Dienstag, 24. Januar 2012

Landkreis Oberhavel: Kindesmisshandlung und wo war das Jugendamt Oberhavel?


Er wollte in Ruhe fernsehen. Doch seine noch nicht einmal einjährige Tochter störte – sie schrie. Da schlug er dem Baby dreimal mit der flachen Hand ins Gesicht. Die linke Gesichtshälfte der Kleinen war ein einziger Bluterguss.

Wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen in vier Fällen musste sich gestern der 24-jährige Brian D. aus Hennigsdorf vor dem Landgericht Neuruppin verantworten. Der zurzeit wegen anderer Sachen in Strafhaft sitzende Angeklagte gab zu, sein im Februar 2010 geborenes Kind in den Bauch geboxt und es ins Gesicht geschlagen zu haben. Doch er will es weder gewürgt noch so stark geschüttelt haben, wie die Anklage behauptet.

„Warum haben Sie das Kind geschüttelt?“ fragte der Vorsitzende Richter Gert Wegner. „Das weiß ich doch nicht“, antwortete Brian D. spürbar gereizt. Offensichtlich ist es nicht seine Stärke, sich auszudrücken. So ließ er denn auch seinen Verteidiger für sich sprechen. In Briefen an diesen hatte der Angeklagte geschrieben, wie leid ihm tue, was er getan habe. Er möchte seiner Tochter ein verantwortlicher Vater sein. Dafür wolle er auch professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.

Das Gericht wollte die Mutter, Sandra B., als Zeugin vernehmen. Die 21-Jährige hält nach wie vor zu Brian D. und besucht ihn regelmäßig im Gefängnis. Die junge Mutter saß gestern bereits im Gerichtssaal. Da informierte die Staatsanwältin darüber, dass gegen die junge Frau ein Strafverfahren wegen Verletzung der Fürsorgepflicht läuft. Da sie sich durch ihre Aussage unwissentlich selbst belasten könnte, braucht sie einen Anwalt an ihrer Seite. Weil sie keinen Rechtsbeistand hatte, wurde sie nicht gehört.

„Ich verspreche mir weder von dem Angeklagten noch von Sandra B. eine detaillierte Aufklärung“, so Richter Wegner. Das Gericht äußerte Zweifel, ob überhaupt die Voraussetzungen für eine Misshandlung von Schutzbefohlenen vorliegen. Dann müsste Brian D. seine Tochter „roh“ nach rechtlichen Maßstäben misshandelt haben. Ob das in diesem Fall gegeben war, sei zweifelhaft. Eigentlich wollte das Gericht das Verfahren gestern beenden. Es schlug daher vor, nur über die zwei zugegebenen Taten zu verhandeln. Damit war die Staatsanwaltschaft nicht einverstanden. Das Verfahren wird an einem noch unbekannten Termin neu aufgerollt. (Von Dagmar Simons)


http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/12263949/61129/jaehriger-Hennigsdorfer-soll-Baby-misshandelt-haben-Verfahren-ausgesetzt.html

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