Samstag, 26. Juli 2014

Vertrauen entsteht vom ersten Tag an - ohne stabile Bindung geht gar nichts

Urvertrauen ist der Grundstein für eine gesunde psychologische Entwicklung. Ein Mensch wird nicht mit Vertrauensseligkeit oder mit Vertrauensbereitschaft geboren, doch unser Gehirn kann lernen. Das Fundament für eine stabile, selbstbewusste Persönlichkeit wird zu einem großen Teil in den ersten Monaten und Jahren gelegt.






Für das Entstehen von Vertrauen und Einfühlungsvermögen sind die so genannten Spiegelzellen verantwortlich. Mit ihnen sind wir schon bei der Geburt ausgestattet, sie entwickeln sich jedoch nur, wenn wir eine Bindung zu einer Bezugsperson aufbauen. Erst dadurch wird das Vertrauenshormon Oxytoxin ausgeschüttet. Erfahren Neugeborene keine kontinuierliche Nähe, wird wiederum vermehrt das Stresshormon Cortisol ausgeschüttet, das die Vernetzung der Nervenzellen im Gehirn verhindert.


Menschen, die bereits ein gesundes Urvertrauen entwickelt haben, sind belastbarer als andere. Ihr Gehirn verfügt über eine Art Selbstschutzmechnismus, der mit außergewöhlichen Situationen umzugehen weiß. Die vorhandene Vertrauensfähigkeit verhindert die vermehrte Ausschüttung von Stresshormonen. Sie können Vertrauenbrüche besser verarbeiten, aus schlechten Erfahrungen lernen und neues Vertrauen aufbauen. 

Man geht davon aus, dass Vertrauen auch zu einem späteren Zeitpunkt noch erlernt werden kann. Das Gehirn verändert sich mit der Summe positiver Erfahrungen, neue Nervenzellen entstehen, die das Verhalten beinflussen. Inwieweit frühkindliche Störungen behoben werden können, hängt von der Dauer der körperlichen und seelischen Traumatisierung ab.


Für Säuglinge sind Vernachlässigung und mangelnde Zuwendung traumatische Erlebnisse. Auch Erwachsene können in Extremsituationen geraten, die unser Gehirn als bedrohlich bewertet. Alle Angsterfahrungen werden im Gehirn gespeichert. Sie sind in unserem Unterbewusstsein verankert, auch wenn wir uns nicht erinnern. Verantwortlich dafür ist der Teil im Gehirn, der als Mandelkern (Amygdala) bezeichnet wird. 

Dieser Hirnteil vergisst nichts und beschert Panikattacken, die uns scheinbar aus heiterem Himmel überfallen. Der Mandelkern gleicht aktuelle Situationen mit den bereits gespeicherten schlechten Erfahrungen ab und wenn er glaubt, einen Notfall zu erkennen, werden Stresshormone ausgeschüttet. Diese machen den Körper kampf- und fluchtbereit. Um dem entgegen zu wirken, muss das Vertrauen wieder aufgebaut werden. Dies kann lange dauern, ist aber möglich. 


Wo ist der Sitz des Vertrauens im Gehirn? 

Der "Schweifkern", Nucleus caudatus, ist der Sitz des Vertrauens im Gehirn. Das haben US-amerikanische Forscher herausgefunden. In einem Spiel konnten sie beobachten, wie Vertrauen entsteht. Tat ein Spieler einem anderen etwas Gutes, dann bekam er Gleiches zurück. Wer jedoch jemandem Schaden zufügte, wurde vom anderen ebenfalls geschädigt - frei nach dem Motto: "Wie du mir, so ich dir." Ist das Vertrauen einmal hin, so die wissenschaftliche Erkenntnis, dann ist das Gehirn nur schwer vom Gegenteil zu überzeugen. Der Nucleus caudatus ist im übrigen auch für das Verlieben zuständig. 



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen