Montag, 9. Februar 2015

Bad Oeynhausen: Verfahren wegen Kindesentführung eingestellt

Das Verfahren gegen einen Libanesen (37) aus Bad Oeynhausen, der im August 2011 seinen erst fünf Monate alten Sohn aus einer Bielefelder Kinderklinik in sein Heimatland entführt hatte, ist am Donnerstag ohne Auflagen eingestellt worden. Der Mann und seine Frau (25) standen zuvor zudem unter Verdacht, den Säugling misshandelt zu haben.
»Der Junge befindet sich seit Juni 2014 wieder bei seinen Eltern in Deutschland«, sagte Rechtsanwalt Dr. Joachim Baltes, der den Mann und dessen Ehefrau (25), eine deutsche Staatsangehörige libanesischer Herkunft, vertritt.
Das Paar musste sich vor dem Amtsgericht wegen Kindesentziehung verantworten. Ein erster Verhandlungstermin vor zwei Jahren musste abgebrochen werden, da für die Angeklagten ein falscher Dolmetscher bestellt worden war. Den Misshandlungsvorwurf hatte das Landgericht Bielefeld bereits vor einiger Zeit fallen gelassen.
Der Fall hatte 2011 für Schlagzeilen gesorgt: Der Vater hatte das Kind damals in den Libanon gebracht. Der Junge befand sich nach einer Operation in der Kinderklinik Bethel. Er war zu diesem Zeitpunkt bereits zum zweiten Mal mit Hirnblutungen in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Für die Ärzte lag der Verdacht eines so genannten Schütteltraumas nahe, das auf eine Misshandlung hindeuten könnte.
Das Jugendamt übernahm daraufhin formal das Aufenthaltsbestimmungsrecht für den Säugling. Kurz darauf entführte der heute 37-Jährige das Kind in den Libanon und brachte es dort zu den Großeltern. Die gesamte Familie wurde zur Fahndung ausgeschrieben.
Den Ausschlag für die Einstellung des Verfahrens wegen geringer Schuld gab in der Hauptverhandlung jetzt eine richterliche Entscheidung aus dem Libanon. Demnach hatte der Großvater des Säuglings einen Beschluss bewirkt, der verbot, das Kind wieder aus dem Libanon zurück nach Deutschland zu bringen. Die Eltern hätten somit auch nach Aufforderung durch die Behörden keine Möglichkeit gehabt, den Jungen wieder in die Bundesrepublik zu holen. »Welchen Einfluss die Eltern auf diesen Beschluss hatten, können wir nicht feststellen«, meinte Richterin Dr. Tanja Funk. Ein Rechtshilfeersuchen an die libanesische Justiz sei zudem nie beantwortet worden.
Auch konnte nicht abschließend geklärt werden, ob der Vater bereits von der formalen Inobhutnahme durch das Jugendamt wusste, als er seinen Sohn aus dem Krankenhaus mitnahm. »Der Brief war noch nicht zugestellt«, sagte Verteidiger Baltes. Die Mutter des Kindes bestritt zudem, überhaupt an der Tat beteiligt gewesen zu sein. »Ich war zu dem Zeitpunkt mit unserem älteren Sohn in Kanada«, sagte die 25-Jährige.
Vor dem Familiengericht soll in Kürze über die endgültige Rückgabe des vollen Sorgerechts an das Paar entschieden werden. »Der Junge lebt zwar wieder bei den Eltern, nach wie vor haben wir aber die Pflegschaft über das Kind«, sagte Eckhard Mohrmann vom Bad Oeynhausener Jugendamt. Dem mittlerweile Dreijährigen gehe es gut. »Wenn das nicht so wäre, wären wir wieder tätig geworden. Zudem stehen wir im ständigen Kontakt mit der Familie.«

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