrale Haltung hierzu einnehmen - was durchaus schwer sein kann, wenn man die problematischen Familienverhältnisse kennt und weiß, was dem Kind angetan wurde. Erschwerend kommt hinzu, dass die leiblichen Eltern bewusst oder unbewusst als "Konkurrenten" erlebt werden, insbesondere wenn das Kind noch positive Bindungen an sie zeigt. Zum anderen ist wichtig, dass das Kind die Möglichkeit hat, über seine vergangenen und gegenwärtigen Erfahrungen mit der Herkunftsfamilie zu sprechen. Da es hier Hemmungen haben kann - weil es z.B. Angst davor hat, die Pflegeeltern zu verletzen -, benötigt es oftmals eine "sanfte Ermutigung" bzw. ein (wiederholtes) offenes Gesprächsangebot.

(g) Pflegefamilien sind Familien mit besonderen Belastungen. Das gilt besonders für die Eingewöhnungsphase mit einem neuen Pflegekind. Aber auch danach bleiben noch viele Erziehungsschwierigkeiten und andere Probleme. Außerdem gibt es hohe Abbruchquoten, die zeigen, dass manche Pflegefamilien mit diesen Belastungen nicht zurechtkommen. Hier wird deutlich, dass dringend ein Unterstützungssystem für Pflegefamilien aufgebaut werden muss. Tabelle 2 verdeutlicht, wie m.E. ein solches System aussehen könnte. Pflegeeltern müssen aber auch lernen, sich frühzeitig einzugestehen, dass sie Probleme mit ihrem Pflegekind haben, und dann nach Hilfsangeboten suchen. Das bedeutet zum einen, dass sie Versagensängste überwinden müssen - Pflegeeltern haben nicht versagt, weil sie sich z.B. wegen Erziehungsschwierigkeiten an eine Beratungsstelle wenden; jeder kann sich vorstellen, dass es nicht leicht ist, mit einem Problemkind aus einer Problemfamilie (die Herkunftsfamilie) zusammen zu leben. Zum anderen müssen sie die Schwellenangst vor psychosozialen Diensten überwinden - die Nutzung professioneller Hilfe ist heute normal. Eine frühzeitige Suche nach Unterstützung - wenn die Probleme noch lösbar erscheinen, wenn die Pflegeeltern noch Energie und Hoffnung haben - kann letztlich eine Umplatzierung mit all den negativen Folgen für das Kind verhindern.

(h) Pflegekinder bleiben eine Problemgruppe, selbst wenn sie bereits erwachsen sind. Deshalb ist es wichtig, sie auch über ihre Volljährigkeit hinaus zu begleiten. Dies wird aber kaum noch die Aufgabe von Pflegeeltern sein.

Anmerkung

Dieses Referat wurde am 22.09.1995 Referat im Rahmen der Pflege- und Adoptivelternwoche des Arbeitskreises Pflegekinderdienste der Städte Konstanz, Singen und des Landkreises Konstanz in Radolfzell gehalten; Tabellen und Literaturverzeichnis fehlen.

Mehr Tempo für das Kindeswohl?

Main-Tauber-Kreis. Vor zwei Jahren wurde das Gesetz über das Verfahren in Familiensachen, kurz FamFG, geändert. Die Auswirkungen auf die Arbeit des Jugendamtes erläuterte Amtsleiter Martin Frankenstein am Dienstag.

Das Gesetz über das Verfahren in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit (FamFG) ist am 1. September 2009 in Kraft getreten. Mit ihm wurde das gerichtliche Verfahren vor allem in Familiensachen in einer einzigen Verfahrensordnung zusammengefasst. Die Rollen beteiligter Institutionen wurden neu bestimmt, das Zusammenwirken der Akteure noch stärker hervorgehoben, so Jugendamtsleiter Martin Frankenstein am Dienstag vor dem Jugendhilfeausschuss des Landkreises.

Die Arbeit der Verwaltung betreffen besonders die Veränderungen bei Verfahren in Kindschaftssachen - in Zusammenhang mit Trennung und Scheidung oder wegen Gefährdung des Kindeswohls.

Die gute Kooperation in den Verfahren sei für die öffentliche Jugendhilfe von großer Bedeutung, so Frankenstein. Das Risiko, dass Kinder und Jugendliche in Pflegeheimen aufwachsen müssen, steige um ein Vielfaches, wenn sie in einem Alleinerziehendenhaushalt oder mit einem Stiefelternteil aufwachsen. Dies werde durch die Inanspruchnahmen stationärer Hilfen von Minderjährigen belegt - eine entsprechende Grafik lag dem Ausschuss dazu vor.

Wie Frankenstein erläuterte, gehe es bei der Erfüllung des FamFG nicht allein um die "mechanische" Umsetzung der gesetzlichen Anforderungen. In Kooperation mit Eltern, Gerichten, Beratungsstellen und übrigen Kooperationspartnern müsse erreicht werden, dass bei Trennungen die Eltern weiterhin gemeinsam für ihre Kinder sorgen und eine Fremdunterbringung vermieden wird. Hier sind besonders die Beratungsstellen gefragt (siehe gesonderten Bericht).

Eltern wieder die eigenständige Elternverantwortung für ihre Kinder zu ermöglichen, war das Ziel des "Cochemer Modells", das Frankenstein ansprach. Die Praxis, sich schnell mit den Beteiligten an einen Tisch zu setzen, habe sich bewährt und sei ins FamFG eingeflossen.

Als konkrete Veränderungen für das Jugendamt durch das neue Gesetz führte Frankenstein an:

Bestimmte Kindschaftssachen (Aufenthalt, Umgangsrecht) und Verfahren wegen Gefährdung des Kindeswohls sind beschleunigt durchzuführen. In strittigen Verfahren soll das Familiengericht spätestens nach einem Monat einen ersten Erörterungstermin anberaumen. Dies betrifft als Verfahrensbeteiligten auch das Jugendamt.

Kinder über 14 sind vom Familiengericht persönlich anzuhören, bei wichtigen Gründen auch, wenn sie unter dieser Altersgrenze liegen.

Das Jugendamt muss das Familiengericht als "Lieferant von Informationen" (Frankenstein) unterstützen. Es kann nach neuer Rechtslage als formal Beteiligter an Verfahren teilnehmen. Dies wurde in der Praxis bislang nicht angewandt, so Frankenstein: "Wir erhalten alle relevanten Informationen."

Der Auftrag der Beratungsstellen ist durch das FamFG stärker in die familiengerichtlichen Verfahren eingebunden. Das Gericht verpflichtet Eltern zur Wahrnehmung des Leistungsanspruchs der Beratung. Neben dem Jugendamt wird Trennungs- und Scheidungsberatung im Landkreis in erster Linie von den Beratungsstellen des Caritasverbands in Tauberbischofsheim und Wertheim sowie des Evang. Kirchenbezirks Weikersheim in Bad Mergentheim angeboten, etwa mit "begleitetem Umgang".

Das Jugendamt kann durch das FamFG beim Familiengericht einen Erörterungstermin wegen einer bestehenden Gefährdungssituation beantragen, bei Gefährdung des Kindeswohls auch ein Eilverfahren anregen.

In der Arbeitspraxis des Amtes sei noch engere Kooperation mit Familiengerichten und Beratungsstellen, gute Kommunikation zwischen den Sachgebieten, gute Organisation und große Flexibiliät der Mitarbeiter gefragt. Personell sei die Aufgabenerweiterung leistbar. Das kommende Kinderschutzgesetz werde personell eher zum Kriterium, befürchtet Frankenstein. tom

Info Im Jugendhilfeausschuss des Landkreises sitzen Mitglieder des Kreistages, der Jugendverbände, der Liga der freien Wohlfahrtsverbände sowie beratend Vertreter von Kirchen, Schulen, Rechtspflege, Polizei und Gesundheitswesen.

Dienstag, 27. September 2011

Jugendamt Lichtenberg/Freiberg ignoriert gerichtliche Beschlüsse wegen Umgang zum Vater


Lichtenberg/Freiberg. Sven K. (Name von der Redaktion geändert) versteht die Welt nicht mehr. Eigentlich will sich der Lichtenberger nur so gut wie möglich um seinen dreijährigen Sohn kümmern. "Doch das wird mir verwehrt. Einerseits von der Mutter des Kindes, von der ich seit über einem Jahr getrennt bin, anderseits auch vom Jugendamt", sagt der Vater. Denn das Amt würde gerichtliche Vereinbarungen zum gemeinsamen Sorge- und Umgangsrecht ignorieren und seine elterliche Fürsorge übergehen. Grund genug für ihn, jetzt eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen das Amt zu stellen.

