Donnerstag, 19. Februar 2015

7 Strafanzeigen im Fall Alessio

Der Fall des getöteten Alessio bewegt die Menschen in Südbaden. Einige haben Anzeige gestellt – gegen die Landrätin oder Mitarbeiter des Jugendamts. Einer von ihnen ist Ex-Pfarrer Bodo Holthaus.

Vor einem Monat starb der drei Jahre alte Alessio aus Lenzkirch. Sein Körper wies Spuren schwerster Misshandlung auf, mutmaßlich zugefügt von seinem Stiefvater. Dieser sitzt seitdem in Untersuchungshaft.
Zeit seines Lebens steht Alessios Familie unter Aufsicht des Jugendamtes. Zweimal muss das Kind in der Uniklinik Freiburg wegen Verletzungen stationär behandelt werden. Rasch haben die behandelnden Ärzte den Verdacht, dass diese von Schlägen herrühren; rasch rückt Alessios Stiefvater in den Fokus, doch die Staatsanwaltschaft stellt die Ermittlungen aus Mangel an Beweisen ein. Sie weist jedoch das Jugendamt darauf hin, dass der Dreijährige geschützt werden müsse. Am 16. Januar 2015 wird Alessio totgeschlagen.

Wie konnte es so weit kommen? Das fragen sich auch viele Südbadener. Sieben haben laut Michael Mächtel von der Staatsanwaltschaft Freiburg mittlerweile Anzeige gestellt, manche gleich mehrfach. "Die Anzeigen richten sich gegen Landrätin Dorothea Störr-Ritter und/oder gegen Mitarbeiter des Jugendamtes", sagt Mächtel. Ob es sich dabei um eine Häufung handelt, kann er nicht sagen. "Wir haben Gott sei Dank nicht viele Vergleichsfälle."

Holthaus will ein Zeichen setzen
 "Es ist modern geworden, eher wegzuschauen und sich nicht zu engagieren."
"Ich hatte gleich das Gefühl, hier haben Leute eklatant versagt und sind ihren Aufgaben und vor allem ihrer Verantwortung nicht nachgekommen", so der Pfarrer im Interview mit der Badischen Zeitung. Er wolle damit ein Zeichen setzen, wolle die Menschen dazu bewegen, hinzuschauen – und nicht wegzusehen.

Alessio sei aufgrund des Versagens der Verantwortlichen ums Leben gekommen. "Das rührt mich so tief an, das kann ich mit Worten gar nicht beschreiben", so 61-Jährige. Er fordert, dass jemand Verantwortung für den Tod von Alessio übernimmt. Bestehe Gefahr für Leib und Leben eines Kindes, könne man nicht hin- und her lavieren. "Da muss man schlicht und ergreifend das Kind in Sicherheit bringen", sagt Holthaus.

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