Mittwoch, 26. November 2014

Yagmurs Mutter zu lebenslanger Haft verurteilt

Das Hamburger Landgericht hat die Mutter der zu Tode misshandelten dreijährigen Yagmur am Dienstag wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Das Landgericht stellte jedoch nicht die besondere Schwere der Schuld fest, die die Staatsanwaltschaft gefordert hatte. Damit kann die 27-Jährige auf eine vorzeitige Entlassung nach 15 Jahren hoffen. Der 26-jährige Vater des Mädchens bekam eine Haftstrafe von vier Jahren und sechs Monaten wegen Körperverletzung mit Todesfolge durch Unterlassen. Er hatte das Kind nicht vor seiner Frau geschützt. Die Staatsanwaltschaft hatte für ihn eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren gefordert. Die beiden Angeklagten nahmen die Urteile ohne sichtbare Regung auf.

Kind von Mutter zu Tode gequält

Die Dreijährige war kurz vor Weihnachten 2013 in der Wohnung ihrer Eltern im Stadtteil Billstedt nach einem Leberriss innerlich verblutet. Bei der Obduktion wurden zudem 83 Verletzungen, Hämatome und Quetschungen sowie ein schlecht verheilter Bruch des Unterarms festgestellt. Das Verfahren sei für das Gericht stärker als andere Prozesse bedrückend und belastend gewesen, sagte der Vorsitzende Richter Joachim Bülter. "Dies vor allem angesichts des Ausmaßes, in dem Yagmur gelitten hat." Das Mädchen habe in den letzten beiden Wochen seines Lebens jede Minute Angst und furchtbare Schmerzen gehabt. Die Mutter habe sich durch Yagmur in ihrer Freiheit eingeschränkt gefühlt und ihr Kind zu Tode gequält. Die Angeklagte habe "im Rechtssinne grausam getötet", sagte der Richter. Sie sei voller Hass gegen ihren Mann und die von ihm sehr geliebte Tochter gewesen und habe beide für ihr verkorkstes Leben verantwortlich gemacht.

Vater reagierte nicht

Der Vater hätte zahlreiche Möglichkeiten nicht genutzt, seine Tochter zu schützen, sagte der Richter. "Sie haben das Prinzip Hoffnung regieren lassen, wo entschlossenes Handeln notwendig gewesen wäre." Der Vater habe schon Monate vor dem Tod Yagmurs gewusst, dass die Mutter das Kind schlägt. Ihm müsse klar gewesen sein, dass sich diese Gewalt ständig steigerte, so der Richter. Er habe aber passiv und lethargisch reagiert. Ratschläge anderer, er müsse etwas dagegen unternehmen, habe er aus Angst, das Kind an das Jugendamt zu verlieren, nicht befolgt.

Versäumnisse der Behörden "beschämend"

Der Richter ging in seiner Urteilsbegründung auch auf einen Bericht der Jugendhilfe ein, in dem zahlreiche Fehlentscheidungen und Nachlässigkeiten der Behörden aufgelistet sind. Die Summe der Unzulänglichkeiten hätten dazu geführt, dass die kleine Yagmur nur drei Jahre und zwei Monate alt geworden sei. Das sei beschämend.

Mädchen seit Geburt von Jugendämtern betreut

Die Versäumnisse der Behörden hatten in dem Fall für Kopfschütteln gesorgt. Yagmur war seit ihrer Geburt von Jugendämtern betreut worden. Im Januar 2013 wurde sie wegen einer lebensgefährlichen Schädelverletzung im Krankenhaus behandelt. Ein Rechtsmediziner erstattete Anzeige wegen des Verdachts auf Kindesmisshandlung, die Staatsanwaltschaft ermittelte. Weil sich die Pflegemutter des Kindes selbst bezichtigte, kam Yagmur gut vier Monate vor ihrem Tod wieder in die Obhut ihrer leiblichen Eltern. Die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen ein, weil nicht geklärt werden konnte, ob die leiblichen Eltern oder die Pflegemutter für die Misshandlungen verantwortlich waren.

Ausschuss legt im Dezember Bericht vor

Ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft geht vor allem den Fehlern der Behörden nach und will am 18. Dezember seinen Abschlussbericht vorlegen.

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Behördenmitarbeiter


Außerdem ermittelt die Hamburger Staatsanwaltschaft gegen Behördenmitarbeiter. "Wir haben die Beweisaufnahme im Hauptverfahren abgewartet und führen das Ermittlungsverfahren nun weiter fort", sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft am Mittwoch. Es werde bereits seit einigen Monaten gegen mehrere Personen ermittelt, die im Rahmen ihrer beruflichen Aufgaben mit der Pflege und Betreuung des Kindes beauftragt waren. Der Vorwurf laute Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht.

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