Montag, 30. April 2012

Lübeck - Schwere Vorwürfe gegen Kreisjugendamt

Büchen - Maren Lander: Lisa hat Angst vor ihren Eltern. Auffälligkeiten wurden ignoriert.



Schwere Vorwürfe gegenüber dem Kreisjugendamt erhebt Maren Lander aus Witzeeze. Anlass ist der Fall „Lisa aus Büchen“ (Name geändert). Die Immobilien-Fachwirtin und Handballtrainerin wirft dem Amt eine Fehlentscheidung vor. Von ihr gemeldete Verhaltensauffälligkeiten der damals 13-Jährigen seien ignoriert worden, das Kind müsse trotz großer Ängste bei den Eltern bleiben.

„Anlässlich des Maskenmörders und der toten Kinder, die unter Betreuung eines Jugendamtes standen, wurden wir Trainer aufgefordert, genauer hinzuschauen und Auffälligkeiten zu melden. Das habe ich bereits 2010 getan, aber leider ohne Erfolg“, sagte Maren Lander im Gespräch mit den Lübecker Nachrichten. In einem Brief an den Landrat habe sie Beschwerde gegen das Jugendamt eingelegt.

Hier ihre Schilderung: Lisas Mutter sei eine Arbeitskollegin gewesen. Das Mädchen habe sich bei Landers wohl gefühlt, sei immer häufiger gekommen. Maren Lander habe bei den Hausaufgaben geholfen und festgestellt, dass „nichts hängen blieb“, Lisa erschreckende Wissenslücken habe, zum Beispiel den Unterschied zwischen Stadt und Land nicht kenne. „Hinzu kam, dass Lisa extrem dünn war, nichts aß und große Ängste hatte, nach Hause zu gehen, immer häufiger über Bauchschmerzen klagte. Deshalb war Lisa öfter bei ihrer Oma oder Tante“, sagte Lander. Die zu Rate gezogene Erziehungsberatungsstelle in Schwarzenbek habe eine Lerntherapie empfohlen, die zunächst von Lander und Freunden finanziert worden sei. „Ab April 2011 ging es Lisa immer schlechter, sie wollte nicht mehr nach Hause, weinte, malte Totenköpfe“, sagte Lander. In einem Brief an ihre Tante schreibt sie: „ . . . ich kann nicht mehr. Ich will raus aus dieser Höhle.“ (Meinte das orthografisch unsichere Mädchen Hölle?) Und weiter: „Ich bin fertig mit mein Leben und Mama.“

Lander habe den Fall im Mai dem Jugendamt gemeldet, am 22. Juni dann ein Gespräch mit einer Sachbearbeiterin gehabt. „Die Dame bezeichnete Lisa als aufsässig, sah die Problematik in einem Geschwisterkonflikt zwischen Mutter und Tante von Lisa. Sie meinte, wir könnten doch eine Pflegestelle beantragen, seien doch gut geeignet oder ob wir ein Internat bevorzugen würden. Wir antworteten: Nur, wenn geklärt wird, warum Lisa nicht nach Hause will.“

Heute ist Lisa wieder zu Hause. Maren Lander: „Irgendwann konnten wir alle nicht mehr. Wir mussten dem Kind empfehlen, es zu Hause wieder zu versuchen. Das war der furchtbarste Moment in all den Monaten. Inzwischen ist Lisa verhaltensauffällig. Ein Schulverweis konnte gerade noch abgewendet werden. Wo ist das Hilfsangebot im Kreis? – Beim Jugendamt jedenfalls nicht.“


Das Kreisjugendamt, auf die Vorwürfe angesprochen, verweist auf gesetzliche Vorschriften und Datenschutz. Es sei nicht möglich, auf die einzelnen Vorwürfe einzugehen. „Viele der Schilderungen stimmen nicht. Wie kompetent ist Frau Lander?“, gibt Rüdiger Jung, Leiter des Kreisjugendamtes, den Ball zurück. Da sie nicht erziehungsberechtigt sei, könne sie auch keine Informationen bekommen. Und die LN auch nicht. Seine Kollegin Regine Wieczorek, Chefin der den Fall behandelnden Mitarbeiterin, wurde etwas deutlicher. „Es haben sich mehrere Mitarbeiter mit diesem Fall befasst. Es gab Helferkonferenzen zwecks Risikoeinschätzung. Dabei sind wir zu dem Schluss gekommen, dass es keine Veranlassung gab, zu intervenieren und das Mädchen aus der Familie zu reißen.“ Für die Einschätzung, ob das Kindeswohl gefährdet sei, gebe es Leitlinien, die streng befolgt worden seien. „Wir hatten eine andere Wahrnehmung als Frau Lander, und wir haben noch nie Hilfen aus finanziellen Gründen versagt“, betonte Wieczorek. Die Inobhutnahme eines Kindes hänge jedenfalls nicht allein vom Willen der Eltern ab, wie von Frau Lander geschildert. „Wenn ein Kind zu uns kommt und seine Angst vor den Eltern äußert, beginnt die Inobhutnahme in diesem Moment“, machte Jung deutlich. – Das muss sich eine 13-Jährige aber erst mal trauen.

Von Silke Geercken

http://www.ln-online.de/nachrichten/3431399/schwere-vorwuerfe-gegen-kreisjugendamt

Samstag, 28. April 2012

Land Brandenburg: Haasenburg GmbH - Jugendheim - Geschäfte mit "schwererziehbaren" Jugendlichen

Es geschieht völlig unbemerkt - hinter den Türen von Heimen für schwer erziehbare Jugendliche: Wenn Betreuer vor ihrer Gewaltbereitschaft kapitulieren. Fast sämtliche solcher Heime in Deutschland haben private Betreiber. Für manche auch eine Aufforderung, lohnende Geschäfte zu machen.

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1627234/Geschaefte-mit-Schwererziehbaren?setTime=1#/beitrag/video/1627234/Geschaefte-mit-Schwererziehbaren

"Es geht um die Erziehungsmethoden der Haasenburg GmbH. Der jugendliche Täter hatte Zugang zu
Gewaltvideos und Pornos. Weiter bezweifelt das Gericht die pädagogische Qualifikation des Personals."




"... Erzieherteam besteht zum Teil aus Tischlern, Fleischermeister oder Schlossern..."




Das Landgericht Cottbus stellt fest:"Die „weitgehend unzureichende und ineffiziente
Behandlung“ habe den Gewalttaten möglicherweise „sogar Vorschub geleistet“"




".... ehemalige Mitarbeiter der Haasenburg berichten von  unqualifiziertem, überfordertem Personal und
niedrigen Löhnen."

"In meinem Team war ein Industriemechaniker, der kennt sich mit keinem Krankheitsbild aus. Er weiß nicht, wie er mit den Jugendlichen umgehen muss"

http://frontal21.zdf.de/ZDFde/download/0,6753,7027243,00.pdf

"Gewinn der Haasenburg GmbH in den letzten 5 Jahren 3,1 Millionen Euro nach Steuern." "14500 € ca. für einen Jugendlichen/Monat aufgrund des hohen Personalaufwands? Niemand kontrolliert diese Rechnungen wirklich. Eigentlich kontrolliert sich die GmbH selbst oder wie?

Beim Bildungsministerium des Landes Brandenburg sieht man keine Probleme!

Donnerstag, 26. April 2012

Berlin - Adlershof: Prozess: Heimkinder mit Nadeln und Spritzen gequält

Zwei frühere Erzieherinnen eines Heims in Berlin-Adlershof müssen sich seit Mittwoch wegen Missbrauchs verantworten. Vor dem Berliner Landgericht wird ihnen vorgeworfen, sechs Mädchen wiederholt gequält und misshandelt zu haben. Die Opfer sollen zum Tatzeitpunkt zwischen fünf und zwölf Jahren alt gewesen sein. Zum Prozessbeginn am Mittwoch verweigerten die Angeklagten die Aussage. 

Zwischen September 2008 bis Februar 2009 sollen die Erzieherinnen die Kinder mit Reitgerten geschlagen sowie mit Einwegspritzen und Pinnwandnadeln gestochen haben. Die 42-jährige Angeklagte soll einem Mädchen zur Strafe die Hand auf die heiße Herdplatte gedrückt haben, bis sich das Kind verbrannte. An einem anderen Tag soll die Erzieherin den Kopf des Mädchens unter Wasser gedrückt haben, bis es keine Luft mehr bekam. 

Den Mädchen, darunter vier Schwestern, soll eine Aussage vor Gericht möglichst erspart werden, sagte Opferanwalt Roland Weber am Rande des Prozesses. Die Erzieherinnen wurden nach den Anschuldigungen vom Dienst suspendiert. 


http://www.rbb-online.de/nachrichten/vermischtes/2012_04/prozess__heimkinder.html



Mittwoch, 25. April 2012

Grossbritannien: Vermisste Maddie McCann ist vielleicht am Leben





http://www.morgenpost.de/vermischtes/article106225861/Vermisste-Maddie-McCann-ist-vielleicht-am-Leben.html


Hoya - Und ganz plötzlich gibt es keine Kindeswohlgefährdung mehr?


Hoya – Hat das Drama um Ella-Jean (12 Tage alt) endlich ein Ende? Mitarbeiter des Jugendamtes wollten den gerade geborenen Säugling seiner Mutter Billie-Jean C. (19) wegnehmen. Angeblich war das „Kindswohl“ gefährdet.
Aber es gab dafür offensichtlich keinen „Herausgabebeschluss“ eines Familiengerichts. Die verzweifelte Mutter – die das Sorgerecht fürs Baby hat – hatte sich daraufhin an BILD gewandt. „Ich kann für die Kleine sorgen. Habe eine Wohnung, Freunde, Hebammen und Ärzte helfen mir.“
Nach dem BILD vor Ort war, ruderte das Jugendamt des Kreises Nienburg gestern zurück. Ein Sprecher: „Auch für uns steht jetzt fest, dass offensichtlich keine Kindeswohlgefährdung vorliegt.“ Die junge Mutter hat darüber hinaus den Oldenburger Rechtsanwalt Patrick Katenhusen beauftragt, ihr zu helfen. Der Anwalt: „Das Amt wurde von mir angeschrieben, mich von allen etwaigen Aktionen vorab zu informieren.
Nach dem Fall Kevin aus Bremen sind die Ämter in Norddeutschland sensibler geworden, die Zahlen von Baby-Wegnahmen sind gestiegen.“


http://www.bild.de/regional/bremen/jugendamt/jugendamt-sieht-doch-keine-gefaehrdung-fuer-ella-jean-23834088.bild.html

P.S. Sensibler oder galt es wieder einmal ein kinderloses Ehepaar mit einem Baby zu versorgen?

Dienstag, 24. April 2012

Hoya - Inobhutnahme ohne Kindeswohlgefährdung?


HoyaDie junge Mutter presst ihr Baby fest an die Brust. Tränen der Angst kullern über ihre Wange. Ihre Ella-Jean ist erst elf Tage alt.

Doch das Jugendamt will ihr das Baby wegnehmen! Drei Tage nach der Geburt standen Jugendamtsmitarbeiter mit der Tragetasche am Mutterbett von Billie-Jean C. (19). Sie wollten den Säugling aus der Klinik mitnehmen. Billie-Jean: „Ich bin alleinerziehend. Der Vater hat sich aus dem Staub gemacht.“ Sie verweigerte die Herausgabe.

Tage später meldete sie sich in Hoya an, bezog ein Zimmer. Doch das Jugendamt von Nienburg, Außenstelle Hoya, ließ ihr keine Ruhe, versuchte erneut, ihr das Kind wegzunehmen. Gestern im Jugendamt Hoya. Drei Sozialarbeiter fordern Billie-Jean im Beisein von BILD barsch auf:

„Sagen Sie uns, wo das Kind ist. Wir bereiten die In-Obhutnahme vor.“ Die Mutter weigert sich. BILD will die Namen der Sozialarbeiter wissen. „Sagen wir nicht.“

Sie setzen die Mutter unter Druck, rufen dann um 15 Uhr sogar die Polizei. Die erscheint Minuten später. Verzweifelt fragt die junge Mutter:

„Warum tut ihr mir das an?“

Keine Antwort. Ein Zivilpolizist: „Gegen die Mutter liegt nichts Polizeirelevantes vor. Wir leisten nur Amtshilfe.“

Eine halbe Stunde später ein kleiner Erfolg: Die Amtsvertreter versprechen, ihr das Kind zu lassen, wenn ein Polizist und ein Sozialarbeiter das Baby in Augenschein nehmen können. Die Mutter stimmt zu. 15.44 Uhr: Neugierig beugen sich die Beamten über die Wiege. Ella-Jean schlummert friedlich. „Alles okay. Danke, ich hab‘ genug gesehen“, sagt der Sozialarbeiter. Beide Beamte verlassen das Haus.

Da kann Mutter Billie-Jean die Tränen nicht mehr zurückhalten. Sie schluchzt: „Ich habe solche Angst, weiß nicht, was die Behörden von mir wollen.“


http://www.bild.de/regional/bremen/jugendamt/das-amt-wollte-mir-mein-baby-wegnehmen-23813862.bild.html

Erkner - Erneut ein totes Kind im Land Brandenburg!

Nach dem Tod einer Vierjährigen in Brandenburg räumen die Behörden ein, dass sie die Mutter schon länger im Visier hatten. Mehrfach standen Sozialarbeiter vor verschlossener Tür. Jetzt wird gegen die 20-Jährige ermittelt....


Sie war schon seit Längerem auffällig und stand im Fokus des Jugendamts. Das teilte der Landkreis Oder-Spree am Montag mit. Wie ein Kreissprecher sagte, habe die zuständige Sozialarbeiterin zuletzt am 26. März einen unangekündigten Hausbesuch unternommen – aber niemanden angetroffen. Anlass für das Einschreiten der Behörden war eine Bitte des Großvaters des Mädchens.

Nach dem Fund ihrer toten Tochter im brandenburgischen Erkner wurde die 20-Jährige am Sonntag in der Psychiatrie untergebracht. Das habe ein Richter angeordnet, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Frankfurt/Oder am Montag. Zum Tatgeschehen und der Todesursache wollte er sich nicht äußern.

Großvater schaltete Jugendamt ein

Nach der erfolglosen Visite der Jugendamts-Mitarbeiterin Ende März sei die junge Mutter für den 19. April ins Amt bestellt worden, hieß es weiter. Sie sei aber nicht gekommen, nur wenige Minuten vorher habe sie telefonisch abgesagt. Sozialarbeiter hätten ihr sofort hinterher telefoniert. Die junge Frau habe aber nie reagiert, hieß es. Zwei Tage später fand die Polizei die Leiche des Mädchens in der Wohnung der 20-Jährigen.

Der Großvater der Kleinen habe am 20. März das Jugendamt eingeschaltet, teilte ein Sprecher des Landkreises mit. Der Verwandte habe aber lediglich erklärt, dass die 20-Jährige seit November 2011 in Erkner lebe und dass es seitdem für ihn sehr schwierig sei, Kontakt zu seiner Enkelin zu halten. „Dem Jugendamt lagen in der Bearbeitung des Falles keinerlei Anhaltspunkte für eine Gefährdung des Kindswohls vor“, sagte der Sprecher des Landkreises Oder-Spree. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun gegen die Mutter wegen des Verdachts des Totschlags.

http://www.focus.de/panorama/welt/tote-vierjaehrige-aus-brandenburg-mutter-war-beim-jugendamt-bekannt_aid_741842.html

Montag, 23. April 2012

Jugendamt Hamburg-Wandsbek: Mißbrauchsfall Anna - Jugendamt war informiert?


2010 informierte Barbara J. die Behörde über den möglichen Missbrauch einer Siebenjährigen. Heute wird J. als Lügnerin hingestellt - und geht in die Offensive.

taz: Frau J., wann haben Sie das Jugendamt über die Vernachlässigung Annas* informiert?

Barbara J.: Das muss im April 2010 gewesen sein. Da habe ich zusammen mit der Großmutter von Anna der zuständigen Fallbearbeiterin, Frau R., von den untragbaren Zuständen in der Familie berichtet.

Was genau?

Wir haben berichtet, wie die Kinder gelitten haben, weil zum Beispiel der Kühlschrank meist leer war, und Anna und ihre ältere Schwester nichts zu essen hatten. Dass Anna Angstzustände hatte und von ihrer Mutter nächtelang ganz allein gelassen wurde. Anna hat immer noch ständig in die Hose gemacht – mit sieben Jahren. Und zudem hat die Mutter ständig wechselnde Männerbekanntschaften gehabt.

Kam auch ein möglicher sexueller Missbrauch zur Sprache?

Natürlich haben wir darüber gesprochen und ganz klar gesagt, dass wir vermuten, dass die Anna sexuell missbraucht wird. Das konnten wir zwar nicht hundertprozentig belegen, aber wir haben berichtet, dass Anna besonders starke Angst vor dem aktuellen Freund der Mutter hat.

Wie hat Frau R. reagiert?

Wir wurden von ihr gefragt, ob bekannt werden darf, wer diese Vorwürfe erhebt. Da Annas Oma Angst vor dem Freund der Mutter hatte, haben wir um Anonymität gebeten.
Das Amt sagt, von Missbrauch sei nie die Rede gewesen.
Es bringt mich auf die Palme, dass wir als Lügnerinnen hingestellt werden. Das ist eine unglaubliche Beleidigung, die mich nun dazu bringt, mich öffentlich zu wehren. Da geben wir aus freien Stücken dem Jugendamt solche Informationen und werden hinterher so mies behandelt. Das kann ich nicht verstehen. Ich habe mit einer Mitarbeiterin des Amtes für soziale Dienste bereits vorigen Herbst über dieses unglaubliche Verhalten gesprochen, doch da hat sie alles nur als Missverständnis dargestellt.

Was steckt dahinter?

Das Jugendamt hätte spätestens nach unserem Gespräch sofort handeln müssen. Dann wäre Anna viel Leid erspart geblieben. Da das nicht geschehen ist, darf es auch unser Gespräch nie gegeben haben.

Hatte die Jugendhilfe die Familie schon vorher im Visier?

Schon seit Jahren. Auch bei Annas älterer Schwester gab es Verhaltensweisen, die auf Missbrauch hindeuten. Marie* hat Ende der neunziger Jahre im Kindergarten immer Penisse gemalt. Das ist einer Erzieherin aufgefallen, und sie hat es der Jugendhilfe gemeldet.

Was ist daraufhin passiert?

Marie sollte ins Heim, doch sie wollte unbedingt bei ihrer Mutter bleiben. Also hat Frau R., die damals schon die zuständige Fallbearbeiterin war, angeregt, Mutter und Tochter sollten unbedingt von der Familienhilfe betreut werden. Da ist die Mutter dann zweimal hingegangen und dann nicht mehr. Danach ist nichts mehr passiert und keiner hat sich mehr gekümmert.

Es gab bereits Ende der neunziger Jahre erste Hinweise auf Missbrauch, aber passiert ist nichts?

Genauso ist es.

Nun hat Marie vor Kurzem in ihre Jugendamtsakte Einsicht genommen. Dort gab es keinen Hinweis auf diese Vorgeschichte.

Dafür gibt es für mich nur zwei Erklärungen: Entweder wurden die Akten schon damals schlampig geführt, oder der Vorgang wurde aus der Akte entfernt, weil er ein schlechtes Licht auf das Amt geworfen hätte.

http://www.taz.de/Barbara-J-ueber-den-Missbrauchsfall-Anna/!91836/

Das traumatisierte Kind Wie Beziehungsdramen Kinder lebenslang traumatisieren

Scheidungsdramen, Beziehungskriege, Vernachlässigung und Gewalt – die Wege zum kindlichen Trauma sind vielfältig. Die Auswege nicht. Die Folgen dramatisch: Kindliche Traumata wirken ein Leben lang nach – psychisch wie physisch.


Es geschah, was immer geschieht. Der Vater erzählte seine Geschichte. Die Mutter erzählte ihre. Das Kind blieb stumm. Ein klassisches Scheidungsdrama eben. Am Morgen des 3. April hatte der dänische IT-Berater Thomas S. seinen fünfjährigen Sohn Oliver in einem Vorort von Graz auf offener Straße entführt und nach Kopenhagen gebracht. Die Mutter, Marion W., wandte sich an die Medien, der Vater auch, ihre Geschichten ähnelten einander, auch wenn sie sich widersprachen: Der Vater sagte, dass es dem Bub gut gehe, weil er ja jetzt endlich zu Hause sei. Die Mutter meinte, dass es dem Bub nur zu Hause gut gehen könne, und zwar in Österreich. Wie es Oliver wirklich geht, kann nicht beurteilt werden. Eine langfristige Prognose ist aber zulässig: Es wird ihm nicht gut gehen. Früher oder später, unausweichlich.

Denn kindliche Traumata vergehen nicht, selbst wenn sich keine unmittelbaren Auswirkungen feststellen lassen. Sie beeinflussen das spätere Beziehungsleben. Sie können nach Jahrzehnten noch psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen auslösen. Sie können somatisch wirken und physische Krankheiten verursachen. Selbst Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben ihren Keim unter Umständen in der Kindheit. Ein Warnhinweis: Frühkindliche Traumata verkürzen Ihr Leben.

Und dazu bedarf es beileibe keiner dramatischen Kindesentführung (übrigens keine Seltenheit: derzeit sind in Österreich 25 ähnliche Fälle amtsbekannt) oder Gewalt- und Missbrauchserfahrungen. Der Wiener Kinderpsychotherapeut Helmuth Figdor erklärt: „Es hängt natürlich davon ab, wie man Trauma definiert. Aber im Grunde können auch weitgehend konfliktfreie Familien betroffen sein, in denen die Eltern mit ihren Kindern auf eine Art umgehen, die in einem strukturellen Sinn traumatisierend wirkt – etwa wenn sie einen depressiven Vater haben, der immer wieder über lange Strecken beziehungsunfähig ist, oder eine Mutter, die bei Auseinandersetzungen zwar nie die Hand gegen sie erheben würde, aber immer zutiefst gekränkt und enttäuscht ist und sich vielleicht tagelang von ihnen abwendet. Da ist die Watschen gesünder. Und ich sage nicht, dass die Watsche gesund ist.“

Ein typischer Fall: Vor zwei Jahren suchte der heute 46-jährige Steirer Dietmar M.* einen Therapeuten auf, um die psychosomatische Seite eines hartnäckigen, in Gelenken und Gliedmaßen auftretenden Schmerzsyndroms behandeln zu lassen. Die Therapie förderte ein kindliches Trauma zutage, das nicht nur die Schmerzen, sondern auch M.s jahrzehntelange Beziehungsprobleme und -ängste erklären konnte. Seine Mutter war eine durch Kriegswirren entwurzelte Frau, die zwischen längeren liebevollen und kurzen drama­tischen Phasen des Rückzugs
und der Gesprächsverweigerung schwankte. Etwa alle zwei Monate brach sie einen wilden Streit mit ihrem Ehemann vom Zaun, an dessen Ende sie sich, begleitet von wiederholten Selbstmorddrohungen und Migräneanfällen, über Tage in ihrem Zimmer einschloss. Als kleines Kind suchte M. die Ursache für die zeitweilige mütter­liche Abwesenheit und Gesprächsver­weigerung bei sich selbst, entwickelte Schuldgefühle, litt selber unter Kopfschmerzattacken, dazu an Hautproblemen. Als Erwachsener hatte er extreme Bindungsängste, bis die Therapie schließlich sein verborgenes Trauma aufdeckte und damit seine Beziehungsprobleme nachhaltig verbesserte.

In zahlreichen wissenschaftlichen Studien wurden die gesundheitlichen Langzeitfolgen traumatischer Kindheitserlebnisse bereits zweifelsfrei nachgewiesen. Ein Forscherteam der Rutgers University in New Jersey kam beim Vergleich von 2800 Patientengeschichten zu dem Ergebnis, dass die Erfahrung körperlicher Gewalt im Kindesalter mit einer ganzen Palette an Folgeerkrankungen einhergeht. Die Gesundheitsdaten jener Patienten, die von physischem Missbrauch während ihrer Kindheit berichtet hatten, zeigten ein um 22 Prozent erhöhtes Risiko somatischer Beschwerden, eine um 24 Prozent erhöhte Wahrscheinlichkeit von Depressionen und Angsterkrankungen. Symptome und Krankheiten wie Allergien, Rheuma, Asthma, Bronchitis, Kreislauf- und Blutdruckprobleme, Herz- und Leberbeschwerden waren zwischen 34 und 167 Prozent höher als bei der Vergleichsgruppe. Wie gesagt: Eine traumatische Kindheit kann Ihr Leben verkürzen.

Jüngst wurde auch eine zellbiologische Wurzel dieser drastischen Folgen identifiziert. Es handelt sich um die Telomere, DNA-Teilstücke, denen eine wesentliche Aufgabe bei der Zellteilung zukommt. Diese Gensequenzen werden bei jeder Teilung kürzer, weshalb ihre Ausgangslänge die „Lebenserwartung“ einer Zelle bestimmt. Es konnte nachgewiesen werden, dass psychosozialer Stress, und hier vor allem frühkindlicher Stress, die Telomere verkürzt, was sich unter anderem in den beschriebenen Symptomen äußern kann. Eine Forschergruppe der Brown University kam in einer 2010 publizierten Studie zu dem Ergebnis, dass Menschen mit einer Vorgeschichte kindlicher Misshandlung oder Vernachlässigung signifikant kürzere Telomere besitzen. Die Autoren wiesen übrigens explizit darauf hin, dass ihr Befund sowohl bei körperlichen als auch bei seelischen Gewalterfahrungen gilt.

Wenn Nathalie F.*, 13, an ihre jüngere Schwester denkt, kommen ihr unweigerlich die Tränen. Seit Nathalie wieder bei ihrem Vater lebt, hat sie die kleine Mira* kaum gesehen. Zuletzt besuchte sie die kleine Schwester geheim im Kindergarten. Nicht dass die Jahre davor einfacher gewesen wären. Ihre Eltern trennten sich, als Nathalie sechs Jahre alt war. Die vielen Streitereien, die diese Trennung begleiteten, hinterließen bei Nathalie ein Gefühl, als würde sie „ein zu enges Korsett tragen“. Manchmal, wenn der Vater nachts mit dem Hund nach draußen ging, wurde er von der Mutter ausgesperrt. Heimlich mussten ihn die Kinder dann wieder in die Wohnung lassen. Nathalie hasste es, wenn sich ihre Eltern stritten: „Ich habe einmal gesagt, dass ich aus dem Fenster springe, wenn sie nicht aufhören.“ Nach der Scheidung beantragte die Mutter das alleinige Sorgerecht und beharrte darauf, dass Nathalie keinen Kontakt mehr zu ihrem Vater haben sollte – gegen ihren ausdrücklichen Willen. Es blieb trotzdem dabei, auch nach unzähligen Gerichtsterminen, Psychologenbesuchen und Gutachtergesprächen. Als ihr Vater einmal von der Polizei der ehemaligen gemeinsamen Wohnung verwiesen wurde, wurde es Nathalie zu viel. „Ich ertrug das alles nicht mehr, ich wollte vor ein Auto laufen. Ein Polizist hat mich aufgehalten.“

Es sind Fälle wie dieser, die Helga Staffa, Abteilungsleiterin im Wiener Jugendamt, meint, wenn sie sagt: „Eine Scheidung ist oft nur das Tüpfelchen auf dem i. Oft braucht es sie gar nicht, damit das Kindeswohl gefährdet ist.“ Exakt 10.518 Meldungen gingen im Vorjahr bei der Wiener ­Jugendwohlfahrt ein, mehr als die Hälfte davon betrafen den Verdacht der Vernachlässigung, etwa ein Drittel den der psychischen Gewalt, 15 Prozent körperliche und zwei Prozent sexuelle Gewalt. „Das ist allerdings die Gruppe mit der höchsten Dunkelziffer“, meint Staffa. Das legt auch eine Umfrage nahe, die die Kinderschutzorganisation Möwe in der Vorwoche präsentierte. Derzufolge hatten 25 Prozent aller Befragten, die schon einmal den Verdacht auf sexuellen Kindesmissbrauch hegten, nach eigenen Angaben nichts weiter unternommen. 29 Prozent hatten die Polizei verständigt, 21 Prozent das Jugendamt informiert.

Von den in Wien anno 2011 gemeldeten Verdachtsfällen wurde bei zwei Dritteln keine Gefährdung des Kindeswohls festgestellt, bei 28 Prozent eine so genannte „Unterstützung der Erziehung“ vereinbart (eine Begleitung der Familie durch Sozialarbeiter und Psychologen) und in sieben Prozent eine „volle Erziehung“ eingeleitet, also die Unterbringung in betreuten Wohngemeinschaften oder bei Pflegefamilien. Derzeit genießen in Wien etwa 3500 Kinder diese „volle Erziehung“, etwas mehr als 1000 wurden im Vorjahr vor­übergehend in Krisenzentren oder bei Krisenpflegefamilien untergebracht.

Österreich zählt in puncto Kinderschutz übrigens zu den internationalen Vorreitern: Mit dem Kindschaftsrecht-Änderungsgesetz 1989 verankerte es als viertes Land weltweit (nach Schweden, Finnland, Norwegen) das absolute Gewaltverbot in der Erziehung. Das „Züchtigungsrecht“ der Eltern war schon 1977 abgeschafft worden. Ob die Jugendwohlfahrt aber auch wirklich in jedem Fall das Kindeswohl erzielt, lässt sich diskutieren. Der Kinder- und Jugendtherapeut Helmuth Figdor hat seine Zweifel: „Ich sehe ein Problem darin, dass sehr viele Vertreter der Jugendwohlfahrt nicht erkennen, dass sie mit ihrer Intervention die Kinder unter Umständen auch traumatisieren. Oft ist es ja so, dass Kinder sechs Wochen ins Krisenzentrum kommen, und wenn in dieser Zeit keine Lösung gefunden wird, geloben die Eltern Besserung, das Kind kehrt zurück, und alles ist wieder so, wie es war. Nur hat de facto eine zusätzliche Traumatisierung stattgefunden – durch die Entfernung von den Eltern. Ich erinnere mich an den Fall eines Zweieinhalbjährigen, der aufgrund einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen den Eltern sofort ins Krisenzentrum gekommen ist und seine Eltern acht Wochen nicht gesehen hat. Was das bedeutet, können Sie sich vorstellen. Dieser Junge hat seine Eltern verloren. Solche Dinge kommen nicht mehr in Ordnung. Und das Jugendamt ist der Meinung, das Kind gerettet zu haben.“

In Beziehungskrisen wie Scheidungsfällen gilt die traurige Faustregel: Eine schlechte Lösung ist besser als die schlechteste. Ein Kind – mit sozialpsychologischer Unterstützung – in problematischen Familienverhältnissen zu belassen kann besser sein, als es völlig aus diesen herauszureißen. Denn damit realisiert sich ein klassischer Traumabegriff. Figdor: „Trauma bedeutet in diesem Fall, dass die Heranwachsenden in eine Situation versetzt werden, in der alle ihre bisherigen praktischen und emotionalen Strategien zusammenbrechen. Es ist nichts mehr, wie es vorher war. Diese Diskontinuität der Lebensverhältnisse nimmt einem das, was man als innere Heimat bezeichnen könnte. So etwas braucht jeder Mensch. In diesem Sinne ist auch jede Trennung tendenziell traumatisch.“

Denn Kinder erleben eine Scheidung der Eltern in erster Linie als Trennung eines Elternteils von sich selbst. Figdor: „Eine Neunjährige hat mir erzählt, dass es schon gut sei, dass sich ihre Eltern scheiden lassen. Deren Streiterei sei ja nicht mehr auszuhalten gewesen. Aber was sie nicht verstehen könne: Warum zieht der Papa aus? Er hätte doch zu ihr ins Kinderzimmer ziehen können, das sei groß genug. Dass dem Vater der Streit mit der Mutter wichtiger ist als die Liebe zum Kind, kann dieses oft nicht nachvollziehen.“

Selbstverständlich müssen Streitereien zwischen den Eltern nicht immer zu einer Traumatisierung der Kinder führen. Kinder sind unterschiedlich sensibel und daher auch unterschiedlich empfänglich für Spannungen und Streitereien in der Familie. Sie sind auch psychisch unterschiedlich robust, wenn es um die Verarbeitung von traumatischen Belastungen geht. Es kommt ganz wesentlich darauf an, ob die Eltern einen Weg der Trennung finden, der nicht zugleich eine totale emotionale Trennung eines Elternteils von den Kindern bedeutet. Zudem können andere Bezugspersonen in der Familie oder im Freundeskreis und natürlich frühe professionelle Intervention das drohende Trauma abfangen.

Die ersten Symptome für die kindliche Traumatisierung sind bei Kleinkindern etwa Regressionsphänomene: Sie fallen in der Entwicklung zurück, zeigen depressive Verhaltensweisen, werden von nächtlichen Angstattacken geplagt, schreien im Schlaf auf, weinen und sind nicht zu beruhigen. Bei Kindern im Volksschulalter zeigen sich Furchtsamkeit, Verlust- und Trennungsängste, Schlafstörungen, Angst vor Aggressionen und Konflikten, Trauer, Schuld- und Einsamkeitsgefühle. Bei Jugendlichen sind es häufig Selbstwertstörungen oder die so genannte Parentifizierung: Die Kinder übernehmen die Verantwortung für die Eltern, fühlen sich für deren Glück und Unglück verantwortlich, zeigen einen Leistungsabfall und Gefühlsschwankungen zwischen Wut, Aggression und Trauer, Schmerz, Rückzug, Depression – bis hin zu psychotischen Reaktionen. Manchmal können auch massive Essstörungen die Folge von Traumatisierung aufgrund familiärer Konflikte sein.

Manche Menschen entwickeln ein Opfersyndrom und neigen dazu, sich mit Aggressoren zu identifizieren. Die Spuren, die diese Traumatisierung hinterlässt, führen oft zu einer so genannten „transgenerationalen Problematik“, wie es die Psychotherapeuten nennen. Das heißt, dass sich die Beziehungsmuster der Eltern im Erwachsenenleben der Kinder wiederholen.

Helmuth Figdor bezeichnet Trennungsdramen nicht umsonst als „Lebensschicksal“ und warnt davor, unauffällige Kinder als psychologisch unbelastet anzusehen. Eltern wie Experten machten gerne den Fehler zu glauben, das Auftreten von Symptomen sei gleichbedeutend mit einer psychischen Belastung. Tatsächlich können Kinder in psychischen Stresssituationen äußerlich sogar ruhiger und ausgeglichener wirken, während gleichzeitig ihre inneren Konflikte zunehmen. Auch die Entwicklungspsychologin Pia Deimann, Professorin am Institut für Angewandte Psychologie der Universität Wien, betont: „Nicht jedes Trauma zeigt beobachtbare Symptome.“

Ein paar allgemeingültige Erkenntnisse gibt es dennoch. Der klinische Psychologe Harald Werneck erklärt: „Kurzfristig wirkt sich eine Scheidung altersspezifisch unterschiedlich aus, mittelfristig gibt es Befunde, die besagen, dass insbesondere bei den Mädchen erstaunlich wenig Konsequenzen nachgewiesen werden können.“ Das liege allerdings daran, dass gerade Mädchen zu internalisierten Störungen neigen, also zu depressiven oder ängstlichen Reaktionen. Burschen reagieren offensichtlicher, etwa mit einem Leistungsabfall in der Schule oder Aggressionen. „Da ist dann ganz offenkundig auch nach außen hin ein Handlungsbedarf da. Interessanterweise hat man aber auch herausgefunden, dass sich langfristig gerade bei jungen Frauen ganz deutliche und klare Folgewirkungen einer Scheidung nachweisen lassen – in dem Sinn, dass sie in ihren eigenen Beziehungen anders reagieren als Mädchen oder junge Frauen, die in ihrer Kindheit keine Scheidung der ­Eltern miterlebt haben.

Mit anderen Worten: Scheidung vererbt sich. Der statistische Befund ist eindeutig. Der Kinder- und Jugendpsychiater Max Friedrich geht für Wien von einer 60-Prozent-Rate aus, mit der die Ehen ehemaliger Scheidungskinder innerhalb der ersten zehn Jahre geschieden werden – deutlich mehr als im Durchschnitt der Gesamtbevölkerung: Im Jahr 2010 wurden in Österreich 17.442 Ehen geschieden, was einer Gesamtscheidungsrate von 43 Prozent entspricht. Wie viele der insgesamt 19.574 Kinder, die im Jahr 2010 von der Scheidung ihrer Eltern betroffen waren, einen Rosenkrieg erleben mussten, ist statistisch nicht in Zahlen zu fassen, da auch einvernehmliche Obsorgeregelungen keine Garantie für innerfamiliäre Harmonie darstellen, wie die Kinder- und Jugendanwältin Monika Pinterits weiß: „Oft eskaliert die Lage bei Gelegenheiten wie Weihnachten, wenn die Eltern sich nicht einigen können, bei wem das Kind die Feiertage verbringt. Oder ein Elternteil beginnt eine neue Partnerschaft, was bei dem anderen die alten Wunden aufreißt.“ Max Friedrich formuliert die Problematik so: „Eine harmonische Scheidung gibt es nicht. Man lässt sich schließlich scheiden, weil die Harmonie nicht mehr stimmt. Wer etwas anderes behauptet, redet Unsinn. Und die Winterreifen und das Hochglanzstahlgeschirr sind ja noch relativ leicht zu teilen. Da kann man den Wert berechnen und halbe-halbe machen. Beim Kind gibt es kein halbe-halbe.“

Scheiden tut weh. Vor allem den ­Kindern. Nicht selten ein ganzes Leben lang.

http://www.profil.at/articles/1216/560/325420/kinder-das-kind

Samstag, 21. April 2012

Initiative "www.vermisste-Kinder.de" täuscht weitere Straftat vor, dieses Mal Verleumdung und Beleidigung

Wir wurden benachrichtigt, dass Ihr Blogpost

http://leonie-wichmann.blogspot.de/2010/08/wwwvermisste-kinderde-deutschland.html

mutmaßlich Inhalte beinhaltet, die möglicherweise die Rechte anderer
Personen und die Gesetze der Länder verletzen, in denen diese wohnhaft
sind. Die bei uns eingegangene Beschwerde ist angehängt.

Sollten wir nicht innerhalb von sieben (7) Kalendertagen eine Antwort von
Ihnen erhalten, aus der hervorgeht, dass Sie (a) die besagten Inhalte
entfernt haben oder aber (b) substanziiert darstellen, dass die behauptete
Rechtsverletzung nicht vorliegt, wird der beanstandete Blogpost entfernt
werden. Wir behalten uns vor, Ihre Korrespondenz an den Beschwerdeführer
weiterzuleiten.

Bei rechtlichen Fragen zu dieser Benachrichtigung wenden Sie sich bitte an
einen Rechtsbeistand. Für alle anderen Fragen können Sie sich gerne an uns
wenden.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Google-Team

From: lars.bruhns@vermisste-kinder.de
AutoDetectedBrowser: Safari 4
AutoDetectedOS: Intel Macintosh OS X
IIILanguage: de
IssueType: lr_legalother
Language: de
agree: checked
companyname: Initiative Vermisste Kinder
country_residence: DE
dmca_signature: Lars Bruhns
dmca_signature_date_day: 3
dmca_signature_date_month: 4
dmca_signature_date_year: 2012
full_name: Lars Bruhns
geolocation: DE
hidden_dmca_category:
hidden_product: blogger
legalother_explain: § 187 StGB Verleumdung
Wer wider besseres Wissen in Beziehung auf einen anderen eine unwahre
Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen
oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen oder dessen Kredit zu
gefährden geeignet ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder
mit Geldstrafe und, wenn die Tat öffentlich, in einer Versammlung oder
durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) begangen ist, mit
Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
Nachfolgende Zitate des Urhebertextes, als auch darauffolgende Kommentare
sind vom Straftatbestand der Verleumdung gem. §187 StGB betroffen.


FREITAG, 27. AUGUST 2010
Deutschland findet euch www.vermisste-kinder.de
Die Fakten über diese Vereinigung!:
Ja "Deutschland findet euch"
und steckt euch in die Psychiatrie.
So, wie die kleine Leonie Wichmann!
Die Herrschaften dieser Vereinigung
in Zusammenarbeit mit Aktenzeichen XY
waren mit ihren Lügen und Verleumdungen daran beteiligt!

http://www.vermisste-kinder.de/galerie/4images/details.php?image_id=146

Leonie wird sich dafür später sicher "bedanken"!

AnonymSep 8, 2010 11:16 PMHab hier auch schon einiges negatives über den Verein gehört, ob das alles stimmt was die so auf ihrer Webseite angeben? Da kann man ja gar nicht anrufen und nur damit ich irgendwelche Bilder von vermissten Kindern sehe
brauch ich so einen Verein nicht, da gehe ich zu einer Selbsthilfegruppe wo
ich mehr erfahre, das ist nur Wichtigtuerei was die machen, vielleicht
verdienen die damit auch noch Geld?
LG Anette

AnonymDec 13, 2011 10:47 AM
http://www.facebook.com/pages/Deutschland-findet-euch-Der-Suchtrupp/
269270396444277
Dass ist absolut das Letzte!!!! Und die bekommen Spendengelder ohne Ende!!!!

§ 185 Beleidigung
Die Beleidigung wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit
Geldstrafe und, wenn die Beleidigung mittels einer Tätlichkeit begangen
wird, mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
Nachfolgender Kommentar ist vom Straftatbestand der Beleidigung gem. § 185
StGB betroffen.


OmaJan 4, 2012 09:29 AM
Versucht mal diesen Verein anzuschreiben - mit der Bitte um Informationen -
und ihr werdet feststellen, dass eine Antwort unter der Würde dieser
Witzbolde ist.
url_box3_1:
http://leonie-wichmann.blogspot.de/2010/08/wwwvermisste-kinderde-deutschland.html

Meine Antwort:


Sehr geehrte Damen und Herren,

die behauptete Rechtsverletzung liegt nicht vor. Dieser Verein hat meine Enkeltochter unter falschen Angaben tatsächlich gesucht. Dies ist der entsprechende Link, der inzwischen von diesem Verein offenbar gelöscht wurde:

http://www.vermisste-kinder.de/galerie/4images/details.php?image_id=146

Und dies war der entsprechende Text:

"Leonie Wichmann aus Berlin wird
seit dem 5.Mai 2006 vermisst.

Geburtsdatum: 26.3.2003
Augenfarbe: graublau
Haarfarbe: mittelblond

Am 05.05.2006 wurde Leonie der Mutter enzogen.


Möglicher Aufenthaltsort:
Berlin,Bayern,Niedersachen und Frankreich.

Hinweise bitte an:
das Jugendamt Oberhavel Telefon: (03301) / 601 425

oder an die
Initiative Vermisste Kinder
Hotline: 0800 - 0049 110


Das Jugendamt Oberhavel behauptet auf dieser Seite, dass Leonie seit dem 05.05.2006 der Mutter entzogen wurde. Am 17.05.2006 war der Gutachter jedoch noch bei uns und wie man an der Abmeldebestätigung sehen kann, sind wir Anfang Juli nach Bayern gezogen!"

Zu dem hier genannten Zeitpunkt lebte ich mit meiner Enkelin noch im Land Brandenburg. Leonie hatte an diesem Tag Umgang mit ihrer Mutter. Ich habe bis heute das Aufenthaltsbestimmungsrecht und die Gesundheitssorge für mein Enkelkind.

Somit hat es weder eine Entführung, noch einen Entzug gegeben! Dieser Verein hat gelogen.

Meine Enkeltochter Leonie Wichmann wurde tatsächlich von diesem Verein unter Vortäuschung falscher Angaben, u.a. das eine Straftat vorliegt, gesucht und zwar genau wie es in diesem BLOG beschrieben wurde. Nach dem sie gefunden wurde, hat man sie in die Psychiatrie gesteckt.

http://leonie-wichmann.blogspot.com/2011/01/leonie-wichmann-7-jahre-eingesperrt-in.html

http://leonie-wichmann.blogspot.com/2009/10/das-ist-unsere-geschichte.html

Dieses Posting entspricht den Tatsachen. Auch die darunter abgegebenen Kommentare entsprechen den Erfahrungen weiterer Betroffener.

Hier soll offenbar wieder einmal versucht werden, indem man den von den unseriösen Machenschaften dieses Vereins Betroffenen Straftaten unterstellt, das Gesicht dieses Vereins zu wahren.

Mit freundlichen Grüßen

Birgit Wichmann

Mittwoch, 18. April 2012

Amtsgericht Erding: Mi, 02.05.2012 09:00 Uhr Münchener Str. 27 Sitzungssaal 3 EG/Raum 22 i.S. Enders wegen übler Nachrede

Eine Dienstaufsichtsbeschwerde mit großer Wirkung! Wie heißt es:"Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd!"

Dipl.-Ing. Raimund Enders
Robert-Koch-Str. 26
85521 Ottobrunn
Tel 089-6094649 Fax 6098949


An den P e r s ö n l i c h
Präsidenten des
Amtsgerichtes Erding E i l s a c h e
Münchener Straße 27
85435 Erding

Ottobrunn, den o8.o9.2o11

– Unabhängigkeit der Justiz – Verhalten von Richterin Gabriele Reichert, stellvertretende Direktorin am AG Erding als Zuhörerin in einem sie selbst als Mitglied des ADK e.V. betreffenden Rechtsstreit vor dem LG München.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich sehe mich veranlasst, meine Wahrnehmungen zu dem Vorfall vom o8.o7.2o11 als Aussage zu machen.

Am o8.o7.2o11 kurz nach 1o.oo Uhr erschien ich als Zuhörer und Journalist beim LG München I zum Rechtsstreit xxxxxxx ./. ADK e.V. zu 6 – O – 26482/1o im Sitzungssaal 6 unter dem Vorsitz von Richterin Gerlich, der 6. Zivilkammer als Einzelrichterin.

Da ich wegen einer Terminkollision meinerseits den Saal erst nach Verhandlungsbeginn betrat und nur noch wenige Zuhörerplätze zur Verfügung standen, setzte ich mich auf einen der freien Plätze links (Fensterseite), so dass nur noch 2 Personen links neben mir saßen. Es handelte sich, wie sich nun herausstellte, um Frau Richterin Gabriele Reichert und Herrn Prof a.D. Frank Groner.

Als während der Verhandlung die Klägerin sich zu Wort meldete um zu den gegen sie erhobenen Anschuldigungen und Vorwürfen eine Stellungnahme abzugeben, fasste die links neben mir sitzende Dame in ihre rechts neben mir auf dem Sitz stehende Handtasche, nahm ein elektronisches Gerät mit einem Display heraus, schaltete es ein und bediente es indem sie auf das zweite untere Ikon von links (für Aufnahme) tippte.


Da ich zufällig dieses Gerät als Aufnahmegerät erkannte, da ein Bekannter dasselbe Gerät besitzt, meldete ich den Vorfall der Richterin Gerlich. Während dessen warf die Dame links neben mir ihr eingeschaltetes Aufnahmegerät in ihre Handtasche zurück.

Die Dame wurde von der Vorsitzenden Richterin ermahnt, Sprachaufzeichnungen seien im Gerichtssaal unzulässig. Die Dame zog darauf hin ein anderes Gerät aus ihrer Jackentasche und zeigte es vor, behauptete, dies sei ein Handy gewesen und sie habe es soeben ausgeschaltet, da sie dies vorher vergessen habe.

Erst später fiel mir das "Zauberkunststück" der vertauschten Geräte auf, ich wollte jedoch die Verhandlung nicht mit einem weiteren Zwischenruf stören, zumal die Vorsitzende Richterin ohnehin erkennbar auf Seiten des beklagten ADK e.V. stand. Das eingeschaltete Aufnahmegerät verblieb also in der Handtasche.


Durch Zufall stellte ich nun fest, dass es sich bei der Dame links neben mir um eine Richterin handelt, nämlich um Gabriele Reichert, stellvertretende Direktorin am AG Erding, die eins der wenigen Mitglieder des beklagten ADK eV. ist und vom weiteren Mitglied des beklagten ADK eV. Herrn Frank Groner, Professor a.D. der Kath. Stiftungs-FH München a.D. begleitet wurde, welcher links neben ihr im Gerichtssaal saß.

Es ist davon auszugehen, dass der betroffene Dame, die ja selbst Richterin und stellvertretende Direktorin eines Amtsgerichts ist, die Rechtslage für Sprachaufzeichnungen, insbesondere im Gerichtssaal, bekannt ist. Ebenso ist davon auszugehen, dass die betroffene Dame auf Anweisung der Vorsitzenden Richterin durch den Wachdienst durchsucht und das Gerät als Beweismittel beschlagnahmt worden und die Tat geahndet worden wäre, hätte es sich hier bei den Zuhörern nicht um eine Richterin (Kollegin) gehandelt.


Ich bin darüber entsetzt, mit welcher Dreistigkeit sich Richter über geltendes Recht hinwegsetzen können, wie Richter in eigener Sache andere Personen, sogar Richter belügen und wie andere Richter ihre Kollegen dabei gewähren lassen.

Dies ist mit der sog. Unabhängigkeit der Justiz nicht zu erklären und stellt das gesamte Rechtssystem in Frage.


Ich beantrage daher, dass das Gericht der Angelegenheit unverzüglich nachgeht und dafür Sorge trägt, dass

- sich dergleichen nicht wiederholen kann,
- die weitere Verhandlung nicht weiter von einer Einzelrichterin sondern von einer Kammer geführt wird und
- der Vorfall strafrechtlich ohne Einstellung des Verfahrens verfolgt wird.

Nur auf diesem Wege kann das Vertrauen der Bürger in das Rechtsystem wieder hergestellt werden.

Mit freundlichen Grüßen


Dipl.-Ing. Raimund Enders

Ottobrunn, den o8.o9.2o11

_______________________________________________________________
Dipl.-Ing. Raimund Enders
Robert-Koch-Str. 26
85521 Ottobrunn
Tel 089-6094649 Fax 6098949



An den
Präsidenten des
Landgerichtes München I
Prielmayerstr. 7 E i l s a c h e
80333 München

Ottobrunn, den o8.o9.2o11

Sehr geehrte Damen und Herren,


Ich sehe mich veranlasst, meine Wahrnehmungen zu dem Vorfall vom o8.o7.2o11 als Aussage zu machen.

Am o8.o7.2o11 kurz nach 1o.oo Uhr erschien ich als Zuhörer beim LG München I zum Rechtsstreit xxxxxxx ./. ADK e.V. zu 6 – O - 26482/1o im Sitzungssaal 6 unter dem Vorsitz von Richterin Gerlich, der 6. Zivilkammer als Einzelrichterin.

Da ich wegen einer Terminkollision meinerseits den Saal erst nach Verhandlungsbeginn betrat und nur noch wenige Zuhörerplätze zur Verfügung standen, setzte ich mich auf einen der freien Plätze links (Fensterseite), so dass nur noch 2 Personen links neben mir saßen. Es handelte sich, wie sich nun herausstellte, um Frau Richterin Gabriele Reichert und Herrn Prof a.D. Frank Groner.


Als während der Verhandlung die Klägerin sich zu Wort meldete um zu den gegen sie erhobenen Anschuldigungen und Vorwürfen eine Stellungnahme abzugeben, fasste die links neben mir sitzende Dame in ihre rechts neben mir auf dem Sitz stehende Handtasche, nahm ein elektronisches Gerät mit einem Display heraus, schaltete es ein und bediente es indem sie auf das zweite untere Ikon von links (für Aufnahme) tippte.


Da ich zufällig dieses Gerät als Aufnahmegerät erkannte, da ein Bekannter dassel¬be Gerät besitzt, meldete ich den Vorfall der Richterin Gerlich. Während dessen warf die Dame links neben mir ihr eingeschaltetes Aufnahmegerät in ihre Handtasche zurück.

Die Dame wurde von der Vorsitzenden Richterin ermahnt, Sprachaufzeichnungen seien im Gerichtssaal unzulässig. Die Dame zog darauf hin ein anderes Gerät aus ihrer Jackentasche und zeigte es vor, behauptete, dies sei ein Handy gewesen und sie habe es soeben ausgeschaltet, da sie dies vorher vergessen habe.


Erst später fiel mir das "Zauberkunststück" der vertauschten Geräte auf, ich wollte jedoch die Verhandlung nicht mit einem weiteren Zwischenruf stören, zumal die Vorsitzende Richterin ohnehin erkennbar auf Seiten des beklagten ADK e.V. stand. Das eingeschaltete Aufnahmegerät verblieb also in der Handtasche.


Durch Zufall stellte ich nun fest, dass es sich bei der Dame links neben mir um eine Richterin handelt, nämlich um Gabriele Reichert, stellvertretende Direktorin am AG Erding, die eins der wenigen Mitglieder des beklagten ADK eV. ist und vom weiteren Mitglied des beklagten ADK eV. Herrn Frank Groner, Professor a.D. der Kath. Stiftungs-FH München a.D. begleitet wurde, welcher links neben ihr im Gerichtssaal saß.



Es ist davon auszugehen, dass der betroffene Dame, die ja selbst Richterin und stellvertretende Direktorin eines Amtsgerichts ist, die Rechtslage für Sprachauf¬zeichnungen, insbesondere im Gerichtssaal, bekannt ist. Ebenso ist davon auszugehen, dass die betroffene Dame auf Anweisung der Vorsitzenden Richterin durch den Wachdienst durchsucht und das Gerät als Beweismittel beschlagnahmt worden und die Tat geahndet worden wäre, hätte es sich hier bei den Zuhörern nicht um eine Richterin (Kollegin) gehandelt.


Ich bin darüber entsetzt, mit welcher Dreistigkeit sich Richter über geltendes Recht hinwegsetzen können, wie Richter in eigener Sache andere Personen, sogar Richter belügen und wie andere Richter ihre Kollegen dabei gewähren lassen.


Dies ist mit der sog. Unabhängigkeit der Justiz nicht zu erklären und stellt das gesamte Rechtssystem in Frage.

Ich beantrage daher, dass das Gericht der Angelegenheit unverzüglich nachgeht und dafür Sorge trägt, dass

- sich dergleichen nicht wiederholen kann,
- die weitere Verhandlung nicht weiter von einer Einzelrichterin sondern von einer Kammer geführt wird und
- der Vorfall strafrechtlich ohne Einstellung des Verfahrens verfolgt wird.


Nur auf diesem Wege kann das Vertrauen der Bürger in das Rechtsystem wieder hergestellt werden.

Mit freundlichen Grüßen


Dipl.-Ing. Raimund Enders

Ottobrunn, den o8.o9.2o11


Was dann folgte, war dies:


Bitte oben rechts Seite anklicken und Zoom 150:


Und dann die Ladung zur Verhandlung:








Die Verhandlung ist öffentlich. Jeder Interessierte ist herzlich eingeladen.

Montag, 16. April 2012

Termin 19.04.2012 - 13.00 Uhr Landgericht München II/Sitzungssaal B 264 - Vorwurf Beleidigung einer Richterin in FFB







Also es fing damit an, dass wir einen Hilferuf der Mutter von Daniel Roth(16J.) bekamen, der Junge war in Haft genommen worden, weil er eine Verhandlung nicht wahrgenommen hat, obwohl er durch seinen Anwalt und seine Mutter bei Gericht entschuldigt wurde. Damit er auch sicher zur nächsten Verhandlung komme, wurde er von der Polizei aufgegriffen, nachdem er von seiner Verwandtschaft aus Ungarn kam. Er hatte laut seiner Mutter einem Erzieher (er lebte damals in einer Wohngruppe) eine Zigarette und im Supermarkt eine Caprisonne mitgehen lassen.



Wir haben es im Freundeskreis besprochen und beschlossen, der Richterin diesbezüglich ein Schreiben in Form von einer e-mail, Faxe zu schicken, um unseren Unmut und unser Missfallen an dieser überzogenen Maßnahme zu zeigen. Darin zählten wir Ihr die Rechte von Daniel noch auf. Wir bekamen Rückmeldung von der Mutter die Richterin fühlte sich dadurch angegriffen, darauf wollten wir ihr nochmals eine e-mail, mit den uns zur Last gelegten Satz: "Vor( Un-) Menschen wie Ihnen kann man nur ausspucken und sich schämen deutsche Staatsbürgerin zu sein!!!!" senden. Es blieb aber offenbar bei dem Entwurf des Schreibens, denn Frau Wichmann konnte nachweisen, dass das Schreiben zwar verfasst aber nie abgesandt wurde durch uns. Abgesandt wurde es durch Werner Hoeckh, der durch Viktoria Roth, der Mutter, dazu aufgefordert wurde. Das ist durch die Akteneinsicht von Frau Wichmann auch belegbar!

Wir wandten uns auch mit noch anderen Beteiligten an den Generalstaatsanwalt. Es muss deshalb Nachfragen gegeben haben. Und da wir nur im Schreiben vom Generalstaatsanwalt unsere Adressen angaben, kann der Präsident des LG München nur von da unsere Anschrift haben, er hat gegen uns deswegen eine Anzeige wegen Beleidigung gestellt. Mit mir war noch Birgit Wichmann, Werner Höckh, sowie Stephan Abramowski genannt.

Ich wurde als erste dazu von der Polizei Mitte Mai 2010 verhört, Frau Wichmann, sowie Herr Höckh wurden erst später dazu verhört und mittlerweilen sind Ihre Verfahren abgeschlossen.

Wir erhielten unsere Strafbefehle, gegen den legten wir Beschwerde ein. Dann geschah erst mal nix, Frau Wichmann bekam als 1. die Ladung zum Termin in FFB, sie erschien dort, man blieb bei dem Strafbefehl, ging nur geringfügig mit der Strafe runter. Fr. Wichmann legte Beschwerde ein, Ihre Verhandlung fand im Februar 2011 beim LG München statt, dort stellte man das Verfahren ein.

Danach erhielt ich ziemlich kurzfristig den Termin 29.03.2011 in FFB, aus Krankheitsgründen musste ich Ihn absagen, da ich eine Woche vorher eine OP hatte, war ich auch zu diesem Zeitpunkt nicht in der Lage nach Fürstenfeldbruck zu reisen. Sie setzten innerhalb der nächsten 4 Wochen den Termin neu an, da Sie mir für die Fahrtkosten kein Geld überwiesen noch eine Fahrkarte schickten, konnte ich auch diesen Termin nicht wahrnehmen. Sie verwarfen deshalb meine Beschwerde, ich wäre nicht genügend entschuldigt gewesen. Ich legte wiederum Beschwerde beim LG München ein, die natürlich abgelehnt wurde. Ich hatte auch noch gleichzeitig Berufung eingelegt.

Der Termin hätte am 19.01.2012 stattfinden sollen, wurde aber vom Gericht aufgehoben und auf den 19.04.2012 verlegt.

Laut meiner Akteneinsicht, fand ich die e-mail welche ich abgesandt haben soll nicht. Ich fand viele kopierte Dokumente über einen Faxentwurf, den ich in meinem Ordner hatte und bei einer Hausdurchsuchung, sowie der Beschlagnahmung meines PC’s und der Festplatte. Ich fand viele Schriftstücke, die mir Frau Wichmann mal zur Verfügung gestellt hatte in dieser Akte, sowie was seltsam war eine Strafanzeige der Frau Wichmann für Landshut, die laut Frau Wichmann, sie nicht mal selbst abgespeichert hatte, also gar nicht auf meinem PC gespeichert sein konnte.

Ich vermute, dass ich, wenn ich mir das Verhalten der Richter und Staatsanwälte mir gegenüber anschaue, es nicht unbedingt um die angebliche Beleidigung geht, sondern hier ganz andere Absichten dahinter stecken, man wollte mich als Informantin gegen Frau Wichmann benutzen.

Beweise seitens der Richter und Staatanwälte wurden bisher nicht vorgelegt, noch in den Ladungen aufgezählt.


Der Termin am 19.04.2012 ist öffentlich, daher ist jeder Interessierte eingeladen daran teilzunehmen!

Christa Blasczyk

Sonntag, 15. April 2012

Psychiatrie: Die Vermarktung erfundener Krankheiten

Fahndung nach Kinderschänder - wer kann Hinweise geben?

(XY vom 21. September 2011)
Der Fall sorgte für Furore. In der XY-Sendung vom 15. Juni 2011 fahndete das Bundeskriminalamt in Wiesbaden nach einem Mann, der sich - wahrscheinlich im Jahr 2005 - an einem Säugling vergangen hat. Jetzt bittet das BKA erneut um die Unterstützung der XY-Zuschauer.

400 Hinweise hat das BKA nach Ausstrahlung des Falls bekommen. Der alles entscheidende Tipp war leider nicht dabei. Nun gehen die Ermittler mit neuen Details an die Öffentlichkeit. So konnten einige Eigenarten und Besonderheiten des gesuchten Mannes ermittelt werden - außerdem gibt es nähere Informationen zu dem missbrauchen Baby.

Fox - Fuchs
Ebenso veröffentlicht die Polizei jetzt Neuigkeiten zu den sichergestellten Videos, die die Fahnder erst auf die Spur des Falls brachten. Am Anfang einiger Aufzeichnungen ist der rote Schriftzug eingeblendet: "Fox_Video".
- Wer kann etwas zu diesem Schriftzug sagen?
- Wer kennt andere Videos mit diesem Schriftzug?

Möglicherweise spielt im Zusammenhang mit dem Missbrauch oder der Verbreitung des Materials auch der Name "Fuchs" eine Rolle - die deutsche Übersetzung des englischen "Fox".

Täterbeschreibung:
Der Mann war zum Zeitpunkt der Aufnahmen - vermutlich im Jahr 2005 - 25-40 Jahre alt, hatte kurze, braune Haare, eine Brille, Bauchansatz und deutlich sichtbare Körperbehaarung. Seiner Sprache nach zu urteilen könnte er in unterschiedlichen Gegenden Deutschlands aufgewachsen sein. Teilweise lispelt er. Besonderheiten: sehr gepflegte Hände mit einem schmalen, goldenen Ring am kleinen Finger der linken Hand. An diesem Finger ist auch ein kleiner, dunkler Fleck zu sehen - möglicherweise eine Pigmentstörung oder ein Leberfleck.

Beschreibung des Säuglings:
Bei dem missbrauchten Säugling handelt es sich um ein Mädchen, etwa drei bis neun Monate alt. Es dürfte heute etwa 6 Jahre alt sein. Der Name des Mädchens könnte "Kim" und/oder "Sophie" sein.

Belohnung: Für Hinweise, die zur Aufklärung der Tat führen, ist eine Belohnung von 5000 Euro ausgesetzt.

Zuständig: BKA Wiesbaden, Tel: (0611) 55 111 55

Weitere Infos und Fotos zum Fall

http://e110.de/index.cfm?event=page.detail&cid=152&fkcid=28&id=54514


Samstag, 14. April 2012

Hey, Leonine, Leolausemaus, Mäuschen, Prinzesschen, Birgit Wichmann's süßeste, lustigste, intelligenteste Enkeltochter



Das große Vorbild meiner Enkeltochter! Und ich böse Großmutter habe das unterstützt! Heute ist das JA Heide/Herr Graff nach eigener Aussage Leonie's Bezugsperson und ihre Verfahrensbeiständin suggeriert, Leonie hätte eingesehen, dass sie böse ist und das sie sich jetzt darüber freut, auf dem Weg zu sein brav zu werden. Ja und die Anwältin der Kindesmutter Kathleen Wichmann/RA Krausser - Berlin behauptet, dass nichts so wichtig für Leonie ist, wie die Zeit nach ihrer Entführung aus Wien (Entwöhnungspflegeeltern, Psychiatrie und Jugendhilfeeinrichtung) und das jetzt ganz sicher keine Bindung mehr zur Großmutter besteht. Na, wenn sie sich da mal nicht irrt..... Es wird die Zeit kommen und du wirst auch wieder das tun können was dir gefällt. Alles ist endlich und nichts hält ewig, schon gar nicht Unrecht.

Mein Kind braucht keinen Vater ? - B. Karlich Show

Bundesweiter Streik 2012 Jugendamt Opfer_v.mpg

Überforderte Jugendämter? Montag 16.April 2012 SAT1

Veronica Ferres bei "Eins gegen Eins" - am Montag, 16. April 2012, 23.30 Uhr in SAT.1 / Thema: Überforderte Jugendämter!

So amtlich, so traurig: Zoe (2), Chantal (11), Kevin (2), Lea (2) und viele weitere Kinder könnten vielleicht noch am Leben sein - wenn das Jugendamt früher eingeschritten wäre. Doch warum bemerken die Sozialarbeiter der Ämter so oft nichts? Sind sie chronisch überfordert?

Eine bundesweite Befragung unter Jugendämtern erschüttert: In sechs von zehn Fällen bleibt Arbeit unerledigt liegen. Sie betreuen im Schnitt 240 Familien - und kennen gerade mal 30 Prozent von ihnen gut.

"Eins gegen Eins"-Moderator Claus Strunz fragt deshalb am Montag, 16. April 2012, um 23.30 Uhr in SAT.1: Vernachlässigte Kinder, überforderte Sozialarbeiter - Müssen Jugendämter dicht gemacht werden?

Schauspielerin Veronica Ferres, die über ihre Erfahrungen als Schirmherrin des Kinder- und Jugendwerks "Die Arche" in der Sendung berichten wird, fordert mehr private Initiativen: "Staatliche Stellen sind mit dieser Aufgabe überfordert." Unterstützung bekommt Ferres dabei von Pastor und "Die Arche"-Gründer Bernd Siggelkow. Dagegen wehren sich Diplom-Sozialpädagogin Simone Tabke und Erdmann Bierdel, Jugendamtsleiter in Euskirchen.

"Eins gegen Eins" - montags um 23.30 Uhr in SAT.1

Pressekontakt:

ProSiebenSat.1 TV Deutschland GmbH Michael Ulich Kommunikation/PR - Factual & Sports Tel.: +49 (89) 9507-7296 Email: Michael.Ulich@ProSiebenSat1.com

Originaltext: SAT.1 Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/6708 Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_6708.rss2

Donnerstag, 12. April 2012

PAPA-YA - Das Magazin für KIND -gerechte Familienpolitik startet Initiative zur Richterfortbildung in Sachen Familienrecht


NEUE PAPA-YA AKTION FÜR ALLE DEUTSCHEN RICHTER/INNEN

„MEIN RICHTER/IN SOLLTE UNBEDINGT PAPA-YA LESEN“!

