Donnerstag, 18. September 2014

Essen: Mutter soll vom Missbrauch an Madeleine W. gewusst haben

Die Mutter der im Schrebergarten ihres Stiefvaters gestorbenen Madeleine W . (23) soll doch schon zu Lebenszeiten ihrer Tochter vom jahrelangen sexuellen Missbrauch gewusst haben. Eine Mitarbeiterin des Essener Jugendamtes berichtete am Dienstag im Mordprozess vor dem Landgericht Essen, dass Madeleine ihr davon erzählt hätte.

PROZESS

Nach über einem halben Jahr Schweigen bricht der Essener Günther O. am Dienstag sein Schweigen. Er gibt zu, den Tod seiner Stieftochter Madeleine verursacht zu haben und sie anschließend bei lebendigem Leibe in seinem Schrebergarten vergraben zu haben.

Thema sind die letzten Monate im Leben der jungen Frau, die am 1. August 2012 aus ihrem Elternhaus in Essen-Borbeck geflüchtet war. Nicht einmal Kleidung hatte sie mitgenommen, als sie im Jugendamt auftauchte. Nur ihre elf Monate alte Tochter, gezeugt von Stiefvater und Opa Günther O. , hatte sie dabei. Sie werde zuhause eingesperrt, sagte sie und bat um Hilfe.

Madleine W. hatte Angst und Panik vor dem Stiefvater

Die Anklageschrift zum Schrebergartenmord von Essen liest sich wie ein Protokoll des Schreckens. Der Stiefvater zeugte ein Kind mit ihr, verfolgte sie nach einer Anzeige. Und ihr Stiefbruder half ihm. Madeleine glaubte, mit ihm zu chatten. Doch am anderen Ende saß der Vergewaltiger.

Angst und Panik, so erinnert sich die Mitarbeiterin des Jugendamtes, löste vor allem ihr Stiefvater aus. Seit vier Prozesstagen sitzt er gemeinsam mit seinem Sohn Daniel O.(21) auf der Anklagebank. Dem 47-Jährigen wirft die Staatsanwaltschaft vor, seine Tochter seit ihrem 14. Lebensjahr sexuell missbraucht und am 11. Februar 2014 in seinem Schrebergarten in Dellwig ermordet zu haben. Erst am 18. Februar fand die Polizei dort ihre Leiche, begraben unter Beton und Erde.

Der Stiefvater hätte während der langen Flucht von Madeleine W. auch intensiv nach ihr geforscht und beim Jugendamt vergeblich versucht, ihren Wohnort zu erfahren. Besonders perfide: Durch eine arglose Freundin bekam Madeleine W. die – tatsächlich fingierte – Todesanzeige von Günther O. übermittelt. Sofort hätte sie den Kontakt zu ihrer Mutter wieder aufnehmen wollen. Doch das Jugendamt konnte sie davon abhalten: Denn nur eine Stunde zuvor hatte Günther O. wieder einmal beim Jugendamt angerufen.

Der Halbbruder brachte Madeleine W. zum Stiefvater

Madeleines Halbbruder sieht sich als Lockvogel missbraucht

Im Mordprozess um die einbetonierte Leiche seiner Halbschwester Madeleine W. (23) lehnt der Angeklagte Daniel O. jede Verantwortung für ihren Tod ab: „Die Wahrheit ist, dass ich die Tat nicht begangen habe.“ Er sei „entsetzt“, dass sein mitangeklagter Vater Günther O. ihm eine Beteiligung...

Gewarnt wurde sie auch, Kontakt zu ihrem Halbbruder aufzunehmen. Doch da hörte Madeleine W. nicht auf die Behörden. Daniel O., wegen Beihilfe zum Mord mitangeklagt, war es, der sie ihrem Stiefvater auslieferte.

Als naiv, lebenslustig und unerfahren schildern die Zeugen die junge Frau. Mit Hilfe der Behörden sei sie auf einem guten Weg gewesen, habe eine Ausbildung beginnen wollen und in Gelsenkirchen eine eigene Wohnung bezogen. Von ihrer Mutter sei sie enttäuscht gewesen. Ihr habe sie nämlich vom jahrelangen sexuellen Missbrauch durch den Stiefvater erzählt, diese hätte ihr aber nicht geglaubt. Vor Gericht hatte die 45 Jahre alte Mutter dagegen gesagt, sie hätte davon gar nichts gewusst.


http://www.derwesten.de/staedte/essen/mutter-soll-vom-missbrauch-an-madeleine-w-gewusst-haben-id9832482.html#plx288779548

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen