Sie haben mir dreimal Haus und Existenz umgeworfen, mich von jedem Einstigen und Vergangenen gelöst und mit ihrer dramatischen Vehemenz ins Leere geschleudert, in das mir schon wohlbekannte „Ich weiß nicht wohin“. Aber ich beklage mich nicht; gerade der Heimatlose wird in einem neuen Sinne frei, und nur der mit nichts Verbundene braucht auf nichts mehr Rücksicht zu nehmen. So hoffe ich wenigstens eine Hauptbedingung jeder rechtschaffenen Zeitdarstellung erfüllen zu können: Aufrichtigkeit und Unbefangenheit.

Quelle: Stefan Zweig, Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers, Anaconda Verlag 2013, S. 9f.

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Donnerstag, 30. Oktober 2014

Hamburg: Fall Yagmur: Befragung endet mit Vorwürfen

Mit schweren Vorwürfen gegen den zuständigen Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) im Bezirk Mitte ist die Zeugenbefragung zum Tod der dreijährigen Yagmur aus Hamburg-Billstedt vor dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss der Bürgerschaft zu Ende gegangen. Horst Tietjens, der Chef der Jugendhilfe-Inspektion, bezeichnete die für Yagmur zuständige Mitarbeiterin im ASD als überfordert. Auch die Kontrolle durch den Abteilungsleiter sei schlecht gewesen, so das bittere Fazit von Tietjens. Offensichtlich sei die Frau viel zu unerfahren für den Fall gewesen und habe sich nicht in die Akten eingearbeitet.

Vorwürfe gegen Staatsanwaltschaft und Kita

Außerdem hat es nach der Schilderung des Zeugen offenbar auch Versuche gegeben, die Inspektion zu behindern. Auch an der Staatsanwaltschaft ließ Tietjens kein gutes Haar, wie NDR 90,3 berichtete. Sie habe bei der Befragung des Vaters von Yagmur keine einzige Nachfrage zu den Verletzungen gestellt, die das Mädchen hatte. Und auch die Kita, in die das Mädchen ging, habe sich nicht an das eigene Kinderschutzkonzept gehalten.
Ein Großteil der Vorwürfe steht so bereits in einem Bericht, den Tietjens zusammen mit seinen drei Kollegen im Januar vorgelegt hatte. Von dieser Schärfe war der Parlamentarische Untersuchungsausschuss zum Schluss seiner Zeugenbefragungen dann offensichtlich doch überrascht.

Bezirksamtschef: Mangelnde Zusammenarbeit

Auch Bezirksamtschef Torsten Sevecke sagte am Dienstag aus. Er verteidigte die zuständige ASD-Mitarbeiterin, wie das Hamburg Journal berichtete. Sie sei sehr erfahren gewesen und der Fall sei hervorragend dokumentiert worden. Er sehe die Fehler insbesondere in der fehlenden Zusammenarbeit zwischen Jugendämtern, Familiengericht und Staatsanwaltschaft.

Abschlussbericht soll im Dezember vorliegen

Yagmur war am 18. Dezember 2013 an den Folgen von Misshandlungen gestorben, obwohl das Kind seit seiner Geburt von insgesamt drei Jugendämtern betreut worden war. Im Untersuchungsausschuss geht es nun um die Verantwortlichkeiten. Im Dezember muss der Abschlussbericht vorliegen, damit die Bürgerschaft noch vor den Neuwahlen im Frühjahr über ihn beraten kann. Yagmurs 27 Jahre alte Mutter muss sich derzeit wegen Mordes vor dem Landgericht Hamburg verantworten. Der ein Jahr jüngere Vater des Kindes ist angeklagt, weil er das Mädchen nicht geschützt haben soll. Beide sitzen in Untersuchungshaft.

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