Mittwoch, 22. Oktober 2014

Eine missglückte Flucht aus einem Heim und die Folgen

Nach einer brutalen Attacke gegen eine Heimerzieherin in Mühlhausen sind am Montag zwei Jugendliche vor dem Landgericht Mühlhausen zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Wegen gefährlicher Körperverletzung sowie schweren Raubs muss ein 15-Jähriger drei Jahre in Haft und ein 16-Jähriger für zweieinhalb Jahre.

 Die Staatsanwaltschaft hatte jeweils ein Jahr längere Strafen gefordert. Die Verteidiger plädierten auf Bewährungsstrafen beziehungsweise erzieherische Maßnahmen. Beide Anwälte hofften, dass nach der Urteilsverkündung die Haftbefehle aufgehoben würden und ihre Mandanten frei kämen.
Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig.
"Es bestand kein Tötungsvorsatz. Die Gewalteskalation ist dennoch unerklärlich", sagte der Vorsitzende Richter Jürgen Schuppner in der nichtöffentlichen Urteilsverkündung.
Schuppner warnte vor einer Bagatellisierung des Vorfalls. Die bei den Angeklagten zum Tatzeitpunkt im Mai 2011 aufgestaute Frustration sei laut Urteil kein Grund für so einen massiven Gewaltausbruch. Auf der Flucht aus dem Kinderheim in Mühlhausen hatte der 15-Jährige mindestens fünf Mal mit einer Hantelstange auf die Nachtwache eingeschlagen.
Der 16-Jährige hatte unterdessen 1000 Euro aus den Geldkassetten der Heimkinder entnommen. Beide haben es nach Gerichtsauffassung als einfacher empfunden, die Nachtwache niederzuschlagen als eine Tür aufzubrechen.
Nach Gerichtsfeststellung hatte die 56 Jahre alte Frau mitbekommen, dass das Duo ausbüxen will. Sie habe die Jungen überreden wollen, ihren Plan aufzugeben und am nächsten Morgen alles zu klären.
Nach den ersten Schlägen und mit schon erheblichen Platzwunden hatte sie die Tür notgedrungen freigegeben und die Polizei rufen wollen.
Der ursprünglich erhobene Vorwurf des versuchten Mordes wurde im Prozessverlauf fallengelassen. Das Gericht kritisierte auch die zum Teil nicht angemessenen Strafen im Heim, die "willkürlich verhängt" worden seien und bei den Jugendlichen zu "angestauter Frustration" geführt hätten.
Der 15-Jährige war vor diesem Ausbruch bereits einmal geflüchtet. Seine Mutter weinte gestern bitterliche Tränen: Sie sei schuld, weil sie ihn ins Heim zurückgebracht habe.
"Du hättest ihn abhalten müssen", sagte Richter Schuppner dem älteren Angeklagten. Das Duo entwendete ein Heimauto, das es in den Straßengraben fuhr. Die Jugendlichen übernachteten im Stadtwald und setzten am Morgen ihre Flucht fort. In Hessen konnten sie festgenommen werden.
Claudia Götze 14.11.11 TA


P.S. So erzeugt man Kriminelle. Niemand schaut sich das Heim an und die Ursachen dieser Handlungen. Geschweige denn, dass man die Ursachen beseitigt. Kindeswohl made in Germany!

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