Mittwoch, 6. Mai 2015

Hamburg: Das Jugendamt wusste von den Polizeieinsätzen

Das Jugendamt Hamburg-Mitte wusste offenbar von mehreren Polizeieinsätze bei den Eltern, ließ den Jungen aber in der Familie. Warum? Das wollen CDU und FDP jetzt aufklären.

Im Fall des schwer misshandelten Säuglings in Finkenwerder werden weitere Details bekannt – und damit die Fragen nach der Verantwortung des Jugendamtes des Bezirks Mitte lauter. So soll es bereits vor der Tat der vergangenen Woche zu drei Polizeieinsätzen bei Sascha K. und seiner Lebensgefährtin gekommen sein. Wie das "Hamburger Abendblatt" berichtet, gab es zwei dieser Einsätze nach der Geburt des gemeinsamen Sohnes. Beide Male hatte es lautstarken Streit gegeben. Mindestens einmal sei es dabei auch zu Handgreiflichkeiten gekommen. Da sich die Familie bereits seit der Geburt des kleinen Jungen in Betreuung des Jugendamtes befunden hatte, wurde dieses von der Polizei über die Einsätze informiert.

"Wieso ist das Jugendamt nicht sofort eingeschnitten, nachdem ihm die wiederholten Polizeieinsätze in der elterlichen Wohnung bekannt geworden sind?", fragt Philipp Heißner, familienpolitischer Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, angesichts der neuen Fakten. Er fordert nun, dass sich der Familienausschuss der Bürgerschaft so schnell wie möglich mit dem Vorfall befasst. In der Sitzung, so Heißner, erwarte seine Fraktion dann, dass der Senat alle Fakten darstelle und die Verantwortung des Bezirksamts Mitte "umfassend" aufkläre. "Verschleierungsversuche, wie in der Vergangenheit, werden wir nicht hinnehmen", so Heißner. Daniel Oetzel, familienpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion, sieht das sehr ähnlich: "Wir erwarten, dass der Senat angesichts der Tragweite des Vorgangs alle Fragen mit besonderer Sorgfalt und Ausführlichkeit beantwortet, um möglichst bald die Umstände und Hintergründe dieser Tragödie aufzuklären." Beide Fraktionen haben bereits Anfragen zu den Details an den Senat gestellt.

Der tragische Fall des kleinen Jungen ist der vierte unter Aufsicht des Jugendamtes Mitte in den vergangenen Jahren. Anders als die Mädchen Lara-Mia, Chantal und Yagmur, die zu Tode kamen, hat der zwei Monate alte Junge Chancen zu überleben. Sein Zustand hat sich stabilisiert. 


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen