Sie haben mir dreimal Haus und Existenz umgeworfen, mich von jedem Einstigen und Vergangenen gelöst und mit ihrer dramatischen Vehemenz ins Leere geschleudert, in das mir schon wohlbekannte „Ich weiß nicht wohin“. Aber ich beklage mich nicht; gerade der Heimatlose wird in einem neuen Sinne frei, und nur der mit nichts Verbundene braucht auf nichts mehr Rücksicht zu nehmen. So hoffe ich wenigstens eine Hauptbedingung jeder rechtschaffenen Zeitdarstellung erfüllen zu können: Aufrichtigkeit und Unbefangenheit.

Quelle: Stefan Zweig, Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers, Anaconda Verlag 2013, S. 9f.

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Samstag, 8. März 2014

Fachtag für Träger der Jugendhilfe: Zurück in die eigene Familie

Ahlen - 
Es ist immer besser, wenn Kinder in der eigenen Familie aufwachsen können. Deswegen beschäftigt sich das Jugendamt gemeinsam mit anderen Trägern der Jugendhilfe mit Konzepten für einen strukturierten Rückkehrprozess von Kindern aus Pflegefamilien oder Heimerziehung.

Wie in Erziehungseinrichtungen lebende Kinder und Jugendliche wieder erfolgreich in ihre Familien integriert werden können, berieten am Donnerstag Fachleute freier und stationärer Träger im Rathaus. Die Stadt Ahlen hatte als eine von vier Modellkommunen in NRW an einem zweijährigen Modellprojekt des Landesjugendamtes Westfalen-Lippe teilgenommen. Bürgermeister Benedikt Ruhmöller begrüßte im Ratssaal die rund 50 Teilnehmer, denen die Ergebnisse vorgestellt wurden.
Dabei zollte er dem Ahlener Jugendamt Anerkennung. „Die Kolleginnen und Kollegen beteiligen sich immer wieder an anspruchsvollen Projekten, die die Jugendhilfe insgesamt weiterbringen“, so der Bürgermeister. Ziel dieses Projektes sei es gewesen, örtliche Konzepte des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD) und der freien Träger für einen strukturierten Rückkehrprozess von Kindern aus Pflegefamilien oder Heimerziehung in ihre Familien zu entwickeln, erklärte Ute Gallasch-Meyer, ASD-Gruppenleiterin im Fachbereich Jugend und Soziales. Vor Ort seien mit fünf freien Trägern der ambulanten Erziehungshilfe und einem außerörtlichen Träger der stationären Erziehungshilfe Ideen erarbeitet worden, wie die Rückkehr in die Herkunftsfamilie planvoll vorbereitet werden kann.
Viele Argumente sprächen dafür, die Anzahl von Kindern und Jugendlichen in Heimen zu senken. „Zum einen wollen wir es Kindern ermöglichen, in ihrem eigenen Familiensystem aufzuwachsen, zum anderen ist aber auch mittelfristig mit finanziellen Einspareffekten zu rechnen“, so Gallasch-Meyer. Der Aufwand für die „professionelle Rückführung“ sei zwar anfangs höher, da mehr Zeit- und Personalressourcen erforderlich werden, am Ende mache sich der Prozess aber für alle Beteiligten bezahlt. Mit den Trägern müsse intensiv Hand in Hand gearbeitet werden.
Wissenschaftlich begleitet und koordiniert wurde das Projekt von Prof. Dr. Klaus Wolf und Andrea Dittmann von der Universität Siegen. Die Rückführung müsse gezielt bei der häuslichen Umgebung ansetzen: „Die Eltern müssen geschult werden, damit sich wieder ein gedeihliches Miteinander zu Hause bilden kann.“

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