Dienstag, 22. April 2014

Schulverweigerung: „Ich wäre lieber tot, als da hin zu müssen“

von Beate Kopmann
Das geht seit der ersten Klasse so. Inzwischen ist der Junge, der in Wirklichkeit anders heißt, auf einem Gymnasium im Kreis Warendorf angemeldet. Aber er hat nicht die Absicht, dort zum Unterricht zu erscheinen. Weder die Eltern noch das Jugendamt des Kreises Warendorf vermochten bislang irgendetwas zu tun, um den Jungen umzustimmen.
Bereits im ersten Schuljahr fehlte der Junge aus Ennigerloh an über 40 Tagen, 2010 meldeten ihn seine Eltern schließlich von der Schule ab. In den nächsten Jahren besuchte der Junge zwei weitere Grundschulen, an denen er nur wenige Tage blieb. Ein Versuch, das Kind durch Lehrer zu Hause zu beschulen, um eine Wiedereingliederung in eine Schule vorzubereiten, scheiterte. Deswegen wird der Elfjährige im Moment von seiner Mutter, einer Informatikerin, unterrichtet.
Im Juni 2013 hatte das Oberlandesgericht Hamm entschieden, dass der Junge nach den Sommerferien wieder zur Schule gehen muss. Gegen diesen Beschluss hatten die Eltern Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht eingelegt. Siebeneinhalb Monate später kam jetzt Antwort aus Karlsruhe. Die Verfassungsbeschwerde der Eltern wurde nicht angenommen. Ohne jede Begründung.
„Nach so langer Zeit hatten wir uns schon Hoffnung gemacht, dass sich in der Sache etwas bewegen könnte“, sagte die enttäuschte Mutter. Aufgeben wollen die Eltern von Jonas aber noch nicht.
Jonas‘ Mutter leidet auch darunter, dass Gerichte und Behörden immer wieder unterstellt haben, der Junge gehe nicht zur Schule, weil die Familie ihn blockiere. „Das stimmt nicht“, betont die 50-Jährige. Sie verweist unter anderem darauf, dass die älteren fünf Geschwister ohne Probleme zur Schule gegangen seien. Und Jonas verweigere sich einfach. Einmal habe er gesagt: „Mama, ich wäre lieber tot, als da hin zu müssen.“
Das Oberlandesgericht Hamm hatte den Eltern das Recht zur Regelung der schulischen Angelegenheiten und auch die Gesundheitsfürsorge entzogen und diese dem Jugendamt übertragen. Der dort eingesetzte Pfleger erreichte aber auch nicht, dass Jonas zur Schule ging. Jugendamtsleiter Wolfgang Rüting hat ebenso keine Patentlösung: „Wir können den Jungen ja nicht mit brachialer Gewalt zur Schule bringen.“ Allerdings bleibt das Jugendamt skeptisch. „Die Eltern haben nicht den Mut und die Zuversicht, neue Wege zu gehen“, meint der Jugendamtsleiter. Er habe aber schon den Eindruck, dass die Familie fürsorglich mit dem Kind umgehe. Denn das ist das andere Problem: „Jonas weiß, dass er eventuell aus der Familie genommen werden kann. Und darunter leidet er natürlich“, sagt die Mutter.
Dabei hatte ein vom Gericht eingesetzter Gutachter festgestellt, dass der Junge einen altersgemäßen Wissensstand hat. Er ist eher überdurchschnittlich begabt und nach Aussage seiner Mutter „hochsensibel und gleichzeitig ein sehr freier Geist, der sich schnell eingeengt fühlt.“
Die Mutter will deswegen vor dem Europäischen Menschenrechtshof klären lassen, ob im Fall von Jonas das Kindeswohl nicht stärker berücksichtigt werden müsste als die Schulpflicht.
Wäre die Familie von Jonas nämlich im Ausland oder würden die Eltern beim Zirkus oder auf der Kirmes arbeiten, wäre der Unterricht zu Hause gar kein Problem.

P.S. Genau das ist Leonie auch. Es hat einige Zeit gebraucht, bis eine Schule gefunden war in der sie sich wohl fühlte. Aus ihrem gewohnten Lebensumfeld herausgerissen und jeden sozialen Kontakt verwehrend, lebt sie nun völlig isoliert. Dank der deutschen Jugendämter und Gerichte geht sie nun auf eine Schule, die weder ihr noch ihrem Wesen in irgendeiner Art und Weise gerecht wird. Da können sich die Herrschaften Kathleen Wichmann, Krausser, Czyske, Waschke-Peter, Rohrbach-Rödding usw. doch wirklich auf die Schultern klopfen? Aber das machen sie ja immer so - Familien zerstören und Kindern ihre Zukunft rauben.

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