Für nur 2,00 Euro Unkostenbeitrag und der Nennung der Adresse des betreffenden Amtsgerichts schicken wir eine Ausgabe (Ihrer Wahl) PAPA-YA direkt an Ihren Richter/in.

Warum diese Maßnahme notwendig geworden ist:

Die von der Bundesregierung angestoßene Fortbildungsverpflichtung für deutsche Richter war und ist ein guter – theoretische – Gedanke. Aber leider lassen sich deutsche Richter weder zur Fort- und Weiterbildung zwingen, noch erachten die meisten dies für Notwendig. Dabei ist gerade in ländlichen Gebieten vielen Familienrichtern z.B. „PAS“ noch nicht einmal ein Begriff. PAPA-YA will nicht länger warten, bis deutsche Gerichte und ihre Vertreter in ein paar Jahren selbst die Notwendigkeit der Schließung all zu offensichtlicher Informationslücken einsehen. Wenn die Herren und Damen der deutschen Rechtsprechung sich nicht selbst ein Bild der Lage machen wollen, dann müssen wir der Berg eben zum Propheten bringen.

Auf geht`s. RICHTER-FORTBILDUNG JETZT!

Diese Aktion läuft dauerhaft.

Bestellungen an: E-Mail: redaktion@papa-ya.de oder 068 97 68 56 032

http://www.facebook.com/RedaktionPAPAYA

Oberbilk: Inobhutnahme mit Elektroschockpistole



"Es handelt sich um eine Elektroschockpistole. Die Projektile haben kleine Widerhaken und übertragen Elektroimpulse über Drähte."


Sechseinhalb Stunden lang waren Polizei und Feuerwehr in Düsseldorf im Einsatz: Eine Mutter hatte gedroht, sich umzubringen, falls ihr ihr Kind weggenommen würde. Erst gegen Abend gab die Frau auf. Der 13-jährige Sohn wurde dem Jugendamt übergeben.

Die 49-Jährige blickt nach unten und schreit: „Ehe ihr mir mein Kind wegnehmt, bringe ich mich um.“ Nur einen Meter entfernt stehen Feuerwehrleute in den Körben von zwei Drehleitern und eine Spezialistin der Polizei, die beruhigend auf die Frau einredet.

Szenen eines sechseinhalbstündigen Nerven-Dramas am Fenster im vierten Stock eines Hauses an der Linienstraße in Oberbilk. Am Ende gelingt es den Männern eines Sondereinsatzkommandos die Marokkanerin, der Kindesentzug vorgeworfen wird, zu überwältigen. Ihren 13-jährigen Sohn übergibt die Polizei dem Jugendamt.

Familiäre Probleme führten zum Gerichtsbeschluss
Der Gerichtsbeschluss erging schon vor neun Monaten. Der Junge sollte in eine Einrichtung des Jugendamtes kommen. „Es gab familiäre Probleme. Näheres sagen wir dazu nicht“, betonte Peter Lukaczyk, Abteilungsleiter im Jugendamt. Doch die Mutter gab den 13-jährigen nicht heraus, sondern versteckte ihn an einem unbekannten Ort.

Heute Morgen bekam die Behörde den Tipp, der Junge sei jetzt in der Wohnung an der Linienstraße. Als Polizeibeamte dort gegen 11 Uhr klingelten, machte die 49-Jährige nicht auf, sondern verriegelte mehrfach die Tür und drohte damit, sich selbst zu töten. Nun beorderten die Leitstellen rund 50 Polizisten, Feuerwehrleute und Sanitäter zum Einsatzort. Die nähere Umgebung wurde mit Flatterband abgesperrt. Dahinter verfolgten rund drei Dutzend Schaulustige das Geschehen. Die Feuerwehr positionierte ein Sprungkissen auf dem Gehsteig unterhalb des Fensters. Die Polizei-Expertin fuhr gegen 12 Uhr im Korb der Drehleiter nach oben. Sie redete immer wieder auf die 49-Jährige ein. Doch die Frau im grauen Pullover, die ein schwarzes Kopftuch trug, weigerte sich den Jungen, der sich in einem hinteren Zimmer befand, heraus zu geben. Vielmehr verlangt sie eine schriftlich Bestätigung des Jugendamtes, dass der 13-Jährige bei ihr bleiben könne.

SEK-Mann setzt Betäubungspistole ein
Als weitere Verhandlungsversuche scheiterten, ließ sich ein SEK-Mann in zivil in dem zweiten Drehleiterkorb nach oben hieven. Während die Expertin weiter mit der Frau sprach, wartete er einen günstigen Moment ab. Um 18.32 Uhr zückte der Beamte eine Betäubungs-Pistole und schoss der Frau in die Brust. Feine Fäden in dem Projektil, die elektrisch aufgeladen sind, setzten sie kurzzeitig außer Gefecht. Das nutzten andere Beamte, brachen die Tür auf und überwältigten die Marokkanerin.

Sie wurde vorsorglich in ein Krankenhaus gebracht. Heute wird entschieden, ob sie zur psychiatrischen Begutachtung in die Landesklinik kommt. Auch der Junge, der unverletzt blieb, aber einen Schock erlitt, wird sorgfältig untersucht, ehe das Jugendamt entscheidet, welche weiteren Schritte es einleitet.

Rüdiger Hoff
http://www.derwesten.de/staedte/duesseldorf/familiendrama-in-duesseldorf-mutter-drohte-mit-selbstmord-id6547035.html

http://www.wz-newsline.de/lokales/duesseldorf/polizei-familiendrama-in-oberbilk-endet-glimpflich-1.957710

Dienstag, 10. April 2012

OLG Karlsruhe beendet Behördenwahnsinn

Vor über vier Jahren meldete sich bei TreffpunktEltern.de ein verzweifelter Vater und beschrieb, dass sein gerade gebohrener Sohn in eine Pflegefamilie kommen soll weil die Mutter psychisch krank ist. Das Jugendamt erwies sich als unfähig und unterstützte die Mutter in der Weigerung das Kind zum erziehungfähgen Vater zu geben. Es entwickelte sich ein Kampf von über 20 Gerichtsterminen und der Wahnsinn scheint nun endlich zu enden durch den Beschluß des OLG Karlsruhe vom 8.3.2012, 18 UF 266/11

Oberlandesgericht Karlsruhe
18. Familiensenat in Freiburg
Beschluss

Geschäftsnummer:
18 UF 266/11
2 F 335/10
AG Überlingen


In der Familiensache
elterliche Sorge für Kind S.geb. am …... 2007 Beteiligte:
B.
- Antragsteller / Beschwerdeführer - Verfahrensbevollmächtigter:
Rechtsanwalt Fi gegen
Mutter V.
Antragsgegnerin / Beschwerdegegnerin – Verfahrensbevollmächtigte:
Rechtsanwältinnen Dr. jur. D

Weitere Beteiligte:
Rechtsanwältin F

Verfahrensbeiständin -
Landratsamt Bodenseekreis
Kreisjugendamt
Albrechtstr. 75, 88045 Friedrichshafen

Eheleute P und M P

Pflegeeltem - Verfahrensbevollmächtigter:
Rechtsanwalt S

hat der 18. Familiensenat des Oberlandesgerichts Karlsruhe unter Mitwirkung von
Vors. Richterin am Oberlandesgericht Voßkuhle Richter am Oberlandesgericht Mertel Richterin am Amtsgericht Dr. Jarsumbek für Recht erkannt:

Auf die Beschwerde des Antragstellers werden die Beschlüsse des Amtsgerichts - Familiengericht - Überlingen vom 24.5.2011 (2 F 335/10 und 2 F 317/10) aufgehoben.

Dem Antragsteller wird das alleinige Sorgerecht für das Kind S, geboren am …...2007, übertragen.

Es wird angeordnet, dass das Kind S. bis 31.8.2012 in der Familie der Pflegeeltem P und M.P. verbleibt.
Im Übrigen wird der Antrag der Pflegeeltern auf Erlass einer Verbleibensanordnung zurückgewiesen.

Der Antragsteller ist berechtigt und verpflichtet, das Umgangsrecht mit dem Kind S wie folgt auszuüben:
a) ab 24.3.2012 jeden Samstag von 10.00 Uhr bis 16.00 Uhr und jeden Sonntag von 10.00 Uhr bis 16.00 Uhr,
b) ab 5.5.2012 jeweils von Samstag 10.00 Uhr bis Sonntag 16.00 Uhr,
c) zusätzlich in den Pfingstferien von Freitag, 1.6.2012, 16.00 Uhr bis Sonntag, 3.6.2012, 16.00 Uhr und von Mittwoch, 6.6.2012, 16.00 Uhr bis Sonntag, 10.6.2012, 16.00 Uhr,
e) ab 15.6.2012 jeweils von Freitag 16.00 Uhr bis Sonntag 16.00 Uhr,
f) ab 5.7.2012 jeweils von Donnerstag 16.00 Uhr bis Sonntag 16.00 Uhr,
g) zusätzlich in den Sommerferien von Donnerstag, 9.8.2012, 16.00 Uhr bis Sonntag, 19.8.2012, 16.00 Uhr.
Der Antragsteller holt das Kind bei den Pflegeeltern in der … in S. ab und bringt es zum Ende des Umgangs wieder dorthin zurück. Die Pflegeeltern halten S. zur Abholung bereit und nehmen ihn nach dem Umgang wieder in Empfang.
Die Beteiligten werden darauf hingewiesen, dass das Gericht bei der Zuwiderhandlung gegen diese Anordnung gegenüber dem Verpflichteten Ordnungsgeld von bis zu 25.000 EUR und für den Fall, dass dieses nicht beigetrieben werden kann, Ordnungshaft anordnen kann. Verspricht die Anordnung eines Ordnungsgelds keinen Erfolg, kann das Gericht Ordnungshaft anordnen.
Gerichtskosten werden für beide Instanzen nicht erhoben. Außergerichtliche Kosten der Beteiligten beider Instanzen werden nicht erstattet.
Der Verfahrenswert wird für beide Instanzen auf jeweils 5.000 € festgesetzt.

Gründe:
A.
Der Antragsteller begehrt das alleinige - hilfsweise das gemeinsame - Sorgerecht für seinen am …...2007 geborenen Sohn S, der seit seiner Geburt mit Einverständnis der allein sorgeberechtigten Mutter bei Pflegeelten lebt. Außerdem begehrt er eine Ausweitung des Umgangs mit seinem Sohn.

I.
S ist das gemeinsame Kind des Antragstellers und der Antragsgegnerin. Beide waren und sind nicht miteinander verheiratet. Gemeinsame Sorgeerklärungen wurden nicht abgegeben.
Der Vater wurde am 27.9.1970 in M geboren. Er ist gelernter Kfz-Mechaniker. Seit Juni 2011 ist er verheiratet. Seine Frau ist Sonderschulpädagogin und hat eine 3- jährige Tochter K. Die Familie lebt seit Anfang 2011 in L…...

Die Mutter wurde am ….1977 in H geboren und lebt in M. Sie ist gelernte Köchin. Seit September 2011 bis voraussichtlich März 2012 absolviert sie eine Wiedereingliederungsmaßnahme des Arbeitsamtes. Die Mutter stand vom ….2002 bis .....2011 unter Betreuung, da sie aufgrund einer kombinierten Persönlichkeitsstörung bzw. einer Störung mit Borderlinestruktur nicht in der Lage war, ihren Alltag zu organisieren und Verantwortung für sich und ihre Kinder zu übernehmen. Mit Beschluss vom …..2011 wurde die Betreuung auf Anregung der Betreuerin vom …..2011 und Vorlage eines ärztlichen Attests aufgehoben, da die Betroffene ihre Angelegenheiten zwischenzeitlich selbständig regeln und sich Hilfe selbst organisieren könne. Die Mutter selbst sieht aktuell keine Möglichkeit, S bei sich aufwachsen zu lassen, und nimmt auch den Umgang mit ihm in sehr geringem Umfang wahr. Auch die beiden vor S geborenen Kinder der Mutter leben nicht bei ihr.

Das erste Kind der Mutter, T, wurde am …..1999 geboren. Vom Vater dieses Kindes trennte sie sich bereits während der Schwangerschaft. Das Kind ist geistig behindert und lebt in einer Betreuungseinrichtung. Im … 2002 wurde ein zweites Kind, A-L geboren. Die Mutter trennte sich nach einer neunmonatigen Beziehung vom Vater des Kindes, der zum Zeitpunkt der Geburt in der JVA K inhaftiert war. Die Mutter war mit der Betreuung des Kindes vollständig überfordert; es kam zur zunehmenden Vermüllung der Wohnung. Sie begab sich sechs Wochen nach der Geburt des Kindes A-L zur stationären Behandlung in das Zentrum für Psychiatrie A-L lebt seither in einer Pflegefamilie.

Während der stationären Behandlung im …...beantragte die Mutter am ….2002 die Einrichtung einer gesetzlichen Betreuung. Nach dem Gutachten von Dr. P liegt bei der Mutter eine psychische Erkrankung vor. Es wurde eine schwere depressive Episode nach Geburt des Kindes A-L bei Verdacht auf Teilleistungsstörung diagnostiziert. Mit Beschluss des Amtsgerichts Überlingen vom …..2002 wurde eine gesetzliche Betreuung für den Bereich der Vermögenssorge mit Einwilligungsvorbehalt angeordnet. Nach dem - im Rahmen der Prüfung der Verlängerung der Betreuung eingeholten - Gutachten der Sachverständigen Dr. P vom …...2004 leidet die Mutter an einer mittelgradig depressiven Episode und einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen und ängstlich selbst unsicheren Anteilen. Mit Beschluss vom …...2004 wurde die Betreuung um den Aufgabenkreis der Gesundheitsfürsorge erweitert.

Im Dezember 2006 lernte die Mutter den Antragsteller kennen und wurde ungewollt schwanger. Die Beziehung wurde anfangs seitens der Mutter sehr idealisiert. Als sie von der Schwangerschaft erfuhr, war die zweimonatige Beziehung zum Kindesvater wegen vieler Konflikte bereits beendet.

Im Juni 2007 fand mit dem Vater und der Mutter als den künftigen Eltern im Jugendamt ein erstes Plangespräch statt, in dem die Möglichkeiten der Betreuung für das erwartete Kind erörtert wurden. Der Betreuung des Kindes durch die Mutter in einer Mutter-Kind- Einrichtung wurde mangels einer geeigneten Einrichtung nicht näher getreten. Nach einem Hausbesuch im Juli 2007 bei dem künftigen Vater zog das Jugendamt in Zweifel, dass er die Bedürfnisse des neugeborenen Kindes erfüllen könne. Er habe keine Erfahrungen im Umgang mit einem Säugling, zeige keine Bereitschaft, sich durch Säuglingspflegekurse vorzubereiten, er arbeite Vollzeit und seine Wohnsituation sei nicht kindgerecht.

Am 19.9.2007 vereinbarte die Mutter, die sich ausdrücklich gegen eine Betreuung des Kindes durch den Vater aussprach, mit dem Jugendamt, ihr Kind unmittelbar nach der Geburt in eine Pflegefamilie zu geben. Gleichzeitig teilte die gesetzliche Betreuerin dem Vormundschaftsgericht mit, dass sich der gesundheitliche Zustand der Mutter verschlechtert habe. Ihre Wohnung sei völlig vermüllt; es müsse eine neue Wohnform gefunden werden.

Am 25.10.2007 erkannte der Antragsteller die Vaterschaft für das von der Mutter erwartete Kind an (Urkunde des Standesamtes Überlingen Nr. ….). Der Vater erklärte in einem Gespräch mit den künftigen Pflegeeltern und dem Jugendamt am folgenden Tag, dass er mit der Unterbringung des Kindes in einer Pflegefamilie nicht einverstanden sei.

Am XX.11.2007 wurde das Kind S Jean-Paul geboren. Seit XX.11.2007 lebt S bei der Familie M-P. Die - bis dahin kinderlose - Familie M-P hat S als Dauerpflegekind zu sich genommen. Später, am …..2008, wurde M das leibliche Kind der Pflegeeltem, geboren.

Das im Betreuungsverfahren eingeholte Gutachten der Sachverständigen Dr. F vom 13.11.2007 bestätigt die psychische Erkrankung der Mutter und beschreibt eine auf dem Boden sehr unsicherer und instabiler Bindungen in der Kindheit entwickelte „frühe Störung“ mit Borderlinestruktur mit sehr unsicher desorganisierten Beziehungsmustern. Die Mutter neige dazu, ihre Welt zu idealisieren und Probleme auszublenden. Sie sei aufgrund erheblicher Defizite in der Persönlichkeitsentwicklung nicht in der Lage, ihren Alltag zu organisieren und Verantwortung für sich und für ihre Kinder zu übernehmen. Mit Beschluss des Amtsgerichts Überlingen vom 30.11.2007 wurde die Betreuung daraufhin um den Aufgabenkreis Aufenthaltsbestimmung erweitert. Die Mutter lebte zunächst ein Jahr in einem Wohnheim des P e.V. in Ü…...und seit November 2008 in M…... Sie wird dort weiter ambulant von dem Verein P…. betreut.

Im Januar 2008 beantragte der Vater, der das Kind seit seiner Geburt zunächst nur zweimal eine Stunde gesehen hatte, regelmäßigen Umgang mit seinem Sohn (2 F 30/08). Am 28.2.2008 schlossen die Eltern eine Vereinbarung, wonach der Vater alle zwei Wochen für jeweils zwei Stunden begleiteten Umgang mit dem Kind im Familienforum in Salem ausüben konnte. Nach dem Bericht des Jugendamtes vom 23.4.2008 gestaltete sich die Situation von Beginn an konfliktreich und schwierig. Die Vorstellungen der Pflegeelten und des Vaters seien sehr konträr. Am 3.6.2008 einigten sich die Beteiligten auf ein Umgangsrecht des Vaters mit dem Kind wöchentlich für zwei Stunden begleitet durch Frau N vom F..... S.....

Mit Schriftsatz vom 14.3.2008 beantragte der Kindesvater die Feststellung, dass das Sorgerecht der Kindesmutter für das Kind S. in Hinblick auf deren psychischer Erkrankung ruht. Zugleich beantragte er, das Sorgerecht für das Kind auf ihn zu übertragen (2 F 95/08). Der Familienrichter trennte das Verfahren hinsichtlich des Ruhens der elterlichen Sorge mit Beschluss vom 18.3.2008 ab und legte es dem zuständigen Rechtspfleger vor.

Mit Beschluss des Familiengerichts Überlingen vom 23.5.2008 (3 F 26/08) wurde - auf der Grundlage der im Betreuungsverfahren eingeholten psychiatrischen Gutachten vom 2004 und 2007 und nach Anhörung der Kindesmutter - vom Rechtspfleger festgestellt, dass die elterliche Sorge der Kindesmutter für ihr Kind S wegen tatsächlichen Hindernisses gemäß §1674 BGB ruht. Sodann wurde mit Beschluss des Amtsgerichts vom 17.6.2008 das Landratsamt Bodenseekreis - Kreisjugendamt - zum Vormund für das Kind bestellt. Die Mutter legte gegen den Beschluss des Amtsgerichts Überlingen vom 23.5.2008 Beschwerde ein.

Ein mit Zustimmung der Mutter gestellter Antrag der Pflegeeltern vom 1.7.2008 auf Übertragung der elterlichen Sorge auf sie (2 F 233/08) wurde auf richterlichen Hinweis vom 7.7.2008, wonach wegen des angeordneten Ruhens der elterlichen Sorge der Mutter keine wirksame Zustimmung abgegeben werden könne, für beruhend erklärt und nicht wieder aufgenommen.

Mit Beweisbeschluss des Familiengerichts Überlingen vom 28.10.2008 im Verfahren 2 F 95/08 wurde die Sachverständige Dr. C mit der Erstellung eines Gutachtens zur Frage des Sorgerechts und des Umgangsrechts beauftragt, das unter dem 25.5.2009 erstattet wurde und zu dem Ergebnis kommt, dass die Mutter aufgrund einer kombinierten Persönlichkeitsstörung für längere Zeit die elterliche Sorge für das Kind nicht ausüben könne. Die Erziehungsfähigkeit und Erziehungseignung des Vaters sei nicht beeinträchtigt. Das Kind S habe eine sichere Bindung zur Pflegemutter. Für den Fall, dass das Kind beim Vater leben würde, sei nicht anzunehmen, dass Umgangskontakte des Kindes mit der Mutter spannungsarm ablaufen könnten. Es gebe keine Gesprächsbasis zwischen den Eltern. Daher sei wahrscheinlich, dass es für den Fall des Wechsels des Kindes zum Vater zu chronischen Belastungen für S kommen werde. Auf das Gutachten wird Bezug genommen.

Die Sachverständige Dr. C wurde im Termin vom 1.7.2009 ergänzend angehört. Sie führte aus, dass sie bei einer Begutachtung zum Zeitpunkt der Geburt des Kindes empfohlen hätte, das Sorgerecht auf den Vater zu übertragen, da es keine relevante Einschränkung seiner Erziehungsfähigkeit gebe. Es werde jedoch nun die Hauptempfehlung abgegeben, dass S seinen Lebensmittelpunkt bei der Pflegefamilie behalten solle, damit die Umgangskontakte zur Mutter weiterhin spannungsfrei gepflegt werden könnten. Die Frage, wie eine weitere Annäherung und Beziehungsintensivierung zum Vater erreicht werden könnte, sei deshalb nicht untersucht worden. Rein theoretisch müssten in diesem Fall mehrere wöchentliche Umgangskontakte mit Übemachtungsbesuchen erfolgen. Eine Hinführung zum Vater müsste langsam und stressarm verlaufen und von der Hauptbezugsperson, der
Pflegemutter, wohlwollend begleitet werden. Ob zwischen dem Kind und seinem Vater ein derart inniger Beziehungs- und Bindungsaufbau entstehe, wie zur Pflegemutter, sei offen.
Mit Beschluss vom 7.8.2009 übertrug das Familiengericht Überlingen (2 F 95/08) das Sorgerecht für das Kind gemäß § 1678 Abs. 2 BGB auf den Vater mit Ausnahme des Rechts, Jugendhilfemaßnahmen durchzuführen und zu beenden. Insoweit wurde das Landratsamt Bodenseekreis als Sorgerechtspfleger bestellt. Der Verbleib des Kindes in der Pflegefamilie wurde angeordnet. Es bestehe keine Aussicht, dass die Gründe für das Ruhen der elterlichen Sorge weggefallen seien. Die Übertragung des Sorgerechts auf den Vater entspreche - bei gleichzeitiger Verbleibensanordnung - dem Kindeswohl.
Gegen diesen Beschluss des Familiengerichts Überlingen vom 7.8.2009 haben beide Eltern Beschwerde eingelegt. Die Kindesmutter beantragte, den Beschluss hinsichtlich der Sorgerechtsübertragung auf den Vater aufzuheben, da die - vorgreifliche - Frage, ob ihre elterliche Sorge gemäß § 1674 BGB ruhe, noch nicht rechtskräftig entschieden sei. Eine Entscheidung des Beschwerdegerichts, das seine Entscheidung bis zur Erstattung des im Verfahren 2 F 95/08 eingeholten Gutachtens zurückgestellt hatte, stehe noch aus. Der Kindesvater beantragte, den Beschluss hinsichtlich der Verbleibensanordnung aufzuheben. Er habe immer wieder betont, dass er keine sofortige Herausgabe des Kindes fordern würde. Die Belastungen, die sich für das Kind bei einem Wechsel zum Vater ergeben würden, könnten nicht mit einer Kindeswohlgefährdung gleichgesetzt werden.
Mit Beschluss vom 8.1.2010 (18 UF 124/08) hob der Senat den Beschluss des Familiengerichts Überlingen vom 23.5.2008, in dem das Ruhen der elterlichen Sorge festgestellt wurde, auf. Es könne nicht festgestellt werden, dass die Kindesmutter unfähig sei, ihre Sorgerechtsverantwortung wahrzunehmen. Insbesondere habe sich während der zweijährigen Betreuung des Kindes durch die Pflegeeltem kein Anlass ergeben, an der Verantwortungsfähigkeit der Mutter zu zweifeln. Auf den Beschluss wird verwiesen.
Der Senat hat sodann mit Beschluss vom 23.2.2010 (18 UF 185/09) den Beschluss des Familiengerichts Überlingen, mit dem es das Sorgerecht auf den Vater übertragen hatte, abgeändert und den Antrag des Vaters zurückgewiesen. In Hinblick darauf, dass die Mutter nicht an der Ausübung der elterlichen Sorge verhindert sei, könne die elterliche Sorge nicht nach § 1678 Abs. 2 BGB auf den Vater übertragen werden. Maßnahmen nach § 1666 BGB seien nicht geboten. Der Senat wies jedoch darauf hin, dass aufgrund einer in absehbarer Zeit möglicherweise geänderten Gesetzeslage eine Beteiligung des Vaters am Sorgerecht unter anderen Gesichtspunkten geprüft werden könne. Die Beschwerde des Vaters hinsichtlich der vom Familiengericht angeordneten Verbleibensanordnung wurde als unzulässig verworfen, da dem Vater das Sorgerecht nicht zustehe. Auf die Entscheidung wird verwiesen. Der Antrag des Vaters auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe für die Rechtsbeschwerde wurde vom Bundesgerichtshof mangels Erfolgsaussichten abgelehnt (XII ZA 15/10).

Im August 2010 stellte der Vater beim Familiengericht Überlingen erneut einen Antrag auf Übertragung der alleinigen Sorge für seinen Sohn S, hilfsweise auf Anordnung der gemeinsamen elterlichen Sorge. Zur Begründung bezieht er sich auf die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 21.7.2010. Der Vater verweist erneut darauf, dass er im Gegensatz zur Kindesmutter in der Lage sei, uneingeschränkt und ohne die Einschaltung von Pflegeeltem die elterliche Sorge und die Betreuung für sein Kind S wahrzunehmen.
Mit Beweisbeschluss vom 11.8.2010 holte das Familiengericht Überlingen zur Frage, welche Regelung der elterlichen Sorge dem Wohl des Kindes am besten dient, erneut ein Sachverständigengutachten bei der Sachverständigen Dr. C ein. Gleichzeitig wurde Frau Rechtsanwältin F als Verfahrensbeiständin bestellt. Das schriftliche Sachverständigengutachten vom 21.02.2011 gelangt zu dem Ergebnis, dass S langfristig in der Pflegefamilie aufwachsen solle. Die Übertragung der gemeinsamen elterlichen Sorge oder die Übertragung des alleinigen Sorgerechts auf den Vater würde die Entwicklungsbedingungen des Kindes verschlechtern und deshalb nicht empfohlen. Dem Kindesvater sei es zwar unter sehr erschwerten Bedingungen gelungen, eine positive Beziehung zu seinem Sohn aufzubauen. Das Kind gehe vertrauensvoll mit seinem Vater um. Die wesentlichen Bindungs- und Beziehungspersonen für S seien jedoch die Pflegefamilie und deren soziales Umfeld. Dort werde er gut gefördert und versorgt. Der Kindesvater strebe seit der Geburt von S an, das Kind in seiner Familie aufzunehmen und zu versorgen. Dabei sei ihm bewusst, dass der Wechsel für das Kind schonend ablaufen müsse und die Hilfe der Pflegeeltem erforderlich wäre.
Nach Auffassung der Sachverständigen wäre ein Wechsel des Kindes in die Familie des Kindesvaters ohne Kindeswohlgefährdung möglich, wenn alle Beteiligten, somit auch die Pflegeeltern und die Kindesmutter, dies unterstützten. Dafür gebe es jedoch keinerlei Hinweise. Die Pflegemutter habe bereits angekündigt, eine Verbleibensanordnung zu beantragen. Die Kindesmutter lehne den Wechsel von S zum Vater vehement ab. Es bestehe eine hochkonflikthafte Eltembeziehung. Bei einem Wechsel des Kindes zum Vater würden die zu erwartenden Spannungen zwischen den Eltern, etwa auch im Zusammenhang mit den Umgangskontakten der Mutter, zu einer langfristigen Belastung des Kindes führen. Die Kindesmutter verhalte sich kindeswohlförderlich, indem sie das Kind dauerhaft bei den Pflegeeltem aufwachsen lasse. Die gemeinsame elterliche Sorge komme wegen der unzureichenden Kooperation der Eltern nicht in Betracht. Auf das Gutachten wird Bezug genommen.
In der mündlichen Verhandlung vor dem Familiengericht am 24.5.2011 wurden die Kindeseltem, die Pflegemutter, die Verfahrensbeiständin, die Vertreterin des Jugendamtes sowie die Sachverständige Dr. C angehört. Die Sachverständige ergänzte, dass bei einem Wechsel des Kindes zum Vater die Gefahr eines Kontaktabbruchs zur Mutter bestehe. Die Konfliktlage zwischen den Eltern habe sich verschärft. Die Erziehungseignung der Kindesmutter sei aufgrund der psychischen Erkrankung eingeschränkt. Die Mutter erfülle ihre Erziehungsaufgabe jedoch dadurch, dass sie S in der Pflegefamilie belasse. Im Vergleich zur Kindesmutter sei der Vater besser erziehungsgeeignet. Die Verfahrensbeiständin, die Vertreterin des Jugendamtes und die Pflegemutter haben sich den Ausführungen der Sachverständigen angeschlossen.
Das Familiengericht hat mit Beschluss vom 24.5.2011 die Sorgerechtsanträge des Vaters abgewiesen. Aufgrund des tiefgreifenden Zerwürfnisses der Kindeseltem komme die Anordnung der gemeinsamen elterlichen Sorge nicht in Betracht. Die Übertragung des alleinigen Sorgerechts auf den Vater entspreche dem Kindeswohl nicht am besten, da der Vater das Kind in seinen Haushalt aufnehmen wolle. Dies sei ohne die Mitwirkung der Pflegeeltern und der Mutter ohne Kindeswohlgefährdung nicht möglich. Auf den Beschluss des Familiengerichts wird verwiesen.
Der Kindesvater hat gegen den - ihm am 7.6.2011 zugestellten - Beschluss des Familiengerichts mit am 6.7.2011 beim Amtsgericht Überlingen eingegangenem Schriftsatz Beschwerde eingelegt. Er rügt formelle Mängel des erstinstanzlichen Verfahrens, da das Kind weder vom Gericht noch von der Verfahrensbeiständin angehört worden sei. Das Familiengericht habe die seit der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 21.7.2010 geänderten rechtlichen Maßstäbe nicht zutreffend angewandt und verletze mit der getroffenen Entscheidung das Elternrecht des Vaters. Es entspreche dem Kindeswohl am besten, die elterliche Sorge auf den Antragsteller zu übertragen. Das Recht der leiblichen Eltern sei gegenüber dem der Pflegeeltem vorrangig. Selbst die Sachverständige halte einen Wechsel des Kindes zum Vater für grundsätzlich denkbar. Der entgegenstehende Wille der Pflegeeltem könne für den beabsichtigten Wechsel des Kindes in den Haushalt des leiblichen Vaters nicht maßgeblich sein. Der Befürchtung, das Kind werde Kontakte zur Mutter und zu den Pflegeeltem verlieren, könne wirkungsvoll durch eine entsprechende Umgangsregelung begegnet werden. Umgekehrt führe die dauerhafte Trennung des Kindes von seinem leiblichen Vater zu einer für die Entwicklung des Kindes kritischen Zerrissenheit von S und zur Hinterfragung der eigenen Persönlichkeit und Herkunft.

Der Antragsteller beantragt,
ihm die alleinige elterliche Sorge für das Kind S zu übertragen, hilfsweise die gemeinsame elterliche Sorge anzuordnen.

Die Antragsgegnerin beantragt,
die Beschwerde zurückzuweisen.

Die Antragsgegnerin verteidigt die erstinstanzliche Entscheidung. Sie verweist darauf, dass sie nicht an der Ausübung der elterlichen Sorge gehindert sei. Sie könne als Sorgeberechtigte frei von staatlichen Eingriffen und nach eigener Vorstellung entscheiden, wie sie die Pflege und Erziehung ihres Sohnes gestalte und ihrer Elternverantwortung gerecht werde. Dazu gehöre auch die Inanspruchnahme einer Pflegefamilie. Dass diese - verantwortungsvoll getroffene - Entscheidung der Mutter nicht mit den Vorstellungen des Vaters übereinstimme, sei unerheblich. Die Antragsgegnerin lehnt die Einrichtung der gemeinsamen elterlichen Sorge auch künftig ab. Seit der Geburt des Kindes bestehe zwischen den Eltern Streit; einvernehmliche Regelungen der Angelegenheiten des Kindes seien nicht zu erwarten. In Hinblick darauf, dass der Antragsteller das Kind in seinem Haushalt betreuen wolle, diene die Übertragung der alleinigen elterlichen Sorge auf ihn nicht dem Kindeswohl. Der angestrebte Wechsel des Kindes zum Vater berühre das Bedürfnis des Kindes nach Stabilität und Kontinuität hinsichtlich seiner persönlichen Bindungen und seines sozialen Umfeldes. Durch den Wechsel des Kindes zum Vater werde voraussichtlich nicht nur die feste und vertrauensvolle Beziehung des Kindes zu seinen Pflegeeltem zerstört, sondern auch der Kontakt zur Mutter abgebrochen. Der Vater sei nicht zu einer Kooperation bereit und könne mit den gefühlsmäßigen Bindungen des Kindes zu den Pflegeeltem nicht tolerant umgehen. Er sei insbesondere nicht fähig, eine Traumatisierung des Kindes aufzufangen. Die Antragsgegnerin verweist darauf, dass im Falle einer Übertragung der elterlichen Sorge auf den Vater ihr eigenes Sorgerecht entzogen würde. Zur Wahrung der Rechte des Vaters genüge die Einräumung von Umgangskontakten. Jedenfalls müsse aufgrund der voraussichtlichen Belastungen des Kindes im Falle einer Trennung von den Pflegeeltem eine Verbleibensanordnung erfolgen.

Die Pflegeeltem beantragen ebenfalls,
die Beschwerde zurückzuweisen,
hilfsweise den Verbleib des Kindes S bei seinen Pflegeeltem anzuordnen.

Die Pflegeeltern tragen vor, dass sich S inzwischen eng an die Pflegeeltern gebunden habe. Die Pflegeeltern seien seine psychologischen, faktischen und sozialen Eltern. Eine Herausnahme des Kindes aus ihrem Haushalt komme wegen der schädlichen Folgen eines Bindungsabbruchs - unabhängig von der Erziehungseignung des Vaters - nicht in Betracht. S sei ein leicht zu verunsicherndes Kind, das auf Änderungen des Tagesablaufs mit Auffälligkeiten, teilweise zwanghaftem Verhalten, reagiere. Der Vater sei nicht in besonderem Maß erziehungsgeeignet. Ihm fehle das Einfühlungsvermögen und das Verständnis für die entstandenen Bindungen des Kindes an die Pflegeeltern, so dass er die negativen Folgen einer Traumatisierung des Kindes im Fall dessen Herausnahme aus der Pflegefamilie nicht abmildem könne. Es könne nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden, dass die Trennung des Kindes von den Pflegeeltem für das Kind Schäden nach sich ziehe, so dass die Risikogrenze für S überschritten sei. Es bestehe kein Anlass, an den gut nachvollziehbaren und den Erkenntnissen der Bindungsforschung entsprechenden Empfehlungen der Sachverständigen zu zweifeln. Insoweit müsse der Verbleib des Kindes bei den Pflegeeltern durch eine Verbleibensanordnung gesichert werden.

Der Vater ist der Verbleibensanordnung der Pflegeeltem entgegen getreten. Eine Verbleibensanordnung sei nicht geboten, da S sichere Bindungen zum Vater habe. Der Kontakt zu den Pflegeeltem könne gemäß § 1685 BGB gesichert werden.

Die Verfahrensbeiständin nahm dahingehend Stellung, dass sie die Übertragung der gemeinsamen elterlichen Sorge wegen der fehlenden Kooperation der Eltern nicht empfehle. Eine Übertragung des alleinigen Sorgerechts auf den Vater wäre kindeswohldienlich, wenn die Beziehung zwischen dem Vater und den Pflegeeltem konfliktreduziert wäre. Davon sei nicht auszugehen, solange der Vater - gegen den Willen der Mutter und der Pflegeeltern - den Wechsel des Kindes in seinen Haushalt anstrebe. Jedenfalls müsse eine Verbleibensanordnung geprüft werden

II.

Der Vater, der seit März 2008 durchgängig den Umgang mit S entsprechend den im Rahmen der von ihm eingeleiteten gerichtlichen Verfahren geschlossenen Vereinbarungen ausgeübt hat, erstrebt außerdem eine Ausweitung des Umgangs. Das diesbezügliche Verfahren 18 UF 224/11 wurde mit Senatsbeschluss vom 8.3.2012 zum vorliegenden Verfahren hinzuverbunden.

Der Vater hatte seit März 2008 zunächst begleiteten Umgang (zunächst 14-tägig zwei Stunden, dann wöchentlich zwei Stunden), seit Februar 2009 wöchentlich drei Stunden sowie ergänzend alle 14 Tage an einem anderen Wochentag zwei bzw. drei Stunden, seit 23.9.2010 wöchentlich drei bzw. vier Stunden, seit 24.5.2011 samstags von 10 Uhr bis 14 Uhr und seit 7.12.2011 samstags von 10 Uhr bis 16 Uhr.

Mit Schriftsatz vom 27.7.2010 beantragte er, den Umgang mit seinem Sohn S wie folgt zu regeln: Samstags von 9.00 bis 18.30 Uhr, nach drei Monaten von Samstag 9.00 Uhr bis Sonntag 18.30 Uhr, ab Beginn des Kindergartens 14-täglich von Freitag ab dem Kindergarten bis Montag zu Beginn des Kindergartens, Telefonkontakt in den Wochen ohne Umgang in der Zeit von 18.00 bis 18.30 Uhr sowie Ferienumgang und Feiertage nach Absprache. Der ausgedehnte Umgang entspreche dem Wohl des Kindes.
Nach Einholung eines Sachverständigengutachtens hörte das Familiengericht am 24.05.2011 die Kindeseltem, die Pflegemutter, die Verfahrensbeiständin und die Vertreterin des Jugendamtes an. Die Sachverständige erklärte zur Frage des Umgangs, dass sie langfristig, namentlich ab der 1. oder 2. Grundschulklasse des Kindes, ein 14- tägiges Umgangsrecht mit Übernachtungen beim Vater vorschlage. In Hinblick auf den Bericnt der Pflegeeltem, wonach S nach den Umgängen beim Vater an Schreiattacken und Schlaflosigkeit leide, empfehle sie derzeit wöchentlichen Umgang im Umfang von 4 Stunden.

Das Familiengericht hat mit Beschluss vom 24.5.2011 das Umgangsrecht des Kindesvaters mit dem Kind S dahingehend geregelt, dass der Vater jeden Samstag von 10.00 bis 14.00 Uhr sein Umgangsrecht mit dem Kind ausüben darf. Der weitergehende Antrag des Vaters wurde abgewiesen. Nach den Ausführungen der Pflegemutter, denen das Familiengericht Glauben schenke, stelle der Umgang für das Kind eine Belastung dar, so dass eine Ausweitung des Umgangs derzeit nicht kindeswohldienlich sei. Auf die Gründe der Entscheidung wird verwiesen.

Der Kindesvater hat gegen den - ihm am 20.6.2011 zugestellten - Beschluss des Familiengerichts mit am 20.7.2011 beim Amtsgericht eingegangenem Schriftsatz Beschwerde eingelegt. Nach der bisherigen Umgangsregelung habe der Vater aufgrund der Fahrtzeit von Salem nach Langenargen lediglich 2,5 Stunden Zeit für den Umgang mit dem Kind. Diese Zeit reiche nicht aus, um eine intensive Vater-Sohn-Beziehung aufzubauen. Die Belastungen des Kindes seien nicht auf die Kontakte zum Vater zurückzuführen. Der Loyalitätskonflikt des Kindes, der sich aus dem Spannungsverhältnis zwischen den Pflegeeltern und dem Kindesvater ergebe, müsse abgebaut werden. Das Verhältnis des Kindes zu den Pflegeeltem dürfe nicht verfestigt werden.

Der Antragsteller beantragt nunmehr, den Umgang des Kindesvaters mit seinem Sohn wie folgt zu regeln:
jeden Samstag von 9.00 Uhr bis Sonntag 18.00 Uhr,
Feiertagsregelung: wechselweise mit den Pflegeeltern Weihnachten (abwechselnd Heiligabend /1. Feiertag sowie 2. Feiertag), Ostern (abwechselnd Ostersonntag und Ostermontag), Pfingsten (abwechselnd Pfingstsonntag und Pfingstmontag),
27.12.2011 bis 2.1.2012 in den Weihnachtsferien im Ferienhaus Haslach,
Geburtstag.


Die Antragsgegnerin beantragt,
die Beschwerde zurückzuweisen.


Die Antragsgegnerin verteidigt die erstinstanzliche Entscheidung. Eine Ausweitung des Umgangsrechts sei mit dem Wohl des Kindes nicht vereinbar. Seit der Geburt des Kindes gebe es zwischen dem Vater einerseits und der Mutter sowie den Pflegeeltem andererseits erhebliche Konflikte. Der Vater könne nicht akzeptieren, dass S bei den Pflegeeltern aufwachse und missachte die gute Entwicklung des Kindes bei den Pflegeeltern. Die Umgangserweiterung würde dazu führen, dass die sichere Basis, die S in der Pflegefamilie gefunden habe, ständig in Frage gestellt werde. Außerdem würden durch eine Ausdehnung des Umgangs die Loyalitätskonflikte des Kindes verstärkt werden, insbesondere stelle der Vater immer wieder den Lebensmittelpunkt des Kindes in Frage.

Die Pflegeeltem beantragen ebenfalls,
die Beschwerde zurückzuweisen.

Die Pflegeeltem sprechen sich in ihrem Schreiben vom 11.10.2011 gegen die Erweiterung des Umgangs des Kindesvaters mit S aus, damit das Kind zur Ruhe kommen und „sein etwas anderes Leben“ annehmen könne. Es bestehe ein erheblicher Interessenkonflikt zwischen der Pflegefamilie und dem Kindesvater. Die Ausweitung des Umgangs entspreche nicht dem Kindeswohl. In Hinblick darauf, dass der Vater die Herausnahme des Kindes aus der Pflegefamilie anstrebe, werde das Kind nachhaltig irritiert und verunsichert, da es die Bindungen zu den Pflegeeltern als seine wichtigsten Bezugspersonen als bedroht ansehe. S reagiere deshalb bereits mit Verhaltensauffälligkeiten. Die vom Familiengericht angeordneten Umgangskontakte überschreiten nach Auffassung der Pflegeeltem das übliche Maß von Umgangskontakten bei Dauerpflegekindern. Eine Umgangsausweitung würde schließlich dem geäußerten Willen des Kindes widersprechen.

In ihrer Stellungnahme vom 23.11.2011 weist die Verfahrensbeiständin darauf hin, dass S gern zu seinem Vater gehe und sich insgesamt positiv entwickle. Der Umgang verlaufe nach den Schilderungen der Pflegeeltem und des Kindesvaters unproblematisch. S sei ein aufgewecktes, interessiertes, kontaktfreudiges und offenes Kind. Die Verfahrensbeiständin befürwortet eine stundenweise Ausdehnung der Samstagsumgänge, damit das Kind mehr Zeit beim Vater verbringen könne. Ebenfalls werde ein Feiertagsumgang am ersten oder zweiten Weihnachtsfeiertag, Ostern oder Pfingsten als unproblematisch angesehen. Vor einer Übernachtung des Kindes beim Vater, die erst ab dem Schulalter empfohlen werde, sollte zunächst der Umgang ausgedehnt werden.


III.

