Sie haben mir dreimal Haus und Existenz umgeworfen, mich von jedem Einstigen und Vergangenen gelöst und mit ihrer dramatischen Vehemenz ins Leere geschleudert, in das mir schon wohlbekannte „Ich weiß nicht wohin“. Aber ich beklage mich nicht; gerade der Heimatlose wird in einem neuen Sinne frei, und nur der mit nichts Verbundene braucht auf nichts mehr Rücksicht zu nehmen. So hoffe ich wenigstens eine Hauptbedingung jeder rechtschaffenen Zeitdarstellung erfüllen zu können: Aufrichtigkeit und Unbefangenheit.

Quelle: Stefan Zweig, Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers, Anaconda Verlag 2013, S. 9f.

http://www.ipetitions.com/petition/kinderrechtejetzt/


Freitag, 24. Juli 2015

Hamburg: Fall Yagmur - Ermittlungen gegen Mitarbeiter des Jugendamts eingestellt

Gut eineinhalb Jahre nach dem gewaltsamen Tod der drei Jahre alten Yagmur hat die Staatsanwaltschaft in Hamburg ihre Ermittlungen gegen Mitarbeiter örtlicher Jugendämter eingestellt. Es gebe keinen hinreichenden Tatverdacht für eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen oder andere in Frage kommende Delikte, erklärte die Behörde am Dienstag in der Hansestadt. Das hätten Aktenauswertung und rechtliche Prüfung ergeben.

Yagmur war im Dezember 2013 nach brutalen, anhaltenden Misshandlungen durch ihre Mutter an inneren Verletzungen gestorben. Dafür wurde diese vom Hamburger Landgericht im November vergangenen Jahres wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Entscheidung ist bisher noch nicht rechtskräftig; die Mutter hat Revision eingelegt.

Keine strafbaren Pflichtverletzungen

Die Familie war von Jugendämtern betreut worden, weshalb auch deren Mitarbeiter in den Fokus von strafrechtlichen Ermittlungen rückten. Schon lange vor Yagmurs Tod gab es demnach einen ernstzunehmenden Hinweis auf körperliche Misshandlungen, nachdem das kleine Mädchen mit einer Hirnverletzung in ein Krankenhaus kam. Zeitweise lebte Yagmur auch bei einer Pflegemutter und in einem Heim, kam aber vier Monate vor ihrem Tod zurück zu ihren Eltern. Die Mutter meldete sie kurz davor aus dem Kindergarten ab.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft vom Dienstag fehlt die für eine Anklageerhebung nötige hinreichend sichere Feststellung, dass die Jugendamtsmitarbeiter bei pflichtgemäßem Handeln den Tod von Yagmur verhindert hätten. Weil die Ursache der Verletzungen damals nicht sicher feststand, sei nicht auszuschließen, dass das Mädchen trotz eines Einschreitens zurück zu den Eltern gekommen wäre. Es sei außerdem auch nicht sicher, dass mögliche Maßnahmen der Ämter nach einer Kita-Abmeldung den Tod Yagmurs sicher verhindert hätten. Daher liege kein strafbares Verhalten vor.

Quelle: fsi./AFP

P.S. Das grenzt ja schon an Zynismus.  

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