Mittwoch, 20. August 2014

Stuttgart: Zum Familienrat statt zum Familiengericht

Die Mutter von drei Kindern wird plötzlich schwer krank, Eltern trennen sich und streiten sich um ihre kleine Tochter, der 16-jährige Sohn klaut und schwänzt die Schule. Es gibt viele Krisen, in denen Familien stecken können. Mit einem ungewöhnlichen Angebot versucht das Jugendamt den Betroffenen zu helfen, selbst zu Lösungen zu kommen: Es beruft Familienräte ein, die von Bürgern organisiert werden. Eltern, Großeltern, Kinder, Tanten, Onkel, Freunde und weitere Vertraute kommen im Idealfall zusammen, um einen Plan zu entwickeln.
„Es geht um eine gute Lösung für das Kind, das steht im Mittelpunkt und nicht das Vergangene“, erklärt Heike Hör vom Jugendamt, die das Angebot koordiniert. Je mehr Menschen dabei seien, desto mehr Ideen würden auch entwickelt. Der selbstverantwortliche Ansatz ist so erfolgreich, dass die Stadt den Familienrat nach einer vierjährigen Pilotphase im April ins Regelangebot überführt hat. Rund 140 Familienräte sind abgehalten worden. Einer früheren Evaluation zufolge beurteilten die Fachkräfte des Jugendamts den Familienrat in 90 Prozent der Fälle positiv. Auch 80 Prozent der Beteiligten würden ihn weiter empfehlen.
40 Bürgerkoordinatoren hat das Jugendamt bisher ausgebildet, darunter einen Landwirtschaftsmeister, eine Juristin, IT-Experten und viele Mitbürger mit Migrationshintergrund. 16 Sprachen sind abgedeckt, darunter Türkisch, Kroatisch, Griechisch, Tamil und Ewondo. Weitere Ehrenamtliche sind immer willkommen, Interessierte können sich an Heike Hör unter E-Mail heike.hoer@stuttgart.de wenden. Der Aufwand wird mit 30,68 Euro die Stunde vergütet.
Auf der Seite www.stuttgart.de/familienrat findet sich ein Film über das Angebot. vv


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