Donnerstag, 19. Februar 2015

Brandenburg: Zweifache Mutter wegen Räumung von Inobhutnahme bedroht

Der Termin ist gesetzt, die Behörden sind informiert, nur noch eine glückliche Fügung kann verhindern, dass Doreen F. (*) heute die Obhut über ihre beiden Kinder (drei und zwölf Jahre) verliert. Angesichts von 6300 Euro Mietschulden hat ihr Vermieter eine Räumungsklage durchgesetzt.
 
Der Anruf unter Tränen lässt Unglück erahnen. "Das Jugendamt hat angekündigt, mir meine beiden Kinder wegzunehmen. Die Wohnung wird wegen Mietschulden geräumt, wenn diese nicht bis heute Abend beglichen werden", erzählt Doreen F. am Mittwochnachmittag.

Wie sie sagt, habe sie bis vor wenigen Tagen nicht gewusst, dass eine Räumungsklage gegen sie angestrengt wurde. Weder hätte sie Einschreiben des Vermieters bekommen noch Post vom Gericht. Sie habe nichts unterschrieben und könne sich auch nicht erklären, wie der Betrag von 6300 Euro zustande gekommen sei. "Seit Oktober 2014 habe ich Arbeit und überweise die monatliche Miete von 522 Euro pünktlich. Ich würde doch niemals meine Kinder gefährden, ich habe von der Räumungsklage nichts gewusst", versichert sie gleich mehrfach und vermutet Altschulden als Ursache. Bis zum September 2014 war das Jobcenter Barnim für sie zuständig, dort hätte es schon mal Leistungsprobleme gegeben, die nur per Anwalt zu klären gewesen seien.

Die Recherchen führen zum Barnimer Jobcenter, das seit Januar 2012 für Doreen F. zuständig war. "Wir haben von Beginn an dem Vermieter die Miete in voller Höhe überwiesen. Allerdings reicht der letzte Kontakt der zuständigen Bearbeiterin zu Frau F. in den März 2014 zurück, danach war sie für uns nicht mehr erreichbar. Weder telefonisch noch postalisch, wir bekamen keine Reaktion", stellt Daniel Muschner, Büroleiter der Geschäftsführung des Barnimer Jobcenters, die Erkenntnisse der Behörde dar. Doreen F. habe schließlich "ihre Mitwirkung verweigert", was dazu geführt hätte, dass im Mai letztmalig Gelder an den Vermieter und die Betroffene ausgezahlt wurden. In einem Bescheid vom 25. Juni wurde die "Einstellung aller Zahlungen" festgestellt. Angesichts der aktuellen Situation sei eine schnelle Hilfe nicht zu realisieren, bedauert Muschner. "Frau F. ist länger als sechs Monate bei uns aus der Betreuung heraus, es wäre ein Neuantrag nötig. Und selbst wenn alle Unterlagen sofort vorliegen würden, es wäre unmöglich, ihn noch heute zu bearbeiten", stellt der Büroleiter dar.

Im Barnimer Jugendamt kümmerte sich am Mittwoch Amtsleiterin Yvonne Dankert um den Fall. Sie beschreibt, aus Datenschutzgründen losgelöst vom konkreten Schicksal, wie das Jugendamt bei Räumungen das Kindeswohl sicherstellt. "Bekommen wir eine Räumungsankündigung, dann erfolgt bei uns eine Risikoeinschätzung und wir versuchen, zu vermitteln und beispielsweise Ratenzahlungen zu vereinbaren. Das setzt allerdings die Mitwirkung der Mutter voraus", erklärt sie die Vorgehensweise. Kommt es unausweichlich zur Räumung, nimmt die Behörde die Kinder zwangsläufig in Obhut. "Wir haben die Pflicht, die Kinder zu schützen, es wäre unverantwortlich, wenn sie unter einer Brücke schlafen müssten", so Yvonne Dankert, die aber noch einen Hoffnungsschimmer aufzeigt. "Eine Mutter muss der Inobhutnahme nicht zustimmen. Dann wird ein Gericht darüber entscheiden, das kann dann innerhalb von Stunden erfolgen. Arbeitet eine Mutter hingegen mit und verhält sich kooperativ, könnte es auch zur Entscheidung kommen, dass die Kinder zunächst bei Verwandten untergebracht werden."

Welchen Verlauf die angestrebte Räumung heute nimmt, bleibt abzuwarten. Das Jugendamt, das Wandlitzer Ordnungsamt, ein Gerichtsvollzieher und der Vermieter werden zugegen sein. Doreen F. hat sich am Mittwochabend mit einem Anwalt beraten, der ihre Interessen wahrnehmen wird und die Räumung verhindern soll.
(*) Name geändert

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen