Freitag, 5. September 2014

Vogtland: Fall Renneberg - Schulstart mit Hindernissen

Es bleibt dabei: Claudia Renneberg und ihr Sohn müssen trotz Schulanfang in Reichenbach weiter im Awo-Trainingswohnen in Treuen leben. Das Jugendschöffengericht in Zwickau hat den von Anwalt Klaus Bartl eingereichten Antrag, den beiden zu gestatten, ihren Wohnsitz wieder in Reichenbach zu nehmen, als unbegründet zurückgewiesen. Die Unterbringung in Treuen war eine Auflage, um den Haftbefehl gegen die Mutter außer Vollzug zu setzen. Zur Last gelegt wird ihr, sich 2013 mit ihrem in einer Pflegefamilie untergebrachten Sohn "unberechtigterweise ins Ausland abgesetzt zu haben". Richter Stephan Zandtke sieht "die konkrete Gefahr gegeben, dass die Angeschuldigte sehr viel leichter 'die Flucht' ergreifen kann, sollte sie sich nicht mehr in der betreuten Wohnform aufhalten".

Vor der Entscheidung hatte das Gericht Stellungnahmen eingeholt. Während die Staatsanwaltschaft "grundsätzlich keine Einwände" gegen eine Rückkehr nach Reichenbach hatte, sah dies das Jugendamt anders. Es sei unzutreffend, dass das Wohnumfeld in Treuen nicht kindgerecht sei. Zudem bestehe erheblicher Hilfebedarf. Timons Schulbesuch sei ohne Probleme geregelt worden. Das Kind werde "täglich durch ein Taxi abgeholt und direkt bis zur Schule gebracht und auch wieder von dort abgeholt", steht im Beschlusstext des Amtsgerichts. Die Wegstrecke von 15 bis 20 Minuten sei für das Kind nicht beschwerlich.

Fakt ist indes: Timon wird am Nachmittag nicht mit dem Taxi gefahren. Das Jugendamt legte fest, dass Mutter, Vater oder Großeltern das Kind am Nachmittag abholen und nach Treuen bringen sollen.

Am 1. September lief nach Darstellung der Großmutter gleich einiges schief. Claudia Renneberg habe am ersten Schultag ihren Sohn nicht im Taxi begleiten dürfen. Sie habe sich dann selbst ein Taxi genommen und in Reichenbach an der Neuberschule auf ihn gewartet. Das Taxi - Fahrzeit fast 50 Minuten - habe den Jungen nicht direkt vor der Schule, sondern an der Straße herausgelassen; ein unbekannter älterer Mann habe das Kind schließlich zur Schule gebracht. "Das ist einfach eine Gefährdung von Timon", kritisiert die Großmutter.

Das Jugendamt erklärte, es habe die Hinweise geprüft, aber die Schilderung treffe nicht zu. Das Taxi bringe die Kinder bis zur Wendeschleife an der Schule. Der "ältere Herr" sei ein Lehrer gewesen. "Überdies ist es Aufgabe der Eltern, die Kinder auf den Schulalltag vorzubereiten. Dazu gehört auch das Kennenlernen des Schulweges", schreibt Pressesprecherin Kerstin Büttner. Dass Timons Mutter nicht im gleichen Taxi mitfahren durfte, habe "versicherungstechnische Gründe". Zudem befördere das Taxi noch weitere Kinder. Die Fahrtzeit gibt der Vogtlandkreis nun mit 30 Minuten an.

erschienen am 04.09.2014 ( Von Gerd Betka )

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