Freitag, 6. Juni 2014

Dortmund: Junge in Wohngruppe geschlagen - niemand glaubte ihm


Der Schützling eines Dortmunder Jugendhilfe-Zentrums war über ein halbes Jahr Handgreiflichkeiten ausgesetzt. Nicht in dem St.-Vincenz-Zentrum selbst, sondern in einer Partner-Einrichtung im Allgäu - doch seine Hilferufe wurden ignoriert. Die Chronologie einer monatelangen Leidensgeschichte.

14. Oktober 2013:
Der Junge aus Arnsberg kommt in die Obhut des Dortmunder St.-Vincenz-Jugendhilfe-Zentrums an der Oesterholzstraße. Das Zentrum gibt ihnin Absprache mit dem Jugendamt Arnsbergzur intensivpädagogischen Betreuung in eine Einrichtung mit sechs Plätzen im Allgäu. Auch das Dortmunder Jugendamt gibt immer wieder Jugendliche in diese Lebensgemeinschaft.

November 2013
In einem sogenannten Hilfeplangespräch erzählt der Junge, dass er geschlagen worden sei.An dem Gespräch nimmt aus Dortmund die Koordinatorin des Vincenz-Jugendhilfe-Zentrums teil. Dem Jungen wird nicht geglaubt. Wenig später kommt ein handschriftliches Fax im Vincenz-Zentrum an, in dem der die Vorwürfe widerruft. Erst später stellt sich heraus, dass er vom Leiter der Allgäuer Einrichtung gezwungen wurde, den Brief zu schreiben.

bis Mai 2014:
Der Zwölfjährige wird in der Einrichtung weiter drangsaliert, im Winter barfuß vor die Tür in den Schnee geschickt, und hat ohne Erklärung eine Beule.Ein ehemaliger und drei aktuelle Mitarbeiter der Einrichtung wenden sich im Mai an das Dortmunder St.-Vincenz-Jugendhilfe-Zentrum.Sie berichten über Handgreiflichkeiten des Einrichtungsleiters gegenüber zwei Jugendlichen und bestätigen die Erzählungen des Zwölfjährigen. So teilt es auf Anfrage dieser Redaktion die Regierung von Schwaben als Heimaufsicht im Nachhinein mit.

22. Mai 2014:
Der Zwölfjährige und zwei weitere Jugendliche aus NRW werden vom Vincenz-Jugendhilfe-Zentrum aus der Einrichtung genommen. Bis zur endgültigen Klärung der Vorwürfe darf die Einrichtung keine neuen Kinder aufnehmen, der beschuldigte Leiter ist vom Dienst freigestellt. Der Junge kommt wieder in seine Diagnose-Gruppe in Neheim-Hüsten. Seine Mutter sagt: "Er kommt nirgendwo an."

So geht es weiter:
Man hätte den Jungen nach seinen ersten Äußerungen aus der Einrichtung nehmen müssen, um dann die Vorwürfe zu klären, kritisieren Fachleute aus dem Umfeld des Dortmunder Jugendhilfe-Zentrums. Sie haben eine Vermutung, warum das nicht sofort mit der notwendigen Konsequenz geschehen sei. Beim St. Vincenz-Jugendhilfe-Zentrum habe es Pläne gegeben, als Gesellschafter in die Einrichtung im Allgäu einzusteigen. Erst im Februar habe die Geschäftsführung das ad acta gelegt. Für diese Zeitung war der Geschäftsführer des Jugendhilfe-Zentrums nicht erreichbar.

Der zuständige Abteilungsleiter Markus Welsch sagte, "solchen Vorwürfen gehen wir ganz genau nach", doch sie seien damals im November "nicht nachvollziehbar" gewesen. Zudem habe man die "Fallverantwortlichkeit" im Mai an das zuständige Jugendamt abgegeben und die Regierung in Schwaben als betriebserteilende Behörde informiert. "Das ist geklärt."Ein heute 17-jähiger Jugendlicher ist seit Februar 2010 von der Stadt Dortmund in der Einrichtung im Allgäu untergebracht. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe hat das Jugendamt ihm eine andere Unterbringung angeboten - er hat abgelehnt.

Gaby Kolle

http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/junge-in-wohngruppe-geschlagen-niemand-glaubte-ihm-id9434746.html


P.S. Alltag in deutschen Jugendhilfeeinrichtungen. Leonie wurde auch geschlagen. Die Aussage liegt mir schriftlich hier vor!

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