Montag, 14. April 2014

Jugendämter stehen vor dem Kollaps

Wie eine intensive Betreuung von Familien aussieht, die in großen Schwierigkeiten stecken, darüber hat Barbara Berry schon lange nicht mehr nachdenken können. Dafür weiß sie genau, was in den Akten der Familien steht, die sie mehr oder weniger nur noch »verwaltet«. Seit über 20 Jahren ist Barbara Berry Sozialarbeiterin, mittlerweile arbeitet sie im Jugendamt Mitte, Bereich RSD, Regionaler Sozialpädagogischer Dienst. Beim RSD landen die riskanten Fälle. Familien, in denen Kinder akut von Gewalt oder Vernachlässigung bedroht sind, ein Elternteil drogenabhängig oder psychisch krank ist.
Momentan bearbeitet Berry 80 Fälle, in den meisten leben zwei oder drei Kinder, in einigen aber auch bis zu acht. In sechs dieser Familien gehört häusliche Gewalt zum Alltag, ein Fall von Kindesentführung ist dabei, außerdem einige Gerichtsfälle, bei denen sie neben der Betreuung noch Stellungnahmen und Gutachten für die Richter schreibt. Oft muss sie für kranke Kollegen einspringen und hat dann noch einmal 20 zusätzliche Fälle auf dem Tisch. In zwei der Akten auf ihrem Schreibtisch hat Barbara Berry noch nie einen intensiven Blick geworfen. Dafür war bisher keine Zeit in ihrer 35-Stundenwoche. »Wir können mittlerweile selbst die Standards in der Jugendarbeit nicht mehr gewährleisten«, ergänzt Heike Schlizio-Jahnke, die ebenfalls im Jugendamt Mitte arbeitet. Mit einer Vollzeitstelle bleiben pro Monat gerade einmal 1,5 Stunden pro Familie, hat ihre Kollegin, die Sozialpädagogin Katrin Laaß, einmal ausgerechnet.
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Es gebe vielfach nur Berufsanfänger und die völlig überarbeiteten Kollegen mit langer Berufserfahrung. Im Bezirksamt Mitte müssten laut Stellenplan elf Stellen besetzt sein, tatsächlich sind es acht und eine halbe. Viele Berufsanfänger halten den Job nicht lange durch und bewerben sich weg, auch, weil das Einstiegsgehalt mit 1400 Euro netto vielen zu gering ist.
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Es fehlten die Gelder. Eigentlich sollten mit dem neuen Haushalt 2014/15 rund elf Millionen Euro zusätzlich in die Kinder- und Jugendarbeit investiert werden. Das blieb aus.
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