Freitag, 17. August 2012

Brandenburg: Jugendamt Elbe-Elster sieht sich bei Erziehungsproblemen mit neuem Clearing-Konzept auf Erfolgskurs

Hilfe für Eltern soll maßgeschneidert sein



Herzberg: Die Jugendwerkstatt der Euro Schulen Organisation in Alt Herzberg war ein passender Ort für die jüngste Sitzung des Jugendhilfeausschusses des Kreistages am Dienstagnachmittag. Werkstattpädagogin Cornelia Reich berichtete während eines Rundganges in herzerfrischender Art über die Arbeit mit jungen Leuten, die sich nicht auf der Sonnenseite des Lebens befinden, wohl aber Zuwendung und Unterstützung in Anspruch nehmen.



Um Zuwendung, Hilfe und Unterstützung ging es auch in dem zuvor von Elvira Auerbach, Sachgebietsleiterin Sozialpädagogische Dienste, vorgestellten Bericht zur Umsetzung des sogenannten Clearing-Konzeptes.



Im Dezember 2008 vom Landrat als Auftrag an das Jugendamt übergeben, ist seither ein neues Herangehen an die vom Jugendamt angebotene Hilfe zur Erziehung entwickelt worden. Partner dabei war das Institut für Wirkungsvolle Sozialarbeit Leipzig, dessen Geschäftsführer Steffen Neumann nach Herzberg gekommen war. Wenn es den Referenten am Dienstag auch schwerfiel, den Abgeordneten die Vorteile des Arbeitens nach dem neuen Konzept zu vermitteln, so werden sie bei genauerem Hinsehen durchaus nachvollziehbar. Jens Scheithauer, Leiter des Jugendamtes, sieht das Clearing (Prozess des Klärens, d. R.) "als die optimale Form, die zur Struktur des Jugendamtes passt". Steffen Neumann markierte mit dem Paragraphen 1 im Sozialgesetzbuch (SGB) VIII die Prämisse für die Hilfe zur Erziehung:

"Jeder junge Mensch hat ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit."

Neu beim Clearing seien zum Beispiel ausführliche Gespräche mit den Eltern über die Hilfe, die sie sich wünschen und über die Erziehungsziele, die sie erreichen möchten, erklärt Elvira Auerbach. Der Wertschätzung gegenüber den Eltern komme eine besondere Rolle zu, denn nichts laufe bei der Erziehung ohne sie. Eltern und Jugendamt geben dann einen klar formulierten Auftrag an den jeweiligen freien Träger, dessen Erzieher oder Sozialarbeiter sich der Aufgabe annehmen. "Der freie Träger ist auf einen präzisen Auftrag vom Jugendamt angewiesen", unterstreicht Steffen Neumann.

Es sei schließlich auch im Interesse des Steuerzahlers, eine Kontrolle über Wirkungen und Effizienz der Hilfe zur Erziehung zu haben. Elvira Auerbach betont, dass nach dem neuen Konzept alles viel klarer und transparenter verlaufe. Arbeitskonzepte und Leistungsdokumentationen der freien Träger gehören dazu.

 In die Schulungen für das Clearing-Konzept seien neben den Mitarbeitern des sozialpädagogischen Dienstes auch die freien Träger einbezogen worden. Jens Scheithauer erinnert an das Jahr 2007, als das Jugendamt permanent unterbesetzt war. Eine Folge: Die Unterbringungen im Heim gingen in die Höhe, weil Hilfebedarf in Familien zwar erkannt wurde, die Ressourcen aber nicht vorhanden waren, um den individuell notwendigen Hilfebedarf festzustellen und diesen dann auch zu organisieren. Jetzt erlaube die personelle Situation ein anderes Arbeiten. "Die Hilfe zur Erziehung ist eine Dienstleistung, die sich Eltern vom Jugendamt holen können", betont Elvira Auerbach. Diese Hilfe in Anspruch zu nehmen, verspricht Kindern, Eltern und nicht zuletzt der Gesellschaft Erfolg – wenn sie erfolgsorientiert und professionell organisiert ist.

Zum Thema: In diesem Jahr sind bei der Hilfe zur Erziehung im Landkreis Elbe-Elster vom Jugendamt bisher 227 Fälle im ambulanten Bereich fachlich gesteuert worden. In Heimen oder bei Pflegeeltern sind es 285 Fälle. Elf Jugendsozialarbeiter kümmern sich unter anderem um diese Aufgabe.



Kontakt: Jugendamt, Telefon 03535 463544.


http://www.lr-online.de/regionen/herzberg/Jugendamt-Elbe-Elster-sieht-sich-bei-Erziehungsproblemen-mit-neuem-Clearing-Konzept-auf-Erfolgskurs;art1056,3909294



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