Dienstag, 17. Juni 2014

Jugendamt Stuttgart - Eine Mutter streitet um ihr Baby

Melanie Damme (Namen geändert) zeigt Handybilder ihrer Tochter Sophie. Ein Baby mit Pausbäckchen strahlt einen darauf an. „Sehen Sie, wie süß sie lacht und wie hübsch sie ist?“ Die 27-Jährige wischt sich die Augen. Sophie lebt nicht mehr bei ihr. Seit dem 22. Mai kümmert sich eine Pflegefamilie um das fünf Monate alte Baby. Zweimal die Woche darf sie ihr Kind für eine Stunde unter Aufsicht sehen. Melanie Damme versteht seither die Welt nicht mehr. Sie hat Angst, ihre Tochter für immer zu verlieren. Das Eilverfahren vor dem Familiengericht hat sie verloren. Das Aufenthaltsbestimmungsrecht liegt beim Jugendamt.
Um einzuordnen, was passiert ist, muss man die Vorgeschichte in diesem Fall kennen. Melanie Damme war drogenabhängig und ist in einem Methadonprogramm. Wie ihr behandelnder Arzt bestätigt, ist sie seit vier Jahren stabil, sie hat in dieser Zeit auch ihren Hauptschulabschluss nachgeholt. Im Dezember kam Sophie auf die Welt. Der Vater ist nicht aus der Drogenszene. Das Paar hat sich aber wieder getrennt.
Hilfen werden heruntergefahren
Drei Monate lang war das Mädchen im Olgahospital, um vom Methadon zu entziehen, dann kamen Mutter und Tochter nach Hause. Fünfmal die Woche hatte Melanie Damme Besuch von einer Kinderkrankenschwester und einer Familienhelferin. „Alle haben gesagt, wie super ich das mache“, sagt Melanie Damme, die beim Gespräch von ihrer Mutter Kathrin, ihrer Anwältin und Sophies Vater begleitet wird. Auch ihr Arzt, der Suchtmediziner Albrecht Ulmer, bestätigt am Telefon, eine E-Mail der Kinderkrankenschwester gelesen zu haben, in der seine Patientin gelobt wurde. Weil es so gut lief, seien am 8. Mai die Hilfen vom Jugendamt runtergefahren worden – auf zweimal die Woche.
Zehn Tage später passierte, was Melanie Damme und ihre Rechtsanwältin „den Vorfall“ nennen. Ein Passant rief die Polizei, weil er sah, auf welche Art Melanie Damme den Kinderwagen bewegte. Sie habe den Wagen mit den Händen stark vibriert, erzählt sie. Als Folge des Entzugs habe ihr Baby Einschlafprobleme, die Vibration helfe.
Die Polizeibeamten gaben Folgendes zu Protokoll: Passanten hätten beobachtet, wie die Mutter den Kinderwagen „mehr als üblich“ schüttelte. Bei der Kontrolle hätte der Vater das Kind auf dem Arm gehabt. Die Mutter habe berichtet, dass sie das Kind immer so schaukele, damit es einschlafe. „Das kleine Kind machte einen normalen Eindruck und lachte mit den vorbeikommenden Passanten“, steht im Bericht. „Besonderheiten im Verhalten konnten vor Ort nicht festgestellt werden.“ Der Bericht ging nach Angaben eines Polizeisprechers zur Kenntnis ans Jugenddezernat. Eine Anzeige sei nicht gestellt worden.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen