Mittwoch, 25. Januar 2012

Köln: Findelkind Johnny trifft seine Retter wieder - nach 36 Jahren


Sie unternahm alles. Kämpfte vergeblich um ihr Findelkind: Pflegemutter Erika Reuter musste den kleinen Jean-Pierre nach eineinhalb Jahren abgeben, weil das Jugendamt einer Adoption nicht zustimmte. Das war 1976.

„Ich bin da nie drüber weg gekommen“, sagt die heute 71-Jährige. Doch diese Geschichte hat ein Happy End: Lesen Sie, wie sich Jean-Pierre Cimander und Familie Reuter nach 36 Jahren wiedertrafen! Ein Lokal in der Innenstadt. „Jung’ ich will nicht heulen“, stammelt Erika Reuter und schnäuzt in ihr Taschentuch, als sie von Jean-Pierre umarmt wird. Freudentränen auf beiden Seiten. Fragen über Fragen. Und eine Gewissheit: „Jetzt werden wir in Kontakt bleiben!“


Spaziergang: Jean-Pierre Cimander (2.v.l.) hat sich mit Erika und Harry Reuter viel zu erzählen. Ebenso mit Ricki Reuter (r.), für den Jean-Pierre immer der kleine Bruder war - und ist.
Jean-Pierre (37), den die Reuters liebevoll Johnny nannten, hatte sich bei seiner Suche nach seinen Rettern an den EXPRESS gewandt: „Ob ihr wohl helfen könnt?“
„Du warst doch mein Kind“

Im Archiv fanden wir einen Artikel über den Aufsehen erregenden Fall von damals: Einen Tag vor Weiberfastnacht 1975 wird im „Helios“, der Ehrenfelder Stammkneipe der Reuters, ein Kinderwagen entdeckt. „Schau mal Erika, was bei mir in der Küche steht“, sagt die Wirtin. Erika und ihr Mann Harry schieben den Wagen nach Hause und gehen zum Jugendamt.


„Du warst unser Sonnenschein“: Erika Reuter mit dem kleinen Jean-Pierre
Als EXPRESS Erika Reuter 36 Jahre später am Telefon erreicht, ist alles wieder da. Als sei es gestern gewesen: Die Sorge um den Kleinen („Er war verwahrlost, völlig wundgelegen“). Die Frage nach der leiblichen Mutter. Und die Freude bei Sohn Ricki über ein Brüderchen.

Eineinhalb Jahre scheint das Familienglück perfekt - bis das Amt entscheidet: Johnny kommt in eine andere Familie. Mehrere Gründe werden genannt: Erika Reuter gehört der Glaubensgemeinschaft der Mormonen an, Harry Reuter sei straffällig geworden.

„Quatsch! Ich war Lkw-Fahrer - ich hatte Punkte in Flensburg!“, regt sich der 72-Jährige auf. Hinzu kam, dass die leibliche Mutter wohl den Aufenthaltsort ihres Sohnes kannte.

„Wo sind meine leiblichen Eltern?“Jean-Pierre hofft auf die Hilfe der EXPRESS-Leser: Seine leibliche Mutter heißt nach seinen Recherchen Magdalena Bohlen, der Vater ist Franzose und arbeitete in den 70ern als Koch in einem Restaurant an der Kalker Hauptstraße. Telefon: 0221/224-2440.

Der Kleine schreit und weint, als er die Reuters verlassen muss. Die neue Familie, in der er aufwächst, ist gut situiert. Jean-Pierre studiert, wohnt zeitweise in Rom. „Der Junge hat es gut angetroffen“, ist Erika Reuter erleichtert.

http://www.express.de/koeln/nach-36-jahren-findelkind-johnny-trifft-seine-retter-wieder,2856,11501404.html

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