Er verweist auf eine gerichtliche Vereinbarung. In der ist unter anderem geregelt, dass er mit seinem Kind in den Sommerferien zwei Wochen verbringen kann. "Tatsache ist, dass ich meinen Sohn eine einzige Woche sehen durfte, und das Jugendamt tut nichts. Wahrscheinlich bin ich als Vater nur dazu da, Unterhalt zu zahlen", erzählt Sven K. aufgebracht. Sein Eindruck: "Wenn Väter mal ein Problem haben, dreht sich kein Rad, aber wehe die Mutter klagt, dann springen die Mitarbeiter vom Amt."

Sven K. ist kein Einzelfall. 2010 wurden elf Dienstaufsichtsbeschwerden gegen Mitarbeiter des mittelsächsischen Jugendamtes gestellt. In diesem Jahr sind es bisher sieben.

"Allerdings haben wir den Beschwerden in keinem einzigen Fall stattgegeben", sagt Kreisbeigeordneter Dieter Steinert. Denn eine Dienstaufsichtsbeschwerde sei nur gerechtfertigt, wenn der Beschäftigte ein persönliches Fehlverhalten an den Tag gelegt hat.

Dies sei im Fall von Sven K. nicht so. Denn: "Das Jugendamt ist nicht dazu da, gerichtliche Regelungen durchzusetzen. Das ist nicht unsere Aufgabe. Das Amt hat eine beratende und vermittelnde Funktion", betont Steinert. So könnten die Sozialarbeiter mit den Eltern gemeinsam versuchen, eine Lösung zu finden, die dem Wohle des Kindes dient. Doch oft seien die Parteien so gegeneinander aufgebracht, dass eine Vermittlung zwischen ihnen schwer falle. Gerichtliche Vereinbarungen aber könne nur ein Gericht durchsetzen.

Dies bestätigt Thomas Mittelstädt, Freiberger Rechtsanwalt und seit Jahren auf dem Gebiet des Familienrechts tätig. Der Vater habe in dem konkreten Fall zwei Möglichkeiten: "Entweder er strebt gerichtlich ein Zwangsgeld gegen die Mutter an, weil diese sich nicht an die Vereinbarungen hält, oder er leitet ein Vermittlungsverfahren beim zuständigen Familiengericht ein." Dieses müsse dann innerhalb eines Monats reagieren.

"Es ist aber in jedem Fall besser für das Kind, wenn sich die Eltern gütlich einigen." Und dafür könne sich das Jugendamt durchaus mehr ins Zeug legen, findet Thomas Mittelstädt. "Es kann keine Urteile durchdrücken. Aber es kann Mutter und Vater an einen Tisch holen und versuchen, die Konflikte zu entschärfen", sagt der Anwalt. Manchmal sei dann der Weg zum Gericht überflüssig.

Dort sind Fälle wie die des Sven K. keine Seltenheit, weiß Barbara Kaltschik, Pressesprecherin am Amtsgericht Freiberg. "2010 waren zum Beispiel 120 Verfahren wegen Streitigkeiten zur elterlichen Sorge und weitere 70 Verfahren wegen Streitigkeiten zum Umgang anhängig. In diesem Jahr dürfte sich keine andere Größenordnung ergeben", sagt sie.

Für Sven K. hat das Jugendamt mittlerweile seine Daseinsberechtigung verloren. "Ich stehe als Vater allein auf weiter Flur, von dort bekomme ich keine Hilfe."

erschienen am 26.09.2011 ( Von Kerstin Blossey )

Jugendamt Herten - Streit um's Kindeswohl


Herten. Der Fall ist nicht einfach und die Fronten sind verhärtet. Das Jugendamt der Stadt hatte im April aus einer Familie fünf Kinder im Alter von seinerzeit fünf Monaten bis sechs Jahren heraus und in seine Obhut genommen. Der Vorwurf wiegt schwer. Kinder sollen in der Familie geschlagen und verletzt worden sein. Das Tauziehen um das Kindswohl begann. Gestern demonstrierte die Familie Dag samt Freunden, Unterstützern und Bekannten vor dem Rathaus an der Kurt-Schumacher-Straße. Es geht ihnen darum, auch das fünfte Kind wieder zurück zu bekommen.

Vier Kinder hatte das Jugendamt am vergangenen Freitag bzw. Samstag nach fünf Monaten wieder in die Obhut der Familie gegeben. Nicht freiwillig. Die Eltern hatten eine richterliche Verfügung erwirkt. Das Gericht sei damit einer Gutachterin gefolgt, die gegen die Rückkehr für vier der fünf Kinder in die Familie keine Bedenken hatte.

„Wir haben Beschwerde gegen das Urteil eingelegt“, sagte gestern Stadtsprecherin Nele Däubler. Mit dem Fall werde sich nun das Oberverwaltungsgericht befassen müssen. Nach den vorliegenden Erkenntnissen sei die Verwaltung, so die Sprecherin, festen Willens alle Rechtsmittel auszuschöpfen. Es gebe schwerwiegende Vorwürfe, die großen Anlass zur Sorge um das Kindswohl geben. Weitere Einzelheiten könne die Stadt aus rechtlichen Gründen öffentlich nicht nennen.

Dies aber tut der Vater der Kinder, der öffentlichen Druck macht. Seine Kinder seien der Familie zu Unrecht fünf Monate lang vorenthalten worden. „Und dies nur auf Grund von Unterstellungen.“ Beweise gebe es nicht für den Vorwurf der Misshandlung, erklärte die Familie gestern.

Demnach sei das Jugendamt der Stadt durch ein Krankenhaus, in dem eines der Kinder behandelt werden musste, informiert worden. Eines der Kinder hatte Kopfverletzungen erlitten. Ein weiteres habe einige Zeit zuvor zahlreiche blaue Flecken aufgewiesen. Einer türkischen Zeitung gegenüber erklärte er, die Haushaltshilfe des Jugendamtes habe das Kind misshandelt. Den Beteuerungen, es habe sich bei der Kopfverletzung um einen Unfall gehandelt – der 18 Monate alte Sohn sei mit einem Fruchtsaftglas in der Hand auf den fünf Monate alten Säugling gestürzt – sei kein Glauben geschenkt worden. Die Familie Dag fühlt sich durch die richterliche Anordnung in ihrer Haltung bestätigt, dass die Kinder in die Familie gehören.

Anfang des Jahres habe es erste Hinweise beim Jugendamt gegeben. Zunächst habe man mit den üblichen Instrumenten versucht, die 28 Jahre alte, fünffache Mutter zu unterstützen. Familienbesuche, Haushaltshilfe, kurz: das ganze soziale Hilfsprogramm. Im April dieses Jahres entschloss sich das Jugendamt zu dem drastischen Schritt und holte die Kinder aus der Familie. Sie wurden in Pflegefamilien und Wohnhäusern untergebracht.

Familienvater Abdullah Dag setzte alle Hebel in Bewegung, bis hin zu den juristischen. Der Ton zwischen Eltern und Jugendamt wurde im Verlauf rauer. Verhinderung von Integration wurde der Stadt Herten vorgeworfen. Im Zuge der Auseinandersetzung kam es auch zu einem tätlichen Übergriff auf einen Mitarbeiter im Jugendamt durch den Vater, der notfalls für seine Sache bis vor den Gerichtshof für Menschenrechte ziehen will.

Hilfe steht oben an

Von der Möglichkeit, Kinder aus den Familien zu holen, weil ihr Wohl gefährdet ist, wird relativ wenig Gebrauch gemacht. Im letzten Jahr traf dies in Herten auf fünf Kinder aus verschiedenen Familien zu. Hilfen und Unterstützung in der Bewältigung des Familienalltags stehen an oberster Stelle, wie die Zahl aus dem letzten Jahr auch zeigt. Das hat zum einen den Hauptgrund, dass Kinder im Familienverbund besser aufgehoben sind und zum anderen auch einen finanziellen Grund. Eine Unterbringung in Heimen kann den Hertener Steuerzahler locker über 100 000 Euro pro Kind und Jahr kosten.

Sonntag, 25. September 2011

Freiheit für Eugen Adelsmayr


Vorgeschichte:

Das Schicksal des österreichischen Mediziners sorgt in dem Wüstenstaat derzeit für Schlagzeilen. Jahrzehntelang galt der gebürtige Oberösterreicher als einer der besten Mediziner, die jemals in Dubai Fuß gefasst hatten. Er leitete im Rashid Hospital die Intensivstation und rettete Hunderten Arabern das Leben. Doch das Leben eines Pensionisten, der bereits dem Tod geweiht war, soll er haben verkürzen wollen. Der Arzt bestreitet den Vorwurf der Sterbehilfe jedoch vehement. In Wahrheit habe er stets die Regeln des Spitals befolgt, der Prozess gegen ihn sei durch ein Verleumdungskomplott zweier Kollegen entstanden, denen sein Erfolg ein Dorn im Auge sei. Kronen Zeitung/AG Laut eigenen Angaben hatte sich Eugen Adelsmayr allerdings zum Zeitpunkt des Todes des Patienten bereits 36 Stunden außer Dienst und nicht mehr im Krankenhaus befunden. Eugen Adelsmayr darf sich vor Gericht weder dazu äußern noch Fragen stellen. TODESSTRAFE DROHT!

Botschaft in Abu Dhabi: Dr. Julius Lauritsch Österreichischer Botschafter in Abu Dhabi Al Khazna Tower, 7th floor, Najda Street (Street No 6), PO Box 35539, Abu Dhabi Tel.: (+971/2) 6766611 oder 6713632 Fax.: (+971/2) 6715551 e-mail: abu-dhabi-ob(at)bmeia.gv.at

http://www.facebook.com/pages/Freiheit-f%C3%BCr-Eugen-Adelsmayr/122900231138441?sk=wall

Ware Kind - "In Deutschland muss man sich sein Kind erkaufen"!



Der Kinderkommerz

…oder passender: Wie man mit verfassungswidrigem Kinderhandel in Deutschland mächtig Geld verdienen kann.

PAS, Borderliner, Gutachter, Sozialpädagogen, Pflegeeltern, Anwälte, Frauenhäuser, Clearingstellen, Jugendämter, Sachver-ständige, Mediatoren, Mediziner, Jugendhilfeeinrichtungen, Psychologen, Gerichtsvollzieher, Eheberater, Richter,… Raubritter oder Engel in der Not?

Ist das die Scheidungsindustrie?

Das wird wohl so sein, denn in diesem gar so schmutzigen Geschäft, das juristisch bestens geregelt und sanktioniert wurde, fallen pro Jahr ca. zwanzig Milliarden Euro an, die dabei umgesetzt werden. Diese horrende Summe werden Sie mir kaum abnehmen, weil kaum jemand ermessen kann, was eine Million Euro an Geltung und Kaufkraft bringt. Zwanzig Milliarden übersteigen das Vorstellungsvermögen des Normalbürgers. Sie meinen bestimmt, es sei mit der Trennung an sich dann vorbei, aber da haben Sie sich getäuscht: Das geht über Jahre weiter im Krisenkarussell der Geldbesessenen. Bedenken Sie bitte auch die Spätfolgen, die sich selbst drei Jahre nach der Trennung noch weiter vertiefen. Ärzte lassen ihre neu gewonnenen Scheidungskunden nicht mehr los. Psychiater leisten über Jahre ihren Beitrag dazu, Ihre Kinder auch schon im Vorschulalter auf die Couch zu legen, damit sie bis ins spätpubertäre Alter ihre Rechnungen über die Krankenkassen einziehen dürfen.

Bei einer Buchbesprechung in München sagte mir Ende 2006 der namhafte Menschenrechtler Dr. Peter K., (ein zugelassener Familienanwalt):

„In Deutschland musst du dir dein Kind erkaufen“

Das nahm ich ihm anfangs nicht ab und wusste nicht, was er damit meinte. Heute, nach vielen Jahren der Recherche, fünf Jahren Kindesentzug und dem Bewusstsein, dass der Mann definitiv Recht hatte, weiß ich auch, wie hinterlistig und hart dieses menschenunwürdige und verfassungswidrige Verhalten konsequent und täglich umgesetzt wird.

Ich darf Ihnen dazu eine kleine Rechnung aufstellen: Zwei Anwälte im Scheidungsverfahren (Unterhalt und Zugewinnberechnung) kosteten mich 15.000 Euro - für drei Jahre ebenso intensiver wie unnützer Rechenarbeit. Die Umgangsregelung und das Sorgerechtsverfahren waren teilweise auch dabei. Da seine Dienstleistung aber alles andere als berauschend und keinesfalls wunschgemäß war, sagte ich ihm ab und nahm eine Rechtsanwältin aus einer anderen Stadt. Erbost schrieb er das Gericht an und erklärte, mit mir könne man nicht zusammenarbeiten, ich liefere nicht die erwarteten „Unterlagen“. Im Übrigen auch ein galanter Schachzug von Familienrichtern, die zu anfangs in ihre Beschlüsse schreiben, Sie seien nicht auskunftsbereit oder liefern nicht alle Unterlagen um Sie später einfach finanziell schätzen zu können.

Im Vorfeld der juristischen Streiterei benötigten die meisten Eheleute diverse, ominöse Eheberater, die nach etwa zehn Sitzungen lediglich 700 Euro vereinnahmen. Ein eineinhalbstündiges Mediationsverfahren bei einem Münchener Anwalt kostete schlappe dreihundert Euro. Einen wirklichen Nutzen hatte das aber ganz und gar nicht. In den seltensten Fällen wird das Schiff der Ehe noch zu retten sein, wenn der eine Partner innerlich bereits seinen Abschied vom Bund fürs Leben eingeleitet hat. Aber Eheberater sind in Mode gekommen bei einer Scheidungsrate von über fünfzig Prozent, und es finden sich kaum noch Paare, die nicht vor der Scheidung mindestens zwei oder drei Berater aufgesucht hätten.

In dieser Zeit war ich psychisch bereits so angeschlagen, dass ich mehrfach im Jahr krank wurde und nicht zur Arbeit gehen konnte. Dennoch brauchte ich im Trennungszeitraum meinen Hausarzt und viele teuere Medikamente gegen Bluthochdruck und Magen-beschwerden. Dafür kamen im Monat gut und gerne 150 Euro zusammen.

Die Gerichtsverhandlungen waren relativ günstig und kosteten mich nur ca. 2.000 Euro. Meine Ex-Frau bekam von Anfang an immer Prozesskostenhilfe, was hieß, dass sie streiten konnte bis zum St.-Nimmerleinstag, weil sie ja weder für ihre Anwältin noch für das Gericht zahlen musste. Diese in der Regel von Frauen eingehamsterte Prozesskostenhilfe kostet den Steuerzahler schlappe vierzig Millionen Euro im Jahr. Diese zahlen Sie, lieber Leser!

Hinzu kommen gerichtlich angeordnete Sachverständigengutachten, oftmals abgerechnet über die Staatskassen. Natürlich wieder bei einer namhaften Münchner Firma, die sich darauf konzentriert, dem Richter den Hintern zu wischen und ihm genau das Gutachten beizubringen, das er gerne haben möchte. Diese Lebens-Symbiose könnte man auch Korruption nennen.

Ich nenne es anders: Es besteht der Verdacht von Korruption zwischen einer Gutachterfirma und mehreren bayrischen Familienrichtern, weil diese immer wieder die gleiche Firma beauftragen, die eben diese familienpsychologischen Gutachten erstellen.

So ein Gutachten kostet mindestens 6.000 Euro, nicht selten aber auch deutlich mehr. Bis zu 15.000 Euro sind durchaus möglich. In der Regel ist das von der Zahl der geschriebenen Seiten abhängig. Pro Seite werden 100 bis 140 Euro veranschlagt. „Mein“ Pamphlet brachte vierzig Seiten auf die Waage und kostete 6.300 Euro. Weil dieses Gutachten ohne ersichtlichen Grund für mich niederschmetternd ausfiel, übergab ich es einer Kritikerin für Sachverständige, die dann im Nachhinein noch ein sinnvolles Gegengutachten anfertigte. So blätterte ich nochmals 500 Euro auf den Tisch. Quasi ein Spezelpreis unter Freunden. Der Richter nahm beide nicht an und es blieb auch immer seine Entscheidung, ob er sie zum Verfahren annahm oder nicht. Lesen wird er sie wohl kaum, meist nur das Fazit auf der letzten Seite.

Ich denke allerdings, bei mir las er beide nicht. Es hätte zu viel Zeit gekostet.

Ihr Kind muss aufgrund der Trennungssituation zum Kinderpsychologen. Das ist die Lizenz zum Gelddrucken. Versuchen Sie einmal einen geeigneten Platz für eine Mutter-Kind-Therapie zu finden. Sie warten in der Regel schon mal sechs bis acht Monate auf die Behandlungstermine bei der Frau Doktor, und da kostet dann eine Stunde 135 Euro netto, was dann einen Bruttobetrag von 160,65 Euro ausmacht. Abgerechnet über die Krankenversicherungen. Diese Therapie dauert mindestens drei Monate, kann sich aber auch auf Jahre hinausziehen. Zwei Mal pro Woche (a zwei Stunden) ergibt das eine Summe von 7.711,20 Euro für eine Mutti mit Kind. Letztendlich bezahlt vom Steuerzahler oder von den Krankenkassen. Als Peter seiner Ex-Frau verboten hatte, dass sie mit ihrer Tochter zur Kinderpsychologin geht, bekam er prompt den gerichtlichen Antrag auf Übertragung des alleinigen Sorgerechts auf die Mutter zugesandt. Nur durch beherztes Eingreifen seiner Anwältin konnten er das gemeinsame Sorgerecht behalten. Seine Forderung sein Kind nicht zum Psychologen zu zerren, war null und nichtig. Ich persönlich bin selbst felsenfest davon überzeugt, dass vierjährige Kinder ganz und gar nichts bei Psychologen zu suchen haben. Das alles dient nur einem Interesse, und das ist die finanzielle Ausbeutung durch ein marodes Gesellschafts-Unrechtssystem, das sich familienpolitisch am Rand der Menschlichkeit bewegt.


+++ PETER STRAWANZA +++

http://www.warekind.de/

Rückführung des Pflegekindes/Antrag auf Verbleiben des Pflegekindes in der Pflegefamilie - die Theorie


Die Rückführung des Kindes aus der Pflegefamilie in die Herkunftsfamilie ist in der zentralen Vorschrift des § 1632 Abs. 4 BGB geregelt. Diese Vorschrift ist mithin eine Schutzvorschrift für Pflegekinder, die sich in Dauerpflege befinden und die in ihrer Entwicklung unter Umständen deshalb gefährdet werden könnten, weil ihre Eltern sie aus der Pflegefamilie herausnehmen wollen.

Nach dem Zweck dieser Vorschrift sollen Pflegekinder geschützt werden, die seit längerer Zeit in einer Pflegefamilie sind. Der Zeitbegriff ist insoweit nicht absolut zu verstehen, sondern kinderpsychologisch, das heißt, es gilt ein relativer, an der Erlebnisverarbeitung von Kindern orientierter Zeitbegriff. Es kommt darauf an, ob die Pflegezeit dazu geführt hat, dass das Kind seine Bezugswelt in der Pflegefamilie gefunden hat und deshalb die Herausnahme zu diesem Zeitpunkt die Gefahr schwerwiegender psychischer Schäden mit sich brächte.

Das Kind muss mithin eine tragfähige Beziehung in der Pflegefamilie entwickelt haben. Maßgeblich ist, dass das kindliche Zeitempfinden an die Möglichkeit und Geschwindigkeit von Bedürfnisbefriedigung gebunden ist, die das Kind als notwendig und zufriedenstellend empfindet.

Unter Umständen kann das Merkmal der längeren Zeit auch nach mehreren Jahren verneint werden, wenn sich das Kind in die Pflegefamilie überhaupt nicht eingelebt hat. Bei einem älteren Kind kann eine Herausnahme nach sechs Monaten möglich sein, während für ein einjähriges Kind sechs Monate sehr lang sein können. Die Rechtsprechung ist in diesen Zeitabschnitten sehr unterschiedlich gelagert. 18 Monate sind jedoch eine lange Zeit, wenn das Kind die ganze Zeit bei Pflegeeltern verbracht hat, vgl. Ffm FamRZ 04, 720.

Wenn etwa das Jugendamt, der Amtsvormund, die leiblichen Eltern, die noch Inhaber der elterlichen Sorge oder zumindest des Aufenthaltsbestimmungsrechts sind, die Absicht äußern, das Kind aus der Pflegefamilie wegnehmen zu wollen, dann haben die Pflegeeltern grundsätzlich ein Rechtsschutzbedürfnis auf eine familiengerichtliche Entscheidung über den Verbleib des Pflegekindes in ihrer Familie.

Das Familiengericht hat sich bei der Entscheidung am sogenannten Kindeswohl zu orientieren. Das Familiengericht sollte eine derartige Entscheidung nur auf Grundlage eines aktuellen familienpsychologischen Gutachtens entscheiden.

Das psychologische Gutachten sollte dabei regelmäßig zwei Ausgangshypothesen prüfen:

1. Die Herausgabe des Kindes aus der Pflegefamilie stellt das geringere Risiko für das Kind dar.

2. Das Verbleiben des Kindes in der Pflegefamilie stellt das geringere Risiko dar.

Es muss stets die jeweilige Situation des Kindes betrachtet werden. Pauschalierte Stellungnahmen lassen sich nicht abgeben.

Das Bundesverfassungsgericht, unser höchstes deutsches Gericht, hat entschieden, dass der Wunsch der Eltern auf Herausgabe des Kindes nur dann versagt werden darf, wenn durch die Wegnahme des Kindes von der Pflegeperson das körperliche, geistige oder seelische Wohl des Kindes gefährdet würde, vgl. BVG NJW 85, 423.

Das Herausgabeverlangen der Eltern scheitert deshalb nicht schon dann, wenn das Kind bei den Pflegeeltern gut versorgt wird oder diese auch sonst geeigneter erscheinen als die leiblichen Eltern. Das natürliche Vorrecht der Eltern hat dann zurückzutreten, wenn die Aufenthaltsänderung bei dem Kind zu nicht unerheblichen körperlichen oder seelischen Schäden führt oder führen kann. Entscheidend ist das Ausmaß der Integration des Kindes in die Pflegefamilie. Bezugspersonen brauchen in diesem Zusammenhang nicht die Pflegeeltern selbst, sondern können auch Pflegegeschwister, Nachbarn oder Schulfreunde des Kindes sein.

Hat das Kind in der Pflegefamilie seine Bezugswelt gefunden und ist seinen leiblichen Eltern entfremdet, so muss im Konflikt zwischen dem Grundrechtschutz auch langfristige Pflegeelternschaft und dem an sich vorrangigen Erziehungsrecht der leiblichen Eltern aus Gründen des Kindeswohls das Recht der Eltern zurücktreten.

In diesen Fällen hat das Gericht eine Verbleibensanordnung für das Kind in der Pflegefamilie zu treffen.

Es ist immer zu fragen, ob das Kind in der Pflegefamilie eine enge Beziehung aufgebaut hat, sichere Bindung zu seinen leiblichen Eltern, die leiblichen Eltern darüber hinaus (wieder) erziehungskompetent sind und ob das Kind erneut zu seinen Eltern will. Nur dann sollte eine entsprechende Entscheidung erfolgen. Dieser Prozess der Rückführung sollte darüber hinaus aus kinderpsychologischer Sicht einige Monate, wenn nicht sogar ein Jahr in Anspruch nehmen. Das Rückführungsprogramm setzt zum Wohl des Kindes eine gute Kooperation der leiblichen Eltern und der Pflegeeltern miteinander voraus.

Bei der Abwägung hat das Gericht auch immer zu prüfen, welches der Anlass war, dass das Kind in eine Pflegefamilie gewechselt hat.

Haben die leiblichen Eltern beispielsweise ihr Kind selbst in Pflege gegeben und hat das Kind eine entsprechende Beziehung zur Pflegefamilie aufgebaut, so ist die Herauslösung aus der Pflegefamilie nur ausnahmsweise vertretbar, vgl. Karlsruhe NJW 79, 930.

Ein Verfahren auf Verbleiben des Pflegekindes in der Pflegefamilie gemäß § 1632 Abs. 4 BGB haben die Pflegeeltern beim zuständigen Familiengericht einzureichen. Wichtig ist, dass die Pflegeeltern einen richtigen Antrag stellen.

Haben die Kindeseltern bereits einen Antrag auf Rückführung des Kindes in die Familie gestellt, so ist zu prüfen, ob die Pflegeeltern nicht direkt einen Antrag auf vorläufige Anordnung zum Verbleib des Pflegekindes in ihrer Familie stellen müssten. Pflegeeltern haben dann die Sicherheit, dass zunächst schon einmal Fakten geschaffen sind, dass das Kind in der Pflegefamilie verbleiben kann, bis eine Entscheidung getroffen ist. Erfahrungsgemäß dauern diese Verfahren recht lange, weil das Gericht ohne Einholung eines Gutachtens nicht entscheiden darf.

Zu erwähnen ist noch, dass das Gericht in der Regel dem minderjährigen Pflegekind einen Verfahrenspfleger zu bestellen hat, dem sogenannten Anwalt des Kindes. Dieser Verfahrenspfleger soll im Verfahren die Interessen des Kindes vertreten.

Welche Anträge gestellt werden müssen, hängt stets von der aktuellen Situation ab.

Weitere Informationen erhalten Sie von:

Rechtsanwältin
Sigrid Pruss
Reinhardtstr. 29c
10117 Berlin

Die Praxis sieht dann so aus:

http://leonie-wichmann.blogspot.com/2009/10/das-ist-unsere-geschichte.html

Donnerstag, 22. September 2011

Die andere Seite der Medaille: Senioren protestieren gegen Kindergarten


WORZELDORF/HERPERSDORF - Ärger um die neuen Kindergartenplätze in der Marpergerstraße: Anwohner der Seniorenanlage „Wiesengrundresidenz“ fühlen sich überrumpelt und erheben massive Vorwürfe gegen die Diakonie, Träger des Kindergartens, den Bauträger und das Jugendamt.