Der Senat hat die Eltern, die Pflegeeltem, die Verfahrensbeiständin und die Vertreterin des Jugendamtes in der mündlichen Verhandlung am 7.12.2011 persönlich angehört. Die Sachverständige Dr. C wurde ergänzend befragt. Auf das Protokoll der mündlichen Verhandlung vom 7.12.2011 wird verwiesen.
Das Kind S wurde am 25.1.2012 in Anwesenheit der Verfahrensbeiständin vom Senat angehört. Auf den Vermerk über die Anhörung wird verwiesen.
Wegen des weiteren Vorbringens der Beteiligten wird auf deren Schriftsätze nebst Anlagen Bezug genommen.
B.
Die zulässigen Beschwerden des Antragstellers sind begründet
I.
Dem Antragsteller ist das alleinige Sorgerecht für das Kind S Jean-Paul, geboren am XX.11.2007, zu übertragen.
Der Vater eines nichtehelichen Kindes ist von der Sorgetragung für sein Kind nicht generell ausgeschlossen. Denn ein derartiger Ausschluss würde unverhältnismäßig in
dessen Elternrecht eingreifen, wenn die Weigerung der Kindesmutter, der gemeinsamen elterlichen Sorge mit dem Vater oder dessen Alleinsorge zuzustimmen, gerichtlich nicht - am Maßstab des Kindeswohls - überprüft werden kann. §§ 1626a Abs. 1 Nr. 1 und § 1672 Abs. 1 BGB sind mit Art. 6 Abs. 2 GG unvereinbar und somit verfassungswidrig (BVerfG, Beschluss vom 21.07.2010, 1 BvR 420/09, FamRZ 2010, 1403 ff.).

Das Bundesverfassungsgericht hat den Gesetzgeber aufgefordert, das Recht der elterlichen Sorge für nichteheliche Kinder neu zu regeln. Bis zum Inkrafttreten einer gesetzlichen Neuregelung wurde vorläufig angeordnet, dass das Familiengericht den Eltern auf Antrag eines Eltemteils die elterliche Sorge oder einen Teil der elterlichen Sorge gemeinsam überträgt, soweit zu erwarten ist, dass dies dem Kindeswohl entspricht. Der gewählte Prüfungsmaßstab hinsichtlich des Kindeswohls soll sicherstellen, dass die Belange des Kindes maßgeblich Berücksichtigung finden, die Zugangsvoraussetzungen zur gemeinsamen elterlichen Sorge jedoch nicht zu hoch angesetzt werden. Soweit eine Übertragung der gemeinsamen elterlichen Sorge nicht in Betracht kommt, ist dem Vater die Alleinsorge zu übertragen, wenn zu erwarten ist, dass dies dem Kindeswohl am besten entspricht (BVerfG a.a.O. Rz. 75 f.).

Die Übertragung der gemeinsamen elterliche Sorge für das Kind S kommt nicht in Betracht, da es den Eltern an der für ein gemeinsames Sorgerecht unverzichtbaren Voraussetzung der objektiven Kooperationsfähigkeit und subjektiven Kooperationsbereitschaft auf Eltemebene fehlt.

Eine dem Kindeswohl entsprechende gemeinsame Ausübung der Eltemverantwortung setzt ein Mindestmaß an Übereinstimmung in wesentlichen Bereichen der elterlichen Sorge und insgesamt eine tragfähige soziale Beziehung zwischen den Eltern voraus (BVerfG FamRZ 2004, 354, 355; BVerfG FamRZ 2004, 1015, 1016). Unverzichtbare Grundvoraussetzung für die Übertragung der gemeinsamen elterlichen Sorge ist danach, dass zwischen den Eltern objektiv Kooperationsfähigkeit und subjektiv Kooperationsbereitschaft besteht (so bereits KG FamRZ 1999, 616; Johannsen/Henrich, Familienrecht, 5. Auflage 2010, § 1671 Rz. 36).

Es fehlt bereits an einem Mindestmaß an Übereinstimmung zwischen den Eltern in wesentlichen Sorgerechtsbereichen. Die Eltern haben insbesondere verschiedene Auffassungen darüber, wo und bei wem S seinen Lebensmittelpunkt haben soll. Während sich die Mutter klar für die Betreuung des Kindes bei der Pflegefamilie ausspricht und dem Kind die bisherige Lebenssituation erhalten will, beabsichtigt der Vater, S selbst im väterlichen Haushalt zu betreuen und strebt einen Wechsel des Kindes von den Pflegeeltem zu sich an. Dies wiederum lehnt die Mutter - seit der Geburt des Kindes bis heute - vehement ab. Insoweit ist keine Gesprächsebene zwischen den Eltern voitianden. Die Differenzen hinsichtlich des Lebensmittelpunktes von S sind auch nach dem Eindruck des Senats bei der mündlichen Anhörung der Eltern unüberbrückbar.

Zwischen den Eltern besteht keine tragfähige soziale Beziehung zur Ausübung der gemeinsamen elterlichen Sorge. Bereits vor der Geburt bis zum heutigen Zeitpunkt gab und gibt es unüberwindbare Meinungsverschiedenheiten, gegenläufige Ansichten und - nicht zuletzt wegen der von Beginn an streitigen Frage des Aufenthalts von S - erhebliches Misstrauen. Es fehlt an der gegenseitigen Wertschätzung der beteiligten Kindeseltem; indirekt werfen sie sich vor, nicht zum Wohle des Kindes zu handeln.

Bereits das Jugendamt führte in seinem Bericht vom 23.8.2008 aus, dass sich die Situation der Eltern als von Beginn an konfliktreich gestaltet habe. Im Sachverständigengutachten vom 25.5.2009 führte die Gutachterin Dr. C aus, dass es zwischen den Eltern keine Gesprächsbasis gebe. Im Gutachten vom 21.03.2011 beschreibt sie die Eltembeziehung als hoch konfliktbehaftet. Eine ausreichende Kooperation der Eltern könne - so die Sachverständige - in Bezug auf die elterliche Sorge nicht erwartet werden. Beispielhaft für das zerrüttete Verhältnis sei etwa, dass sich die Eltern untereinander siezen, was auch in hochstreitigen Familiensachen nur selten vorkomme.

Dass die Mutter den Vater ablehnt und sich nicht in der Lage sieht, in irgendeiner Form Kontakt mit ihm zu haben, zeigte sich in der mündlichen Verhandlung auch bei der Erörterung der Frage des Umgangs der Mutter mit dem Kind für den Fall, dass der Vater S bei sich aufnehmen würde. Während der Vater sich hinsichtlich des Umgangsrechts der Mutter mit dem Kind kooperationsbereit zeigte und versicherte, dass ihm der Kontakt des Kindes zur Mutter wichtig sei und die Mutter S sogar im Haushalt des Vaters treffen könne, jedenfalls aber Lösungen gefunden werden müssten, erklärte die Mutter, dass sie sich unter solchen Voraussetzungen nicht vorstellen könne, den Kontakt zu S aufrecht zu erhalten. Offensichtlich will die Mutter jede Form des Zusammentreffens und des gemeinsamen Gesprächs mit dem Vater vermeiden.

Vor diesem Hintergrund ist - nicht zuletzt wegen der extrem ablehnenden Haltung der Mutter - nicht zu erwarten, dass die Kindeseltem in der Lage sein werden, wesentliche, das Kind betreffende Fragen lösungsorientiert zu kommunizieren. Aufgrund notwendiger Absprachen der Kindeseltern, etwa über Fragen der Gesundheitsfürsorge, der Betreuung und Förderung des Kindes, absehbare Fragen der schulische Entwicklung und vor allem zum Lebensmittelpunkt des Kindes, besteht die konkrete Gefahr von Uneinigkeiten und Auseinandersetzungen der beteiligten Eltern, die bei Kindern erfahrungsgemäß zu kindeswohlgefährdenden Loyalitätskonflikten führen können. Dieser Eltemkonflikt wird in der Regel auf dem Rücken des Kindes ausgetragen, so dass das Kind in seiner Beziehungsfähigkeit beeinträchtigt und in seiner Entwicklung gefährdet werden kann (BVerfG NJW 2003, 955).

In Hinblick darauf, dass es am erforderlichen Mindestmaß an Übereinstimmung fehlt und die Eltern zur Kooperation weder bereit noch in der Lage sind, würde die - selbst nur in Teilbereichen eingeräumte - gemeinsame elterliche Sorge zu einer spürbaren Verschlechterung der Situation für das Kind S führen. Dies entspricht der Einschätzung der Sachverständigen Dr. C in ihrem Gutachten vom 21.3.2011, die die Übertragung der gemeinsamen elterlichen Sorge deshalb nicht empfohlen hat. Dem hat sich die Verfahrensbeiständin angeschlossen. Auch die Eltern sehen letztlich keine Basis für eine gemeinsame Sorge.


3. Dem Vater ist die alleinige elterliche Sorge für das Kind S zu übertragen, § 1672 Abs. 1 BGB in Verbindung mit § 1671 Abs. 2 Nr. 2 BGB.

Das Familiengericht überträgt dem Vater auf Antrag die elterliche Sorge, soweit eine gemeinsame elterliche Sorge nicht in Betracht kommt und zu erwarten ist, dass dies dem Kindeswohl am besten entspricht (BVerfGE FamRZ 2010, 1403 ff. Rz. 77). In Hinblick darauf, dass durch die Übertragung der Alleinsorge auf den Vater gleichzeitig der Mutter die elterliche Sorge entzogen wird, darf es - um deren Elternrecht hinreichend Rechnung zu tragen - zur Wahrnehmung des väterlichen Elternrechts keine andere Möglichkeit geben, die weniger in das mütterliche Elternrecht eingreifen. Zudem müssen gewichtige Kindeswohlgründe vorliegen, die den Sorgerechtsentzug nahelegen (BVerfGE a.a.O. Rz. 68).

Nach den obigen Ausführungen scheidet die - auch nur teilweise - Übertragung der gemeinsamen elterlichen Sorge aus.

Die Übertragung der alleinigen elterlichen Sorge für S auf den Vater entspricht dem Wohl des Kindes am besten. Diese Kindeswohlgründe rechtfertigen im Ergebnis den damit verbundenen Sorgerechtsentzug der Mutter.

Bei der allein am Kindeswohl auszurichtenden Frage, welchem der Elternteile die elterliche Sorge zu übertragen ist, sind die Erziehungseignung der Eltern - einschließlich ihrer Bindungstoleranz -, die Bindungen des Kindes - insbesondere an seine Eltern und Geschwister die Prinzipien der Förderung und der Kontinuität sowie der Kindeswille als gewichtige Gesichtspunkte zu berücksichtigen (vgl. BGH FamRZ 2010, 1060; 1990, 392; 1985, 169). Außer diesen Aspekten sind je nach den Begleitumständen des Falles weitere Gesichtspunkte wie Erziehungsbereitschaft, häusliche Verhältnisse, soziales Umfeld und Grundsätze wie der einzubeziehen, dass Geschwister nicht ohne besonderen Grund voneinander getrennt werden sollen (BGH FamRZ 1985, 169).

Nach dem Förderungsprinzip ist die elterliche Sorge dem Eltemteil zu übertragen, der am besten zur Erziehung und Betreuung des Kindes geeignet erscheint und von dem es voraussichtlich die meiste Unterstützung für den Aufbau seiner Persönlichkeit erwarten kann. Ein wesentlicher Aspekt sind die Möglichkeiten der Eltern zur persönlichen Betreuung des Kindes. Im Grundsatz ist dabei anerkannt, dass die persönliche Betreuung durch die Eltern für das Kindeswohl förderlicher ist als die Betreuung durch Dritte (BVerfG NJW 1981, 217). Letztlich kommt es entscheidend darauf an, dass der Eltemteil für das Kind präsent ist, ihm ein Zugehörigkeits- und Geborgenheitsgefühl vermittelt und die ihm zur Verfügung stehende Zeit dem Kind widmen kann (Staudinger/Coester, BGB, Bearbeitung 2009, § 1671 Rz. 206). Ein Eltemteil, der seine Eltemfunktion praktisch verdrängt, etwa durch die Unterbringung des Kindes in einer Pflegefamilie, ist regelmäßig ungeeignet (Staudinger/Coester, a.a.O., § 1671 Rz. 206; Johannsen/Henrich, а.a.O., § 1671 Rz. 54; Schwab/Motzer, Handbuch des Scheidungsrechts, б. Auflage 2010, Kap. III Rz. 128).

Der Vater beabsichtigt. S in seinen Haushalt, in dem er mit seiner Ehefrau und deren Tochter K lebt, aufzunehmen. Er hat nachhaltig und ernsthaft erklärt, dass er S in seinem Haushalt persönlich betreuen und die Hauptverantwortung für die Erziehung und Versorgung des Kindes tragen will. Die Erziehungsfähigkeit und die Erziehungseignung des Vaters sind nach den wiederholten Ausführungen der Sachverständigen Dr. C sowohl in den schriftlichen Gutachten vom 25.9.2009 und vom 21.3.2011 als auch in den mündlichen Erörterungen der Gutachten beim Familiengericht am 1.7.2009 sowie am 24.5.2011 und im Senatstermin am 7.12.2011 nicht beeinträchtigt. Zweifel an der Erziehungsfähigkeit und der Erziehungseignung des Vaters wurden zu keinem Zeitpunkt von der Sachverständigen geäußert und sind auch aus Sicht des Senates nicht ersichtlich.

Die Mutter hingegen möchte S - dies hat sie in der mündlichen Verhandlung auf Frage des Senats nochmals bestätigt - nicht persönlich betreuen und wäre dazu wohl auch nicht in der Lage. Sie wünscht, dass S wie bisher in der Pflegefamilie betreut wird. Durch die Delegation der gesamten Erziehung auf die Pflegeeltem erfüllt sie jedoch nicht ihre eigene Erziehungs- und Betreuungsverantwortung. Vielmehr müsste sie selbst einen zumindest nicht unerheblichen Teil dieser Erziehungs- und Betreuungsaufgaben erfüllen. Dies tut die Mutter jedoch nicht. Indem die Mutter diese Aufgabe nahezu vollständig an die Pflegeeltem delegiert, ist sie unter dem Aspekt des Förderungsprinzips nur sehr eingeschränkt erziehungsgeeignet. Etwas anderes ergibt sich nicht daraus, dass die Mutter S 14-tägig für zwei Stunden bei den Pflegeeltem besucht. In dieser Zeit erfüllt sie keine nennenswerten Erziehungsaufgaben. Unternehmungen der Mutter mit S allein gab es bisher nicht. Soweit in der mündlichen Verhandlung seitens der Pflegeeltem mitgeteilt wurde, dass die Mutter durchaus ihre Vorstellungen, etwa über die Konfession sowie über den Ablauf der Geburtstage, äußere, handelt es um eine Beteiligung eher punktuellen Charakters, die auch unter Berücksichtigung der Bedeutung der konfessionellen Orientierung eines Kindes keine nachhaltige Erfüllung wesentlicher Bereiche der Betreuung und Erziehung des Kindes darstellt, zumal die Mutter die konkrete Umsetzung der von ihr geäußerten Wünsche nicht selbst vomimmt, insbesondere die eigentliche religiöse Erziehung den Pflegeeltern überlässt.

Nachdem der Vater das Kind S tatsächlich persönlich betreuen und im Vergleich zur Mutter die Verantwortung für die Erziehung und Versorgung übernehmen will und kann, ist er nach dem Förderungsprinzip besser erziehungsgeeignet als die Mutter.

Auch unter dem Gesichtspunkt der Bindungstoleranz ergibt sich nichts anderes. Die Sachverständige hat insoweit ausgeführt, dass die Mutter ihre rechtliche Situation zum Teil ausgenutzt habe, etwa bezüglich der zunächst versagten Teilnahme des Vaters an der Taufe des Kindes. Der Vater hat demgegenüber angekündigt, den Kontakt zwischen S und der Mutter einerseits, sowie den Pflegeeltem andererseits zu unterstützen. Dass es sich hierbei um Lippenbekenntnisse handelt, kann nicht festgestellt werden. Insbesondere kann aus den Irritationen zwischen Pflegeeltem und Antragsteller in der Vergangenheit auch bei Fragen des Umgangs nicht geschlossen werden, dass der Vater - wenn S erst einmal bei ihm wohnt - dessen Kontakt zu seinen bisher wichtigsten Bezugspersonen nicht unterstützen wird.

b) Hat das Kind zu einem Elternteil eine stärkere Bindung und innere Beziehung entwickelt, so muss das bei der Sorgerechtsentscheidung berücksichtigt werden (vgl. BVerfG FamRZ 1981,124).
Nach den Ausführungen der Sachverständigen hat S eine positive Beziehung zu seinem Vater und geht vertrauensvoll mit ihm um. Bereits im ersten Gutachten vom 25.9.2009 führte die Sachverständige aus, dass S, obwohl der Beziehungsaufbau nur unter erschwerten Bedingungen möglich gewesen sei, eine gute Beziehung zu seinem Vater habe. Diese Beziehung des Kindes zum Vater sei deutlich ausgeprägter als diejenige zur Mutter, da der Vater - im Gegensatz zur Mutter - mit S auch außerhalb des beschützten Rahmens bei den Pflegeeltem Unternehmungen durchführt und mit dem Kind seit Februar 2009 regelmäßig unbegleitete Umgangskontakte in zeitlich deutlich größerem Umfang als die Mutter ausübt.
Diese Einschätzung ist in jeder Hinsicht nachvollziehbar. Zur Mutter, die sich nur stundenweise im Schnitt etwa alle 14 Tage, zeitweise auch seltener bei den Pflegeeltern aufhält und dort mit der Pflegemutter Kaffee trinkt und sich mit ihr unterhält, konnte S naturgemäß nur eine sehr eingeschränkte Beziehung entwickeln.

c) Der Übertragung der alleinigen elterlichen Sorge auf den Vater steht nicht entgegen, dass der Vater S selbst betreuen und versorgen will und S somit von den Pflegeeltem in den Haushalt des Vaters wechseln soll und damit seine bisherigen Hauptbezugspersonen verlieren wird.
Zwar kommt dem Kontinuitätsgrundsatz, für die Zukunft die Einheitlichkeit und Gleichmäßigkeit des Erziehungs- und Betreuungsverhältnisses sicherzustellen, bei der Frage, welchem Eltemteil die elterliche Sorge zu übertragen ist, eine nicht unerhebliche Bedeutung zu. Auch die Aufrechterhaltung der bestehenden gefühlsmäßigen Bindungen des Kindes an Eltern und Geschwister bzw. an weitere primäre Bezugspersonen wie etwa Pflegeeltem und deren Kinder wird vom Kontinuitätsgrundsatz erfasst, sodass vorliegend der Verbleib des Kindes bei den Pflegeeltern dem Kontinuitätsprinzip entspräche. Aus diesem Grund haben sich die Mutter, die Verfahrensbeiständin und letztlich auch die Sachverständige gegen einen Wechsel von S in den väterlichen Haushalt ausgesprochen.

Dabei wird jedoch außer Acht gelassen, dass S von Pflegeeltem betreut wird und nicht von einem - erziehungsgeeigneten und erziehungsbereiten - leiblichen Eltemteil, im vorliegenden Fall von seinem Vater. § 1672 BGB muss insoweit im Lichte des Art. 6 Abs. 2 GG und insbesondere Art. 8 Menschenrechtskonvention (EMRK) ausgelegt werden. Danach ist jeder Vertragsstaat verpflichtet, geeignete Maßnahmen zur Zusammenführung eines leiblichen Eltemteils mit seinem Kind zu ergreifen. Die Europäische Menschenrechtskonvention hat den Rang eines Bundesgesetzes und ist bei der Auslegung des deutschen materiellen Rechts zu berücksichtigen (BVerfG FamRZ 2004, 1857, 1859). Der Umstand, dass S seine gewohnte Umgebung verlieren könnte, rechtfertigt allein nicht die Trennung des Kindes vom Vater (BVerfG NJW 2011, 3355). Insoweit tritt der Aspekt der Kontinuität in den Hintergrund.

In den Fällen der Adoptionspflege ist anerkannt, dass im Rahmen der Entscheidung über den Antrag eines erziehungsgeeigneten und -bereiten Vaters auf Übertragung des Sorgerechts geprüft werden muss, ob eine Zusammenführung von Vater und Kind möglich ist, die die Belastungen des Kindes soweit wie möglich vermindert (BGH NJW 2008, 223).

Etwas anderes kann nicht gelten, wenn - wie im vorliegenden Fall - der Vater ein fremduntergebrachtes Kind selbst betreuen will, die sorgeberechtigte Mutter - ähnlich wie in den Adoptionspflegefällen - dazu jedoch nicht bereit und / oder in der Lage ist. Denn auch bei dieser Konstellation ist das Recht des leiblichen Vaters aus Art. 6 Abs. 2 GG zu beachten, wenngleich es nicht nur mit dem Recht der Pflegeeltem aus Art. 6 Abs. 1, Abs. 3 GG, sondern auch mit dem der Mutter aus Art. 6 Abs. 2 GG konkurriert. Dies spiegelt sich in der Auslegung des § 1672 Abs. 1 BGB wider. Während in den Adoptionspflegefällen, in denen die alleinige elterliche Sorge der Mutter ruht, eine Übertragung der elterlichen Sorge auf den Vater bereits dann in Betracht kommt, wenn dies dem Wohl des Kindes nicht widerspricht (BGH NJW 2008, 223), ist im vorliegenden Fall, bei dem die Mutter Inhaberin des Sorgerechts ist, auf den vom Bundesverfassungsgericht vorgegebenen Maßstab des § 1671 BGB abzustellen (BVerfG FamRZ 2010, 1403). Die Übertragung der elterlichen Sorge auf den Vater muss also dem Kindeswohl am besten entsprechen. Dieser Maßstab gewährleistet nicht nur die Wahrung der Grundrechtsposition des Kindes aus Art. 2 Abs. 1 GG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 GG, sondern auch die der Mutter aus Art. 6 Abs. 2 GG.

