Dienstag, 8. Mai 2012

Kölner Teenie-Bande: Dieses Kind macht Angst?

Köln – Sie klauen Roller, bedrohen Kinder und sogar einige Eltern – die Teenie-Bande der GAG-Siedlung Neurath in Höhenhaus (EXPRESS berichtete). Simon S. (Name geändert) ist 12 Jahre jung und war bei vielen Straftaten mit von der Partie. EXPRESS hat mit ihm darüber gesprochen.

Wer sich mit Simon in Ruhe unterhält, sieht einen kleinen Jungen. Der Zwölfjährige wirkt nett. Wie einer, der keiner Fliege etwas zuleide tun kann. Doch Simon ist ein Problemkind: Lust auf Schule hat er wenig und keine Ahnung, was er später mal werden möchte.

Simon ist Opfer seiner täglichen Langeweile – das ist keine Entschuldigung, aber wohl das Hauptmotiv für die Taten mit der Teenie-Bande. Seit einem Wohnungsbrand (kurz vor Weihnachten 2011) besteht sein Kinderzimmer aus zwei Matratzen, einer X-Box und einem kleinen Fernseher.

Simon sagt, dass er bei dem Mist gar nicht immer mitmachen will, den seine «Freunde» verzapfen. Dennoch war er dabei, als sein Kumpel (12) einen Elfjährigen anspuckte und mit einem Messer bedrohte. Ebenso, als dieser Täter dem gleichen Jungen zwei Wochen zuvor eine Zigarette auf der Wange ausgedrückt hatte.


Selbst Erwachsene fühlen sich nicht mehr sicher: „Diese kleinen Kriminellen haben mir gedroht, dass sie mir auf die Fresse hauen“, erzählt eine Anwohnerin entsetzt.

„Ich weiß, dass das nicht richtig ist. Aber was soll ich machen? Ich hänge halt mit denen rum. Da machste dann automatisch auch mal mit“, erzählt Simon ruhig und achselzuckend.

Mehrfach war er dabei, wenn seine Kumpels abends Roller klauten. „Ich bin auch schon mit einem Ding durch Höhenhaus, Dünnwald und Leverkusen-Schlebusch gedüst. Ich weiß, wie man die Lenkradsperre knackt und das Ding anbekommt.“ Dies habe er aber noch nie selbst gemacht, beteuert Simon.

Die Polizei ist seit März verstärkt in der Gegend unterwegs, ermittelt einem Sprecher zufolge gegen insgesamt neun polizeibekannte Teenager. Das Jugendamt geht von einer Gruppe mit etwa drei Anführern aus. Wer diese sind, wird nicht gesagt.

Ein Familienhelfer kommt regelmäßig bei den Familien der anderen Jungs und bei Simon vorbei und versucht zu unterstützen.

Simons Mutter versucht nach eigenen Angaben alles, um ihren Sohn zur Vernunft zu bringen. Doch sie muss auch eingestehen, dass ihre Versuche bislang oft vergeblich waren. Sie hat Angst um ihren Sohn. Andere haben Angst vor ihm.


http://www.express.de/koeln/koelner-teenie-bande-simon--12---dieses-kind-macht-einem-angst,2856,15181850.html

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