Der Kindergarten im Erdgeschoss der „Wiesengrundresidenz“ in der Marpergerstraße ist bereits in Betrieb. Die dort wohnenden Senioren protestieren dagegen, wollten sich aber nicht fotografieren lassen.

Der Zorn richtet sich gegen das Jugendamt und vor allem gegen den Geschäftsführer der Diakonie Nürnberger Süden, Bernd Michelberger. „Wenn er auf die Eigentümer zugegangen wäre, hätten wir wenigstens eine Chance gehabt,über alles zu reden, aber da wurde nun in Gutsherrenart über unsere Köpfe hinweg entschieden“, schimpft Birke.

Zum anderen sehen die Eigentümer die Nutzungsänderung der Räume als juristisch problematisch an. Bereits seit vier Jahren klagen sie gegen den Bauträger, die concepta Hausbau GmbH aus Brandenburg, um die genauen Besitzverhältnisse der besagten Räumlichkeiten. Denn ein Teilbereich der Fläche sei ihnen beim Kauf der Wohnungen als nutzbare Gemeinschaftsfläche versprochen worden. Eben dieser Bereich wird aber nun durch den Kindergarten belegt. „Hier läuft ein schwebendes Verfahren, man hätte gar keine Genehmigung für diese Nutzung erteilen dürfen“, meint Birke.

Teuer eingekauft

Damit nicht genug. Die gesamten Räume, die nun den Kindergarten beherbergen, seien ursprünglich als internes Restaurant für die Bewohner ausgelegt gewesen. „Wir haben uns nicht zuletzt wegen dieser versprochenen Versorgung hier teuer eingekauft und uns darauf verlassen, dass es so kommt“, so Monika Birke. Auch Doris Bär, deren Eltern eine Wohnung in der Residenz besitzen, ist darüber empört: „Man hat uns das Blaue vom Himmel versprochen, davon ist nichts übrig geblieben. Und jetzt ist da ein Kindergarten. Das passt überhaupt nicht zusammen.“

Bernd Michelberger von der Diakonie weist die Vorwürfe zurück. „Alles was wir versprochen haben, haben wir eingehalten.“ Das Restaurant habe man geschlossen, weil es von den Bewohnern nicht angenommen worden sei. Auch der Versuch, es als öffentliches Lokal zu führen, sei fehlgeschlagen, weil die Nachfrage zu gering gewesen sei.

Daher habe man sich entschlossen, die Räume als Tagesstätte für Demenzkranke und nun für den Kindergarten zu nutzen. Michelberger verweist darauf, dass die Diakonie einen Mietvertrag für die gesamten Räumlichkeiten habe und vom Eigentümer eine Genehmigung für die Nutzungsänderung erteilt wurde. „Was der Bauträger den Leuten vor dem Kauf versprochen hat, das ist nicht unsere Sache. Das müssen die Eigentümer direkt mit ihm klären.“ Für den verloren gegangenen Ge-meinschaftsraum stellt er den Bewohnern Ersatz in Aussicht durch den Umbau einer nicht genutzten Sauna.


Auch beim Jugendamt wehrt man sich gegen den Protest. „Es stimmt, dass wir die Leute etwas spät informiert haben“, so Günter Richter. „Dafür haben wir uns bereits bei einem Vor-Ort-Termin entschuldigt.“ Im Hinblick auf die juristischen Unstimmigkeiten zwischen der Eigentümergemeinschaft und dem Bauträger winkt Richter ab: „Das sind privatrechtliche Streitigkeiten, die uns wirklich nicht interessieren“, sagt er, räumt aber ein: „Sollte es tatsächlich zu einem Urteil kommen, dass ein Teil der Räume Gemeinschaftseigentum ist, dann müssten wir ausziehen. Die Frage ist nur, ob man das wirklich will, die Kinder auf die Straße zu setzen.“

Genau darüber ist man sich innerhalb der Gemeinschaft nicht einig. Während einige der Meinung sind, Kindergarten und Seniorenresidenz passen nicht zusammen, oder gar befürchten, der Kindergarten stelle eine Wertminderung ihrer Eigentumswohnungen dar, sagen andere: „Wir wollen nicht dass die Kinder raus müssen. Es geht um die Art und Weise, wie man mit uns umgeht.“

Pfaffenhofen - Ist diese Tat wirklich eine Ausnahme? Gehört Rücksichtslosigkeit und Aggression heute nicht schon zum Alltag?


Warum verwundern solche Taten? Hier wird von Erziehungsdefiziten gesprochen, als der junge Mann in Berlin einen wehrlosen Touristen nierderprügelte war in der Erziehung nichts schief gelaufen! Jeden Tag erleben Kinder Aggression, Gewalt und Rücksichtslosigkeit in dieser von Erwachsenen geschaffenen Gesellschaft. Die Kinder sind das Ergebnis dieser Gesellschaft. Kinder die die Trennung ihrer Eltern erleben müssen, Kinder die manipuliert werden als Waffe gegen den ehemaligen Partner, Kinder die aus intakten zu Hause gerissen werden und denen man jeden Kontakt zu ihren Eltern verweigert. Man lässt sie in dem Glauben, dass die Familie keinen Kontakt mehr will. Kinder die wie Ware gehandelt werden, durch Jugendämter und Gerichte, mit denen Pflegeeltern ihre Existenz sichern. Das Ergebnis eines solchen Handelns der Erwachsenen sind dann solche Taten, über die sich niemand wundern muss.

Pfaffenhofen (PK) Zwei Mädchen quälen eine alte Frau, werfen walnussgroße Steine nach der 86-Jährigen: Diese Brutalität von Kindern, geschehen mitten in Pfaffenhofen, macht fassungslos.

Unser Redakteur Rudi Gegger sprach mit Herbert Payer, Leiter des Pfaffenhofener Jugendamtes, über die Tat und ihre Folgen für die beiden strafunmündigen Kinder.

Herr Payer, zwei elfjährige Mädchen bewerfen eine 86 Jahre alte Rentnerin mit walnussgroßen Steinen. Wie ist ein solcher Gewaltausbruch von Kindern in einer Kleinstadt wie Pfaffenhofen zu erklären?

Herbert Payer: Eine Erklärung für eine solche Handlung gibt es nicht. Es müsste jedem elfjährigen Kind klar sein, dass man mit Steinen nicht auf Menschen wirft.


Die beiden Mädchen sind strafunmündig. Welche Möglichkeiten hat das Jugendamt, auf die beiden Elfjährigen und ihre Erziehungsberechtigten einzuwirken? Wie sieht die Vorgehensweise ihrer Behörde in solchen Fällen aus?

Payer: Sobald die Ermittlungen der Polizei abgeschlossen sind, erhalten wir das Ergebnis. Wir werden mit den Familien Kontakt aufnehmen und mit den Eltern und den Kindern sprechen. Unser Augenmerk wird sich dabei vor allem auf mögliche Erziehungsdefizite richten. In Zusammenarbeit mit den Eltern und den Minderjährigen werden wir dann überlegen, wie eventuelle Erziehungsdefizite abgebaut werden können und entsprechende Hilfen – zum Beispiel Erziehungsberatung oder Sozialpädagogische Familienhilfe – anbieten und installieren. Sollten sich die Eltern und die Mädchen auf Hilfeangebote nicht einlassen, werden wir uns nicht scheuen und das Familiengericht einschalten.


Elfjährige, die mit Steinen werfen oder – wie zuletzt auf dem Pfaffenhofener Volksfest – Zwölfjährige, die aufeinander einprügeln: Werden die jugendlichen Gewalttäter bei uns immer jünger?

Payer: Nein. Diese Straftat gehört zu den Ausnahmen, und ich hoffe, dass dies auch so bleibt. In der Statistik der letzten zehn Jahre haben wir eine konstante Entwicklung, was die Straftaten vom Alter her gesehen angeht. Es hat aber schon immer wieder Ausreißer nach unten gegeben.


Strafmündig ist man in Deutschland ab dem vollendeten 14. Lebensjahr – ein Passus, der im Strafgesetzbuch seit 1953 verankert ist. Sollte diese knapp 60 Jahre alte Grenze angesichts der gesellschaftlichen Entwicklung herabgesetzt werden?

Payer: Meiner Meinung nach sollte die Strafmündigkeit so bleiben. Bei unter Vierzehnjährigen setze ich nach wie vor auf Veränderung durch Erziehung. Es wäre doch ein Armutszeugnis, wenn man selbst bei Kindern die Hoffnung in die Erziehung aufgeben würde und stattdessen Strafe und Gefängnis als Lösung sehen würde.


Pfaffenhofener Kurier

Halle/Misshandlung durch Pflegeeltern - warum unternahm das Jugendamt trotz Hinweise nichts?


Halle (Saale)/MZ. Kopfschütteln am Mittwoch im Landgericht Halle: Obwohl das Jugendamt des Burgenlandkreises immer wieder Hinweise bekam, dass etwas mit einem Geschwisterpaar in einer Pflegefamilie nicht stimmt, passierte jahrelang nichts. Mit hilflosen Aussagen räumte die entsprechende Sachbearbeiterin dies im Prozess ein.
In der Verhandlung muss sich ein Ehepaar aus dem Burgenlandkreis wegen einer Vielzahl von körperlichen und sexuellen Misshandlungen an den beiden Kindern verantworten - die Opfer sind heute 21 und 17 Jahre alt. Zwischen den Jahren 2000 und 2006 soll der Pflegevater den Jungen mehrfach bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und geprügelt haben und sich zweimal an dem Mädchen vergangen haben.

Der Mutter wird vorgeworfen, dass sie dem Mädchen ein heißes Bügeleisen auf die Hand gedrückt haben soll. Zwei Tage lang sollen die Kinder laut Anklage in den Keller eingesperrt worden sein - ohne Essen und Trinken. Zum Prozessauftakt hatte das Ehepaar sämtliche Vorwürfe bestritten.

Wie beim Verhandlungstermin am Mittwoch zu erfahren war, hatte das Jugendamt ab 2004 massiv Hinweise über Probleme in der Pflegefamilie erhalten, doch immer Ausflüchte des Paares akzeptiert. So wiesen anonyme Anrufer mehrfach darauf hin, dass die Kinder vernachlässigt würden. "Das darf man nicht überbewerten, weil es immer Neider gibt, die glauben, dass Pflegefamilien nur das Geld kassieren wollen", sagte die Sachbearbeiterin. Auch als sich die Schulleitung an die Behörde wandte, weil das Mädchen zahlreiche blaue Flecken hatte, glaubte die Jugendamtsmitarbeiterin die Erklärung: Danach soll sich das Kind beim Spielen gestoßen haben. Auch auf Hinweise der Schule, dass keine Arbeitsmaterialien mitgebracht wurden und die Leistungen absackten, passierte nichts.

Denn die Pflegefamilie hatte Einladungen zu Gesprächen wegen dieser Probleme ab 2004 fast gar nicht mehr wahrgenommen. "Im Februar 2004 hatten wir sie zu einem Gespräch geladen und im August noch mal gemahnt", beschrieb die Jugendamts-Mitarbeiterin die geringe Intensität des Schriftverkehrs mit den Pflegeeltern. Angeblich hätten diese die Briefe nie erhalten, weil das Mädchen - das als sehr schüchtern beschrieben wurde - diese abgefangen habe. Bis 2006 zog sich so der fast nicht vorhandene Kontakt zum Jugendamt hin - dann lief das Mädchen von der Familie weg und kam wieder in ein Heim. Auch ihr Bruder war bereits 2004 - nach seinen Angaben - freiwillig ins Heim zurückgegangen.

"Wieso dauerte das alles so lange?", machte der Vorsitzende Richter Jan Stengel seinem Ärger und Unverständnis Luft, "und wann hört das Jugendamt auf, nette Briefe zu schreiben?" Dem Jugendamt seien die Hände gebunden gewesen, versuchte die Mitarbeiterin eine Erklärung. Denn das Mädchen habe immer wieder gesagt, dass es in der Familie bleiben möchte. Der Prozess wird fortgesetzt.

Mittwoch, 21. September 2011

München - Heimkinder müssen ihre Gage abgeben


Elf Heimkinder, die 2010 bei den Oberammergauer Passionsspielen mitspielten, mussten einen Großteil ihrer Gage abgeben. Kassiert hat das Geld die Stadt München - als Träger des Marie-Mattfeld-Hauses in Oberammergau, in dem die Kinder leben. "Das Kinder- und Jugendhilfegesetz schreibt zwingend vor, dass 75 Prozent des Einkommens von Kindern und Jugendlichen als Kostenbeitrag für ihre Heimunterbringung eingesetzt werden müssen", erklärte das Münchner Sozialreferat am Dienstag. Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) sprach von "fauler Ausrede".

Die betroffenen Kinder und der Förderverein des Heimes zeigten sich fassungslos. "Die Kinder waren entsetzt, dass man ihnen das Geld wegnimmt", sagte der Vorsitzende des Fördervereins "Freunde des Marie-Mattfeld-Hauses", Kurt Meier. "Die Kinder sind sowieso schon benachteiligt und jetzt kriegen sie noch eins aufs Dach."

Während ihre Altersgenossen, die zu Hause bei ihren Eltern leben, das Geld sparen und sich Träume von der Gage erfüllen können, müssen die Heimkinder im Alter zwischen sechs und 17 Jahren drei Viertel abgeben - es geht um insgesamt 8500 Euro.

Das Sozialreferat schreibt die Verantwortung indes dem Bund zu. Im Jahr 2005 sei das Kinder- und Jugendhilfegesetz verschärft worden - auch mit Zuspruch des Freistaats. Mit Bezug auf den Paragrafen 94 des Sozialgesetzbuches VIII betonte das Referat, Bundesrecht zu vollziehen. Es gebe keinen Ermessensspielraum.

Spielraum für Ausnahmefälle?
Nach Ansicht des Sozialministeriums gibt es durchaus Spielraum. Nicht nur in Härtefällen sei eine Ausnahme möglich, sondern auch "aus pädagogischen Gründen". "Wir wollen doch gerade, dass benachteiligte Jugendliche am kulturellen Leben teilnehmen", sagte Haderthauer.

Auch Passionsspiele-Leiter Christian Stückl hat kein Verständnis für die vorgeschriebene Abgabe. Damit nehme man den Kindern die Motivation zu arbeiten. Er äußerte aber auch Verständnis für die Stadt, die "keinen Präzedenzfall schaffen" wolle. In Bayern leben laut Landesjugendamt rund 6000 Kinder und Jugendliche in Heimen.

http://www.stern.de/panorama/honorar-streit-nach-passionsspielen-heimkinder-muessen-ihre-gage-abgeben-1730200.html

Deutsche flüchten vor deutschem Jugendamt - wird das zum Alltag in der BRD?


Amsterdam. Eine von den Behörden gesuchte deutsche Familie mit vier Kindern hält sich möglicherweise seit Wochen in einem Waldgebiet der Niederlande versteckt. Die Familie wurde zuletzt Anfang September im Wald nahe der Ortschaft Sibculo im Grenzgebiet zu Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen gesichtet. Ein Polizeisprecher sagte, es bestehe große Sorge um das Wohlergehen der Kinder. Die Eltern sind im August mit drei jungen Töchtern und einem erst drei Monate alten Sohn per Fahrrad aus Deutschland geflohen. Kurz zuvor habe ein Gericht entschieden, ihnen das Sorgerecht zu entziehen.

http://www.az-web.de/sixcms/detail.php?template=az_detail&id=1819791&_wo=News%3ANewsticker

Jugendamt Pößneck - Junger Pößnecker mit Aufmerksamkeitsdefizit wartet auf Hilfe!


Der achtjährige Lion aus Pößneck, der unter dem Aufmerksamkeitsdefizit mit Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und dem Tourette-Syndrom leidet, soll nach Willen seiner Mutter Sabrina P. und des Stiefvaters Ronny S. einen Schulbegleiter gestellt bekommen. Klinik und Psychologin haben es empfohlen, doch die Sache zieht sich hin.
Pößneck. Bislang kann der Junge täglich nur an den ersten zwei Unterrichtsstunden teilnehmen. Doch für diesen Integrationshelfer im Unterricht hat das Jugendamt des Landratsamtes Saale-Orla noch kein grünes Licht erteilt.
"Er dreht manchmal durch", sagt Sabrina P. über ihren Sohn. So lange dieser die Kindertagesstätte besuchte, dachten alle, Lion sei ein aufgewecktes Kind, erinnert sich seine Mutter. Das Problem kam, als er im Jahr 2009 im damaligen Wohnort Gardelegen eingeschult wurde. Lion konnte sich nicht auf den Unterricht konzentrieren, war aber auch für sein Umfeld sehr anstrengend.
Das Paar hoffte nach seinem Umzug von Sachsen-Anhalt nach Pößneck, wo es die Großmutter von Sabrina P. bei der Pflege ihres dementen Ehemannes unterstützt, auf einen Neuanfang in einem neuen Umfeld. Lion wiederholte in der Grundschule die erste Klasse. Doch auch hier wurde er hyperaktiv. Nicht nur, dass er die Federtaschen von Mitschülern durch den Raum warf, er verweigerte auch seine Mitarbeit im Unterricht, rannte weg und sperrte sich wiederholt in der Toilette ein.

Als er im November vergangenen Jahres die Treppe am Außengeländer hochkletterte, wollte die Schulleitung, dass die Eltern die Haftung für ihren Sohn übernehmen. Auf Anraten einer Psychologin in Jena, mit der die Familie seit Juni vergangenen Jahres in Kontakt ist, kam Lion von November 2010 bis März 2011 zur stationären Behandlung nach Jena, anschließend bis Anfang Juni zur ambulanten Nachsorge in eine Tagesklinik.
Wir haben im März das Jugendamt in Schleiz informiert, dass die Psychologin und die Klinik einen Schulbegleiter für Lion empfehlen, im April haben wir dann den Antrag gestellt." Doch weil die Familie immer noch keine endgültige Antwort erhalten hat, stellte sie nun eine Dienstaufsichtsbeschwerde. Denn ihren Angaben zufolge habe ausschließlich ein Azubi im Jugendamt den Vorfall bearbeitet, der bei seiner Krankheit unbearbeitet liegenblieb.

Die Eltern drängen auf Eile, weil ihr derzeit mit Medikamenten ruhiggestellter Sohn lediglich die ersten zwei Stunden am Unterricht teilnehmen kann. "Die Lehrerin muss sich um 20 Schüler kümmern, kann nicht speziell auf Lion eingehen. Ohne Schulbegleiter kommt unser Sohn Woche für Woche auf 13 Fehlstunden", erklärt Sabrina P.

Ein Schulbegleiter übernimmt die behinderungsbedingte pflegerische, heil- bzw. sozialpädagogische Bildung und Betreuung, die das Kind benötigt, um die Schule besuchen zu können. Dazu zählen die Hilfe beim Toilettengang, Bewältigung des Schulwegs, Hilfe beim An- und Auskleiden, bei der Orientierung im Schulgebäude, Unterstützung im Rahmen der Pausenbetreuung, Wiederholung und Verdeutlichung von Anweisungen von Lehrern.

"Es handelt sich um eine rein praktische Unterstützung im Rahmen der Integrationshilfe ohne formalen Bildungsanspruch", erklärte Stefan Schuhmacher, Pressereferent im Landratsamt. Die Kosten können vom Träger der Sozialhilfe bzw. der Jugendhilfe, in Ausnahmefällen auch vom Schulamt oder der Pflegekasse getragen werden. "Das Kind befand sich eine gewisse Zeit zur Behandlung in einer externen Einrichtung. Aus diesem Grund konnte keine abschließende Beurteilung erfolgen", erklärte Schuhmacher, weshalb Lion noch keinen Schulbegleiter zur Verfügung gestellt bekommen hat.

Dienstag, 20. September 2011

Jugendamt - Ich habe gewonnen!!! Beschluss 18.09.2011

Früherkennung - Eltern werden zu Unrecht beschuldigt - keine Gefährdung des Kindeswohls konnte festgestellt werden


Eltern müssen die Früherkennungsuntersuchungen für ihre Kinder wahrnehmen – sonst wird das Jugendamt informiert. Oftmals fälschlicherweise, wie sich im heimischen Landkreis zeigt.
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Marburg. Die Kreisverwaltung wird vom Hessischen Kindervorsorgezentrum in Frankfurt schriftlich informiert, wenn Eltern Früherkennungsuntersuchungen für ihre Kinder vermeintlich nicht wahrgenommen haben. Die Verbindlichkeit für diese Untersuchungen geht auf das Hessische Kindergesundheitsschutzgesetz zurück, das 2008 in Kraft trat.

Die Zahl der Meldungen, die aus Frankfurt beim Fachbereich Familie, Jugend und Soziales des Landkreises ankommen, ist steigend. Im ersten Halbjahr 2011 waren es bereits 205 Meldungen (im gesamten Jahr 2010 waren es 331), womit auf den ersten Blick die Vermutung entsteht, dass es sich um eine höhere Anzahl säumiger Eltern handelt.

Der Allgemeine Soziale Dienst (ASD) des Landkreises Marburg-Biedenkopf muss in jedem Einzelfall mit den Eltern in Kontakt treten, um sich von der „gedeihlichen Entwicklung der Kinder“ zu überzeugen.

Von den 205 Meldungen lag die Zuständigkeit nach erfolgter Prüfung beim Landkreis in nur 188 Fällen, da zwischenzeitlich zum Beispiel ein Wohnortwechsel erfolgt war. Das verblüffende Ergebnis ist dann jedoch, dass von diesen 188 Fällen bereits in 108 Fällen die Vorsorgeuntersuchung stattgefunden hatte – und dennoch kam es zu der Meldung beim Jugendamt.

„Dies ist für uns besonders ärgerlich, da diese Eltern sich völlig korrekt verhalten haben“, sagte der zuständigen Erste Kreisbeigeordnete Dr. Karsten McGovern (Grüne).

Es sei bereits seit Inkrafttreten des Gesetzes zu beobachten, dass in knapp 60 Prozent dieser gemeldeten Fälle die Vorsorgeuntersuchungen bereits wahrgenommen wurden, ergänzte der zuständige Fachbereichsleiter Uwe Pöppler. Die Fachleute beim Landkreis vermuten, dass es beim Datenabgleich Probleme gibt und in Einzelfällen möglicherweise auch Meldungen nicht an das Kindervorsorgezentrum abgegeben wurden. Genaue Erkenntnisse liegen dem Landkreis aber nicht vor. Im Nachgang kommen dann Mitteilungen seitens des Kindervorsorgezentrums, dass die Untersuchungen doch erledigt seien. Diese gehen jedoch zum großen Teil erst nach Wochen ein, wenn das Verfahren im ASD bereits abgeschlossen wurde.

In lediglich 80 Fällen wurden die Vorsorgeuntersuchungen nicht wahrgenommen – und dabei handelte es sich zumeist um die Untersuchungen U 7a bis U 9, die die älteren Kinder betreffen. McGovern appelliert an die Eltern, mit den Kindern zu den Untersuchungen zu gehen.

In keinem einzigen Fall wurde eine Gefährdung des Kindeswohls festgestellt. „Wir haben ansonsten viele Meldungen im Kinderschutz und müssen auch Kinder schützen, aber eine Kindeswohlgefährdung ist durch dieses Prüfungsverfahren bisher nicht aufgedeckt worden“, erläuterte Dr. McGovern. Von daher sei die Frage aufzuwerfen, ob dieses Gesetz in dieser Form sinnvoll sei, da auch das Nachholen der Vorsorgeuntersuchungen nach einer gewissen Toleranzgrenze nicht mehr von den Krankenkassen finanziert werde und dies letztendlich auch ein Problem für die Kinderärzte darstelle.


http://www.op-marburg.de/Lokales/Marburg/Eltern-werden-zu-Unrecht-beschuldigt

Montag, 19. September 2011

Rechtsmittel gegen Entscheidungen des Jugendamtes....


Wer glaubt, in seinen Rechten verletzt worden zu sein, kann gegen die Entscheidungen des Jugendamtes Widerspruch einlegen. Der Widerspruch ist schriftlich oder zur Niederschrift innerhalb eines Monats einzulegen. Nach Erlass des Widerspruchsbescheids kann Klage erhoben werden, sofern dem Widerspruch nicht abgeholfen wurde. Zuständig für Streitigkeiten in Angelegenheiten der Jugendhilfe sind die Gerichte der Verwaltungsgerichtsbarkeit. In einigen Bundesländern, darunter Bayern und Nordrhein-Westfalen, wurde das Widerspruchsverfahren weitgehend abgeschafft, so dass dort der direkte Klageweg offen steht.

http://de.wikipedia.org/wiki/Achtes_Buch_Sozialgesetzbuch

Lüneburg - Demonstration: Kampf um die eigenen Kinder


"Entsorgte Eltern und Großeltern" demonstrierten in der Lüneburger Innenstadt. Sie wollen das Cochemer Modell in ganz Deutschland.

‎"Wir sind hier und sehr laut, weil man uns die Kinder klaut", rufen die Teilnehmer der Demonstration bei ihrem Zug durch die Innenstadt immer wieder. Sie prangern an, dass Gerichte und Jugendämter Familien auseinander reißen würden.
"Warum sollte ich aktiv daran mitwirken, eine Familie zu zerstören? Man löst ein familiäres Problem nicht, indem man einen aussperrt. Wir sind heute hier, damit das endlich aufhört."

Samstag, 17. September 2011

Eltern haben ihre Tochter Cheyenne zurück


Friedberg (lk). »Wir haben zeitweise nicht mehr daran geglaubt, dass wir sie wiederkriegen«, sagt Susanne Schlangen, während sich Töchterchen Cheyenne über das Knistern eines Stücks Plastikfolie freut, das ihr Vater Markus Schneider in den Händen hält. Vier Monate war Cheyenne in einer Pflegefamilie untergebracht.

Grund der Inobhutnahme: »Hochgradiger Verdacht auf Kindesmisshandlung« durch den Vater. Nun entschied das Büdinger Familiengericht, dass die in Friedberg lebende Mutter die elterliche Sorge für das inzwischen acht Monate alte Mädchen wieder uneingeschränkt ausüben darf. Allerdings unter Auflagen. Das Jugendamt hat Bedenken.

Cheyenne, eine Frühgeburt, sei nach einer Sechsfach-Impfung sehr weinerlich und schlapp gewesen, weshalb sie mit ihr eine Kinderärztin aufgesucht hätten, schildern die Eltern, was kurz vor der Inobhutnahme passiert sei. Doch Blut- und Urinwerte hätten keinen Befund ergeben, der Urinbeutel habe allerdings rote Flecken im Intimbereich des Mädchens hinterlassen. Die Flecken seien blau geworden. Darum sei sie mit der Kleinen – nach Absprache mit ihrer Hebamme – Anfang April in die Hanauer Kinderklinik gefahren, berichtet Susanne Schlangen. Von den Medizinern habe sie den Grund für die Flecken erfahren wollen. Die stellten bei einer Blutuntersuchung hohe Leberwerte fest. Die behandelnde Ärztin zog aus dem schlechten Gesundheitszustand des Kindes den Schluss: »Verdacht auf Kindesmisshandlung«. Nachdem die Klinik den Verdacht weitergegeben hatte, schalteten sich die Jugendämter Hanau und Friedberg ein; das Amtsgericht Friedberg ordnete an, dass Cheyenne bei Pflegeeltern untergebracht wird.

Für ihre Erklärungsversuche oder Vermutungen, was mit dem Kind los sei, hätten sich die Ärzte nicht interessiert, sagt Schlangen, die einen Impfschaden, einen Gendefekt oder eine Blutungsneigung als Auslöser für die Leberwerte und Hämatome annahm. Stattdessen hätten sich die Mediziner nur »für meine Psyche und meine Vorgeschichte« interessiert, meint Schlangen, die aktuell im siebten Monat schwanger ist. Ihr viertes Kind wird es sein. Neben Cheyenne hat sie bereits zwei ältere Kinder. Beide wurden in Obhut genommen, leben bei der Mutter der 29-Jährigen. Das Kinderzimmer in Susanne Schlangens Wohnung blieb leer. Die Eltern kämpften um ihre Tochter, suchten nach einem Rechtsbeistand, fanden gleich zwei Anwälte, gaben ein medizinisches Gutachten bei einem Impfspezialisten in Auftrag. Ein Gutachten hatte auch das Friedberger Familiengericht beantragt, kurz bevor das Verfahren ans Büdinger Familiengericht abgegeben wurde, da dort das Scheidungsverfahren von Susanne Schlangen anhängig war.

Mutter: Falsche Diagnose

Der Meinung der 29-Jährigen nach bestätigen beide Gutachten »genau den Verdacht, den ich damals geäußert habe: dass das Krankenhaus falsch diagnostiziert und nicht alle Möglichkeiten ausgeschlossen hat«. Susanne Schlangens Anwalt, Heinrich Michael Roth, erklärt: »Es gab zwei Verdachtsfälle: Das eine waren die Hämatome, und das andere war der erhöhte Leberwert.« In seinem Gutachten komme der Impfexperte zu dem Schluss, dass Impfkomplikationen als mögliche Ursache für die Blutungen diskutiert werden müssten. Das andere Gutachten, eingeholt vom Familiengericht am Gießener Institut für Klinische Immunologie und Transfusionsmedizin des Uniklinikums, bestätige, dass die Ursachen für erhöhte Leberwerte ganz vielfältig sein könnten, sagt Roth.

»Nachdem dieses Gutachten eingegangen war, kam die Entscheidung vom Familiengericht, dass Cheyenne zurück kann«, ergänzt seine Kollegin, Rechtsanwältin Marion Schöfer. Ein Blick ins Gutachten aus Gießen, wo Cheyenne Ende April untersucht worden war, verrät: Die Ursachen für ihre Leberwerterhöhung können vielfältig sein. Allerdings bestätigt das Gutachten nicht die von den Eltern als mögliche Ursache für die blauen Flecken angenommene Gerinnungsstörung. Die Ärztin, die das Gutachten über Cheyenne verfasst hat, äußert aber auch: »Ob der schlechte Gesundheitszustand und die sichtbaren Hämatome ... ursächlich mit Gewalteinwendung in Verbindung zu bringen sind, lässt sich Wochen später medizinisch nicht feststellen.«

Susanne Schlangen und ihr Lebensgefährte Markus Schneider sind glücklich, ihr Kind wieder bei sich zu haben. Die letzten Monate seien für die Eltern schlimm gewesen, habe diese psychisch kaputt gemacht, sagt Anwältin Schöfer. Sie betont: »Das Gericht hat die richtige Entscheidung getroffen.« Das Urteil sei allerdings gegen den Willen des Jugendamts ausgefallen, ergänzt ihr Kollege Roth.

»Amt sieht Gefahren fürs Kind«

Die Leute vom Amt hätten zur Begründung die Inobhutnahme der beiden älteren Kinder Schlangens ins Feld geführt. Doch auch hier sei ein Antrag gestellt, dass eine Rückführungsperspektive entwickelt werde, führt Schöfer aus. Die Mitarbeiter des Jugendamts hätten auch gesagt, sie würden Gefahren für Cheyenne sehen. »Wir haben gefragt, welche Gefahren sie meinten, aber da ist nichts gekommen«, sagt Schöfer. »Diffuse Einschätzungen und Eindrücke reichen nicht aus, um ein Kind wegzunehmen.« Vielmehr müsse eine konkrete, erhebliche Kindeswohlgefährdung vorliegen. »Das sind juristische Argumentationen, die beim Jugendamt nicht gängig sind«, rügt die Anwältin. »Wenn man einmal in einem solchen Fahrwasser drin ist, ist man einer unheimlich großen Gefahr ausgesetzt, dass das weite Kreise zieht und auf alles andere übergreift«, meint die Anwältin, die derzeit noch ein beinahe identisches Verfahren begleitet.

»Hinter den Kulissen schubsen sich Jugendamt und Krankenhaus die Schuld zu, keiner will’s gewesen sein«, sagt ihr Kollege.

»Inobhutnahme war notwendig«

Hat das Jugendamt eine falsche Entscheidung getroffen? Michael Elsass, Sprecher des Wetteraukreises, sagt: »Aufgrund der Situation, wie sie sich damals dargestellt hat, sind wir der Auffassung, dass es notwendig war, das Kind aus der Familie zu nehmen.« Die Inobhutnahme sei keine leichte Entscheidung gewesen und unter einer Vielzahl von Gesichtspunkten abgewogen worden. Zudem habe man die Entscheidung nicht alleine getroffen, an ihr seien das Hanauer Krankenhaus und Jugendamt beteiligt gewesen. Leute, die sich intensiv mit der Familie beschäftigten, seien der Ansicht, es sei besser, dass das Kind nicht dort wäre.

Doch das ist Cheyenne inzwischen wieder. Und zwar auf Anordnung des Gerichts. Allerdings unter Auflagen: Susanne Schlangen muss einmal pro Woche mit Cheyenne zur Kinderärztin, zudem schaut eine Mitarbeiterin der Familienhilfe des Jugendamts vier Stunden pro Woche bei der Familie vorbei. Begründung: »Die Herkunft der Hämatome und die Ursache des schlechten Gesundheitszustandes des Kindes Anfang April 2011 konnten zwar nicht aufgeklärt werden, auch liegt keine Gerinnungsstörung vor, jedoch reichen die Ermittlungsergebnisse nicht aus, um den Verdacht der Kindesmisshandlung zu erhärten.« Es habe medizinisch keine Traumatisierung festgestellt werden können, zudem zeige Cheyenne keine Abwehrreaktionen, wenn sie ihren Vater sehe, habe vielmehr einen guten Bezug zu ihm.

Die Richterin schreibt aber auch: »Das Jugendamt ist der Ansicht, eine ambulante Familienhilfe im normalen Umfang reiche bei dem enormen Hilfebedarf der Familie auch auf anderen Gebieten des täglichen Lebens nicht aus. Die Kindesmutter hat ihr eigenes Leben noch nicht fest in Griff, sei aber auf einem guten Weg, ihre Probleme zu lösen und sich auf das Kind zu konzentrieren.« Auch wenn Schlangen »in Stresssituationen das Wohl des Kindes nicht genügend« wahrnehme, erscheine eine Basis vorhanden, um das Kind an die Eltern zurückzuführen.