Freitag, 23. Januar 2015

Cottbus: Missbrauch an geistig Behinderten und Pflegekind

Weil er einen behinderten Jugendlichen versteckt und missbraucht haben soll, steht ein 53-Jähriger seit Donnerstag in Cottbus vor Gericht. Der Mann aus Lübbenau (Oberspreewald-Lausitz) hat nun zugegeben, den Jungen missbraucht zu haben. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann schweren sexuellen Missbrauch und Kindesentziehung in 152 Fällen vor. Nächster Verhandlungstag ist der 12. Februar.

 Eine Schöffin im Landgericht Cottbus schlägt betroffen die Hände vor das Gesicht, als der Angeklagte schildert, was in seinem Schlafzimmer immer und immer wieder abgelaufen sein soll. Der 53-Jährige spricht leise und stockend. Dutzende Male, so beschreibt er, habe er sich an einem geistig behinderten Jugendlichen auf dem Ehebett vergangen. „Er hat mich machen lassen”, sagt der Mann. Der 14-Jährige habe seine Nähe gesucht, beteuert er zum Prozessauftakt am Donnerstag.
Jungen wochenlang versteckt
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Lübbenauer (Oberspreewald-Lausitz) vor, den Jugendlichen seit Mitte 2013 immer wieder sexuell missbraucht zu haben. Im vergangenen Sommer soll er ihn zudem fast vier Wochen gegen den Willen der Eltern in seiner Wohnung versteckt und sich an ihm vergangen haben. Der grauhaarige Angeklagte gibt dazu an: „Er wollte zu mir.”
Die Polizei begann damals sofort nach dem geistig Behinderten zu suchen, nachdem er die Wohnung seiner Eltern in der Spreewaldstadt verlassen und nicht in seiner Förderschule angekommen war. Die Ermittler kamen bei der Suche auch zweimal bei dem Mann vorbei. Damals habe sich der Jugendliche in einem Hohlraum hinter einem Eckschrank im Schlafzimmer versteckt, sagt der Angeklagte. Die Beamten gingen zunächst wieder, bis die Suche nach fast vier Wochen
im Juli 2014 endete.

Missbrauch zugegeben
Im Wesentlichen gibt der Kraftfahrer - zunächst hatte es geheißen, er sei Taxifahrer - die Vorwürfe des Missbrauchs des Jugendlichen zu. Anders als die Anklage sagt er aber, den zu 80 Prozent geistig Behinderten nicht in den Wochen missbraucht zu haben, als er bei ihm versteckt war.
Als der Vorsitzende Richter deshalb ankündigt, das Opfer vor Gericht befragen zu wollen, sagt die Mutter des 14-Jährigen: „Oh nein.” Sie sitzt dem Angeklagten direkt gegenüber und vertritt ihren Sohn als Nebenklägerin in dem Prozess. Das Gericht will am nächsten Verhandlungstag (12. Februar) zunächst ein Video abspielen, das die damalige Vernehmung des Jugendlichen zeigt. Geladen werde er dennoch, um mögliche offene Fragen zu klären, hieß es.
Der Junge kam zum Computerspielen
Der Angeklagte lernte den Jugendlichen nach eigenen Angaben Anfang 2013 über seine Tochter kennen. Zuerst sei der Jugendliche zu ihm in die Wohnung gekommen, um Computer zu spielen. Nach einer gewissen Zeit hätten sie angefangen, auf dem Bett miteinander zu kuscheln. Dann schildert der Angeklagte detailliert, wie er den Jugendlichen im Genitalbereich anfasste.
Laut Staatsanwaltschaft missbrauchte der Kraftfahrer neben dem Jugendlichen auch im Jahr 2012 seinen damaligen Pflegesohn. Der Mann soll ihm gedroht haben, ihn zurück ins Heim zu geben, wenn er nicht mache, was der Mann von ihm wolle. Zum Teil soll er den Jugendlichen gefesselt haben, um sich an ihm vergehen zu können. Zu diesen Vorwürfen wollte sich der Angeklagte selbst nicht äußern. Sein Verteidiger gab an, dass der 53-Jährige die Vorwürfe bestreite.
Die Staatsanwaltschaft wirft ihm insgesamt sexuellen Missbrauch seiner beiden Opfer in 152 Fällen vor.
Von Anna Ringle-Brändli

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