Donnerstag, 3. Juli 2014

Erneut Razzia bei "Zwölf Stämme": "Man will uns vernichten"

Wieder Razzia bei den "Zwölf Stämmen": Am Dienstag wurden erneut Räume der Sekte unweit des schwäbischen Deiningen durchsucht. Die Beamten wollten zwei Mädchen abholen, die bereits vor einigen Monaten aus einem Jugendheim flohen - gefunden wurden sie dort allerdings nicht. "Zwölf Stämme" selbst erhebt derweil schwere Vorwürfe gegen Jugendamt und Polizei.

Dutzende Polizeibeamte und Mitarbeiter des Jugendamtes durchsuchten am Dienstag Räume der Sekte "Zwölf Stämme". Nach Angaben des Landratsamtes Donauwörth wollten die Beamten zwei Mädchen abholen, die bereits vor einigen Monaten aus zwei Jugendheimen geflohen waren. Die elf und zwölf Jahre alten Kinder seien bei dem Polizeieinsatz aber nicht gefunden worden.
Es ist bereits die dritte Razzia binnen weniger Wochen. Im vergangenen September hatte die Polizeiwegen Prügelvorwürfen rund 40 Kinder aus der Gemeinschaften der "Zwölf Stämme" im schwäbischen Klosterzimmern bei Deiningen und in Wörnitz in Mittelfranken geholt. Seitdem gab es zahlreiche Verfahren bei Familiengerichten in Nördlingen und Ansbach, denn viele der Eltern wehrten sich gegen die Unterbringung ihrer Kinder in Pflegefamilien und Heimen.
Im Fall der beiden verschwundenen Mädchen will das Jugendamt nun über das weitere Vorgehen beraten. Ein Psychologe hatte in einem Gerichtsgutachten zuvor abgelehnt, die Kinder bei den Eltern zu lassen.
Die Sekte selbst erhebt in ihrem Blog derweil Kritik gegen Polizei und Jugendamt. "Was das Jugendamt mit unseren Kindern macht ist Misshandlung und gegen das Kindeswohl", heißt es dort. Mehrere Kindern beschrieben ihre Zeit unter der Obhut des Jugendamtes demnach als "Albtraum" mit jeder Menge "Gewalt und Angst". Auch die Razzien selbst kritisiert die Sekte: "Das ganze Verfahren folgt einer durchdachten Strategie mit einem einzigen Ziel und zwar die Zwölf Stämme Gemeinschaften in Klosterzimmern und Wörnitz zu vernichten."
Insgesamt ist das Jugendamt Donau-Ries für insgesamt 22 Kinder und Jugendliche der Glaubensgemeinschaft verantwortlich. Die umstrittene Sekte sorgt immer wieder für Schlagzeilen, soll Kinder mit Gewalt und Rutenschlägen züchtigen. Auch staatliche Schulen halten Glaubensmitglieder für den falschen Weg - und betrieben mehrere Jahre lang eine eigene Einrichtung mit der Erlaubnis des bayerischen Kultusministeriums. Die wurde der Sekte allerdings im vergangenen Jahr entzogen. 
tl, dpa
P.S. Das ist nicht nur für diese Kinder ein Albtraum. Aber alles wie immer, ein Gutachten auf Bestellung und 100 Polizeibeamte rücken an...

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