Dienstag, 17. Juni 2014

Schleswig: TOTGESCHÜTTELTES BABY - Jugendamt - Keine Rede von Kindeswohl-Gefährdung



Im Februar 2012 drang nichts an die Öffentlichkeit vom Tod des zwei Monate alten Luca (Name geändert). Das hat sich erst in dieser Woche geändert, seit das Flensburger Landgericht die Anklage gegen des 30-jährigen Vater verhandelt, der Luca zu Tode geschüttelt haben soll.
Auch im Jugendamt war die Familie damals kein Thema. Das erklärt am Freitag Andreas Wellenstein, Dezernent für Jugend und Familie beim Kreis Schleswig-Flensburg, gegenüber dem sh:z. Die Hebamme, die Luca und seine Eltern in den Wochen nach der Geburt betreute, hatte als Zeugin vor Gericht von einer „sehr, sehr anstrengenden häuslichen Situation“ berichtet. Sie hatte sich an mehrere Institutionen gewandt, die überforderten Eltern helfen. Darunter war auch die für solche Fälle geschulte Familien-Hebamme, die im Auftrag des Jugendamtes arbeitete. Das entscheidende Wort „Kindeswohl-Gefährdung“ fiel dabei aber offenbar nicht. „Sonst hätten wir sofort gehandelt“, sagt Wellenstein und fügt hinzu: „Wir haben das jetzt noch einmal nachgeprüft. Es gab damals keinen entsprechenden Aktenvermerk.“
Ohnehin waren offenbar nicht alle, die mit der jungen Familie zu tun hatten, so besorgt wie die Hebamme. Der gesetzliche Betreuer, der dem Vater zur Seite stand, sah das Kind in der Wohnung in St. Jürgen auch deshalb gut aufgehoben, weil die Eltern der Mutter regelmäßig nach ihrem Enkelkind gesehen hätten. Tatsächlich machte der kleine Luca keinen verwahrlosten Eindruck, als er mit den schließlich tödlichen Hirnblutungen ins Krankenhaus eingeliefert wurde.
Die besonders ausgebildete Familien-Hebamme hatte seinerzeit offenbar auf Monate hinaus keine freien Kapazitäten. Das hat sich inzwischen etwas geändert. „Die Situation ist immer noch angespannt, aber nicht mehr so dramatisch wie 2012“, sagt Ute Jacobsen, Beraterin beim Diakonischen Werk des Kirchenkreises. Inzwischen gibt es beim Kreis zwei fest angestellte Familien-Hebammen und eine weitere beim Flensburger Verein „Schutzengel“, der seit einiger Zeit eine Zweigstelle in Schleswig am Husumer Baum betreibt.
„Es ist für die betroffenen Eltern wichtig zu wissen, dass die Familienhebammen Hilfe anbieten, dass es nicht darum geht, ihnen ihr Kind wegzunehmen“, sagt Wellenstein. Als letzter Ausweg bleibt aber auch das eine Option. Die Mutter des kleinen Luca hat inzwischen ein zweites Kind bekommen. Weil sie damit offenbar überfordert war, lebte sie zunächst in einem Mutter-Kind-Haus mit intensiver Betreuung. Derzeit sei das Kind in einer Pflegefamilie untergekommen, sagt Wellenstein.

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