Montag, 4. Mai 2015

üble Nachrede und die Folgen beim Jugendamt

Aus dem Gericht: 2100 Euro Strafe wegen Missbrauch von Behörden
 
Der Anruf, der das Kitzinger Jugendamt Anfang Juni vergangenen Jahres erreichte, hatte es in sich: Die Anruferin berichtete von einer Frau, die scheinbar von ihrem Partner geschlagen werde und öfter blitzeblau sei. Nicht nur das: Auch das zweijährige Kind der vermeintlich misshandelten Frau zeige Auffälligkeiten, es soll wegen eines Bruchs bereits im Krankenhaus gewesen sein. Das alles habe sie zwar nur vom Hörensagen, so die Anruferin, aber sie sei eben sehr besorgt, vor allem um das Wohl des Kindes.

Das Jugendamt, einmal auf die Spur gebracht, begann mit verschiedenen Überprüfungen: Es gab Telefonate mit dem Kindergarten. Danach Hausbesuche bei den Eltern des Kindes, die aus allen Wolken fielen.

„Die Vorwürfe waren ins Blaue hinein.“
Die Staatsanwaltschaft in ihrem Plädoyer
 
Woher kamen die Beschuldigungen? Wer hatte sie da so böse angeschwärzt? Und warum? Die Fragen führten zu gewissen Verstrickungen, mit denen sich jetzt der Kitzinger Strafrichter beschäftigen durfte.

Fakt ist: Als Ergebnis der Nachforschungen stellte sich heraus, dass an den Vorwürfen nichts dran war. Fakt ist auch: Die 46-jährige Frau hatte Gründe, die Eltern beim Jugendamt in Misskredit zu bringen. Weil es eine Geschichte hinter der Geschichte gibt, die es in sich hat. Die Anruferin ist nämlich die Freundin eines Unternehmers, bei dem der angeschwärzte Familienvater einst angestellt war, ehe es im Streit auseinander ging.

Zwischen den beiden Männern hatte es zum Ende des Beschäftigungsverhältnisses kräftig geraucht – scheinbar bis hin zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung. Nach Aussage des Familienvaters hatte sein ehemaliger Chef einen regelrechten Feldzug gegen ihn gestartet. Der habe ihn beispielsweise auch bei dem neuen Arbeitgeber angeschwärzt.

Dass hier Einiges im Argen liegt, bestätigen auch die Ermittlungen der Polizei. Das Problem beschränke sich dabei nicht nur auf den einen Fall. Es habe zwischen dem Unternehmer und ehemaligen Angestellten „immer wieder Probleme“ gegeben. Wobei es scheinbar System habe, Gerüchte in die Welt zu setzen und die ehemaligen Mitarbeiter schlecht zu machen.

Wobei Gerüchte das eine sind – der Anruf beim Jugendamt ging dagegen einen Schritt zu weit: „Ins Blaue hinein“, so die Staatsanwaltschaft, seien die Vorwürfe erhoben worden. Die Angeklagte habe sich dabei „vor den Karren des Lebensgefährten spannen lassen“.

Das sieht der Verteidiger ganz anders: Mit dem Anruf beim Jugendamt habe seine Mandantin „Verantwortung übernommen“. Es habe genügend Anhaltspunkte für mögliche Misshandlungen gegeben.

Das Gericht kommt zu einem anderen Schluss: Es gab „nicht eine echte Beobachtung“ der Angeklagten. Die letztlich haltlosen Vorwürfe seien „ein schändlicher Missbrauch der Behörden“ gewesen und hätten dafür gesorgt, dass die angeprangerte Familie „heute noch darunter leidet“. Der 46-Jährigen kommt der Anschwärz-Anruf teuer zu stehen: Das Gericht verhängte eine Geldstrafe von 2100 Euro (70 Tagessätze zu je 30 Euro).
 Frank Weichhan

Frank Weichhan

http://www.mainpost.de/regional/kitzingen/Wenn-sich-ueble-Nachrede-als-Sorge-tarnt;art773,8678157 

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