Donnerstag, 22. Januar 2015

Toter Junge aus Lenzkirch - Welche Verantwortung hat das Jugendamt?

Nach dem Prügeltod eines Dreijährigen im Schwarzwald herrscht Entsetzen bei den Verantwortlichen. Das Regierungspräsidium prüft nun, ob das Jugendamt den Schutzauftrag für den Jungen erfüllt hat.

Dabei geht es um die Frage, warum das Jugendamt den Dreijährigen trotz einer Warnung der Uniklinik Freiburg wieder in die Obhut seines mutmaßlich gewalttätigen Stiefvaters gegeben hatte. Der zuständige Referatsleiter Oliver Morlock erklärte am Donnerstag im Gespräch mit dem SWR, dass das Regierungspräsidium Freiburg als Aufsichtsbehörde untersuche, ob die Behörde rechtmäßig vorgegangen sei.
Auch die Staatsanwaltschaft Freiburg untersucht, ob der Tod des Jungen durch die Behörden hätte verhindert werden können. Allerdings gebe es bislang keine Anhaltspunkte dafür, dass die Behörden gegen Strafrecht verstoßen haben, teilte ein Sprecher mit.
Der Junge sei 2013 und 2014 in der Uniklinik Freiburg in Behandlung gewesen, teilte diese am Mittwoch mit. Dabei sei eindeutig festgestellt worden, dass er schwer körperlich misshandelt worden war. Darüber sei das Jugendamt informiert worden. Die Uniklinik habe im August 2014 die Behörden dringend davor gewarnt, das Kind zurück in die Familie zu geben, sagte eine Sprecherin der Klinik. Dieser Rat sei nicht befolgt worden.
"Wir sind zutiefst erschüttert und sprachlos", sagte der Ärztliche Leiter des Kinderschutzzentrums, Karsten Häffner. Er hatte den Jungen bei seinen beiden Klinikaufenthalten behandelt. Das Kind selbst habe sich ihm gegenüber nicht zu möglichen Misshandlungen geäußert: "Bei einem zwei- bis dreijährigen Kind ist nicht allzu viel verbale Kommunikation zu erwarten", so der Arzt. Dennoch seien die Hinweise eindeutig gewesen.

Klinik erstattete Strafanzeige

So eindeutig, dass die Klinik eigenen Angaben zufolge Strafanzeige erstattete - was nur sehr selten geschehe. Die Ermittlungen gegen den Lebensgefährten der Mutter wurden allerdings aus Mangel an Beweisen im Oktober 2014 eingestellt. Der dreijährige Junge starb am vergangenen Freitag, nachdem er offenbar von diesem verprügelt worden war.
Warum der Junge trotz Warnungen gestorben ist, sei nun eine Frage, die das Jugendamt beantworten müsse, sagte die Ärztliche Direktorin der Kinder- und Jugendmedizin, Ute Spiekerkötter. Mit der Weitergabe des Patienten an den Jugendschutz endet den Angaben zufolge der Zuständigkeitsbereich der Klinik. "Deshalb ist jetzt die Aufgabe zu recherchieren: Wie arbeiten wir zusammen, damit für uns eindeutige Fälle nicht so enden? Irgendwas muss schiefgelaufen sein, an irgendeiner Stelle, sonst wäre der Junge nicht verstorben."

Zwei Tage vorher begann die Familientherapie

Die Behörden weisen jeden Vorwurf zurück. Es sei immer eine Abwägung: "Braucht das Kind jetzt Schutz oder die Familie Unterstützung, um den Erziehungsauftrag durchzuführen", sagte die Sozialdezernentin des Kreises Breisgau-Hochschwarzwald, Eva-Maria Münzer, am Mittwoch. Die Tat sei nicht abzusehen gewesen, die Eltern hätten kooperiert. Es habe "noch nie einen solchen Fall" gegeben, so Münzer - und das bei mehr als 200 Kindeswohlgefährdungen pro Jahr.
Münzer zufolge hatte das Jugendamt zeitweise eine Kontaktsperre zwischen dem Mann und der Familie verhängt. Auch habe es eine regelmäßige ärztliche Kontrolle des Jungen, eine Betreuung der Familie sowie eine Familientherapie angeordnet. Diese begann zwei Tage vor dem tödlichen Zwischenfall.
Rückendeckung bekam das Jugendamt von der Landrätin des Kreises, Dorothea Störr-Ritter (CDU). Im SWR sagte sie, die Mitarbeiter der Behörde hätten gewissenhaft entschieden. Dennoch wolle sie die Abläufe noch einmal unter die Lupe nehmen, um ähnliche Tragödien in Zukunft zu verhindern. Allerdings seien dabei auch rechtliche Rahmenbedingungen zu beachten.

Mann wollte Tat wohl vertuschen


Der 32-jährige Lebensgefährte der Mutter hatte das leblose Kind am Freitag in Titisee-Neustadt zu einem Arzt gebracht und berichtet, es sei eine Treppe hinuntergefallen. Wiederbelebungsversuche halfen nichts mehr. Nach weiteren Ermittlungen der Polizei kamen Zweifel an der Darstellung auf. Sie geht davon aus, dass der 32-Jährige den Jungen am Freitag geschlagen und so getötet hat.
Auch die Obduktion bestätigte, dass der Dreijährige nicht an den Folgen eines Treppensturzes starb. Der Mann sitzt in Untersuchungshaft und hat inzwischen ein Teilgeständnis abgelegt. Nach Angaben des Staatsanwaltes hat er die jüngsten Schläge zugegeben, beharrt aber auf der Version des tödlichen Treppensturzes.



P.S. Manchmal frage ich mich wirklich, ob die zuständigen Landräte überhaupt noch in den Spiegel schauen können, bei soviel Inkompetenz und Unfähigkeit. 

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