Sie haben mir dreimal Haus und Existenz umgeworfen, mich von jedem Einstigen und Vergangenen gelöst und mit ihrer dramatischen Vehemenz ins Leere geschleudert, in das mir schon wohlbekannte „Ich weiß nicht wohin“. Aber ich beklage mich nicht; gerade der Heimatlose wird in einem neuen Sinne frei, und nur der mit nichts Verbundene braucht auf nichts mehr Rücksicht zu nehmen. So hoffe ich wenigstens eine Hauptbedingung jeder rechtschaffenen Zeitdarstellung erfüllen zu können: Aufrichtigkeit und Unbefangenheit.

Quelle: Stefan Zweig, Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers, Anaconda Verlag 2013, S. 9f.

http://www.ipetitions.com/petition/kinderrechtejetzt/


Samstag, 9. Mai 2015

Nachricht an Leonie: Grüße und Küsse aus Frankreich


Liebe Leo,

wie du sehen kannst, sind wir zurück aus Frankreich. Es war schön wie immer und ich habe bei vielen Dingen und Begegnungen an dich denken müssen. Fast war ich versucht deine Lieblingsbisquit zu kaufen. Erinnerst du dich?


Ich hätte dir gern eine Schachtel geschickt. Aber deine Mutter und das Jugendamt verbieten das. Du sollst dich endlich fügen. Wie dumm sie doch sind. Eines Tages wirst auch du wieder Frankreich erleben können, denn die Zeit könne sie nicht aufhalten. Wir können das nicht Erlebte zwar nicht nachholen, aber viele Begegnungen und Dinge warten bereits in der Zukunft auf dich.

Küsschen deine Großmutter

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