Samstag, 9. Juni 2012

Hamburg: Fall Chantal - Bezirksamt kündigt freien Träger

Das Hamburger Bezirksamt zieht Konsequenzen: Nach dem Tod der elfjährigen Chantal hat die Behörde dem zuständigen freien Träger VSE gekündigt. Das Pflegekind war an einer Überdosis Methadon gestorben - Mitarbeiter sollen ihre Fürsorgepflicht verletzt haben.


Fast fünf Monate nach dem Methadon-Tod des elfjährigen Pflegekindes Chantal in Hamburg hat das Bezirksamt Mitte die Zusammenarbeit mit dem freien Träger Verbund sozialtherapeutischer Einrichtungen (VSE) beendet. "Die Zuverlässigkeit war nicht gewährleistet", sagte eine Sprecherin. Bei der Betreuung der Familie habe der Träger "nicht so gearbeitet, wie das erwartet werden muss."



Dem VSE sei zum frühestmöglichen Zeitpunkt gekündigt worden, hieß es bei der Behörde. Die Kündigung sei zum 15. Juni wirksam, ab dann soll ein neuer freier Träger die Aufgaben übernehmen.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt weiterhin gegen die Pflegeeltern, deren 27-jährige Tochter und Chantals leiblichen Vater wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung. Außerdem gibt es Ermittlungen gegen das Jugendamt und den VSE, weil sie ihre Fürsorgepflicht verletzt haben sollen.
Der Fall hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Die vom Jugendamt in betreute elfjährige Chantal war am 16. Januar im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg an einer Überdosis Methadon gestorben. Das Mädchen lebte bei Pflegeeltern, die beide an einem Methadon-Programm teilnahmen.
Ermittler fanden in der Garage der Pflegeeltern und am Arbeitsplatz des Pflegevaters Methadon-Tabletten. In der Wohnung der Pflegefamilie soll es recht chaotisch zugegangen sein, Chantal hatte nicht einmal ein eigenes Bett. Das zuständige Jugendamt will jedoch keine Hinweise über den Drogenkonsum der Pflegeeltern gehabt haben. Drei Wochen nach dem Tod der Elfjährigen war der zuständige Bezirksamtschef Markus Schreiber zurückgetreten.
lgr/dpa



http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/hamburger-behoerde-kuendigt-freiem-traeger-nach-chantals-methadon-tod-a-837763.html

Kommentare:

  1. Trotz dieser dramatischen "Einzel-"Schicksale wird sich in diesem Land nichts ändern. Das Volk begreift nicht, was die Jugendämter Kindern antun. Gruß, Andreas - kein betroffener Vater

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  2. Sie wollen es nicht begreifen, weil sie hoffen sie bleiben verschont. (nichts sehen, nichts hören, nichts sagen)

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