Donnerstag, 24. April 2014

Jugendamt Landkreis Oder Spree: Veruntreut und verprasst

Fast eine viertel Millionen Euro soll eine ehemalige Sachbearbeiterin im Jugendamt des Landkreises Oder-Spree veruntreut und verprasst haben. Am Donnerstag musste sie sich dafür vor dem Fürstenwalder Amtsgericht verantworten.
Drei Jahre wird Carola M.* im Gefängnis verbringen müssen, sobald das Urteil rechtskräftig geworden ist. Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Elke Reiner bescheinigte der Angeklagten eine "große Akribie und hohe kriminelle Energie". Die ehemalige Sachbearbeiterin bei der Unterhaltsvorschusskasse des Jugendamtes hatte seit September 2006 die fiktiven Daten von 31 Kindern im Computersystem des Landkreises erfasst und sich den bewilligten Unterhaltsvorschuss auf ihre eigens dafür angelegten Privatkonten auszahlen lassen. Der Schaden, den sie dem Landkreis zufügte, beläuft sich auf mehr als 230 000 Euro.
Aufgeflogen war der Betrug erst im Mai 2011, als eine neue Sachgebietsleiterin Unregelmäßigkeiten bei den Fällen von Carola M. bemerkte und eine Überprüfung veranlasste. Dabei fielen verschiedene Manipulationen auf. So hatte Carola M. mehrfach die Geburtsdaten von Kindern geändert, sobald diese zwölf Jahre alt geworden und ihr Unterhaltsanspruch damit erloschen wäre. Zudem tauchten immer wieder die gleichen zwei Bankverbindungen für die Auszahlungen auf. Das Landeskriminalamt stellte später fest, dass die Kontoinhaberin Carola M. war. Die gab im Gespräch mit ihrem Arbeitgeber alles zu und wurde im Juni 2011 fristlos entlassen. Seitdem läuft das Strafverfahren.
Auch im Prozess war die Angeklagte von Anfang an geständig. "Wie kamen Sie überhaupt auf die Idee? Was war der Auslöser", wollte Richterin Elke Reiner wissen. "Ich hatte private Probleme und Probleme auf der Arbeit", berichtete die heute 33-jährige Carola M. unter Tränen. Nie habe sie sich beachtet und anerkannt gefühlt. Erfolgserlebnisse hatte sie nur beim Einkaufen. "Irgendwann hat mein Einkommen nicht mehr ausgereicht." Da habe sie den ersten Fall angelegt. "Es hat funktioniert und so ist es über die Jahre immer mehr geworden", so die blasse, dunkelhaarige Frau.An manchen Tagen habe sie ganze Familien mit zwei oder drei Kindern erfunden. Gelegen kam ihr dabei, dass weder ein Kontoinhaber namentlich eingetragen werden musste, noch dass irgendjemand die Auszahlungsanweisungen der Sachbearbeiterin kontrollierte. Ein "Vier-Augen-Prinzip" zur Kontrolle wurde erst nach dem Vorfall eingeführt, bestätigten Zeugen vor Gericht.
Das Geld - monatlich immerhin 4000 bis 5000 Euro - habe sie ausgegeben. Für Kleidung, Kosmetik und Geschenke; große Anschaffungen, wie etwa ein Auto oder Möbel seien nicht dabei gewesen. Das Geld, das für Kinder bestimmt war, die es dringen nötig haben, sei "sinnlos verprasst" worden, sagte Elke Reiner in der Urteilsbegründung. Ein psychiatrisches Gutachten bescheinigte der Angeklagten zwar chronisch depressive Symptome, insgesamt sei sie jedoch voll schuldfähig. Strafmildernd wirkte sich lediglich das Geständnis aus, das laut Richterin von Unrechtsbewusstsein und Reue zeuge.

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