Die Trennung eines Kindes von seiner unmittelbaren Bezugsperson sowie seine Herausnahme aus der gewohnten Umgebung stellen für das Kind regelmäßig eine erhebliche psychische Belastung dar und sind mit einem schwer bestimmbaren Zukunftsrisiko verbunden. Dies darf aber allein nicht genügen, um die Betreuung des Kindes durch leibliche Eltern abzulehnen. Anderenfalls wäre die Zusammenführung von Kind und Eltern immer ausgeschlossen, wenn das Kind seine "sozialen“ Eltern gefunden hätte (BVerfG FamRZ 2005, 783 Rz. 18; BVerfG FamRZ 2010, 865 Rz. 27; BGH NJW 2008, 223 Rz. 37). Dabei ist die mit Blick auf das Kindeswohl hinzunehmende Risikogrenze immer dann weiter zu ziehen, wenn das Kind im Haushalt der Eltern bzw. eines Eltemteils untergebracht werden soll (BVerfG FamRZ 2005, 783; BVerfG FamRZ 2010, 865 Rz. 27). Des weiteren ist in diesen Fällen ein größeres Maß an Unsicherheiten bei der Prognose über mögliche Beeinträchtigungen des Kindes hinnehmbar als bei einem lediglich beabsichtigten Wechsel der Pflegefamilie (BVerfG FamRZ 2010, 865 Rz. 27). Die Risikogrenze für die Zusammenführung des erziehungsgeeigneten und - bereiten, leiblichen Elternteils mit dem Kind ist allerdings dann überschritten, wenn durch den Wechsel des Kindes von den Pflegeeltem in den Haushalt der Eltern mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht auszuschließen ist, dass die Trennung des Kindes von seinen Pflegeeltern psychische oder physische Schädigungen nach sich ziehen kann. Ein solches Risiko wäre für das Kind nicht hinnehmbar (BVerfG FamRZ 2010, 865 Rz. 27).

Im vorliegenden Fall sind zwar bei S als Folge einer Trennung von seinen Pflegeeltern gewisse Belastungsreaktionen wahrscheinlich. Es liegen jedoch keine Anhaltspunkte dafür vor, dass die zu gewärtigenden Beeinträchtigungen des Kindes über das mit einem Wechsel der Hauptbezugspersonen typischerweise verbundene Maß hinausgehen werden. Insbesondere kann nicht festgestellt werden, dass die Trennung von den Pflegeeltern mit überwiegender Wahrscheinlichkeit bei S psychische oder physische Schäden nach sich ziehen wird.

S hat nach den Ausführungen der Sachverständigen Dr. C eine positive Beziehung zu seinem Vater und geht vertrauensvoll mit ihm um. Es besteht somit eine hinreichend tragfähige Basis für einen Wechsel des Kindes zum Vater. Demzufolge hält die Sachverständige einen Wechsel des Kindes in die Familie des Vaters ohne eine Kindeswohlgefährdung für möglich, wenn alle Beteiligten dies unterstützen.Ausgehend von den Empfehlungen der Sachverständigen zu den Voraussetzungen eines schonenden Wechsels hat der Senat insoweit eine schrittweise Ausweitung der Umgangskontakte mit dem leiblichen Vater angeordnet, um so eine weitere Annährung des Kindes an den Vater und die väterliche Lebensverhältnisse zu gewährleisten. Die Hinführung zum Vater soll entsprechend den Ausführungen der Sachverständigen langsam, stressarm und mit wohlwollender Begleitung der Pflegemutter erfolgen.

Es erscheint gut möglich, dass S auch nach dem Wechsel seines Lebensmittelpunkts die Bindungen zu seinen Pflegeeltem erhalten bleiben.
Es bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass es zu einem völligen Beziehungsabbruch zwischen dem Kind S und der Pflegefamilie kommt. Der Vater seinerseits hat mehrfach betont, dass er den Kontakt Ss zu den Pflegeeltern für wichtig hält und unterstützen wird. Der Senat kann nicht feststellen, dass es sich hierbei - wie die Mutter meint - nur um „Lippenbekenntnisse“ handeln könnte. Der Vater hat sich bisher stets - wenn auch nicht immer mit voller Überzeugung - an die Vereinbarungen gehalten. Grenzüberschreitungen, etwa die eigenmächtige Ausdehnung des Umgangs, sind dem Senat nicht bekannt.

Der Senat ist auch davon überzeugt, dass die Pflegeeltem sich bemühen werden, zum Wohl des Kindes den Kontakt zu S auch bei einem erfolgten Wechsel in den Haushalt des Vaters aufrecht zu erhalten, auch wenn die Herausnahme des Kindes aus ihrem Haushalt für sie derzeit nicht vorstellbar ist. Die Pflegeeltem, die von der Gutachterin als sehr feinfühlig bezeichnet wurden, werden nach der Überzeugung des Senats - wie bisher auch - stets das Wohl des Kindes in den Mittelpunkt rücken und reflektiert mit der für sie sicher schwierigen Situation umgehen. Dabei wird es ihnen - gegebenenfalls mit professioneller Unterstützung - gelingen, ihre eigenen Belange hinter die des Kindes zu stellen.

Der Senat geht davon aus, dass der Vater im Fall eines Wechsels des Kindes in seinen Haushalt den Pflegeeltern - auch ohne dass es hierfür einer gerichtlichen Regelung bedarf - ein regelmäßiges und ausgedehntes Umgangsrecht - mehrmals im Monat - einräumen wird.

Auch die Bindungen des Kindes an seinen „Pflegebruder“ M, den leiblichen Sohn der Pflegeeltem, können ausreichend durch den Umgang der Pflegeeltern mit S aufrecht erhalten werden. Gleiches gilt für seine Halbgeschwister T und A-L, die Kinder der Mutter. Insoweit ist zu berücksichtigen, dass S zu diesen Kindern, die ebenfalls fremduntergebracht sind - T in einer Betreuungseinrichtung für Behinderte und A-L bei einer anderen Pflegefamilie - in der Vergangenheit nur gelegentliche Kontakte hatte, namentlich mit T einmal und mit A-L drei bis vier Mal im Jahr. Auch diese Kontakte können - sogar im bisherigen Umfang - etwa durch Umgangskontakte bei der Mutter oder durch die erklärte Bereitschaft des Vaters, gemeinsam mit S die Halbgeschwister zu besuchen - erhalten werden.

Der Vater verfügt nach Einschätzung des Senats über die erforderliche erzieherische Kompetenz, um die mit einem Wechsel des Kindes verbundenen Schwierigkeiten zu bewältigen.
S werden bei einem Wechsel von den Pflegeeltem zum Vater Trennungsschmerz und Verlustängste zugemutet. Dem Vater wird insoweit abverlangt, Ablehnung und Aggression des Kindes zu ertragen, mögliche Depression und Trauer des Kindes zu akzeptieren und insbesondere dem Kind zu helfen, den Trennungsschmerz zu verarbeiten. Dies erfordert elterliche Kompetenzen, die weit über das übliche Maß hinausgehen, Einfühlungs- und Lernfähigkeit sowie eine hohe Konflikt- und Frustrationstoleranz, um drohende Entwicklungsrisiken abzuwenden (vgl. OLG Karlsruhe FamRZ 2011, 1514). Der Vater muss insbesondere in der Lage sein, die nachteiligen Folgen einer eventuellen Traumatisierung des Kindes so gering wie möglich zu halten (BVerfG FamRZ 2010, 865).

Der Senat hat keine Anhaltspunkte dafür, dass dem Vater diese besondere elterliche Kompetenz fehlen wird. Der Vater hat immer wieder betont, dass er nicht die sofortige Herausgabe des Kindes verlangen würde, sondern einen sukzessiven, schonenden Wechsel anstrebte. Ebenfalls ist ihm - auch darauf hat er mehrfach hingewiesen - bewusst, dass ein Wechsel für S eine Belastung darstellt. Damit zeigt der Vater bereits, dass er bereit ist, im Interesse von S tragfähige Lösungen für einen schonenden Wechsel zu suchen (ähnlich OLG Brandenburg FamRZ 2009, 994). Dass der Vater in der Lage ist, die Belange des Kindes ernst zu nehmen, wurde deutlich, als er seinen Antrag auf einen mehrtägigen Umgang über die Weihnachtsferien zurückgestellt hat, nachdem die Pflegemutter in der mündlichen Verhandlung darauf hingewiesen hatte, dass S noch nie auswärts übernachtet habe und ihn dies belasten könnte. Soweit die Pflegeeltem die Befürchtung geäußert hatten, der Vater habe S während der Umgangskontakte am 19.11. und 26.11.2011 stark verunsichert, indem er dem Kind „seinen“ neuen Kindergarten gezeigt habe, kann nicht ausgeschlossen werden, dass S selbst aufgrund der Erlebnisse beim Kindergartentag mit seiner Stiefschwester K sowie aus einem - möglicherweise - indifferenten Verhalten des Vaters bestimmte Fragen und Ansichten aus seiner kindlichen Sicht formuliert hat.

Ebenso wenig ist feststellbar, dass dem Vater das Verständnis für das Bindungserleben des Kindes und somit in der Konsequenz auch das Verständnis für die Trennungsschmerzen und die Sorgen des Kindes bei einem Wechsel fehlen werden. Soweit die Sachverständige Dr. C diesen Eindruck - ausschließlich - aus einem an die Pflegeeltem gerichteten Schreiben des Vaters vom 12.9.2011 gewinnt, vermag dies den Senat nicht überzeugen. Das Schreiben wurde vom Vater unmittelbar nach einem Telefonat mit den Pflegeeltem verfasst, bei dem die Pflegeeltem eine einmalige Ausweitung des Umgangs mit S um zwei Stunden für einen Familienausflug abgelehnt hatten. In Hinblick darauf, dass diese Bitte nicht mit einer für ihn plausiblen Erklärung abgelehnt wurde, sah der Vater das Wohl von S als gefährdet an und warf der Pflegefamilie vor, S zu manipulieren und nicht im Interesse des Kindes zu handeln. Dieser Vorwurf ist auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass die Pflegeeltem - aus Sicht des Vaters vorwerfbar - entgegen vorheriger Absprache S nicht ermöglicht hatten, an der Trauung seines Vaters am 10.6.2011 teilzunehmen. Aus diesem Vorfall entwickelte sich - jedenfalls nachvollziehbar - eine gewisse Verärgerung des Vaters, die sich auch in dem Schreiben vom 12.9.2011 wiederfindet.

Die Vorwürfe des Vaters gegenüber der Pflegefamilie in dem genannten Schreiben sind so sicherlich unberechtigt und anmaßend. Gleichwohl ist zu sehen, dass der Brief offensichtlich in Rage und Unmut über die derzeitige Situation verfasst wurde, und er von daher zu relativieren ist. Im übrigen lässt sich aus dem Brief zwar ableiten, dass der Vater ggf. überzogen und emotional reagiert und dass das Verhältnis zu den Pflegeeltem belastet ist. Es lässt sich indes dem Brief nicht entnehmen, dass dem Vater ein Verständnis für das Bindungserleben des Kindes fehlt. Damit setzt sich der Brief in keiner Weise auseinander und es war auch nicht Thema der damaligen Auseinandersetzung. Weitere tatsächliche Anhaltpunkte - außer dem genannten Brief - , aus denen sich die Folgerung ableiten ließe, dass dem Vater das Verständnis für das Bindungserleben des Kindes fehlt, hat die Sachverständige trotz Nachfrage des Senats in der Verhandlung nicht benannt.

In Hinblick darauf, dass es dem Vater trotz der ungünstigen und erschwerten Bedingungen, unter denen er den Kontakt zu seinem Sohn aufbauen musste, gelungen ist, eine positive, beachtliche, vertrauensvolle Beziehung zu seinem Sohn aufzubauen, geht der Senat davon aus, dass der Vater ein ausreichendes Verständnis für die Befindlichkeiten und Bedürfnisse seines Sohnes aufbringen kann. Andernfalls ist kaum vorstellbar, dass sich trotz der widrigen Umstände die Beziehung zwischen Vater und Kind in dieser Form entwickelt hätte. Der Vater hat sich seit der Geburt des Kindes um regelmäßige Umgangskontakte bemüht und diese auch zuverlässig im Rahmen des Möglichen wahrgenommen. Im Rahmen des Hausbesuches am 23.10.2010 konnte die Sachverständige feststellen, dass S vertrauensvoll mit seinem Vater umgeht. Er habe sich von seinem Vater versorgen lassen, habe seine körperliche Nähe gesucht, sei spielerisch mit ihm in Interaktion getreten, habe sich von ihm anregen lassen, aber auch Grenzsetzungen angenommen. Diese Beschreibung der Sachverständigen deutet nicht darauf hin, dass der Vater in seiner Wahrnehmungsfähigkeit hinsichtlich der kindlichen Bedürfnisse und Sorgen eingeschränkt ist. Ebenso wenig wurde von erheblichen Verhaltensauffälligkeiten des Kindes vor, während und nach den Umgangskontakten beim Vater berichtet.

Das Verhältnis zwischen dem Vater und den Pflegeeltern ist - davon konnte sich der Senat in der mündlichen Verhandlung selbst ein Bild machen - angespannt. Die Pflegeeltem warfen dem Vater in der Verhandlung vor, er stelle das Wohl des Kindes S nicht in dem Mittelpunkt. Umgekehrt beharrte der Vater auf seinem Standpunkt, dass es S in seinem Haushalt nicht schlechter gehen werde als bei den Pflegeeltem und argumentierte ebenfalls mit Aspekten des Kindeswohls. Aus diesen Differenzen kann jedoch nicht abgeleitet werden, dass der Vater kein Verständnis für das Kind in der besonderen Situation des Wechsels aufbringen werde. Immerhin ist es dem Vater und den Pflegeeltem gelungen, ihre zum Teil grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten von dem Kind weitgehend femzuhalten.

Der Senat geht davon aus, dass der Vater ggf. externe fachliche Unterstützung (etwa durch das Jugendamt) in Anspruch nehmen wird, um gemeinsam mit den Pflegeeltern für S ein möglichst schonendes Szenario für die Durchführung des Wechsels zu entwickeln.
Soweit die Pflegeeltem darauf verweisen, dass der Vater in der Vergangenheit nicht bereit gewesen sei, an einem Beratungsprozess teilzunehmen, ist dies vor dem Hintergrund zu sehen, dass bereits das Beratungsziel, namentlich die dauerhafte Betreuung des Kindes in der Pflegefamilie und die Verbesserung der Umgangskontakte, für den Vater - nachvollziehbar - nicht konsensfähig war und es wohl deshalb bereits am Beratungswillen gefehlt hatte. Die Motivation für eine Beratung wird sich jedoch aus Sicht des Vaters völlig anders darstellen, wenn der Wechsel des Kindes und Fragen des schonenden Übergangs im Mittelpunkt der fachlichen Unterstützung stehen. Dass der Vater grundsätzlich beratungswillig ist, ergibt sich daraus, dass er jedenfalls anfänglich Beratungsgespräche wahrgenommen hat.

Das zwischen den Beteiligten herrschende Konfliktniveau steht einem Wechsel nicht entgegen.
Soweit die Sachverständige für einen Wechsel des Kindes zum Vater die - aus ihrer Sicht notwendige - Unterstützung, vor allem der Mutter und der Pflegeeltem, nicht feststellen konnte und angesichts des zwischen den Beteiligten herrschenden Konfliktniveaus sich für einen Verbleib des Kindes bei den Pflegeeltern und - da die Mutter dies gewährleiste - für die Beibehaltung der alleinigen elterlichen Sorge der Mutter aussprach, liegt dieser Einschätzung ein unzutreffender rechtlicher Maßstab zugrunde. Insbesondere berücksichtigen diese Ausführungen nicht ausreichend das Recht der leiblichen Eltern, hier des Vaters, aus Art. 6 Abs. 2 GG und die zu beachtenden Grundsätze des Art. 8 EMRK, wonach eine Verpflichtung des Staates besteht, geeignete Maßnahmen zur Zusammenführung eines leiblichen Eltemteils mit seinem Kind zu ergreifen. Denn würde allein die Ablehnung der Mutter und die fehlende Unterstützung der Pflegeeltern einen Wechsel des Kindes zum Vater ausschließen, würde typischerweise ein Wechsel des Kindes zum leiblichen Vater bereits immer dann ausscheiden, wenn das Kind bei Unterbringung in einer Pflegestelle seine sozialen Eltern gefunden hätte. Damit würde indes das Recht des Vaters eines nichtehelichen Kindes aus Art. 6 Abs. 2 GG verletzt, da er in diesen Fällen generell von der persönlichen Betreuung des Kindes und somit vom Sorgerecht ausgeschlossen werden könnte, ohne dass eine Kindeswohlprüfung erfolgt (vgl. dazu grundlegend BVerfG FamRZ 2010,1403).

Unabhängig davon wird die Einschätzung auch nicht hinreichend durch entsprechende tatsächliche Feststellungen gestützt. Dabei wird nicht verkannt, dass das Verhältnis zwischen dem Vater und den Pflegeeltern angespannt ist. Andererseits arbeiten der Vater und die Pflegeeltem bereits seit der Geburt des Kindes, somit seit über vier Jahren im Rahmen der Umgangskontakte des Vaters mit S, zusammen und begegnen sich regelmäßig. Wäre das Konfliktpotential zwischen den Pflegeeltern und dem Vater derartig hoch, dass S unter erheblichen Loyalitätskonflikten leiden würde, wäre kaum vorstellbar, dass die Umgangskontakte zum Vater - wie von allen Beteiligten beschrieben - für S unbelastet und freudvoll ablaufen. Insofern spricht viel dafür, dass Pflegeeltem und leiblicher Vater über die gebotene Bindungstoleranz und erzieherische und kommunikative Kompetenz verfügen, S aus den Konflikten herauszuhalten und zu seinem Wohl jedenfalls im Ergebnis gedeihlich zusammenzuarbeiten.

Zwar werden die Begegnungen der Pflegeeltern mit dem Vater durch seine sorgerechtliche Verantwortung für S sowie durch die sich häufenden Umgangskontakte in den nächsten Monaten zunehmen. Insoweit ist es dann die primäre Aufgabe der Beteiligten, respektvoll zum Wohle des Kindes miteinander zu kommunizieren und miteinander Lösungen zu finden. Insoweit kann es geboten sein, die Unterstützung des Jugendamtes einzufordern und fachliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Der Senat geht davon aus, dass die Pflegeeltern, die von der Sachverständigen als im besonderen Maße feinfühlig und am Kindeswohl orientiert handelnd beschrieben werden und in der mündlichen Anhörung durch den Senat so erlebt wurden, alles tun werden, um S einen schonenden Wechsel zum Vater zu ermöglichen und ihm Leid und Traurigkeit soweit wie möglich zu ersparen. Der Senat ist zuversichtlich, dass S - auch wenn er seinen Lebensmittelpunkt zum Vater wechselt - seine sichere Bindung zu den Pflegeeltern dauerhaft beibehalten kann.

Die von der Sachverständigen als möglich beschriebenen Belastungssymptome bei S haben kein derartiges Gewicht, dass sie einen Wechsel zum Vater unter Kindeswohlgesichtspunkten ausschließen würden.
Die Sachverständige hat ausgeführt, dass es in Folge der Trennung bei S zu Schreiattacken, Einnässen oder ähnlichem kommen könne. Sie hat deswegen einen Wechsel von S zu seinem Vater nicht befürwortet.
Die Trennung eines Kindes von seiner unmittelbaren Bezugsperson führt regelmäßig zu einer erheblichen psychischen Belastung für das Kind und ist mit einem Risiko für die Entwicklung des Kindes verbunden. Wie bereits ausgeführt, kann jedoch die stets mit einer Trennung von der Pflegefamilie verbundene Belastungssituation allein nicht dazu führen, die Übertragung des Sorgerechts auf den Väter mit dem Ziel eines Wechsels des Aufenthalts abzulehnen. Sonst wäre eine Rückführung zu den leiblichen Eltern stets ausgeschlossen, wenn sich eine tragfähige Bindung an die Pflegeeltern eingestellt hat, das Kind seine „soziale Familie“ gefunden hätte (BVerfG FamRZ 2005, 783; BVerfG FamRZ 2010, 865).

Die Sachverständige beschreibt die befürchteten Symptome des Kindes als eine Reaktion auf die Verunsicherung und auf die durch die Trennung bedingten Belastungen. Weitere Belastungsreaktionen wurden von der Gutachterin - auch auf Nachfrage - nicht genannt, insbesondere wurden von der Sachverständigen keine über die genannten Symptome hinausgehenden dauerhaften psychischen oder sogar physischen Schädigungen prognostiziert. Insbesondere hat die Sachverständige nicht ausgeführt, dass sich die von ihr genannten Belastungssymptome voraussichtlich zu Schädigungen entwickeln werden. Eine Kindeswohlgefährdung im Sinne von § 1666 BGB hat die Sachverständige von daher nicht festgestellt.

Hierfür spricht auch im Übrigen wenig. S, der seit seiner Geburt bei den Pflegeeltem lebt, musste bisher keine Bindungsabbrüche erleben. Insoweit gestaltet sich der vorliegende Fall abweichend von denjenigen, in denen Kinder aufgrund bereits erfolgter Bindungsabbrüche, etwa nach erfolgten Maßnahmen gemäß §§ 1666, 1666a BGB, in ihre Familie zurückgeführt werden und in denen aufgrund der bereits erlebten Bindungsabbrüche eine erhöhte Vulnerabilität der Kinder besteht (so etwa im Fall OLG Karlsruhe FamRZ 2011, 1514 und OLG Hamm FamRZ 2007, 659; auch BverfG FamRZ 2009, 865).

