Donnerstag, 22. Januar 2015

Bad Oldesloe: Kleinkind schluckte Papas Methadon

Von Tim Walther und Rüdiger Gartner


Ein 19 Monate alter Junge hat in Bad Oldesloe in Wasser aufgelöstes Methadon aus einem Glas getrunken. Das Kleinkind kam mit lebensgefährlichen Vergiftungssymptomen in ein Hamburger Kinderkrankenhaus, sein Zustand ist mittlerweile stabil. Polizei und Jugendamt ermitteln.


Der Vorfall hat sich bereits am Sonntagabend in der Straße Schanzenbarg ereignet, wie die Polizei am Dienstag den LN bestätigte. Danach schluckte das Kleinkind in einem unbeobachteten Moment den in Wasser aufgelösten Heroin-Ersatzstoff seines 55-jährigen Vaters. Das Glas stand auf einem niedrigen Tisch und enthielt etwa ein Milligramm Methadon. „Der Mann ist in einem Programm und hat das starke Medikament ordnungsgemäß verschrieben bekommen“, sagte Polizeisprecherin Sonja Kurz.
Die 37 Jahre alte Mutter wählte umgehend den Notruf. Polizei, Rettungswagen und Notarzt sowie auch der Kinder- und Jugendnotdienst waren sofort zu Stelle. Der kleine Junge wurde in ein Hamburger Krankenhaus eingeliefert und kam auf die Intensivstation. Seit Montagnachmittag ist er außer Lebensgefahr. Die Polizei ermittelt nun wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung.
Eine Überdosis Methadon wirkt genauso wie Heroin, kann zu einem Schock und Atemstillstand führen. Nach LN-Informationen hatte die Mutter ihr Kind beim Eintreffen der Rettungssanitäter auf dem Arm, der Junge war also offenbar noch bei Bewusstsein.

Die 37 Jahre alte Frau ist auch beim Jugendamt des Kreises Stormarn bekannt und wird regelmäßig von Betreuern aufgesucht. „Die Frau hat sich bislang immer vernünftig verhalten, war nie auffällig und hat ja auch in diesem Fall umgehend und richtig reagiert“, sagt Wilhelm Hegermann, Leiter des Jugendamts. Er glaubt, dass sich die Frau auch zukünftig gut um den Jungen kümmern werde.
Bislang haben beide Elternteile das Sorgerecht. Dass das so bleibt, sieht Hegermann indes kritisch. „Es wird sicher ein Verfahren eingeleitet, das bis zu einem Kontaktverbot für den Vater führen kann.“ Der 55-Jährige wohnt schon jetzt nicht mit Frau und Sohn im Schanzenbarg, sondern anderswo in Bad Oldesloe.
Im Nachbarschaftstreff Schanze, der sich im gleichen Gebäudekomplex befindet, war der Vorfall gestern noch kein Thema. Auch Maria Herrmann, die das Projekt für die Evangelische Stiftung Alsterdorf leitet, war nur durch Medien informiert worden. „Mir sind die Betroffenen nicht bekannt. Ich weiß auch nicht, ob sie Kontakt zu Besuchern in unserem Nachbarschaftstreff haben“, sagte Maria Herrmann, die auch die SPD-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung leitet.
Das Unglück hätte auch anderenorts passieren können – wenn ein Kleinkind beispielsweise aus Versehen ein Reinigungsmittel trinke, so Herrmann weiter. „Das hat meiner Meinung nach nichts mit einem sozialen Brennpunkt zu tun.“ Nach den Worten von Maria Herrmann sind in der Schanze Drogen oder Methadon bisher keine Themen gewesen: „Es gibt in unserer Einrichtung auch keine Beratung. Wenn jemand mit einem Drogenproblem zu uns käme, dann können wir andere Hilfsangebote vermitteln.“
Der Fall erinnert an den Tod der elfjährigen Chantal in Hamburg-Wilhelmsburg im Jahr 2012. Das Pflegekind war gestorben, nachdem es eine Methadon-Tablette des Vaters genommen hatte. Im Prozess hat die Anklage gerade zweieinhalb Jahre Haft für den Pflegevater gefordert.

 mc/mt

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