Mittwoch, 19. November 2014

Hamburg - Anklage fordert lebenslang für Yagmurs Mutter

Die wegen Mordes angeklagte Mutter der zu Tode misshandelten dreijährigen Yagmur soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft lebenslang ins Gefängnis. Außerdem solle das Hamburger Landgerichtericht eine besondere Schwere der Schuld feststellen, forderte die Vertreterin der Anklage in ihrem Plädoyer am Dienstag. Dies würde eine vorzeitige Entlassung nach 15 Jahren ausschließen.

Für den ebenfalls angeklagten Vater forderte die Staatsanwaltschaft wegen Totschlags durch unterlassene Hilfeleistung sechs Jahre Haft. Im Dezember 2013 war Yagmur in der Wohnung ihrer Eltern an den Folgen gravierender Verletzungen gestorben.

"Gefühllos, kalt und ohne Mitleid"


Deutlich führte die Vertreterin der Anklage das Leid des kleinen Mädchens vor Augen. "Yagmur ist in den letzten Tagen vor ihrem Tod so viel mehr angetan worden, als nötig gewesen wäre, um sie umzubringen." Das Kleinkind habe "jede Sekunde damit gerechnet, wieder von ihrer Mutter angegriffen zu werden". Gefühllos, kalt und ohne Mitleid habe die 27-Jährige ihr Kind immer wieder geschlagen, getreten, gekniffen. "Nahezu jedes Organ Yagmurs war massiv verletzt." Die Mutter habe das Mädchen gehasst. Warum, sei allerdings unklar. "Das Motiv der Angeklagten für diese schreckliche Tat haben wir nicht erfahren."

"Ihre Lügen ziehen sich durch unsere Akten"

Die Mutter sei impulsiv, aggressiv und manipulativ, sagte die Staatsanwältin. "Ihre Lügen ziehen sich durch den gesamten Bestand unserer Akten." Der Vater sei eher zurückhaltend und still. Beide Angeklagten hatten während des Prozesses geschwiegen. Auch bei der Rede der Staatsanwältin ließen sie keine Regungen erkennen.

Verteidigung: Keine Beweise für aktive Täterschaft

Die Verteidigerin der Mutter bat das Gericht in ihrem Plädoyer um ein "mildes Urteil". Die Richter sollten die Angeklagte nicht wegen Mordes verurteilen, sondern lediglich wegen Körperverletzung mit Todesfolge durch Unterlassen. Eine "aktive Täterschaft" der Frau habe sich in der Beweisaufnahme nicht feststellen lassen. Hingegen lasse sich nicht ausschließen, dass Yagmurs mitangeklagter Vater deren tödliche Verletzungen verursacht haben sein könnte.

"Vater erkannte Lebensgefahr für Tochter nicht"

Der Verteidiger des Vaters plädierte auf höchstens eine Bewährungsstrafe. Durch den Tod seiner Tochter sei der 26-Jährige ausreichend bestraft. Der Anwalt bezeichnete Yagmurs Mutter als "notorische Lügnerin", die ihre Schuld "schamlos und ohne jeden Skrupel" auf seinen Mandanten abgewälzt habe. Dieser habe nicht erkannt, dass seine Tochter in Lebensgefahr geschwebt habe. "Fakt ist: Er hätte handeln müssen." Mit dieser Schuld müsse er für den Rest seiner Tage leben.

"Konnte mir nicht vorstellen, dass sie sterben könnte"

Yagmurs Vater räumte unter Tränen in seinem "letzten Wort" vor Gericht Fehler ein. "Ich hätte für meine Tochter da sein sollen", sagte er. "Ich war der Einzige, der handeln konnte." Zudem betonte er: "Es tut mir innerlich so weh, dass ich kaum Zeit mit ihr verbringen konnte." Er habe sich nicht vorstellen können, dass sie sterben könnte. Yagmurs Mutter äußerte sich nicht.

Plädoyers wegen Attacke verzögert

Wie NDR 90,3 berichtete, verzögerten sich die Plädoyers, weil Yagmurs Mutter vor wenigen Tagen in der Untersuchungshaft von ihrem Mann angegriffen und geschlagen worden war. Daraufhin hatte die Verteidigerin der Frau vor dem Landgericht einen neuen Beweisantrag gestellt.

Laut einem psychiatrischen Gutachten ist die angeklagte Mutter voll schuldfähig. Sie habe ihre Tochter für alles Schlechte in ihrem Leben verantwortlich gemacht, heißt es. Der Prozess läuft seit Mitte Juni. Das Hamburger Landgericht will das Urteil am 25. November verkünden.

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