Freitag, 27. Januar 2012

Hamburg-Bezirksamt Mitte - ungeeignete Pflegeeltern für die kleine Chantal ausgesucht - das Kind ist tot!

Bei den Ermittlungen zum Tod der 11-jährigen Chantal in Berlin wurden Methadon-Tabletten bei den Pflegeltern entdeckt. Auch der leibliche Vater ist seit Jahren im Heroin-Ersatzprogramm. Wie konnte das Jugendamt dies übersehen?

Der tragische Tod der elfjährigen Chantal aus Berlin wirft viele Fragen auf. Am Donnerstag gestand das zuständige Bezirksamt Mitte erstmals Fehler ein. Das Jugendamt habe offenbar völlig ungeeignete Pflegeeltern für Chantal ausgesucht, sagte Bezirksamts-Chef Markus Schreiber (SPD) dem Radiosender NDR 90,3. Schreiber kündigte eine „lückenlose Aufklärung“ an.Die kleine Chantal kam 2008 in die Pflegefamilie. Der heute 47 Jahre alten Pflegemutter und dem 51-jährigen Pflegevater war zudem ein weiteres Kind anvertraut worden, auch haben sie zwei leibliche Kinder. Der Stadtteil Wilhelmsburg in dem die Wohnung liegt, gilt als sozialer Brennpunkt. Chantals Mutter, eine Alkoholikerin, starb im Mai 2010. Zu ihrem leiblichen Vater, der ebenfalls in Wilhelmsburg lebt, hatte sie regelmäßig Kontakt. Auch er nimmt Ersatzdrogen – aber nicht Methadon, sondern ein anderes Mittel.

Pflegevater in Methadon-ProgrammAm 16. Januar lag das Mädchen leblos im Bett. Die Todesursache war zunächst unklar. Bei einem Drogen-Screening entdeckten die Mediziner jedoch Spuren von Methadon im Urin des Kindes. Noch am selben Abend durchsuchten die Ermittler die Wohnung der Pflegeeltern, später auch die des leiblichen Vaters. Am Mittwoch rückten die Beamten erneut an. Mit Drogenspürhunden nahmen sie die Räume der Pflegefamilie noch einmal unter die Lupe und entdeckten die Methadon-Tabletten. Das Jugendamt nahm daraufhin alle Kinder der Familie in Obhut. Der Pflegevater gab an, er werde seit mehreren Jahren in einem Methadon-Programm behandelt. Die Pflegemutter ist ebenfalls seit etwa zwei bis drei Jahren dabei.


Ermittlungen wegen Verdachts auf fahrlässige Tötung!


Das Methadon in der Garage der Pflegeeltern wertete die Staatsanwaltschaft als „ein Puzzleteil mehr“ in den Ermittlungen. „Die Kernfrage ist aber noch nicht beantwortet“, sagte Oberstaatsanwalt Wilhelm Möllers: wie, wann und wo Chantal die Ersatzdroge nahm. Methadon ist in Tropfen- oder Tablettenform erhältlich. In welcher Form es Chantal zu sich nahm, sollen nun Rechtsmediziner prüfen. Bei den Pflegeeltern fanden die Ermittler auch Medikamente und Plastikflaschen mit einer Flüssigkeit, die untersucht werden sollen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt gegen die Pflegeeltern, deren 27-jährige Tochter und Chantals leiblichen Vater wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung.

Das Bezirksamt will die Vorgänge rund um den Tod des Kindes intern aufarbeiten, wie sein Sprecher ankündigte. Bis Anfang nächster Woche solle das Jugendamt alles offenlegen. Auch die Hamburger Bürgerschaft will sich mit der Methadon-Vergiftung beschäftigen. Schon seit Tagen trauern Mitschüler in der fünften Klasse einer Stadtteilschule um die Elfjährige: „Tschüss, Chantal!“ haben sie über ein Schwarz-Weiß-Foto des Mädchens geschrieben.

agr/slc/dpa
http://www.focus.de/panorama/vermischtes/tod-der-elfjaehrigen-chantal-methadon-tabletten-bei-pflegeeltern-gefunden_aid_707186.html

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