Samstag, 28. März 2015

Vermüllte Wohnung in Osnabrück - Kritik am Jugendamt

Fassungslos standen Jenny Weitzmann und Kamil Alarslan in der vergangenen Woche in der Wohnung, die ihre Mieter Hals über Kopf und völlig verdreckt hinterlassen hatten. Dass in dieser Wohnung auch ein vierjähriges Kind lebte, können sie erst recht nicht fassen und werfen dem Jugendamt Untätigkeit vor. 

„Bei unserem letzten Kontakt gab es keinen Hinweis auf Kindeswohlgefährdung“, sagte Hermann Schwab, Leiter des Fachbereiches für Kinder, Jugendliche und Familien, auf Anfrage der Redaktion. Aus Datenschutzgründen kann er nur bestätigen, dass seine Behörde „geeignete Schritte“ eingeleitet habe.

Ein Plan, in dem der Tagesablauf des kleines Sohnes täglich von 6 bis 19 Uhr minutiös festgehalten ist, lässt auf eine Beteiligung durch das Jugendamt oder eine andere Stelle schließen. Ob die Mutter Hilfsangebote angenommen hat, darf Schwab nicht sagen. Einem Bericht im NOZ-Archiv ist zu entnehmen, dass die Mutter vor einigen Jahren an einem Kochkurs des Kinderschutzbundes teilgenommen hat, also offensichtlich zur Zusammenarbeit mit sozialen Einrichtungen bereit war.

Verdreckter Herd

Ihre damalige Angabe, dass sie Wert auf gesundes Essen lege und täglich frisch koche, lässt beim Anblick des völlig verschmiertes Herdes in der Küche ihrer alten Wohnung stutzen. Dass der Herd benutzt wurde, steht außer Frage. Gereinigt wurde er aber offensichtlich so gut wie nie. Der Zustand der Wohnung ist katastrophal.

Jenny Weitzmann und Kamil Alarslan hatten nach zweieinhalb Jahren die Wohnung mit Hinweis auf Eigennutzung zum 1. April gekündigt. Als die Mieter am 21. März nicht wie vereinbart zur Schlüsselübergabe erschienen und aus der Wohnung übler Gestank kam, ließen sie die Tür im Beisein von Zeugen durch einen Schlüsseldienst öffnen.

Generalrenovierung nötig

Alle Zimmer sind komplett verdreckt und mit Müll vollgestellt. In den Küchenschränken haben sich Insekten eingenistet. Unter den Mülltüten leben Maden. Dicke Staubfäden ziehen sich durch alle Zimmer. Eine Generalrenovierung, bei der die Böden und die gesamte Vertäfelung komplett erneuert werden müssen, bleibt an den Vermietern hängen. Jenny Weitzmann rechnet mit 10000 bis 15000 Euro Kosten. Die bisherigen Mieter leben von Arbeitslosengeld II. Sie können nicht zur Finanzierung herangezogen werden.

Auf Anfrage der Redaktion erläuterte Schwab das Vorgehen des Jugendamtes bei Hinweisen auf Kindesvernachlässigung. Hausbesuche seien nur möglich, wenn die Eltern einverstanden seien. Im Mittelpunkt stehe die Zusammenarbeit mit den Eltern. Nur in einem akuten Notfall könne die Wohnung mithilfe der Polizei betreten werden.

Regelmäßig im Kindergarten

Um sichere Informationen zu bekommen, wendeten sich die Mitarbeiter auch an Kindergärten und Schulen. Erzieher und Lehrer könnten wichtige Hinweise über den Gesundheitszustand der betroffenen Kinder geben. Aus seinen Worten klang heraus, dass der Vierjährige regelmäßig den Kindergarten besuchte und keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen hatte. Dass das Jugendamt erneut Kontakt zur Familie aufgenommen hat, berichtet die ehemalige Vermieterin.

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