S ist ein gesundes, normal entwickeltes, fröhliches Kind. Er hat keinen erhöhten Pflege- und Betreuungsbedarf, ebenso wenig sind besondere Fördermaßnahmen für seine Entwicklung erforderlich. Verhaltensauffälligkeiten des Kindes wurden nicht festgestellt. Nach dem vorgelegten Bericht der Gruppenleiterin des Kindergartens vom 16.12.2011 ist die sprachliche Entwicklung des Kindes altersentsprechend. Nach einer anfänglichen Eingewöhnungsphase gehe S gern in den Kindergarten und fühle sich dort wohl. Die Psychologin, die S in der Zeit von September bis Dezember 2010 viermal aufgesucht hat, hielt nach den Angaben der Pflegeeltem die Fortsetzung der Gespräche mit dem Kind nicht für erforderlich, da S ein natürliches, offenes und gut gebundenes Kind sei. Die Verfahrensbeiständin schilderte S in der Verhandlung am 7.12.2011 ebenfalls als offenes Kind ohne Berührungsängste. S habe nicht belastet gewirkt, sondern allenfalls still. Nach dem Bericht des Kindergartens vom 16.12.2011 benötigt S eine klare und feste Tagesstruktur, feste Rituale und die zuverlässige Anwesenheit bestimmter Personen. Auf Veränderungen reagiere er verunsichert, sei motorisch unruhig und verhalte sich zwanghaft. Diese Beschreibung trifft - dies ist dem Senat aus anderen Verfahren und aus eigenen Erfahrungen bekannt - auf eine Vielzahl von Kindern zu, die (ganz unterschiedliche) Ablösungsschwierigkeiten im Kindergarten zeigen. Rückschlüsse, dass S im Vergleich zu anderen Kindern verhaltensauffällig ist, ergeben sich insoweit nicht.

Bei der mündlichen Anhörung durch den Senat präsentierte sich S als selbstbewusster, intelligenter, zugewandter Junge, der über eine für sein Alter sehr gute - die Bewältigung der auf ihn zukommenden Belastungen erleichternde - sprachliche Kompetenz verfügt.
Insgesamt ergeben sich keine Anhaltspunkte dafür, dass ein Wechsel des Kindes in den Haushalt des Vaters aufgrund eines besonderen Pflege- und Betreuungsbedürfnisses des Kindes oder aufgrund einer besonderen Vulnerabilität des Kindes, die etwa in seinem Wesen begründet sein könnte, zu einer Kindeswohlgefährdung oder gar zu psychischen oder physischen Schädigungen bei S führen kann.
Die dennoch mit der Trennung des Kindes von den Pflegeeltem zu erwartenden psychischen Belastungen sind unter Berücksichtigung der Bedeutung des Elternrechts des Vaters letztlich hinzunehmen. Insoweit ist es insbesondere die Aufgabe des Jugendamtes, den Beteiligten die notwendige Unterstützung zu geben (BGH NJW 2008, 223), um die Beeinträchtigungen für S so gering wie möglich zu halten. Dabei gehören die Eltern und deren sozio-ökonomische Verhältnisse grundsätzlich zum Schicksal und Lebensrisiko eines Kindes (BVerfG FamRZ 2010, 713). Selbst wenn S möglicherweise bei den Pflegeeltem ein noch besseres Umfeld als beim Vater mit optimalen Förderungsmöglichkeiten geboten werden könnte, spräche dies für sich allein nicht gegen den Wechsel des Kindes zum Vater. Denn zum Wächteramt des Staates zählt nicht die Aufgabe, für eine den Fähigkeiten des Kindes bestmögliche Förderung zu sorgen (vgl. BVerfGE FamRZ 2010, 713 m. w. N.).

(7)Dies gilt auch unter Berücksichtigung der möglichen langfristigen Folgen bei einem Verbleib S in der Pflegefamilie.
Für die Entscheidung dürfen nicht nur die unmittelbaren Auswirkungen einer Trennung des Kindes von seinen Pflegeeltern betrachtet werden, ohne die langfristigen Auswirkungen einer dauerhaften Trennung von seinem leiblichen Vater zu erwägen (EMRK FamRZ 2004, 1456, ie!59; BVerfG FamRZ 2005, 783).

Auf Frage erklärte die Sachverständige insoweit, dass es bisher keine validen Forschungsergebnisse zur Frage gebe, wie sich dies Entwicklung eines Kindes bei einer langfristigen Trennung vom leiblichen Elternteil auswirken würde. Die Möglichkeit, dass Simon während seiner - noch lang andauernden - Kindheit und in der späteren Adoleszenz nach seinen Wurzeln fragt, sich in der Pflegefamilie tatsächlich als Pflegekind fühlt und sei nem Vater vorwirft, er habe sich nicht ausreichend um seine Betreuung bemüht, ist jedenfalls denkbar.

(8)Soweit die Sachverständige befürchtet, dass es aufgrund der hochkonfliktbehafteten Elternbeziehung zu einem Bindungsabbruch zwischen S und seiner Mutter kommen werde, kann einer solchen Entfremdung des Kinder von der Mutter durch eine angemessene - ggf. gerichtliche - Regelung des Umgangs entgegengewirkt werden (so ausdrücklich BVerfG NJW 2011, 3355).

Der Vater hat in der mündlichen Verhandlung erklärt, dass er den Kontakt des Kindes zur Mutter unterstützen wird und sogar angeboten, dass die Mutter Simon in seinem Haushalt trifft. Zweifel an der Ernsthaftigkeit diese Absicht ergeben sich nicht. Dass möglicherweise die Mutter Probleme hat, Simon in einem anderen Rahmen als bisher im Haushalt cer Pflegeeltern zu treffen, kann allein einem Wechsel des Kindes zum Vater nicht entgegenstehen. Insoweit hat es die Mutter bisher auch versäumt, mit Simon unbegleitete Kontakte zu verbringen. Sollte zunächst ein unbegleiteter Kontakt nicht möglich sein, käme eine Begleitung im beschützten Rahmen, etwa beim Kinderschutzbund, in Betracht.
Soweit die Mutter den Vater nunmehr als äußerst diktatorisch anmutend, egozentrisch und wenig partnerschaftlich beschreibt und aus seiner Persönlichkeitsstruktur die fehlende Kooperationsbereitschaft ableitet, vermag das den Senat nicht zu überzeugen. Die Mutter stützt ihre Angaben auf Erfahrungen, die sie während einer lediglich zweimonatigen Beziehung mit dem Vater erlebt hat. Abgesehen davon, dass diese kurze gemeinsame Zeit nunmehr bereits fünf Jahre zurückliegt, sieht der Senat diese Konflikte ausschließlich auf der Paarebene der Eltern begründet.

Soweit die Sachverständige Spannungen zwischen den Eltern erwartet, etwa im Zusammenhang mit Umgangskontakten der Mutter, und darin eine langfristige Belastung des Kindes befürchtet, geht der Senat davon aus, dass durch die Übertragung des Sorgerechts auf den Vater und die zu treffenden Regelungen zum Umgang das Streitpotential eher gering sein wird. Die Eltern müssen keine sorgerechtsrelevanten Dinge besprechen. In Hinblick darauf, dass die Mutter S nicht selbst betreuen will, werden die Loyalitätskonflikte für S nicht gravierend sein.
Sollte der Mutter gleichwohl eine Wahrnehmung des Umgangs aufgrund des angespannten Verhältnisses zum Vater nicht möglich sein, wäre dies zwar bedauerlich. Eine Kindeswohlgefährdung, die einen Wechsel des Kindes zum betreuungsfähigen und -willigen leiblichen Vater unter Berücksichtigung der inmitten stehenden Grundrechte ausschließen würde, kann darin indes nicht erblickt werden. Denn S konnte - wie dargelegt - aufgrund der Gesamtumstände ohnehin nur eine sehr eingeschränkte Beziehung zur Mutter entwickeln, sodass sie keine primäre Bezugsperson für ihn ist.
II.
Es wird das Verbleiben des Kindes im Haushalt der Pflegeeltem befristet bis zum 31.8.2012 angeordnet, § 1632 Abs. 4 BGB.
Ein Wechsel des Kindes in den väterlichen Haushalt kann nicht sofort erfolgen, da dies zur Überzeugung des Senats mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Kindeswohlgefährdung führen würde. S würde durch die abrupte Herausnahme aus dem Haushalt der Pflegeeltern seine Hauptbezugspersonen verlieren und dadurch in seiner psychischen Entwicklung erheblich geschädigt werden.



Der Anordnung der befristeten Verbleibensanordnung steht nicht entgegen, dass der Vater mehrfach erklärt hat, S nicht sofort aus der Pflegefamilie herauszunehmen, sondern einen schonenden Wechsel herbeiführen zu wollen. Für ihn sei es selbstverständlich, dass ein Wechsel nicht zur Unzeit erfolgen dürfe. Eine rechtlich verbindliche Erklärung hat er Insoweit jedoch nicht abgegeben, so dass der Senat eine ausdrückliche Regelung der Verbleibensanordnung zum Wohle des Kindes für angezeigt erachtet. Dies gilt auch vor dem Hintergrund, dass der Vater im Schriftsatz vom 12.1.2012 vortragen lässt, dass der Antrag der Pflegeeltem auf eine Verbleibensanordnung nicht geboten sei, da eine sichere Bindung des Kindes zum Vater gegeben sei. Eine verlässliche Aussage, dass der Vater S nur nach einer ausreichenden Übergangszeit und nach Intensivierung der Bindung durch erweitere Umgänge zu sich nehmen werde, kann daraus nicht abgeleitet werden, so dass für die Verbleibensanordnung ein Regelungsbedürfnis besteht.


Bei der vorzunehmenden Auslegung der Voraussetzung für die Verbleibensanordnung ist sowohl dem Elternrecht aus Art. 6 Abs. 2 S. 1 GG als auch der Grundrechtsposition des Kindes aus Art. 2 Abs. 1 i. V. mit Art. 1 Abs. 1 GG sowie schließlich auch dem Grundrecht der Pflegefamilie aus Art. 6 Abs. 1 und Abs. 3 Rechnung zu tragen (BVerfG FamRZ 2005, 783). Gleichwohl ist im Rahmen der erforderlichen Abwägung das Wohl des Kindes letztlich entscheidend (BVerfG FamRZ 1999, 1417; BVerfG FamRZ 2005, 783; BVerfG FamRZ 2010, 865).


Eine unbefristete Verbleibensanordnung kommt nicht in Betracht, da durch eine weitere sukzessive Annäherung an den leiblichen Vater und eine damit einhergehende Lockerung des Verhältnisses zu den Pflegeeltem die Herausnahme des Kindes aus seiner Pflegefamilie und der Wechsel in den Haushalt des Vaters ohne Kindeswohlgefährdung in absehbarer Zeit möglich erscheint.
Der Gefährdung des Kindeswohls, die durch eine sofortige Herausnahme des Kindes aus der Pflegefamilie entstehen würde, kann entgegengewirkt werden, indem als milderer Eingriff eine befristete Verbleibensanordnung zugunsten der Pflegefamilie ergeht.

Der Senat hat nach den Ausführungen sämtlicher Beteiligter, insbesondere der Pflegeeltem, der Verfahrensbeiständin und der Vertreterin des Jugendamtes, sowie nach den Gutachten der Sachverständigen Dr. C vom 25.5.2009 und vom 21.3.2011 keine Zweifel, dass S eine feste, sichere und tragfähige Bindung zu seinen Pflegeeltern hat.

S lebt seit seiner Geburt bei den Pflegeeltem. Er ist dort verwurzelt und hat zu den Pflegeeltem und deren Sohn M eine stabile Bindung entwickelt. Die Pflegeeltem sind seine Hauptbezugspersonen. S hat jedoch - dies wurde bereits ausgeführt - auch eine vertrauensvolle und positive Beziehung zu seinem Vater. Dies ist insoweit bemerkenswert, als dieser Beziehungsaufbau - insoweit wird auf die Ausführungen der Gutachterin im Sachverständigengutachten vom 25.5.2009 verweisen - erschwert wurde. Diese Bindung des Kindes an seinen Vater ist letztlich Voraussetzung für den mittelfristig bevorstehenden endgültigen Wechsel des ständigen Aufenthalts in die väterliche Familie.

Ein sofortiger Wechsel von S zu seinem Vater würde jedoch eine abrupte Trennung von den Hauptbezugspersonen bedeuten. Ein solcher Bindungsabbruch zu den Hauptbezugspersonen - dies ist dem Senat aufgrund eigener Sachkunde, die er in anderen Verfahren gewinnen konnte, bekannt, kann bei Kindern im Alter von drei bis vier Jahren zu einem Trennungstrauma mit nachhaltigen psychischen Schäden in der Persönlichkeitsentwicklung des Kindes. Das Sicherheitsgefühl des Kindes würde gravierend gestört, das Vertrauen in die Verlässlichkeit von Bindungen und damit auch das Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl des Kindes elementar erschüttert.

In Hinblick darauf, dass die Beziehung von S zu seinem Vater nicht so gefestigt und tragfähig ist wie die zu den Pflegeeltern, ist mit einer Gefährdung des Kindeswohls bei einer sofortigen Herausnahme des Kindes aus der Pflegefamilie zu rechnen. Dies sieht auch der Vater so, der mehrfach versichert hat, das Kind nicht sofort zu sich nehmen zu wollen

Es ist somit erforderlich, dass die Bindungen zu den Pflegeeltem einerseits aufrechterhalten und andererseits die Bindungen zum Vater vor der endgültigen Übersiedelung intensiviert und verstärkt werden. Dies erfordert einen - bereits jetzt einzuleitenden - schonenden Hinführungsprozess. Dass eine schrittweise Umgewöhnung in derartigen Fällen notwendig ist, hat zum einen die Sachverständige in der mündlichen Verhandlung vor dem Familiengericht am 1.7.2009 ausgeführt. Dem Senat ist im übrigen auch aus anderen Verfahren bekannt, dass ein schrittweiser Wechsel mit zeitweise gleichstarken Bindungen an Pflegeeltem und leibliche Eltern zum Wohle des Kindes möglich ist. Auf die Anforderungen an die Pflegeeltem und den Vater in diesem Zusammenhang wurde bereits hingewiesen.

Um den Wechsel des Kindes in den väterlichen Haushalt vorzubereiten, muss eine verstärkte Annäherung des Kindes an den Vater erfolgen. Dabei sind auch mehrtägige Umgangskontakte und Ferienkontakte sicherzustellen (so BGH NJW 2008, 223). Die Sachverständige hat zur Beziehungsintensivierung zum Vater für den Fall eines beabsichtigten dauerhaften Wechsels die Ausweitung des Umgangs empfohlen, namentlich in Form von mehreren wöchentlichen Umgangskontakten mit Übemachtungsbesuchen.

Dieser Prozess wird durch die nachfolgende Umgangsregelung sichergestellt. Der Senat geht derzeit davon aus, dass der Prozess des Wechsels etwa ein halbes Jahr in Anspruch nehmen wird. Aus ähnlich gelagerten Fällen ist dem Senat bekannt, dass dieses Hinführungsszenario in etwa diese Zeit dauern wird. Insoweit ist die Verbleibensanordnung zu befristen (Palandt/Diederichsen, a.a.O., § 1632 Rz. 16).

Der Senat hält es für angemessen, wenn S zu Beginn des Kindergartenjahres 2012/2013 zum Vater wechselt und dann am Wohnort des Vaters den Kindergarten besucht. Dies ermöglicht ihm, neue Freunde zu finden und mit einem Teil dieser Kinder dann auch eingeschult zu werden.

Der Senat weist darauf hin, dass diese Entscheidung gemäß § 1696 BGB jederzeit abgeändert werden kann, wenn triftige Gründe dies zum Wohle des Kindes erfordern.
Der Senat verkennt nicht, dass sich auch die Pflegeeltem auf eine eigene Grundrechtsposition aus Art. 6 Abs. 1 GG berufen können, da das Pflegeverhältnis bereits seit 13.11.2007, somit über einen längeren Zeitraum besteht und Bindungen zwischen ihnen und S gewachsen sind (zur Grundrechtsposition der Pflegeeltem BVerfG FamRZ 1985, 39; BVerfG FamRZ 1989, 31; BVerfG FamRZ 2010, 865; BGH NJW 2008, 223).
Das Recht der Pflegeeltem aus Art. 6 Abs. 1 und Abs. 3 GG muss jedoch im Zusammenhang mit dem Recht der leiblichen Eltern aus Art. 6 Abs. 2 Satz 1 GG gesehen werden, auf das sich Pflegeeltem nicht berufen können. Für die leiblichen Eltern ist die Trennung von ihrem Kind der stärkste vorstellbare Eingriff in das Elternrecht, der nur bei strikter Wahrung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit mit dem Grundgesetz vereinbar ist (BVerfG FamRZ 1989, 31). Die Stellung der Pflegeeltem ist umso weniger geschützt, als sie sich auf die spätere Herausgabe des Kindes einstellen mussten (BGH NJW 2008, 223).

Im vorliegenden Fall war der Vater von Beginn an nicht mit der Unterbringung des Kindes bei einer Pflegefamilie einverstanden. Dies hatte er in einem Gespräch am 26.10.2007 - noch vor der Geburt des Kindes - dem Jugendamt und den künftigen Pflegeeltern mitgeteilt. Der Vater wollte stets das Kind in seinem Haushalt betreuen und versorgen. Darüber hinaus beantragte der Vater bereits im März 2008 erstmals die Übertragung der elterlichen Sorge auf sich. Für die Pflegeeltem war somit seit Beginn des Pflegeverhältnisses erkennbar, dass der Vater den Wechsel des Kindes in seinen Haushalt nachhaltig anstrebt. Die Pflegeeltern durften somit nicht darauf vertrauen, dass das Pflegeverhältnis auf Dauer angelegt sein wird.

III

Die Umgangskontakte des Vaters mit dem Kind sind mit dem Ziel auszuweiten, dass S im September 2012 zum Vater wechseln und ab dem Kindergartenjahr 2012/2013 einen neuen Kindergarten besuchen kann.

Der Umgang wird - entsprechend den Empfehlungen der Sachverständigen für ähnlich gelagerte Fälle - stufenweise ausgedehnt. Dem Senat ist aus zahlreichen Umgangsverfahren bekannt, dass zur Intensivierung der Kontakte zu einem Elternteil eine sukzessive Ausdehnung des Umgangs zum Wohle des Kindes angezeigt ist. Dabei darf ein Kind nicht überfordert werden. Ihm müssen die Bindungen zu seinen bisherigen Hauptbezugspersonen erhalten bleiben; gleichzeitig müssen die Bindungen zum Vater qualitativ verbessert und insgesamt gefördert werden.

Zunächst wird das Ziel verfolgt, Ubemachtungsumgänge an den Wochenenden zu ermöglichen. In Hinblick darauf, dass S bisher nur einen Tag in der Woche, am Samstag für 6 Stunden, bei seinem Vater verbracht hat, soll in den ersten Wochen an einem zusätzlichen Tag, namentlich am Sonntag, Umgang stattfinden. In Hinblick darauf, dass S noch nie auswärts übernachtet hat, könnten ihn sofortige Wochenendumgänge einschließlich Übernachtungen überfordem.

Übernachtungen können angeordnet werden, wenn zwischen dem Kind und dem Umgangsberechtigten eine innige und vertrauensvolle Bindung besteht (vgl. Johannsen/Henrich, a.a.O., § 1684 Rz. 26). Durch die zweitägigen Umgänge sollen die Übernachtungen des Kindes beim Vater behutsam angebahnt und dann ab Mai 2012 regelmäßig durchgeführt werden. Dadurch soll es S ermöglicht werden, seine Beziehung zum Vater zu intensivieren und den Aufbau einer familiären Beziehung zum Vater zu erleichtern.

Der Anordnung der Übernachtungen steht nicht entgegen, dass S im Rahmen der Anhörung durch den Senat am 25.1.2012 die Frage, ob er gern bei seinem Vater übernachten wolle, verneint hat. In Hinblick darauf, dass S bisher nie auswärts übernachtet hat, konnte er bisher keine eigenen Vorstellungen oder Erfahrungen entwickeln. Ungeachtet dessen ist der Wille des 4-jährigen Kindes nicht allein als zuverlässige Entscheidungsgrundlage anzusehen und kann nicht als eigenständige Selbstbestimmung angenommen werden (Johannsen/Henrich, a.a.O., § 1671 Rz. 81 a.E.). Der Senat, der S als offenen und kontaktfreudigen Jungen erlebt hat, geht davon aus, dass sich das Kind auf die Übernachtungen bei seinem Vater in einer für ihn - mittlerweile vertrauten Umgebung - einlassen kann.

Diese Übernachtungen werden in den Pfingstferien auf drei bzw. vier Tage ausgedehnt. Ab 15.6.2012 erfolgen sodann regelmäßige wöchentliche Umgänge von Freitagnachmittag bis Sonntag und ab Juli sodann von Donnerstagnachmittag bis Sonntag. Außerdem wird in den Sommerferien ein Ferienumgang in der Zeit vom 9.8.2012 bis 19.8.2012 vorgesehen.

Diese Umgangsregelungen sind so gefasst, dass S sich einerseits bestmöglich auf seinen Vater und dessen Familie einstellen kann, andererseits aber eine sichere Bindung und zunächst den Lebensmittelpunkt bei seinen Pflegeeltern behält. Andererseits sind die Regelungen einfach und klar gefasst, so dass ein reibungsloser Ablauf des Umgangs die Gefahr möglicher Konflikte zwischen den Pflegeeltem und dem Vater ganz erheblich reduziert.

Der Senat ist davon überzeugt, dass sowohl die Pflegeeltem als auch der Vater dieses Übergangszenario für das Kind so verträglich wie nur möglich gestalten und alles unterlassen werden, was nur im geringsten Maß die Wertschätzung der jeweils andere Seite in Frage stellen und das Kind verunsichern könnte.

Der Senat regt ausdrücklich an, dass die Beteiligten die Unterstützung des Jugendamtes und gegebenenfalls weitere fachliche Beratung sowie Hilfe in Anspruch nehmen. Für den Fall, dass sich einzelne Umgangsanordnung aufgrund besonderer beruflicher oder persönlicher Erfordernisse als nicht praktikabel erweisen, sollten die Beteiligen einvemehmlich eine den Interessen aller gerecht werdende Regelung finden und Probleme gemeinsam lösen. In diesem Zusammenhang entspräche es dem Wohl des Kindes, nahtlos ab 1.9.2012 regelmäßige Umgangskontakte der Pflegeeltem mit S einerseits und der Mutter mit S andererseits abzusprechen.

IV.

Die Kostenentscheidung folgt aus § 81 Abs. 1 Satz 1 und Satz 2 FamFG.

Die Festsetzung des Verfahrenswerts beruht auf § 45 Abs. 1 Nr. 1 und Nr. 2 in Verbindung mit Abs. 3 FamGKG.

Die Rechtsbeschwerde wird nicht zugelassen, § 70 FamFG.

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