Donnerstag, 5. Juni 2014

Hamburg: ASD-Chef Stein: „Das Jugendamt ist nicht arbeitsfähig!“

Mit dieser besonnen vorgetragenen Abrechnung hatten die Politiker im Parlamentarischen Untersuchungs-Ausschuss (PUA) zum Tod der kleinenYagmur (✝3) nicht gerechnet. „Unser ASD ist so nicht arbeitsfähig“, bilanzierte Matthias Stein (38). Der Sozialpädagoge muss es wissen: Er ist der Leiter des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD) im Bezirk Eimsbüttel. „Wir brauchen eine radikale Wende“, appelliert er und spricht vom „Super-GAU“, weil derzeit die Papierakten durch rein elektronische Akten im umstrittenen JUS-IT-Programm ersetzt werden.
Das Wort JUS-IT kam dem ASD-Leiter noch oft über die Lippen. Dabei handelt es sich um eine 133 Millionen Euro teure Software für die Jugendämter, an der die Mitarbeiter seit einiger Zeit regelrecht verzweifeln. „Sie ist sperrig, zeitaufwendig und realitätsfern“, so Stein, der erst zu Jahresbeginn vom Mitarbeiter zum Chef des ASD aufstieg. Keiner habe die nötige Zeit dafür. „Derzeit arbeiten wir für JUS-IT, dabei sollten wir unsere Zeit in den Familien verbringen.“ Doch mittlerweile wüssten alle anderen Beteiligten mehr über die Lage der vom Amt betreuten Kinder als die zuständigen Kollegen.
Ein ganz großes Problem sei zudem die hohe Fluktuation. Innerhalb von nur drei Jahren haben 15 ASD-Kollegen aufgehört oder gewechselt – dabei arbeiten in der Abteilung nur 16 Personen. Wie man das ändern könne, wollte der Ausschuss-Vorsitzende wissen. „Man könnte ja die Kinderschutz-Koordinatoren der Bezirke und die Jugendhilfe-Inspektoren der Sozialbehörde einsetzen“, so Stein. Da mussten die Politiker schlucken! Beide Funktionen wurden zum Kinderschutz eingeführt, nachdem Jessica (✝5) aus Jenfeld und Chantal (✝11) aus Wilhelmsburg gestorben waren. Von Praktikern werden sie offenbar als überflüssig empfunden.
„Die Belastung hat sich weiter zugespitzt“, resümierte Stein. Er habe auch Senator Scheele darauf angesprochen. „Er hat gut reagiert. Doch er nimmt die hier geschilderte Dramatik so nicht ernst.“ san
Die kleine Yagmur (✝3).
Die kleine Yagmur (✝3).
Foto: Ruega
Yagmur war seit ihrer Geburt von Jugendämtern betreut worden. Dennoch starb sie Ende 2013 an den Folgen eines Leberrisses. Ihre Eltern müssen Ihre Eltern müssen sich deshalb vom 11. Juni an vor dem Landgericht Hamburg verantworten.

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