Montag, 4. Mai 2015

Hamburg: ein schwerverletztes Baby und das Jugendamt ging ein und aus

Nach der mutmaßlichen schweren Misshandlung eines Säuglings im Hamburger Stadtteil Finkenwerder ist gegen den 26 Jahre alten Vater Haftbefehl erlassen worden. Der Vorwurf laute Misshandlung von Schutzbefohlenen in Verbindung mit gefährlicher Körperverletzung, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag. Der 26-Jährige sitzt nun im Untersuchungsgefängnis. Am Mittwoch war der zwei Monate alte Junge mit lebensgefährlichen Kopfverletzungen in eine Spezialklinik gebracht worden. Er wurde in ein künstliches Koma versetzt. Sein Zustand habe sich inzwischen stabilisiert, sagte der Sprecher. "Er befindet sich aber nach wie vor in Lebensgefahr."

Zweifel an Version des 26-Jährigen

Der Lebensgefährte der 30-jährigen Mutter des Säuglings gab laut Polizei an, am Mittwochmorgen durch Kindergeschrei wach geworden zu sein. Er will das Kind in den Arm genommen haben. Der Säugling sei dann bewusstlos geworden. Durch eine leichte Ohrfeige sollte das Kind wieder zu sich kommen. An dieser Version hat die Polizei jedoch erhebliche Zweifel. Denn diese Aussagen decken sich nicht mit den ersten kriminalpolizeilichen Ermittlungen. Es bestehe der Verdacht, dass der Vater den Jungen geschlagen habe, so die Polizei. Da sich der Zustand nicht besserte, will der 26-Jährige seine Lebensgefährtin gerufen und er selbst die Rettungskräfte informiert haben. Unterdessen leitete die Mutter Reanimationsmaßnahmen ein. Diese wurden vom eintreffenden Notarzt fortgesetzt.

Familie wurde von Jugendamt betreut

Bei seiner Festnahme war der 26-Jährige den Angaben zufolge alkoholisiert. Er ist der Polizei bereits wegen mehrerer Gewalttaten, Drogendelikten und Diebstahl bekannt. Der Junge wurde seit seiner Geburt vom Jugendamt des Bezirks Hamburg-Mitte betreut. Der Leiter des Jugendamtes sagte NDR 90,3 am Donnerstag, es habe keine Hinweise gegeben, dass die Wohnverhältnisse so problematisch waren, dass man das Kind aus der Familie hätte nehmen müssen. Zweimal wurde das Baby nach Angaben des Jugendamtes einem Kinderarzt vorgeführt. Die Wohnung in der Ostfrieslandstrasse war angeblich verwahrlost, als Notarzt und die Polizei eintrafen. Nachbarn berichteten von lautstarken Auseinandersetzungen des Paares, mehrfach sei die Polizei gerufen worden, um zu schlichten.

Schon mehrere Fälle im Bezirk Hamburg-Mitte

In den vergangenen Jahren gab es im Bezirk Hamburg-Mitte gleich drei tödliche Fälle von misshandelten oder vernachlässigten Kindern, die von den Behörden betreut wurden: Lara Mia, Chantal und Yagmur. Ein Sprecher des Bezirksamts erklärte, die internen Abläufe beim Jugendamt in dem jüngsten Fall würde zurzeit überprüft. Vordringlich sei aber die Zusammenarbeit mit den Ermittlungsbehörden.



 

 

 




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