Sonntag, 1. Januar 2012

Thüringen: Zweijährige stranguliert sich selbst - Ermittlungen gegen die Mutter


Die Staatsanwaltschaft in Meiningen hat gegen die Mutter, deren zweijährige Tochter am Mittwoch gestorben ist, Ermittlungen eingeleitet. Der 32-Jährigen wird "fahrlässige Tötung und Misshandlung Schutzbefohlener im schweren Fall" vorgeworfen.

Gumpelstadt. Die Frau soll das kleine Mädchen am Dienstagabend vor dem Schlafengehen mit einem Brustgeschirr und Stricken am Bett fixiert haben.

Die Staatsanwaltschaft hat nach Bekanntwerden der Todesursache keine Gründe gesehen, einen Haftbefehl gegen die Frau zu beantragen. Sie wurde aus dem Gewahrsam entlassen.
Die Frau aus Gumpelstadt im Wartburgkreis hat sich allein um ihre vier Kinder gekümmert, da der Vater eine mehrjährige Haftstrafe absitzt.

In der Nacht zu Mittwoch strangulierte sich das kleine Mädchen nach Angaben der Staatsanwaltschaft an den Stricken, mit denen es im Bett festgebunden war. Das habe die Obduktion ergeben, so eine Mitteilung der Polizei. Die Ermittler fanden keine Hinweise auf Misshandlungen.

Das Kind sei in einem "guten Pflege- und Ernährungszustand" gewesen, stellten die Rechtsmediziner aus Jena fest. Ob eine solche Fixierung eines kleinen Kindes angebracht sei, dazu wollten sich die Ermittler gestern nicht äußern. Das werde noch geprüft, hieß es.
Am Mittwochmorgen hatte die Mutter gegen 9 Uhr den Notarzt gerufen, als sie ihre Tochter leblos in ihrem Bett gefunden hatte. Da der Mediziner die Todesursache nicht genau klären konnte, informiert er die Polizei. Dazu sind Ärzte verpflichtet, wenn ein nicht-natürlicher Tod in Betracht kommen könnte. Die Ermittler nahmen die Frau vorerst in Gewahrsam und übergaben ihre drei weiteren Kinder dem Jugendamt.

Familie wurde bereits vom Jugendamt betreut

Er habe durch einen Anruf von dem Unglück erfahren, sagte der Leiter des Jugendamtes im Wartburgkreis, Bernd Scheumann. Nach der Geburt des Mädchens vor zwei Jahren und zehn Monaten sei eine sozialpädagogische Familienhilfe organisiert worden. Eine Sozialpädagogin habe sich um die Familie gekümmert und sie beraten. Ende 2009 war diese Maßnahme beendet worden.

Das Jugendamt, die Sozialpädagogin, aber auch die Familie hätten keinen Anlass mehr für die intensive Betreuung gesehen, erklärte der Behördenleiter. Danach habe die Mutter dennoch losen Kontakt gehalten. Probleme aus der Betreuungszeit seien ihm nicht bekannt. Der Amtsleiter fügte noch an, dass er vorgestern auch mit einer Betreuerin der beiden Kinder im Kindergarten gesprochen habe und auch dort keinerlei Schwierigkeiten bekannt gewesen seien.
Bernd Scheunemann bestätigte, dass sich die drei Kinder im Alter von 3, 4 und 13 Jahren weiter in der Obhut des Jugendamtes befänden. Vor allem die große Tochter benötige psychologische Betreuung. Sie habe mitbekommen, dass das kleine Mädchen gestorben ist.
Der Behördenchef geht davon aus, dass die Kinder auch noch in den nächsten Tagen in der Obhut des Amtes bleiben werden. Wann eine endgültige Entscheidung über den Verbleib der drei Geschwister falle, konnte er gestern noch nicht sagen. Das hänge von den weiteren Ermittlungen ab. Experten der Kripo in Suhl hatten noch am Mittwoch die Wohnung der Familie untersucht. Ein Verbrechen erschien zwar unwahrscheinlich. Dennoch ermittle die Polizei in alle Richtungen, sagte der Sprecher der Direktion Suhl, Eberhard Wagner. Die Mutter habe eine Aussage gemacht. Sie sei vom Geschehen aber sehr mitgenommen und stehe sichtlich unter Schock.

Allein der Umstand, dass der Vater der Kinder im Gefängnis sitze, sei noch kein Grund fürs Jugendamt einzugreifen, sagte Daniel Steiner, Sprecher des Sozialministeriums. Erst wenn eine "Kindeswohlgefährdung" vorliege, hätten die Behörden das Recht, aber auch die Pflicht, aktiv zu werden.

In der kleinen Gemeinde Gumpelstadt wurde die Nachricht vom Tod des Mädchens mit Entsetzen aufgenommen.

Ermittler haben bereits seit Donnerstag Verwandte und Nachbarn intensiv befragt, um den Fall schnell aufzuklären.

Nun hoffen alle, dass schnell wieder Ruhe in den kleinen Ort einkehren wird, auch wenn es ein trauriger Jahreswechsel werden wird.



Kai Mudra / 30.12.11 / TA

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