Donnerstag, 15. März 2012

Königswinter: Schon wieder eine Horrorpflegemutter


Wieder ein schockierender Fall im sonst so beschaulichen Siebengebirge: Wieder ist das Opfer ein Pflegekind. Wieder ist die Täterin die Pflegemutter. Wieder schritt das zuständige Jugendamt nicht ein.


Da werden schlimme Erinnerungen wach. Erinnerungen an den Tod von Anna (9), die in der Badewanne ertränkt wurde.


Das Amtsgericht Königswinter hatte Erzieherin Claudia K. im Juni 2011 wegen unfassbarer Vorwürfe (Misshandlung von Schutzbefohlenen, Freiheitsberaubung, Körperverletzung) zu 1 Jahr, 6 Monaten auf Bewährung verurteilt. Jetzt will sich die 46-Jährige im Berufungsverfahren vor dem Landgericht reinwaschen.
Sie sei mit zeitweise sieben Kindern (zu den vier Mädchen der Patchwork-Familie kamen zwei Pflegesöhne auf Vermittlung des Jugendamtes Köln sowie ein drittes Pflegekind) überfordert gewesen.

Warum schritt das Jugendamt so spät ein?

Welche Schuld trifft das Kölner Jugendamt an dem Horror, dem Christian fünf Jahre lang ausgesetzt war? Warum kam die Pflegemutter mit ihren dubiosen Erziehungsmethoden durch, warum schritt das Jugendamt nicht ein? Familie K. galt nicht als „normale“ Pflegefamilie, sondern als Erziehungsstelle, erklärte Vize-Jugendamtschef Klaus-Peter Völlmecke auf Nachfrage. Dafür muss wenigstens ein Elternteil eine pädagogische Ausbildung haben. Die fachliche Aufsicht liegt dann bei einem freien Träger vor Ort, in diesem Fall beim Godesheim, wo Claudia und Frank K. beide angestellt waren bzw. sind. Nichtsdestotrotz: Die Verantwortung lag beim Jugendamt.


Auch die räumliche Entfernung habe vielleicht eine Rolle gespielt, dass die Zustände in der Familie nicht früher aufgefallen seien, räumte Völlmecke ein. „Als wir 2006 Hinweise auf massive Probleme bekamen, haben wir die Jungen aus der Familie geholt und in einem Kölner Heim untergebracht.“


Vorwurf 1: Das Amtsgericht Königswinter war sicher: Bei einer ihrer schockierenden „Erziehungsmaßnahmen“ brach Claudia K. Pflegesohn Christian (damals 13, Name geändert) durch Fixieren auf dem Rücken den Arm. Dazu die füllige Pflegemutter: „Die Fixierung war so gewünscht und wir waren darin geschult.“ Christians Arm sei nicht bei einer solchen Maßnahme gebrochen: „Er ist die Kellertreppe runtergefallen.“

Vorwurf 2: Im ersten Prozess kam raus: Zur Bestrafung musste Christian 1.000 Liegestütze und 2.000 Kniebeugen absolvieren. Der Pflegevater soll das kontrolliert haben. Claudia K. am Dienstag: „Die 1.000 waren nicht wörtlich gemeint.“


Vorwurf 3: Im Juni war das Gericht überzeugt: Aus panischer Angst vor Bestrafung hatte Christian mindestens zwei Tage und Nächte auf der drei Quadratmeter kleinen Gästetoilette verbracht. Denn: In der Familie war es üblich, die Kinder als Strafe aufs Zimmer zu schicken, bis man sie zur Rückkehr aufforderte. Die Pflegemutter behauptet jetzt: „Er war freiwillig im Gäste-WC.“

Vorwurf 4: Ende Juni 2006 warf Claudia K. beim Urlaub im Westerwald Christian vor, er liefe mit einer Erektion über den Campingplatz. Daraufhin packte sie Christian in die Badehose, presste seine Genitalien zusammen, so das Amtsgericht. Die Pflegemutter dazu: „Ich habe ihm nie in die Hose gefasst.“ Noch nicht geäußert hat sich Claudia K. zu einer Würgeattacke, die ihr der Pflegesohn vorwirft.
Christian schilderte am Dienstag vor Gericht: „Es wurden große Unterschiede gemacht zwischen eigenen und Pflegekindern. Am Anfang ging es noch, dann eskalierte es immer mehr. Das war Psychoterror!“ Die Verhandlung wird fortgesetzt.






Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen