Donnerstag, 30. Oktober 2014

Wesel: Stieftochter sexuell missbraucht - Haft


Sechs Stunden hat das Amtsgericht Wesel am Dienstag verhandelt. Ein heute in Geldern lebender Mann war angeklagt, seine Stieftochter in den Jahren 2004 bis 2008 in zwölf Fällen sexuell missbraucht zu haben. Das Jugendamt wusste von den Taten, erstatte aber aus Schutz vor dem Opfer keine Anzeige.

Wort- und emotionslos verfolgte der Angeklagte am Dienstag die sechsstündige Verhandlung: Dem heute in Geldern lebenden Thomas K. (alle Namen geändert) wurde vor dem Weseler Amtsgericht vorgeworfen, seine im Jahre 1994 geborene Stieftochter Jennifer P. im Zeitraum zwischen 2004 und 2008 in zwölf Fällen sexuell missbraucht zu haben. Der Angeklagte stritt die Vorwürfe ab. Mit seiner Lebensgefährtin Elke P. und den beiden Kindern Jennifer und Tom lebte der 49-jährige Schlosser im fraglichen Zeitraum in Wesel Büderich.

„Ich komme nur nach Hause, wenn Thomas nicht mehr da ist“, hatte Jennifer P. ihrer Mutter am 20. Januar 2008 telefonisch mitgeteilt. Kurz zuvor war sie aus einer psychiatrischen Klinik entlassen worden, in die die Mutter sie nach einem Suizidversuch hatte einweisen lassen.

Jahrelange Übergriffe

In diesem Telefonat berichtete sie der Mutter von den jahrelangen Übergriffen. Eine Anzeige haben beide dennoch nicht erstattet. „Sie hat mir gesagt, dass sie sich umbringt, wenn ich irgendjemandem davon erzähle“, sagte Elke P. unter Tränen aus. Nach einem schweren Unfall im Jahre 2010, in dessen Folge Jennifer P. drei Monate im Koma verbrachte, fiel die Entscheidung, den Stiefvater anzuzeigen.

Ein brisantes Detail kam am Rande heraus: Das Jugendamt wusste in diesen zwei Jahren von den Missbrauchsvorwürfen, verzichtete allerdings auf eine Strafanzeige. Dazu die vom Gericht bestellte Gutachterin: „Das Jugendamt hat mit dem Hinweis auf die psychische Instabilität des Opfers dringend von einer Anzeige abgeraten.“ Die Glaubwürdigkeit der Zeugin zog die Psychologin nicht in Zweifel: „Für eine Falschaussage gibt es kein Motiv. Die Qualität des Aussageinhaltes spricht zudem deutlich dagegen, dass sie sich die Geschichte ausgedacht haben könnte.“

Belastend für den Angeklagten kam hinzu, dass die Mutter des Opfers aussagte, ihr damaliger Lebensgefährte habe die Taten ihr gegenüber zugegeben.

Freispruch gefordert
„Das schlechteste Beweismittel bleibt der Zeuge. Dass sich Aussagen über die Jahre verändern, ist vollkommen normal und menschlich,“ sagte der Richter in seiner Urteilsbegründung. Die Verteidigung hatte aufgrund widersprüchlicher Zeugenaussagen einen Freispruch gefordert. Mit dem Strafmaß von zwei Jahren und sechs Monaten Gefängnis folgte er dem Antrag des Staatsanwaltes.

Erwin Kohl

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