Samstag, 29. November 2014

Bad Segeberg: Jugendamt gibt Fehler zu

Es kommt Bewegung in den Fall der Mutter, die ihre 17 Monate alte Tochter in Bad Segeberg fast zwei Tage lang alleine gelassen hatte. Zunächst hatte die Frau behauptet, dass sie zu Freunden nach Hamburg gefahren sei. Dort wäre sie dann Opfer einer Gewalttat geworden. Deshalb habe sie nicht schneller zu ihrer Tochter zurückkehren können - so die Erklärung der 30-Jährigen am Dienstag. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Kiel hat sie diese Aussage nun widerrufen. Warum sie das Kind 40 Stunden ohne Betreuung, Trinken und Essen ließ, konnte sie nicht erklären.
Mädchen nun in einer Pflegefamilie

Mitarbeiter des Jugendamtes hatten das Kind aus der Wohnung geholt. Es war dehydriert und musste im Krankenhaus behandelt werden. Das Mädchen ist inzwischen bei einer Pflegefamilie untergekommen. Für die Mutter und das Jugendamt ist der Fall jedoch längst noch nicht beendet. Das Jugendamt hat nun bestätigt, dass seine Mitarbeiter Fehler gemacht haben.
Sozialarbeiter verzichtet auf Vermerk

Nach internen Ermittlungen steht laut Amt fest: Bereits einen Tag nach dem Verschwinden der Mutter hatte eine Nachbarin beim Jugendamt angerufen. Ein Sozialarbeiter hatte diesen ersten Hinweis auf das schreiende Kind nicht vermerkt. Das habe arbeitsrechtliche Konsequenzen, sagte Jugendamtsleiter Manfred Stankat - der noch einen zweiten Fehler einräumte.

Eingreifen erst nach drittem Anruf

Nach einem weiteren Anruf seien das Umfeld und die Wohnung der Frau nicht ausreichend überprüft worden. Erst nach einem dritten Anruf befreite das Jugendamt das Mädchen. Beim ersten Besuch der Wohnung der Frau hätten seine Mitarbeiter weder geklopft noch Nachbarn befragt noch durchs Fenster geschaut, so Stankat. Als sie keine Schreie hörten, waren sie unverrichteter Dinge wieder abgezogen. Erst als eine Nachbarin später zum dritten Mal anrief, wurde das kleine Mädchen befreit und medizinisch versorgt.

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