Dienstag, 18. November 2014

Keine Pflegefamilie für schwerbehindertes Kind? Jugendamt Halle in der Kritik

Das Jugendamt in Halle (Saale) steht heftig in der Kritik. Es verweigere für einen schwerstbehinderten, fünf Monate alten Säugling eine Pflegefamilie, kritisiert der Bundesverband behinderter Pflegekinder e.V. (BbP).
So müsse der kleine Junge in einem Heim statt in einer Pflegefamilie aufwachsen. Die bereits angebahnte Vermittlung durch den sehr engagierten Pflegekinderdienst des betreffenden Jugendamtes in eine Familie sei kurzfristig wenige Tage vor der Übergabe durch den Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) abgesagt worden. Über die Vermittlungshilfe des Bundesverbands behinderter Pflegekinder e.V. (BbP) und den freien Träger Pfiff Hamburg war bereits eine Pflegestelle gefunden und zugesagt worden.
„Mit der Entscheidung des Jugendamtes wird dem kleinen Jungen die Möglichkeit verwehrt, behütet in einer Familie aufzuwachsen“, sagt Waltraud Timmermann, stellvertretende Vorsitzende des BbP. Die Pflegefamilie habe alle Voraussetzungen zur Aufnahme eines behinderten Kindes erfüllt. Aus Sicht der Befürworter wäre diese sowohl aus fachlichen als auch aus emotionalen Gesichtspunkten die bessere Wahl für diesen Säugling gewesen. Die leibliche Mutter halte keinen persönlichen Kontakt zum Kind. Deshalb kritisieren der BbP und Pfiff die Entscheidung des Jugendamtes Halle (hier ASD) als sozialpädagogisch wie rechtlich falsch.
Das Jugendamt Halle habe die Entscheidung inhaltlich nicht begründet, kritisiert der BbP. Weder der Bundesverband behinderter Pflegekinder noch der Fachdienst der Sonderpflege Pfiff Hamburg könnten sie nachvollziehen. Waltraud Timmermann betont: „Die Stadt Halle an der Saale hat sich im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention disqualifiziert. Gemäß Artikel 23 sind unsere Regierung und gerade die Jugendämter verpflichtet, alle Anstrengungen zu unternehmen, um für Kinder mit Behinderungen, die nicht in ihrer Herkunftsfamilie aufwachsen können, Möglichkeiten zu schaffen, damit diese in einem familiären Umfeld leben können. Im SGB XII § 54 Abs. 3 sind das Recht und die Pflicht zur vorrangigen ambulanten familiären Unterbringung eindeutig geregelt.“

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